Staatsverschuldung Vorsicht, Pleite!
Eine Konkursordnung für Staaten kann den Falschen treffen
Zu den Besonderheiten dieser Krise gehört, dass bislang auf der ganzen Welt noch kaum ein Gläubiger sein Geld verloren hat. Als die Banken in Zahlungsschwierigkeiten gerieten, sprangen die Staaten ein, und als einige Staaten in Schwierigkeit gerieten, sprangen andere Staaten ein.
Weil auf diese Weise fast immer alle Schulden bedient wurden, blieb die große Panik bisher aus. Einerseits. Andererseits aber läuft der Staat damit Gefahr, sich zum Büttel der Kapitaleigentümer zu machen, deren Zinszahlungen er garantiert.
Das macht den Berliner Vorschlag eines Insolvenzrechts für Staaten in Europa so interessant. Denn Insolvenz bedeutet: Auch die Gläubiger werden an den Kosten eines Zahlungsausfalls beteiligt – sie müssen auf Zinsen verzichten oder einen Wertverlust ihrer Anleihe akzeptieren. Was für Firmen selbstverständlich ist, galt für Staaten wegen der Panikgefahr bislang als nicht durchsetzbar.
Das hatte Folgen: Griechenland konnte sich nur mit billigem Geld vollsaugen, weil Investoren wussten, dass sie im Falle eines Scheiterns nichts zu befürchten haben. Die Beteiligung der Gläubiger, so argumentiert nun die Bundesregierung, soll die Märkte erziehen und zur Vorsicht zwingen. Das ist nicht ungefährlich. Auch wenn geordnete Umschuldungsverfahren existieren, ist eine Staatspleite – zumal in einer Krise – eine riskante Unternehmung mit unkalkulierbaren Folgen.
Klar ist auch, dass ein Insolvenzverfahren im Zweifel vor allem den Schuldennationen nützen wird. Zwar müssen die finanzstarken Länder derzeit im Krisenfall mittels des europäischen Rettungsfonds für den Süden Europas bürgen. Doch davon profitieren sie selbst. Wenn Griechenland, Spanien , Portugal & Co. unter strengen Auflagen ihre Haushalte sanieren, dann tun sie das auch, um ihre Schulden pünktlich bedienen zu können.
Ein großer Teil der Schuldpapiere liegt aber in den Depots deutscher und französischer Banken und Versicherungen. Die Griechen sparen also, damit die Allianz in Deutschland ihre Lebensversicherungen ausbezahlen kann.
Das Problem nun: Die Schuldner könnten auf die Idee kommen, die neue Regel zu nutzen, um sich für zahlungsunfähig zu erklären. Weil sie genau das befürchtete, hintertrieb die Wall Street einst die Bemühung des Internationalen Währungsfonds um die Einführung eines globalen Insolvenzverfahrens. Angela Merkel will einen Missbrauch durch eine Einschränkung der Souveränität der Pleitestaaten verhindern. Ob sie sich damit durchsetzt, ist aber fraglich.
Eine Insolvenz zieht die Gläubiger zur Verantwortung und kann deshalb in der Krise für eine gerechtere Lastenverteilung sorgen. Das sparfreudige Deutschland aber ist eine der größten Gläubigernationen der Welt – im Insolvenzfall wird es den Preis für diese vermeintliche Stärke bezahlen müssen.
- Datum 15.07.2010 - 17:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 15.07.2010 Nr. 29
- Kommentare 17
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Es ist einerseits schon richtig, daß die Deutschen am meisten von einer Insolvenz der Griechen, Spanier, Italiener etc. zu verlieren hätten. Aber wenn die Insolvenz nicht geordnet vonstatten geht, dann geht sie eben ungeordnet. Es ist ja nicht so, daß man einfach frei wählen könnte, ob man pleite gehen will oder nicht.
