Hirnforschung Unterm Mystikhelm

Hirnforscher erkunden die Wirkung religiöser Überzeugungen auf Körper und Psyche. Wie die Naturwissenschaft auszog, Gott zu suchen – und dabei den Glauben fand

Gläubige Juden beim Gebet. Hirnforscher wollen herausfinden, was den Glauben im Gehirn manifestiert

Gläubige Juden beim Gebet. Hirnforscher wollen herausfinden, was den Glauben im Gehirn manifestiert

Einmal in seinem Leben wollte sogar der unversöhnlichste Religionsgegner der Gegenwart eine mystische Erfahrung machen. Seit seinem Bestseller Der Gotteswahn ist der britische Biologe Richard Dawkins so etwas wie der Wortführer der modernen Atheisten.

Doch als er von den Versuchen des »Neurotheologen« Michael Persinger hörte, da wurde selbst Dawkins schwach. Denn Persinger, Hirnforscher an der Laurentian University im kanadischen Sudbury, hatte nicht weniger behauptet, als dass er in seinem Labor, quasi auf Knopfdruck, religiöse Erlebnisse hervorrufen könne. Angeblich genügte dazu ein umgebauter Motorradhelm mit Magnetspulen, um das Hirn in göttliche Schwingungen zu versetzen.

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Viele der Versuchspersonen, die in Persingers schalldichter Kammer Platz nahmen, ausgerüstet mit Helm und einer schwarzen Brille, berichteten von erstaunlichen Wirkungen: Sie hätten eine »Präsenz« gespürt, so als ob noch jemand neben ihnen stehe; manche wähnten ihren Schutzengel oder Gott persönlich in der Kammer, andere flohen entsetzt, weil sie meinten, dem Teufel begegnet zu sein.

Forscher untersuchten das Hirn betender Christen und meditierender Mönche

Da sah Dawkins den Moment gekommen, seinen eigenen Unglauben auf die Probe zu stellen. Er reiste nach Sudbury, setzte sich Persingers Helm auf und wartete gespannt auf das, was da kommen sollte. Insgeheim hoffte der Mann, der unter anderem die Festnahme Papst Benedikts XVI. gefordert hatte, wohl auf ein Erleuchtungserlebnis. Doch daraus wurde nichts. Er sei »sehr enttäuscht«, sagte Dawkins nach dem Versuch. Er habe überhaupt nichts gespürt.

Mittlerweile ist auch klar, warum dem Biologen die mystische Erfahrung verwehrt blieb. Denn was in Persingers Versuchsanordnung wirkt, ist nicht etwa die Magnetstimulation, sondern vor allem die Kraft des eigenen Glaubens. Und wo dieser fehlt, bleibt es selbst unter dem Mystikhelm still.

Diese Erkenntnis verdanken wir dem schwedischen Psychologen Pehr Granqvist , der inzwischen Persingers Versuch nachvollzogen hat – allerdings mit einer entscheidenden Veränderung. Der Forscher aus Uppsala achtete nämlich streng darauf, dass in seinem Labor das Mystikexperiment doppelblind ablief. Das heißt: Nur bei der Hälfte seiner Versuchspersonen wurde das Magnetfeld wirklich eingeschaltet.

Doch siehe da: Als die Probanden erwartungsvoll im Dunkeln saßen, abgeschnitten von allen äußeren Reizen, spürten plötzlich auch jene etwas Göttliches, die keinerlei Magnetstimulation ausgesetzt waren. Am Ende war die Zahl der Mystikerlebnisse sogar in beiden Gruppen gleich groß. Der schwedische Psychologe kam jedenfalls zu dem Ergebnis, es hänge vor allem von der »persönlichen Charakteristik« ab, ob jemand bewusstseinserweiternde Erfahrungen mache oder nicht. Wer zum Beispiel für esoterisches Denken aufgeschlossen oder für Suggestionen zugänglich sei, der fühle sich unter dem Motorradhelm schnell entrückt.

Persingers Helm und Granqvists Experiment beweisen vor allem eines: die Macht des Glaubens. Offenbar ermöglicht uns unser Hirn die tollsten transzendentalen Reisen – sofern wir nur glauben, dass wir (zum Beispiel durch Magnetstimulation) dafür einen Freifahrtschein erhalten. Umgekehrt gilt: Wem jeglicher Glaube fehlt, wie Dawkins, dem hilft auch kein noch so kräftiges Magnetfeld auf die Sprünge.

