So ist das in Europa! Da laufen auch schon mal die Stiere durch die Gassen © Twentieth Century Fox

Der neue Film von James Mangold ist eine Wette darauf, dass man einen Unterhaltungsfilm für Jungs und Mädchen machen kann, der kein fauler Kompromiss ist: eine romantische Screwball-Komödie mit Verfolgungsjagden, Schießereien und Explosionen. Getragen wird das Unternehmen von Tom Cruise und Cameron Diaz. Sie gibt charmant und mit stark überzeichneter Naivität das Fräulein in Nöten, das immer wieder gerettet werden muss, bis es selber Spaß am Ballern und Rasen bekommt. Er aber läuft und schießt und haut und springt – und zeigt dabei eine glatt rasierte, muskulöse Brust, die einem Dreißigjährigen auch gut stehen würde. Den Stauffenberg hat Cruise gründlich hinter sich gelassen. Die Augenklappe ist zurück im Fundus, und er kann auch wieder beide Arme bewegen. Frisch sieht er aus, durchtrainiert, beweglich und allzu bereit, seine Fitness unter Beweis zu stellen. In Wahrheit geht Tom Cruise auch schon auf die fünfzig zu. Doch es scheint offen, ob er für das mittlere Alter jemals eine Form finden wird. In Knight And Day hat er sich für die fröhliche Regression entschieden: In jeder Hand eine Maschinenpistole, Todessprung an Todessprung setzend, Arme und Beine kreisend wie ein Hubschrauber, fliegt und hüpft Cruise durch dieses Abenteuer. Wenn man gemerkt hat, dass er das alles keinesfalls ironisch meint, ist es leider zu spät.

Als CIA-Agent Roy Miller soll Cruise einen Wissenschaftler retten, der den »Zephyr« erfunden hat – eine Batterie, die in eine Damenhandtasche passt, aber »eine kleine Stadt« mit Energie versorgen kann. Um diese Batterie vor seinen Verfolgern zu verbergen, wählt Miller die nichts ahnende June (Cameron Diaz), in deren Gepäck er den Stein der Weisen versteckt. In der Folge wird June von einem Haufen anderer CIA-Leute verfolgt, schließlich von einem Waffenhändler. Die Reise führt von Boston über Salzburg nach Sevilla. Flugzeuge explodieren, europäische Altstädte werden mit Motorrädern und lustigen kleinen europäischen Autos (Smart Cabrio!) in Rennstrecken verwandelt. Als Höhepunkt winkt eine Flucht inmitten der fliehenden Stiere, die aus Sevillas Corrida de Toros entwischt sind.

Auch Zuschauer, die eine Bewerbung von Tom Cruise auf die Nachfolge von James Bond und Jason Bourne mit Sympathie betrachten – Hauptsache, er lässt die Finger von weiteren Rollen in NS-Uniformen! –, werden spätestens hier genervt sein. James Mangold, durchaus ein ernst zu nehmender Regisseur der Mittvierziger-Generation, ist dem Missverständnis aufgesessen, sinnfreie Unterhaltung brauche sich um Plausibilität nicht zu kümmern. Im Gegenteil! Gerade damit wir bei einem solchen Seemannsgarn dabeibleiben, darf man uns nicht von Schauplatz zu Schauplatz katapultieren ohne auch nur den Anschein eines Motivs. Dieser Film scheint einzig von der Notwendigkeit getrieben, immer noch einen Filmfördertopf anzubohren. Ja, Salzburg hat tolle Hotels mit wunderbarer Aussicht. Und Sevilla hat vielleicht die beste Corrida in Spanien. Solche Schauwerte müsste man eigentlich zu schätzen wissen, vor allem mit Cameron Diaz als Reiseführerin. Aber wenn diese Ortswechsel Mal um Mal eingeleitet werden, indem man die Heldin betäubt und sie prompt – »Wo bin ich?« – in einer anderen Kulisse aufwachen lässt, fühlt sich der Zuschauer doch bald für dumm verkauft. Es geht einfach nicht, dass die charmante Frau Diaz, die offenbar nicht auf den Kopf gefallen ist, hier geschlagene zwei Stunden ein Dummerchen spielen muss. Lange hält man sich an die Hoffnung, dies sei eine schlaue Verstellung, aus der Diaz sich bald als schlagfertige Traumfrau herausschälen werde, mit der man Pferde stehlen kann.