.. sind etwas Alltägliches im Wirtschaftsleben. Daran sollten sich die großen Banken, Versicherungen und andere Kapitalsammelstellen, die sich mit Tunnelblick auf den Triple A-Stempel der Rating-Agenturen verlassen haben, so langsam mal gewöhnen. Und es trifft sie ja nicht einmal! Einschnitte müssen in dem Spiel lediglich die gutgläubigen Sparer hinnehmen (ob als Anleger oder Steuerzahler, der angeschlagene Banken oder Staaten rettet, das macht am Ende keinen großen Unterschied mehr).
Deshalb: Flächendeckende Verschärfung der Eigenkapital-Anforderungen für Finanzinstitute - jetzt oder nie!
sondern deutsche Banken, Versicherungen, Fonds usw., welche betroffen wären. Da mir weder Aktien der Deutschen Bank, noch der Allianz gehören, erlaube ich mir, da noch einen kleinen feinen Unterschied zu machen.
Solln se doch zahln - aber nicht von meinen Steuern!
Hoffentlich auch keine Lebensversicherung, keine Berufsunfähigkeitsversicherung, keine private Krankenversicherung, keine Mitgliedschaft in einem Versorgungswerk. Haben alle wie die Weltmeister Sparanleihen gekauft. Weil angeblich mündelsicher.
Auch der Kleinstsparer der seine 2% auf's Tagesgeld bekommt, eine Haftpflichtversicherung hat und "riestert" wäre direkt betroffen. Und wo soll mal das Geld für die im Ruhestand befindlichen deutschen "Baby Boomer" kommen? Es ist instinktiv das vollkommen richtige wenn viele Deutsche einen guten Teil ihres Einkommens auf die hohe Kante legen. Und dieses Geld dann von den Banken als "Kapital" in aller Welt angelegt wird (sprich: Kredite vergeben werden). Denn aus dem Inland werden die Renten der Deutschen in Zukunft nicht gezahlt werden können. "Ich habe eingezahlt", ja das sagt der deutsche Rentner seit eh und je. Mag ja sein.
Aber tatsächlich sind seine Beiträge schon lange ausgegeben, damit hat der Beitragszahler u.a. die Renten seiner eigenen Eltern bezahlt. So funktioniert nun einmal der Generationenvertrag. Es ist viel mehr ein Leben auf Pump - und bleiben die nötigen Zahlungen um das am Laufen zu halten mal teilweise aus kollabiert das Kartenhaus. Das wäre erwartbar ohne große Auslandsvermögen der Fall, da im deutschen Inland die Zahl der Erwerbstätigen durch den demographischen Wandel schrumpft und damit die Inlandswertschöpfung. Also muss das Geld aus dem Ausland kommen. Das ist alternativlos. Die Deutschen würden sich wieder einmal in's eigene Fleisch schneiden wenn sie ihren Schuldnern jetzt auch noch erlauben würden ihren Zahlungsverpflichtungen so einfach zu entschlüpfen.
... mir zuvorgekommen.
Es ist doch aber interessant zu sehen, wie durch eine ganz merkwürdige Vermischung von Begriffen ("Schuldner- und Gläubigernation") auf einmal wieder ein gänzlich unangebrachtes "Wir-Gefühl" erzeugt werden soll, so im Sinne der Neuen Sozialen Marktwirtschaft:
Wenn Verluste auftreten, haben auf einmal "Wir" über unsere Verhältnisse gelebt, und die (privaten) Gläubiger müssen dafür entschädigt werden - sozial ist heute, was an Verlusten sozialisiert werden kann.
Ausserdem vermag ich nicht zu sehen, dass man "den Griechen" geholfen hätte? Das hätte ja doch nur passieren können, wenn man ihnen die Möglichkeit gegeben hätte, ihre Zahlungsbilanz auszugleichen, also etwa mehr Metaxa nach Deutschland zu exportieren? Oder mehr Urlauber anzulocken?
Gut, die frisch gekauften Fregatten und UBoote produktiv einzusetzen, ist vergleichsweise schwierig -
Hoffentlich auch keine Lebensversicherung, keine Berufsunfähigkeitsversicherung, keine private Krankenversicherung, keine Mitgliedschaft in einem Versorgungswerk. Haben alle wie die Weltmeister Sparanleihen gekauft. Weil angeblich mündelsicher.