Das Erlebnis des britischen Religionskritikers bestätigt die Resultate all jener Wissenschaftler, die in den vergangenen Jahren zur Erforschung des Religiösen ausgezogen sind. Denn seit von der »Rückkehr der Religion« die Rede ist, haben auch die nüchternen Naturwissenschaften ihr Interesse an einem Thema entdeckt, das zuvor ausschließlich in die Zuständigkeit der geisteswissenschaftlichen Disziplinen zu fallen schien. Hirnforscher haben meditierende Mönche in den Kernspintomografen geschoben, andere durchleuchteten das Hirn frommer Christen beim Psalmrezitieren, Mediziner untersuchten den Einfluss von Gebeten auf den Heilungsprozess von Kranken, und Psychologen ermittelten, ob Gläubige schneller genesen als Ungläubige.

So unterschiedlich die Ergebnisse solcher Studien auch ausfallen, führen sie doch in der Summe zu derselben paradoxen Erkenntnis: Einerseits haben religiöse Einstellungen und geistige Praktiken durchaus nachweisbare Wirkungen auf Körper und Psyche; andererseits hängen diese Wirkungen entscheidend von den Voreinstellungen der Versuchspersonen ab, ihren Werten und kulturellen Prägungen – kurzum: von ihrem Glauben.

Das zeigen auf andere Art auch die Experimente der Hirnforscherin und Theologin Nina Azari. Die Amerikanerin, die derzeit als Chefredakteurin einer gigantischen Enzyklopädie der Wissenschaften und Religionen fungiert, arbeitete vor einigen Jahren noch als Stipendiatin an der Universität Düsseldorf und wollte dort wissen: Welche Wirkung haben Texte, die religiös besonders bedeutungsvoll sind? Was geschieht im Gehirn, wenn Menschen etwa den bekanntesten Psalm der Bibel – »Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln...« – rezitieren?

Um diese Frage zu beantworten, bat Azari zwei Gruppen in ihr Labor: zum einen die Mitglieder einer evangelikalen Freikirche, die sich durch einen besonders strikten Glauben auszeichneten, die Bibel wörtlich als Gottes Offenbarung nahmen und insbesondere das Rezitieren des Hirtenpsalms als sichere Methode ansahen, um in »eine persönliche Beziehung mit Gott« zu treten. Als Kontrollgruppe fungierten sechs entschiedene Atheisten, die mit diesem Psalm nach eigenem Bekunden nichts anfangen konnten.

Während sie alle nacheinander den Hirtenpsalm, ein fröhliches Kinderlied sowie eine Passage aus dem Düsseldorfer Telefonbuch rezitierten, maß Azari ihre Hirnaktivität im Kernspintomografen. Ergebnis: Bei den frommen Christen sprangen bei der Psalmrezitation ganz andere Hirnareale an als bei den Atheisten. Vor allem jene Hirnbereiche wurden bei den Gläubigen aktiv, die zur Steuerung von Aufmerksamkeit, Selbst- und Fremdwahrnehmung, Lernen, Erinnerung und für die Bewertung sozialer Relationen wichtig sind.

Azari schloss daraus, dass solche kognitiven Bewertungsprozesse entscheidend am religiösen Erleben beteiligt sind. »Religiöse Erfahrungen werden selbst strukturiert von früheren und gegenwärtigen Überzeugungen«, sagt Azari, »von der Interpretation eines gegebenen Erfahrungsrahmens.«

Daraus folgt: Religiöses Erleben ist keine zwingende Reaktion des Gehirns auf bestimmte Reize, Rituale oder Meditationstechniken, sondern hängt entscheidend vom sozialen Kontext und von der persönlichen Einstellung eines Gläubigen ab. Das bedeutet aber auch, dass das Phänomen religiöser Erfahrungen gar nicht unabhängig vom jeweiligen Glauben erforscht werden kann. Auch die ausgefeilteste Neurowissenschaft könne uns deshalb nie etwas über Gott erzählen, sagt Nina Azari, und zwar aus einem einfachen Grund: »Das Studienobjekt der Hirnforschung ist der Mensch – und eben nicht Gott.«

Das heißt jedoch keineswegs, dass die Wissenschaft nichts zum Verständnis der Religion beitragen kann. Zwar sagt sie uns nichts über den Gegenstand des Glaubens, aber immerhin etwas über die erstaunliche Fähigkeit des menschlichen Glaubens an sich.

