Urteil gegen "Verbotene Kunst" Schläge für die Künstler!

Ein russisches Gericht hat die Organisatoren der Ausstellung "Verbotene Kunst" zu Geldstrafen verurteilt. Ein Gespräch mit dem Künstler Dmitrij Wrubel über politischen Druck in Russland

DIE ZEIT: Die Organisatoren der Ausstellung Verbotene Kunst, Andrej Jerofejew und Jurij Samodurow, sind wegen »Aufwiegelung zu religiösem Hass« zu Geldstrafen verurteilt worden (siehe ZEIT Nr. 13/10). Wie bewerten Sie das Gerichtsverfahren?

Dmitrij Wrubel: Alle Menschen haben das Recht, die zeitgenössische Kunst und ihre Künstler zu hassen, vor dem Ausstellungssaal zu demonstrieren oder vor Gericht zu ziehen. Aber der Staat hat kein Recht, sich in diesem ideologischen und ästhetischen Streit auf eine Seite zu stellen und die andere Seite eines Verbrechens zu bezichtigen. Denn der Staat soll für alle da sein und die Minderheiten schützen. Vor Gericht aber wurden die Kunstwerke der Ausstellung, die sich der Zensur widmet, zu Beweisstücken in einem Strafverfahren. Das ist Kafka pur. Es mag schön sein, Kafka zu sein, aber es ist schlecht, in einem von Kafka beschriebenen Land zum Helden zu werden.

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ZEIT: Aber das Urteil ist doch vergleichsweise milde ausgefallen?

Wrubel: Das scheint nur Ausländern so. Zum einen sind diese Tausende Euro Strafe viel Geld. Zum anderen ist es trotzdem ein Schuldspruch für Jerofejew, Samodurow und die zeitgenössische Kunst. Die Verteidiger der Angeklagten haben mir gesagt, dass der Text des Urteils fast vollkommen mit den Ausführungen des Staatsanwalts übereinstimme. Sogar bis hin zu den Schreibfehlern.

ZEIT: Was war das Ziel der Ankläger?

Wrubel: Vielleicht ist es eine Warnung an alle: Wenn du zeitgenössische Kunst machst, dann wirst du mindestens solche Probleme bekommen. Jeden Morgen schaue ich in mein Live Journal, in die Kommentarspalten meiner Internetseite, und sehe, dass Intellektuelle, Politiker und Literaten einen gemeinsamen Feind haben: die zeitgenössische Kunst. Das ist erschütternd! Linke wie Rechte schreiben: Diese Künstler verdienen kein Gerichtsverfahren, sondern Schläge. Die ganze Nation vereint sich. Ich habe vorgeschlagen, dass zeitgenössische Künstler künftig ein Abzeichen wie den Davidstern tragen sollten. Vielleicht das Schwarze Quadrat Malewitschs?

Leser-Kommentare
    • Buh
    • 14.07.2010 um 18:26 Uhr

    ...Es gibt nichts besseres als Unterdrückung für Künstler. Es ergebt sie zu revolutionären, zu Provokateuren. Es macht sie du Helden. es ist das gleiche wie die Bücherverbrennungen zur NS-Zeit. Kunst will Provozieren. Dass ist seit Picasso extrem prägent (Auch wenn das sicherlich schon vorher häufiger bestandteil und WZeck von Kunst war.)

    Andereseits ist das ganze garnicht gut für die Gesellschaft und für en Fortschritt. es ist vielmehr ein zeichen, dass Ultrakonservative Christen sehr wohl noch ihren Moralhammer Erheben um einzelne Menschen und ihre Kulturschöpfungen niederzuschlagen. Es ist ein Jammer, dass Religion nach wie vor Unterdrückung, Hass und Gewalt hervorbingt, wo sie doch in der Theorie das Gegenteil erreichen will War Sie schlie´lich lange ERsatz für politischen diskurs, für Wertschöpfungen und für Gesetzgebung. Heute wissen wir, dass derartig dogmatisches zu Aufständen, zu unruhen eben zu Ungerechtigkeit führt. und doch lassen wir es imernoch zu, dass durch Christenhand unterdrückung von Kunst passiert. Tja, was sich nicht alles machen läst, wenn ejder Pups als "verletzung Religiöser" Gefühle ausgelegt werden kann. Auch die Bibel ist in Ihrer Güte oder Boshaftigkeit der Auslegung der jeweiligen Mächtigen und der jeweiligen Kultur unterworfen. Verfassungen unterscheiden sich da garnicht von ihr.

    Ich hoffe, dass in Russland sich in dieser Hinsciht eine Revolution hochziehen lässt. Freiheit der homosexuellen Kunst!

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    Hier lehnen sogenannte Christen den Staat oder das weltliche per se ab.
    Dies ist aber definitiv keine christliche, sondern eine altorientalische Auffassung.
    Jesus und das NT lehnen den Staat eben nicht ab!
    Diese Leute sehen das Ckhristliche als ein Werkzeug ihres Machtausbaus und des Erhaltes ihrer inneren metaphysischen Schmalspur- Ordnung -
    man solte diese schwachen Menschen nicht so hochspielen und sie besser einfach übergehen!