Auch der Kleinstsparer der seine 2% auf's Tagesgeld bekommt, eine Haftpflichtversicherung hat und "riestert" wäre direkt betroffen. Und wo soll mal das Geld für die im Ruhestand befindlichen deutschen "Baby Boomer" kommen? Es ist instinktiv das vollkommen richtige wenn viele Deutsche einen guten Teil ihres Einkommens auf die hohe Kante legen. Und dieses Geld dann von den Banken als "Kapital" in aller Welt angelegt wird (sprich: Kredite vergeben werden). Denn aus dem Inland werden die Renten der Deutschen in Zukunft nicht gezahlt werden können. "Ich habe eingezahlt", ja das sagt der deutsche Rentner seit eh und je. Mag ja sein.
Aber tatsächlich sind seine Beiträge schon lange ausgegeben, damit hat der Beitragszahler u.a. die Renten seiner eigenen Eltern bezahlt. So funktioniert nun einmal der Generationenvertrag. Es ist viel mehr ein Leben auf Pump - und bleiben die nötigen Zahlungen um das am Laufen zu halten mal teilweise aus kollabiert das Kartenhaus. Das wäre erwartbar ohne große Auslandsvermögen der Fall, da im deutschen Inland die Zahl der Erwerbstätigen durch den demographischen Wandel schrumpft und damit die Inlandswertschöpfung. Also muss das Geld aus dem Ausland kommen. Das ist alternativlos. Die Deutschen würden sich wieder einmal in's eigene Fleisch schneiden wenn sie ihren Schuldnern jetzt auch noch erlauben würden ihren Zahlungsverpflichtungen so einfach zu entschlüpfen.
... mir zuvorgekommen.
Es ist doch aber interessant zu sehen, wie durch eine ganz merkwürdige Vermischung von Begriffen ("Schuldner- und Gläubigernation") auf einmal wieder ein gänzlich unangebrachtes "Wir-Gefühl" erzeugt werden soll, so im Sinne der Neuen Sozialen Marktwirtschaft:
Wenn Verluste auftreten, haben auf einmal "Wir" über unsere Verhältnisse gelebt, und die (privaten) Gläubiger müssen dafür entschädigt werden - sozial ist heute, was an Verlusten sozialisiert werden kann.
Ausserdem vermag ich nicht zu sehen, dass man "den Griechen" geholfen hätte? Das hätte ja doch nur passieren können, wenn man ihnen die Möglichkeit gegeben hätte, ihre Zahlungsbilanz auszugleichen, also etwa mehr Metaxa nach Deutschland zu exportieren? Oder mehr Urlauber anzulocken?
Gut, die frisch gekauften Fregatten und UBoote produktiv einzusetzen, ist vergleichsweise schwierig -
Die unmittelbare Konsequenz eines Insolvenzrechts für Staaten ist doch, dass sich die geschätzte Wahrscheinlichkeit für eine Insolvenz deutlich erhöht. Und das wird erheblich Folgen für die Zinsen haben, mit denen sich Schuldnerstaaten weiteres Geld leihen können. Griechenland musste schon erstaunliche Zinsen zahlen, obwohl eine Pleite bislang sehr unwahrscheinlich war. Mit einem Insolvenzrecht für Staaten werden diese Zinsen wohl selbst bei dem leisesten Verdacht schon deutlich anziehen (was vielleicht ganz gut gewesen wäre). Der unmittelbare Nachteil (vor jeder tatsächlichen Insolvenz) liegt also offensichtlich bei den Schuldnerstaaten, während die Gläubigerstaaten von den höheren Zinsen profitieren (zumindest bis es tatsächlich zu einer Insolvenz kommt; die muss man dann tatsächlich "einpreisen").
Hoffentlich auch keine Lebensversicherung, keine Berufsunfähigkeitsversicherung, keine private Krankenversicherung, keine Mitgliedschaft in einem Versorgungswerk. Haben alle wie die Weltmeister Sparanleihen gekauft. Weil angeblich mündelsicher.
von der Umlagebasis auf Kapitalbasis umstellen?