Und der kann gewaltige Kräfte entwickeln. Denn wir sehen die Realität stets durch die Brille unseres Glaubens und unserer Vorurteile. Je nach Perspektive und Überzeugung kann sich ein und derselbe Sachverhalt völlig unterschiedlich darstellen – was nicht nur Psychologen, sondern auch Politiker umstandslos bestätigen. Kurz: Realität ist Ansichtssache.

Wie sehr das für die Religion gilt, belegt die Arbeit des Religionspsychologen Sebastian Murken . In einer onkologischen Fachklinik in Bad Kreuznach hat Murken untersucht, inwieweit der Glaube von Brustkrebspatientinnen ihren Heilungsprozess beeinflusst. Ergebnis: Eine religiöse Orientierung kann tatsächlich bei der Bewältigung von Krankheiten helfen – allerdings nur unter bestimmten Bedingungen.

Hilfe im Glauben fanden vor allem jene Patientinnen, die hochreligiös waren und ein positives Gottesbild hatten, für die der Begriff »Gott« also mit Werten wie Liebe, Mitgefühl, Vergebung besetzt war. Nach dem Motto »Was Gott tut, das ist wohlgetan« konnten sie ihre Brustkrebs-Erkrankung viel besser annehmen, ihr sogar noch einen positiven Sinn abgewinnen und sie damit psychologisch gut verarbeiten.

Wer von den Patientinnen dagegen das Bild eines strengen, strafenden Gottes im Herzen trug, litt in der Klinik verstärkt unter Angst- und Depressionszuständen; diese Frauen machten sich häufig religiös begründete Vorwürfe, sahen ihren Brustkrebs als Strafe für vergangene Sünden an und setzten sich damit noch zusätzlich unter Druck.

Auch die unentschiedenen Vertreterinnen einer »mittleren Alltagsreligiosität« profitierten nicht von ihrem (schwankenden) Glauben. Sie waren in der Klinik vor allem von Verunsicherung und Zweifeln geplagt. Das zeigt, wie sehr die innere Einstellung bestimmt, ob ein Glaube heilsam oder schädlich wirkt – ein Sachverhalt, den Murken in dem schönen Satz zusammenfasst: »Eine Religion hilft vor allem denen, die stark daran glauben, dass sie ihnen hilft.«

Die Experimente bewiesen, dass die Realität des Religiösen geistiger Natur ist

Man könnte also fast so weit gehen, den religiösen Glauben als eine Art Medikament zu beschreiben, als extrem potenten Wirkstoff, der positive Energien mobilisieren kann, der in falscher Dosierung aber auch ungute Nebenwirkungen entfaltet. Das Besondere an diesem Wirkstoff ist, dass wir ihn ausschließlich selbst erzeugen – durch unsere Erwartungshaltung, unser Vertrauen und unsere geistige Einstellung, die in extremer Weise das verändern können, was wir so schlicht als »Realität« bezeichnen.

Das gilt vor allem dann, wenn sich solche Überzeugungen noch durch eine Gemeinde Gleichgesinnter potenzieren. Denn der individuelle Glaube wird schließlich erst durch die Gemeinschaft zur Religion; erst im gemeinsamen Ausüben von Ritualen gewinnt er Kraft, erst im Austausch mit anderen erweist sich sein Sinn (oder Unsinn).

Nun führt uns gerade die Wissenschaft, die ausgezogen ist, knallharte Beweise für die Existenz oder Nichtexistenz Gottes zu finden, am Ende zu der Einsicht, dass die Realität des Religiösen vorrangig geistiger Natur ist. Und das bedeutet zum einen, dass das Phänomen religiöser Erfahrungen nicht unabhängig vom jeweiligen Glauben erforscht werden kann. Es zeigt auch: Ob Begriffe wie Gott, Buddha oder Allah für uns eine Relevanz entwickeln und wirksam werden, hängt allein von uns selbst ab. Die Frage, ob sie nun »tatsächlich« existieren oder sich beweisen lassen, ist dabei zweitrangig, wenn nicht gar irrelevant. An dieser Tatsache beißen sich selbst die härtesten Religionskritiker wie Richard Dawkins die Zähne aus.

