Eric de Rothschild »Es ist kein schlechtes Geschäft«
Ein Gespräch mit dem Bankier Eric de Rothschild über die Faszination des Geldes, die Enteignung seiner Familie in Frankreich und die Wahrscheinlichkeit von sozialen Unruhen in Europa

Eric de Rothschild
DIE ZEIT:
Baron de Rothschild, verdienen Sie immer noch gern Geld?
Eric de Rothschild:
Sie könnten mich auch fragen, ob ich gern guten Wein produziere. Natürlich tue ich das.
ZEIT:
Sie machen weiterhin Geld aus Geld?
De Rothschild:
Ja. Sie können Geld mit Geld verdienen oder mit Ideen, mit einem Buch oder indem Sie Land kaufen oder Wein herstellen. Was soll daran schlecht sein? Bei Rothschild spekulieren wir nicht, und wenn, dann nur im Auftrag unserer Kunden. Wir bieten vielmehr Dienstleistungen im Investmentbanking und in der Vermögensverwaltung an. Beides erfordert eine enorm hohe Beratungskompetenz. Dafür erhalten wir eine Kommission.
ZEIT: Würden Sie also sagen, Ihre Bank werde in Sippenhaft mit der Hochfinanz genommen?
De Rothschild: Ich habe eher das Gefühl, dass die Politik nach Sündenböcken sucht und die Banken und andere Finanzakteure dafür herhalten müssen.
ZEIT: Wie bitte?
De Rothschild: Man darf nicht vergessen, dass am Ursprung der ganzen Immobilienkrise in Amerika die Vorgabe der US-Regierung stand, weniger vermögenden Bürgerinnen und Bürgern in Amerika ein Eigenheim zu ermöglichen.
- Der Bankier
Baron Eric Alain Robert David de Rothschild wurde im Oktober 1940 in New York geboren, wohin seine Mutter vor dem Krieg in Europa geflohen war. Später kam er nach Frankreich und studierte dann in den sechziger Jahren Ingenieurwissenschaften an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. Erste berufliche Erfahrungen sammelte er in der familieneigenen Schiffsfrachtgesellschaft Saga, bevor er in den siebziger Jahren ins Finanzwesen wechselte und verschiedene Führungsfunktionen innerhalb des Rothschild-Imperiums übernahm. Im Jahr 1982 verstaatlichte der damalige französische Staatspräsident François Mitterrand die familieneigene Bank in Paris, was Eric und seinen Cousin David bewog, dort ein neues Finanzhaus zu gründen. Sehr rasch florierte das Unternehmen und profitierte von der Börsenhausse der achtziger und neunziger Jahre. Neben seiner Tätigkeit als Bankier leitet Baron Eric de Rothschild seit 1991 auch das familieneigene Weingut Château Lafite und engagiert sich zudem in zahlreichen jüdischen und karitativen Organisationen. Damit trägt er maßgeblich zum Zusammenhalt der Rothschild-Dynastie bei, die ihren Ursprung in Frankfurt am Main hat. Er ist verheiratet und Vater dreier erwachsener Kinder.
ZEIT: Präsident Obamas Bemühen, die Banken künftig strenger zu kontrollieren, ist also ein Mittel, die Schuld auf andere zu schieben?
De Rothschild: Sicherlich hat er eine redliche Absicht. Doch ich bezweifle, ob es der einzig richtige Weg ist, die Banken härter an die Kandare zu nehmen. Vielleicht würde es auch schon genügen, gewisse Finanztransaktionen einzuschränken, wie den Handel mit Kreditversicherungen, den Credit Default Swaps. Wer mit so etwas handelt, spekuliert bloß auf die Ausfallwahrscheinlichkeit von Anleihen und anderen Wertschriften. Wahrscheinlich müsste bei einigen Geschäften auch mehr Kapital hinterlegt werden. Man könnte aber auch zurückgehen zur altmodischen Partnerstruktur im Investmentbanking, in der die Partner mit ihrem persönlichen Vermögen haften. Wir hatten das in unserer Bank in Paris, und ich kann Ihnen sagen, das hatte einen großen Einfluss bei allen Entscheidungen.
ZEIT: Auch damals verdiente man Geld mit den Verlusten anderer.
De Rothschild: An der Börse ist es immer so, dass einer kauft und einer verkauft; der eine verdient, der andere verliert. Das Verbot von Credit Default Swaps würde aber sicher einiges bewirken.
ZEIT: Haben Banker eigentlich eine Moral?
De Rothschild: Die Frage ist falsch. Wenn es Ihr Job ist, mit Aktien zu handeln, dann hat das nichts mit Moral zu tun. Das ist eine Tätigkeit wie jede andere. Menschen verdienen sich damit ihren Lebensunterhalt. Und Banker tragen mit ihrer Arbeit, sofern sie sich an die Gesetze halten, zur wirtschaftlichen Entwicklung bei. Wenn es der Wirtschaft nützt, wie kann es dann unmoralisch sein?
ZEIT: Gibt es einen triftigen Grund dafür, dass Banker besonders viel verdienen?
De Rothschild: Die Wertschöpfung in der Finanzwelt ist einfach größer als in anderen Branchen.
ZEIT: Hatten Sie persönlich nie den Eindruck, Sie würden zu viel verdienen?