Ich jedenfalls nicht.
Wer nicht hören will, muss fühlen!
von der Umlagebasis auf Kapitalbasis umstellen?
Ich jedenfalls nicht.
Wer nicht hören will, muss fühlen!
"Zu den Besonderheiten dieser Krise gehört, dass bislang auf der ganzen Welt noch kaum ein Gläubiger sein Geld verloren hat."
Ich dachte die Wirtschaftskrise wurde durch nicht mehr zahlungsfähige US-Hausbesitzer ausgelöst und die Lehman Brothers Bank ist deswegen insolvent gegangen. Die Verluste anderer Banken wurden dann durch die Staaten abgefedert, aber nicht ausgeglichen. Nach meinem Wissensstand gibt es auch heute noch ungewöhnlich viele US-Hausbesitzer (im Vergleich mit "Vorkrisenzeiten") die sich ihre Raten nicht mehr leisten können.
Sollte ich mich in diesen Aussagen schrecklich täuschen, bitte ich jemanden mich zu belehren.
... ist doch Schuldner?
Schuldner ist natürlich auch der deutsche Steuerzahler, der seiner Obrigkeit Gehorsam schuldet.
Sein Gläubiger ist etwa die IKB oder sonstige Sondermüll-Verbrennungsanlagen, die die alljährlichen Übrigbleibsel der unausgeglichen Handelsbilanz irgendwo in der Welt unterbringen mussten.
Und Sie müssen zugeben:
Da hat keiner sein Geld verloren! Nicht einmal Herr Ortsiefen!
... ist doch Schuldner?
Schuldner ist natürlich auch der deutsche Steuerzahler, der seiner Obrigkeit Gehorsam schuldet.
Sein Gläubiger ist etwa die IKB oder sonstige Sondermüll-Verbrennungsanlagen, die die alljährlichen Übrigbleibsel der unausgeglichen Handelsbilanz irgendwo in der Welt unterbringen mussten.
Und Sie müssen zugeben:
Da hat keiner sein Geld verloren! Nicht einmal Herr Ortsiefen!
von der Umlagebasis auf Kapitalbasis umstellen?
Ich jedenfalls nicht.
Wer nicht hören will, muss fühlen!
Auch der Kleinstsparer der seine 2% auf's Tagesgeld bekommt, eine Haftpflichtversicherung hat und "riestert" wäre direkt betroffen. Und wo soll mal das Geld für die im Ruhestand befindlichen deutschen "Baby Boomer" kommen? Es ist instinktiv das vollkommen richtige wenn viele Deutsche einen guten Teil ihres Einkommens auf die hohe Kante legen. Und dieses Geld dann von den Banken als "Kapital" in aller Welt angelegt wird (sprich: Kredite vergeben werden). Denn aus dem Inland werden die Renten der Deutschen in Zukunft nicht gezahlt werden können. "Ich habe eingezahlt", ja das sagt der deutsche Rentner seit eh und je. Mag ja sein.
Aber tatsächlich sind seine Beiträge schon lange ausgegeben, damit hat der Beitragszahler u.a. die Renten seiner eigenen Eltern bezahlt. So funktioniert nun einmal der Generationenvertrag. Es ist viel mehr ein Leben auf Pump - und bleiben die nötigen Zahlungen um das am Laufen zu halten mal teilweise aus kollabiert das Kartenhaus. Das wäre erwartbar ohne große Auslandsvermögen der Fall, da im deutschen Inland die Zahl der Erwerbstätigen durch den demographischen Wandel schrumpft und damit die Inlandswertschöpfung. Also muss das Geld aus dem Ausland kommen. Das ist alternativlos. Die Deutschen würden sich wieder einmal in's eigene Fleisch schneiden wenn sie ihren Schuldnern jetzt auch noch erlauben würden ihren Zahlungsverpflichtungen so einfach zu entschlüpfen.
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