 
Leser-Kommentare
  1. Dieser Artikel trifft genau den Punkt, der in der Homöopathiediskussion m. E. zu kurz gekommen ist: Die ausserordentliche Wirksamkeit des Glaubens an ein konstruiertes, in sich schlüssiges System.
    Interessant wäre es noch, herauszufinden, ob alle Menschen über die Begabung zum Glauben verfügen, und ob diese einen genetischen Hintergrund hat, oder komplett über das soziale Umfeld vermittelt wird.
    Gibt es einen Zusammenhang von Intelligenz und Glauben ? Verdrängt Bildung die Glaubensfähigkeit ? Könnte Dawkins das Glauben erlernen ? Kann ein tief Gläubiger diese Fähigkeit einbüssen ?

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    • HaPaRa
    • 19.07.2010 um 21:51 Uhr

    Es gibt einen statistischen Zusammenhang zwischen Intelligenz und Glauben. Dazu ist erst vor ein paar Monaten eine Studie in den USA veröffentlicht worden. Menschen die sich als sehr religiös bezeichnen sind signifikant weniger intelligent, als überzeugte Atheisten und Agnostiker. Der Unterschied ist nicht riesig, aber messbar (ca. 20 IQ Punkte). Wer weniger gut in der Lage ist selbst zu denken, glaubt eher was andere ihm erzählen. Aus ähnlichen Gründen sind weniger intelligente Menschen im Schnitt konservativer, weil sie die Zukunft schlechter einschätzen können und daher mehr angst vor ihr haben.
    Wie Virgilja in Beitrag 10 richtig festgestellt hat: Torheit macht selig.
    Oder Logine in Beitrag 12 mit den Worten G.B. Shaws: "The fact that a believer is happier than a skeptic is no more to the point than the fact than a drunken man is happier than a sober one."
    Dazu fällt mir noch aus der Bergpredigt ein: "Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich."

    Intelligent zu sein ist halt kein Streichelzoo. Diejenigen, die intelligent sind und mit den damit verbundenen Unannehmlichleiten nicht zurecht kommen wählen ja meist den traditionellen Weg des Sich-dumm-Saufens. Na denn Prost!

    Gibt es einen Zusammenhang von Intelligenz und Glauben?
    -Eher nicht, abhängig von der Intelligenz / dem Wissen der Menschen kann / muß man ihnen den Glauben dann unterschiedlich nahebringen. Für denjenigen muß nur das Konzept in sich schlüssig sein.

    Verdrängt Bildung die Glaubensfähigkeit?
    - siehe 1. Antwort

    Könnte Dawkins das Glauben erlernen?
    - siehe 1. Antwort

    Kann ein tief Gläubiger diese Fähigkeit einbüssen?
    - Das hängt davon ab, welchem Glauben er anhängt und welchen Erlebnissen er ausgesetzt ist. Diese können seinen Glauben wahlweise verstärken oder abschwächen. Dies hängt vom Einzelfall und dem mehr oder weniger einschneidenden Erlebnis ab und der Art des Erlebnisses.

    betrachten wollen ... steht ihrer Sicht sicher nichts im Wege!

    • HaPaRa
    • 19.07.2010 um 21:51 Uhr

    Es gibt einen statistischen Zusammenhang zwischen Intelligenz und Glauben. Dazu ist erst vor ein paar Monaten eine Studie in den USA veröffentlicht worden. Menschen die sich als sehr religiös bezeichnen sind signifikant weniger intelligent, als überzeugte Atheisten und Agnostiker. Der Unterschied ist nicht riesig, aber messbar (ca. 20 IQ Punkte). Wer weniger gut in der Lage ist selbst zu denken, glaubt eher was andere ihm erzählen. Aus ähnlichen Gründen sind weniger intelligente Menschen im Schnitt konservativer, weil sie die Zukunft schlechter einschätzen können und daher mehr angst vor ihr haben.
    Wie Virgilja in Beitrag 10 richtig festgestellt hat: Torheit macht selig.
    Oder Logine in Beitrag 12 mit den Worten G.B. Shaws: "The fact that a believer is happier than a skeptic is no more to the point than the fact than a drunken man is happier than a sober one."
    Dazu fällt mir noch aus der Bergpredigt ein: "Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich."

