L’Oréal Sie sind es sich wert

Der Kosmetikkonzern L’Oréal steht im Zentrum eines französischen Politskandals und einer erbitterten Familienfehde

»Das ist eine Privatangelegenheit. Wir haben dazu nichts zu sagen.« Jean-Paul Agon wiegelt ab. Der Chef des weltgrößten Kosmetikkonzerns L’Oréal will sich zu dem bis in die Politik reichenden Skandal um seine Hauptaktionärin Liliane Bettencourt nicht äußern. Dabei rätselt man in der Pariser Konzernzentrale durchaus, wie »privat« eine »Angelegenheit« sein kann, wenn der Name L’Oréal wochenlang im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung und illegalen Parteispenden genannt wird.

In der vorigen Woche legte die L’Oréal-Aktie um fast sechs Prozent zu, was mit den guten Geschäften in den Schwellenländern zu tun hat. Das Erdbeben, das Bettencourt im Elysée-Präsidentenpalast auslöste, lässt den Kapitalmarkt also ungerührt. Jahrelang sollen die 87-jährige Alleinerbin des L’Oréal-Gründers Eugène Schuller und ihr inzwischen verstorbener Mann André Politiker mit Barspenden bedient und im Frühjahr 2007 allein 150.000 Euro für den Präsidentschaftswahlkampf von Nicolas Sarkozy lockergemacht haben. Stimmen die Vorwürfe einer ehemaligen Buchhalterin, wäre das strafbar. In Frankreich sind Parteispenden von Unternehmen untersagt.

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Sarkozy spricht von Verleumdung und steht prinzipiell zu Eric Woerth, seinem Arbeitsminister und Schatzmeister der Partei UMP. Das Schatzamt gab Woerth jedoch am Dienstag nach einem Hinweis Sarkozys auf. Den Verdacht, Woerth habe zudem Hinweise auf Steuerhinterziehung im Hause Bettencourt ignoriert, entkräftete jüngst die Finanzaufsicht. Die Behörde ist allerdings umstritten, weil ihr Leiter vom Staatschef ernannt wurde. Die Opposition rügt ihre mangelnde Unabhängigkeit und weitere Verquickungen. So arbeitete Woerths Frau bis vor Kurzem für die Gesellschaft, die einen Teil des Bettencourt-Vermögens vor dem Fiskus in der Schweiz in Sicherheit brachte. Deren Chef schlug Woerth sogar zum Ritter der Ehrenlegion.

Ein Erbstreit zwischen Bettencourt und ihrer Tochter Françoise Bettencourt-Meyers brachte den Skandal ans Licht. Diese hat einen Freund ihrer Mutter verklagt, er habe die geistige Schwäche der alten Dame ausgenutzt und ihr bereits rund eine Milliarde Euro abgeluchst. Die Fehde beäugt man bei L’Oréal mit Sorge. Würde die Hauptaktionärin entmündigt, stünde womöglich ihr Anteil von 31 Prozent zum Verkauf. Auch Sarkozy wolle nicht, »dass L’Oréal an ein anderes Land geht«, betonte er in einem Fernsehinterview.

Nestlé wird oft als Kaufinteressent genannt. Der Schweizer Nahrungskonzern ist seit 1974 mit 29,8 Prozent zweitgrößter Anteilseigner von L’Oréal. Die Bettencourts und die damalige konservative Regierung, zu der André Bettencourt als Ex-Minister ausgezeichnete Kontakte pflegte, haben das so gewollt. Im Vorfeld der anstehenden Wahlen befürchteten sie einen Sieg der Sozialisten und eine Verstaatlichung von L’Oréal.

»Sie will mich als Hauptaktionärin ersetzen, um die Anteile zu verkaufen«, klagt Bettencourt nun über ihre Tochter. Nestlé darf zwar erst sechs Monate nach dem Tod der Milliardärin an den derzeitigen Verhältnissen rütteln. Wird diese jedoch für eingeschränkt zurechnungsfähig befunden, gilt die Abmachung nicht mehr. Die Tochter indes beteuert die Verbundenheit zum Erbe ihres Großvaters.

Leser-Kommentare
    • joG
    • 18.07.2010 um 9:21 Uhr

    ....um welche Beträge es da geht. 150.000 Euro! Das ist eine der reichsten Personen Frankreichs. So viel gibt sie vermutlich für ein Wochenende New York aus. Und damit bekommt man politischen Einfluss? Das könnten nun wirklich viele, wenn sie wollten.

  1. Die 150.000 € beziehen sich ausschließlich auf den Wahlkampf 2007.
    Der eigentliche Skandal ist die Steuerhinterziehung der reichsten Frau Frankreichs und die Verquickung der Familie Woerth, sie als Ehefrau des Finanzministers für die Vermögensverwaltung zuständig und damit vermutlich an der Steuerhinterziehung beteiligt, er, Finanzminister und gleichzeitig Schatzmeister der Partei, soll trotz Verbot Parteispenden von dem Unternehmen kassiert haben und das nicht nur 2007, sondern seit Jahren.
    Dabei sollte der Blick auch auf die Vergangenheit der Familie Schueller/Bettencourt erlaubt sein, wenn die Tochter der Milliardärin "sich dem Erbe ihres Großvaters verbunden fühlt", denn dieses Erbe ist eng mit der Vichy-Regierung und dem Nationalsozialismus verknüpft.

  2. "In Frankreich sind Parteispenden von Unternehmen untersagt."

    • k2
    • 19.07.2010 um 15:08 Uhr

    "So arbeitete Woerths Frau bis vor Kurzem für die Gesellschaft, die einen Teil des Bettencourt-Vermögens vor dem Fiskus in der Schweiz in Sicherheit brachte"(Karin Finkenzeller).

    Was den Erwerb und Besitz der Bettencourts
    angeht, ist eine Berichtigung zu machen.

    Die Insel Arros wurde an Madame Lilian Bettencourt
    vermietet.

    • k2
    • 19.07.2010 um 16:25 Uhr

    "So arbeitete Woerths Frau bis vor Kurzem für die Gesellschaft, die einen Teil des Bettencourt-Vermögens vor dem Fiskus in der Schweiz in Sicherheit brachte. Deren Chef schlug Woerth sogar zum Ritter der Ehrenlegion"([ Es folgt
    der Nachweis mit dem offiziellen französischen Staats-Link,
    vergleichbar mit einer amtlichen Veröffentlichung im deutschen Bundesblatt[BBl], worin sie unter der langen Aufzählungsliste zur Ehrenlegionsernennung nach dem Präsidentenwahlsieg von NS im Frühling 2007 am 13. Juli 2007
    den aufzusuchenden und infragestehenden Namen "Maestre" finden. Karin Finkenzeller 15.07.2010 )

    "M. de Maistre (Patrice, Xavier, Manuel), président-directeur général de société ; 35 ans d'activités professionnelles"

    http://www.legifrance.gou...

    ].

    • k2
    • 23.07.2010 um 5:58 Uhr

    http://www.easydroit.fr/j...

    Die Überschrift ist inhaltlich korrekt auch wenn es sich
    um eine scharfe Befehlsform des Gerichts handelt.

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