    Hier lehnen sogenannte Christen den Staat oder das weltliche per se ab.
    Dies ist aber definitiv keine christliche, sondern eine altorientalische Auffassung.
    Jesus und das NT lehnen den Staat eben nicht ab!
    Diese Leute sehen das Ckhristliche als ein Werkzeug ihres Machtausbaus und des Erhaltes ihrer inneren metaphysischen Schmalspur- Ordnung -
    man solte diese schwachen Menschen nicht so hochspielen und sie besser einfach übergehen!

  1. Hier lehnen sogenannte Christen den Staat oder das weltliche per se ab.
    Dies ist aber definitiv keine christliche, sondern eine altorientalische Auffassung.
    Jesus und das NT lehnen den Staat eben nicht ab!
    Diese Leute sehen das Ckhristliche als ein Werkzeug ihres Machtausbaus und des Erhaltes ihrer inneren metaphysischen Schmalspur- Ordnung -
    man solte diese schwachen Menschen nicht so hochspielen und sie besser einfach übergehen!

    Antwort auf "Gut für die Kunst.."
  2. 3. "buh"

    unterdrückung ist gut für die kunst?
    in welchen zeitalter leben sie?
    schicken wir doch alle westlichen künstler zur inspiration nach russland , china oder nordkorea, oder was?

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    • Buh
    • 14.07.2010 um 23:56 Uhr

    ...kein plädoyer für die unterdrückung sondern eine behauptung die ich geäussert habe. Die besetn Künstler hatten nunmal die schlimmsten vorraussetzungen. Wurden geächtet. "Impressionist" war seinerzeit einS chimpfwort!

    • Buh
    • 14.07.2010 um 23:56 Uhr

    ...kein plädoyer für die unterdrückung sondern eine behauptung die ich geäussert habe. Die besetn Künstler hatten nunmal die schlimmsten vorraussetzungen. Wurden geächtet. "Impressionist" war seinerzeit einS chimpfwort!

    • Buh
    • 14.07.2010 um 23:56 Uhr

    ...kein plädoyer für die unterdrückung sondern eine behauptung die ich geäussert habe. Die besetn Künstler hatten nunmal die schlimmsten vorraussetzungen. Wurden geächtet. "Impressionist" war seinerzeit einS chimpfwort!

    Antwort auf ""buh""
  3. Auch in deutschen Landen sind sowohl Austellungen wie auch 'künstlerischen' Äußerungen Grenzen gesetzt.

    Natürlich sind die Sujets ein wenig anders - aber die gesellschaftliche Grenzziehung und der Verbotsmechanismus sind GLEICH.

    Stellen Sie sich einfach eine provokante Ausstellung über die Schönheiten der Pädophilie oder Sodomie, Leichenteile a la Prof. Hagens, einen künstlerisch gestalteten Gang Bang vor dem Reichstag oder Karikaturen von Juden vor -
    und die entsprechenden vorlaufenden und nachfolgenden Rechtsstreitigkeiten.

    Kunst ist Teil der sie umgebenden Gesellschaft.
    Über ihre umgebende Gesellschaft kann sie nicht hinausreichen.

    Weder die Beuys'sche Fettecke noch der aufgesteltzte Hasenkadaver haben sich in deutschen Schrankwänden etabliert.

    • jeises
    • 15.07.2010 um 7:02 Uhr

    wird Kunst dem Mob vorgeworfen, um einen Prügelknaben zu haben (NS-´Entartete Kunst`) und um sich selbst zu erhöhen. Die Kultur für alle bleibt dabei auf der Strecke.

  4. Diesen analytischen Ansatz kann man als kritischer Beobachter überall in allen Gesellschaftsformen wahrnehmen, das ist zunächst nichts Neues. Das zeigte die Pop-Art in den USA, das zeigte die abstrakte Moderne im Europa nach dem 1. Weltkrieg, das sieht man aktuell im Iran und China oder in afrikanischen Staaten. Also nichts Neues? Es ist aber gerade heute wichtig, hinter die Strukturen der jeweiligen Kunstrichtungen zu schauen, um an Antworten zu gelangen. Der Kommentar, dass die Kunst Unterdrückung brauche, hat zwar einen wahren Kern, weil Unterdrückung gerade in der Kunst immer einen enormen Widerstand herausgefordert hat, ist aber ansonsten zu simpel gedacht und auch falsch. Die Kunstströmungen, die nach dem zweiten Weltkrieg entstanden sind, entwickelten sich gerade in sehr freiheitlich geprägten Systemen und müssen als Provokation und Systemkritik verstanden werden, also aus einer vitalen oppositionellen Haltung. Was in Russland geschieht, verwundert nicht, denn dort kann man eine sehr gefährliche Allianz zwischen einem "diktatorisch/oligarchischem" System, fundamentalistischer Religionsreaktion und einem tief verwurzelten Rassismus sowie einer Aufklärungsphobie beobachten. Letztere scheinen noch Relikte des Stalinismus zu sein, die wiederum im Putinismus lediglich ein neues, attraktiveres Kleid zur Schau stellen. In Russland wie in vielen anderen ehemaligen Ost-Staaten ist der Prozess einer demokratischen Neuorientierung immer noch in den Geburtswehen.

    W. Neisser

  5. Michail Ryklin, Mit dem Recht des Stärkeren. Die russische Kultur in Zeiten der gelenkten Demokratie, Suhrkamp 2006.

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