    Intelligent zu sein ist halt kein Streichelzoo. Diejenigen, die intelligent sind und mit den damit verbundenen Unannehmlichleiten nicht zurecht kommen wählen ja meist den traditionellen Weg des Sich-dumm-Saufens. Na denn Prost!

    Gibt es einen Zusammenhang von Intelligenz und Glauben?
    -Eher nicht, abhängig von der Intelligenz / dem Wissen der Menschen kann / muß man ihnen den Glauben dann unterschiedlich nahebringen. Für denjenigen muß nur das Konzept in sich schlüssig sein.

    Verdrängt Bildung die Glaubensfähigkeit?
    - siehe 1. Antwort

    Könnte Dawkins das Glauben erlernen?
    - siehe 1. Antwort

    Kann ein tief Gläubiger diese Fähigkeit einbüssen?
    - Das hängt davon ab, welchem Glauben er anhängt und welchen Erlebnissen er ausgesetzt ist. Diese können seinen Glauben wahlweise verstärken oder abschwächen. Dies hängt vom Einzelfall und dem mehr oder weniger einschneidenden Erlebnis ab und der Art des Erlebnisses.

    betrachten wollen ... steht ihrer Sicht sicher nichts im Wege!

    • HaPaRa
    • 19.07.2010 um 18:49 Uhr

    Ich habe diesen Artikel mit einigem Befremden gelesen. Als dann zum Schluss der Satz "Die Frage, ob sie nun »tatsächlich« existieren oder sich beweisen lassen, ist dabei zweitrangig, wenn nicht gar irrelevant." fiel, war ich dann doch erleichtert. Allerdings ist diese Frage definitiv irrelevant, nicht zweitrangig.
    Die Erkenntnis, dass sich Gott nicht beweisen, widerlegen oder finden lässt, ist ja alt wie die Welt. Oder zumindest so alt wie die Aufklärung. Auch das hat nichts mit Gott selbst zu tun, sondern mit der extrem schwammigen und flexiblen Definition von Gott. Dass Neurologen auszögen, im Gehirn nach Gott zu suchen ist ein klassisches Beispiel populärwissenschaftlicher Zuspitzung auf markige Phrasen, die dem Laien ein falsches Bild vermitteln. Leider bedienen sich einige Wissenschaftler sebst dieses Mittels, weil es Aufmerksamkeit erzeugt und das ist nicht nur der eigenen Karriere förderlich, sondern auch nötig um Geld für ihre Forschung einzuwerben. Aber kein ernsthafter Neurologe oder sonstiger Naturwissenschaftler wird wirklich nach Gott suchen.
    Das Problem ist hier wie so oft die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Einen Artikel über ein solches Thema zu schreiben, der inhaltlich exakt, aber gleichzeitig für den Laien nicht sterbenslangweilig ist, ist sicher schwierig.
    Ich würde mir mal einen Artikel wünschen, der sich mit dieser inhärenten Problematik des Wissenschaftsjournalismus auseinander setzt. Nur so als Anregung.

  2. Oder ist das eine Parodie?
    Oder der Beitrag Nordkoreas zur Hirnforschung?

    "Realität ist Ansichtssache"

    Ach?

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    ...mit dem Verglich tut man einer wunderbaren Sache aber schwer Unrecht.

    ...mit dem Verglich tut man einer wunderbaren Sache aber schwer Unrecht.

  3. >>Die Frage, ob sie nun »tatsächlich« existieren oder sich beweisen lassen, ist dabei zweitrangig, wenn nicht gar irrelevant. An dieser Tatsache beißen sich selbst die härtesten Religionskritiker wie Richard Dawkins die Zähne aus.<<

    Oder sie sehen ihre Thesen bestätigt. Wenn religiöse Erfahrungen extrem unterschiedlichen Inhaltes in ähnlichen Hirnaktivitäten zum Ausdruck kommt, bedeutet das doch eigentlich nur, dass der Mensch eben Homo Religiosus ist; über die Existenz Gottes sagt das nichts aus.