De Rothschild: Nein. Wenn Sie wirklich in der obersten Liga mitmischen, ist der Wettbewerb so hart, dass Sie sich das nie fragen. Um ein Mandat wird zumeist so heftig gekämpft, das können Sie sich kaum vorstellen. Plötzlich müssen Sie Hals über Kopf nach Tokyo reisen, oder Sie arbeiten drei Wochen lang rund um die Uhr. Selbst den Geburtstag Ihrer Frau müssen Sie ignorieren. Man muss immer bestens vorbereitet sein und die Argumente kennen. Man darf nie und nimmer einen schlechten Eindruck machen.
- Datum 19.07.2010 - 13:52 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.07.2010 Nr. 29
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Der werte De Rothschild scheint eine ehrlich Haut zu haben.
Dennoch: selbst wenn tatsächlich die Millionäre exorbitante Steuern zahlen werden, sie werden deswegen nicht zur Heilsarmee müßen, dann ist eben ein Porsche weniger in der Garage und eine Luxusvilla steht zum Verkauf. Aber der Arbeiter? Soll er dann 12 Stunden malochen? Eine 7 Tage Woche? Am besten kein Urlaub - macht ja nix - ist ja eh kein Geld da zum wegfahren. Es wird hart für alle - aber es wird nicht für alle existentiell bedrohliche Folgen.
Klar, wenn man als Millardär nur noch Millionen hat...vielleicht auch eine Form von Armut.
"De Rothschild: Hätten wir nichts unternommen, wäre uns nichts anderes übrig geblieben, als ein einfacheres Leben zu führen. Mein Cousin David und ich haben fast bei null wieder begonnen. Wir haben mit zwei Millionen Dollar Eigenkapital eine neue Bank aufgebaut."
Dann hätten die Herren eben ihren Rebensaft persönlich ausgeliefert
Ich kenne Leute die schuften für keine €7 pro Stunde.
in der Vergangenheit hat es gesellschaftlich offensichtlich ausgereiht, wenn jeder 8 Stunden am Tag arbeitet, und heute sind unsere Maschinen sooo viel effizienter geworden; trotzdem sollen wir alle länger arbeiten müssen? Weiß nicht...
"De Rothschild: ... Aber der Markt ist ein kaltes Biest, das keine Moral kennt und kein Herz hat..."
Ein ehrlicher Satz, der sicherlich auf Vieles heutzutage passt.
[...] Die Profiteure der Vergangenheit beginnen die Weichen zu stellen, damit ihresgleichen auch in schwierigen Zeiten obenauf schwimmen, notfalls in Champagne. Hier spricht der Adel in Tradition.
Gekürzt. Bitte kommentieren Sie sachlich und unter Vorbringen von Argumenten. Danke. Die Redaktion/cs
folgt man Herrn Rothschild:
De Rothschild: Wer verliert denn, wenn die Banken niedrigere Gehälter zahlen?
ZEIT: Sie geben die Antworten.
De Rothschild: Der Staat verliert am Ende, weil er weniger Steuern einnimmt. Die Vorsorgeeinrichtungen verlieren, weil sie weniger Renten haben, und die Wirtschaft verliert, weil weniger konsumiert wird. Darum überrascht mich diese Lohndiskussion. Gut nachvollziehen kann ich jedoch die Feststellung, dass in gewissen Fällen das Augenmaß verloren ging.
Was für die Banken gilt, gilt für die sogenannte Realwirtschaft erst recht.
Also, fordert Euer Geld ein, Ihr Unterbezahlten!
De Rothschild ist zumindest für einen reichen, Bankmanager sehr ehrlich. Andererseits unterschätzt er die Arbeitslosigkeit. Die größte Gefahr ist nicht sinkender Wohlstand und längere Arbeitszeiten, sondern Arbeitslosig- und damit Sinnlosigkeit insbesondere junger Menschen.
Erstaunlich, wie unverhohlen und selbstverständlich dieser Herr die Disparitäten der Wohlstandsverteilung, die Menschen in Elend und Kummer stürzen, als "Gesetz" darstellt, dam seine Sippschaft bloß all die Jahrhunderte gewissenhaft und strebsam gefolgt ist.
Im Prinzip braucht niemand mehr weiterzulesen, wenn er auf Seite 1 fast ganz unten bei folgendem Satz angelangt ist:
"Wenn es der Wirtschaft nützt, wie kann es dann unmoralisch sein?"
Die Frage ist nur, WEM die Wirtschaft nützt. Dass sie ihn weich bettet, haben wir alle Verstanden, vor allem seit der 2009er ein wirklich bemerkenswerter Tropfen ist. Ich frage mich, ob ihm schonmal der Gedanke gekommen ist, dass jeder Euro, den er MEHR anhäuft ein Euro ist, den jemand anders weniger hat...
Solange solche [...] mit ihrer Denke zu den "Angesehen" und "Prestigeträchtigen" unserer Gesellschaft gehören, so lange brauch sich niemand zu wundern, dass soziales Elend und weitklaffende Gräben zwischen den gesellschaftlichen Schichten kein Unding sind, sondern beinahe schon so etwas wie eine Tugend, eingebettet in so genannte Naturgesetze.
[Gekürzt, bitte überdenken Sie Ihre Wortwahl. Danke. /Die Redaktion pt.]
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