Kinofilm "Knight And Day" Bomben und HerrenwitzeSeite 2/2
Aber nein. Der Witz dieses Films soll tatsächlich darin bestehen, dass June, die Landpomeranze, von Roy, dem coolen Agenten, durch die Welt geschleift wird. Erfreulicherweise wird bei dieser Tour de Force zwar ein Zwischenstopp auf einer Palmeninsel eingelegt, wodurch Frau Diaz Gelegenheit erhält zu beweisen, dass ein Bikini ihr ausgezeichnet steht. Aber dann dieser müde Witz darüber, wie sie denn in dieses Kleidungsstück gelangt sei – war sie doch wieder einmal bewusstlos geworden: Cruise sagt, er sei schließlich trainiert worden, im Dunkeln mit einer Büroklammer Bomben zu entschärfen, da bereite es ihm keine Probleme, eine Dame umzuziehen, ohne hinzuschauen. Uff! Das ist auch schon der erotische Gipfel dieses Films – ein Herrenwitzchen aus den Fünfzigern.
Es würde sich kaum lohnen, dieser Pleite hinterherzuspüren, wenn es um Cameron Diaz nicht so schade wäre: ist sie doch die legitime Erbin des schrägen Charmes von Ellen Barkin. Unverschämt genug, dass so eine Frau als Dummerchen besetzt wird. Um James Mangolds Talent ist es gleichfalls schade. In Cop Land hat er immerhin das Kunststück vollbracht, Sylvester Stallone als einzigen nicht korrupten Polizisten in New Jersey neben Robert de Niro und Harvey Keitel so einzusetzen, dass man diesem Fleischklops glatt ein zweites Leben als ernsthafter Schauspieler zugetraut hätte. Und Walk The Line mit Joaquin Phoenix als Johnny Cash war ein großartiges, bewegendes Künstler-Melodram.
Der Versuch, in Knight And Day eine Action-Romanze vorzulegen, die Jungs und Mädchen gleichermaßen reuelose Unterhaltung bietet, ist gründlich schiefgegangen. Es ist zwar vieles da – der Waschbrettbauch für sie, die Bikinifigur für ihn, viele Explosionen und leider nur ein paar witzige Dialoge. Aber dieser Film lässt einen wütend zurück, weil er unser Bedürfnis nach intelligentem Eskapismus nicht ernst nimmt, sondern in krawalliger Behäbigkeit darauf herumtrampelt. Die Animationstechnik entpuppt sich als Fluch. Es ist eben heute alles möglich – etwa Stiere in eine Verfolgungsjagd einzukopieren oder einen Jumbo im Kornfeld landen zu lassen. Doch ohne Plot nerven solche Effekte nur.
Eine einzige Passage zeigt, was möglich wäre mit Mangolds Material: Der europäische Waffenhändler verabreicht June ein Wahrheitsserum, damit sie ihm verrät, wo die Batterie ist. Daraufhin plappert sie munter alles aus, was ihr durch den Kopf rauscht, inklusive Tipps zur guten Lebensführung (»Auf die kleinen Dinge kommt es an«), bis der Gangster »Genug!« brüllt. Hier, endlich, darf Cameron Diaz ihre Selbstironie ausspielen. Aber weil sie in diesem Film an einen Partner gefesselt bleibt, der dieses Konzept nicht kennt, hilft das am Ende auch nichts mehr.
- Datum 15.07.2010 - 17:22 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.07.2010 Nr. 29
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Na ja, Tom Cruise hat ja auch den offiziellen Dienstgrad "Operierender Thetan der Stufe VII" des Scientologie-Konzerns, ääh, -Sekte, nein, Entschuldigung, der -Kirche. Da muss man sich natürlich auch fit halten und uns beschränkten Sterblichen zeigen, wo es lang geht.
Wenn man mal wirklich des Thetans eigene Worte ohne Drehbuch hören möchte, hier ein YouTube-Schmankerl:
http://www.max.de/pop-kul...
Die Sensibilisierung potentieller KinogängerInnen hinsichtlich der Aktivitäten eines Hollywood Schauspielers in der Scientology-Sekte sind in Europa, speziell Deutschland sicherlich andere als in den USA. Neben Cruise, auf den in letzter Zeit diesbezüglich stärker fokussiert wird, bekennen sich u. a. Brad Pitt, John Travolta, Kelly Preston (Ehefrau John Travolta), Nicole Kidman, Demie Moore, Sharon Stone, Jenna Elfman (Dharma und Greg), Leah Remini (King of Queens) zur Mitgliedschaft und betätigen sich als Unterstützer.
Mag sein, der Zuspruch zu Filmen mit Cruise hat auch wegen seines Images hier nachgelassen. Die Produzenten in Hollywood interessiert ein anderes Ranking. Dieses misst den Faktor, mit dem sich HauptdarstellerInnen an der Kinokasse bezahlt machen.
Und da ist von den oben genannten derzeit nur Brad Pitt unter den erfolgreichsten Zehn (u. a. Will Smith, Matt Damon, Johnny Depp, Leonardo DiCaprio, Angelina Jolie, Tom Hanks, George Clooney).
Wen wir also in nächster Zeit auf großer Leinwand wiedersehen (dürfen) hängt in erster Linie vom Zuspruch des englisch sprachigen Publikums ab und weniger von
(berechtigten) Warnhinweisen bezüglich der Freizeitaktivitäten unserer Leinwandhelden.
So ist das im realen Kino unseres Lebens ;-).
Tom Cruise wird auch älter. Um nicht in Vergessenheit zu geraten muss er sich in o.g. Filmen abstrampeln. Seine Mitgliedschaft bei den Scientologen macht ihn nicht sympathischer.
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