  4. "Ob Begriffe wie Gott, Buddha oder Allah für uns eine Relevanz entwickeln ... "
    Hier wäre bessere Recherche wichtig gewesen: Gott, Buddha und Allah in eine Reihe zu stellen, ist das "Falscheste vom Falschen": Buddha ist kein Gott, sondern der geistige Führer, der tatsächlich gelebt hat, der Buddhisten auf den Pfad zur "Erleuchtung" führen soll. Wenn Buddhisten vor einer Buddhastatue Rituale vollziehen, dann nicht, um Buddha anzubeten, sondern um symbolisch von Siddharta Gautama (der spätere Buddha) "erleuchtet" zu werden.
    Buddhisten haben keinen Gott, der Buddhismus ist daher eine atheistische Religion, wenn man so will. Daher wäre es vor allem interessant, ob es einen Unterschied in den religiösen "Wirkungen" gibt zwischen Menschen, die an einen quasi personifizierten Gott bzw. viele Götter glauben (Christen, Juden, Moslems, Hindus, Naturreligionen) und denen, die das Leben philosophisch sehen (Buddhisten).

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    • ddkddk
    • 19.07.2010 um 21:03 Uhr

    Beim großen Fahrzeug passt der Buddha in Gestalt der Bodhisattvas durchaus in die Reihe von Gott, Allah und vor allem der unzähligen angebeteten Untergötter im katholischen Christentum, Heilige genannt.

    Das Beten zu den Bodhisattvas dürfte durchaus ähnliche Hirnströme auslösen, wie das Beten zu Heiligen mit der Bitte um Unterstützung und Vermittlung.

    • ddkddk
    • 19.07.2010 um 21:03 Uhr

    Beim großen Fahrzeug passt der Buddha in Gestalt der Bodhisattvas durchaus in die Reihe von Gott, Allah und vor allem der unzähligen angebeteten Untergötter im katholischen Christentum, Heilige genannt.

    Das Beten zu den Bodhisattvas dürfte durchaus ähnliche Hirnströme auslösen, wie das Beten zu Heiligen mit der Bitte um Unterstützung und Vermittlung.

    • sane
    • 19.07.2010 um 19:25 Uhr

    Wenn Gott eine menschliche Schöpfung wie die Moral wäre, also sowas wie das personifizierte Über-Ich, könnte man durchaus versuchen seine Nicht-Existenz zu zeigen.

  5. "Einmal in seinem Leben wollte sogar der unversöhnlichste Religionsgegner der Gegenwart eine mystische Erfahrung machen. Seit seinem Bestseller Der Gotteswahn ist der britische Biologe Richard Dawkins so etwas wie der Wortführer der modernen Atheisten." usw.

    Der Einstieg, eigentlich die ganze erste Seite des Textes, ist geschickt formuliert, suggeriert sie doch Aktualität und Zusammenhänge, wo diese nicht bestehen:

    Dawkins Buch kam in seiner englischen Originalfassung 2006 heraus, den Versuch machte er allerdings schon 3 Jahre früher (http://www.telegraph.co.u...)(der Originalversuch Peringers stammt von 2001).

    "Mittlerweile ist auch klar, warum dem Biologen die mystische Erfahrung verwehrt blieb"

    Hier ist "mitlerweile" im Sinne von "seit sechs Jahren" zu verstehen, denn der Artikel aus Uppsala erschien 2004 (http://www.nature.com/new...).

    Die Schlüsse, die der Autor dann im weiteren Verlauf des Artikels zieht, haben dann leider auch mit der Forschung von Persinger und Granqvist recht wenig zu tun.

  6. Wie ich schon auf SPON zu einem aehnlichen Artikel schrieb: es handelt sich hier um kulturelle Indoktrinierung.

    Dawkins behauptet schon in seinem Buch "Gotteswahn", und hat damit Recht, dass so gut wie jeder Mensch von Geburt an mit mystischen Vorstellungen gefuettert und somit geplant zu einem irrationalen Wesen herangezogen wird.

    Man stelle sich einen Menschen vor welcher von all den mystischen Hirngespinnsten separiert aufwaechst und rein rational aufgezogen wird. Diese rationale Erziehung schliesst Moral nicht aus. Was fuer ein Mensch waere dies?

    Wahrlich der echte Uebermensch!

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