Liebeskolumne Warum trennen sie sich immer im Streit?

Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Wie geht man mit Abschieden in einer Wochenendbeziehung um?

Solange der andere da ist, wird gestritten, kaum ist er entschwunden, vermisst man ihn: der typische Verlauf einer Fernbeziehung

Solange der andere da ist, wird gestritten, kaum ist er entschwunden, vermisst man ihn: der typische Verlauf einer Fernbeziehung

Die Frage: Klara und Rolf führen eine Wochenendbeziehung. Um Klara nicht zu stören, schläft Rolf am Sonntagabend im Wohnzimmer auf der Couch. Am Montag steht er im Morgengrauen auf, um den ersten Flieger zu erreichen. Oft ist er erleichtert, dass er sich von Klara nicht verabschieden kann. Denn am Sonntagabend gibt es meistens Streit. Über Kleinigkeiten, behaupten beide. Rolf hat das falsche Lokal ausgesucht, er hängt vor dem Fernseher fest, er hat Unterwäsche im Schlafzimmer verstreut. Klara findet Rolf selbstbezogen; Rolf findet Klara zickig, eine ewige Unruhestifterin.

Liebeskolumne
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

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Am Montagabend ruft Rolf eine noch etwas muffige Klara an und erzählt, wie der Tag war. Am Donnerstag telefonieren sie wieder, lange und leidenschaftlich. Er fehle ihr sehr, sagt Klara, sie freue sich wahnsinnig, ihn am Freitag wiederzusehen.

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Im Alltag sind Abschiede banal und keine Aufmerksamkeit wert. Wer sensibler wird für das Unbewusste, wird die Verleugnungen durchschauen, mit denen Verlustängste angesichts einer kleinen Trennung abgewehrt werden. Denn in einer tieferen Gefühlsschicht sind wir ganz und gar nicht damit einverstanden, dass ein wertvoller Teil von uns abhandenkommt. Er muss wertlos gemacht werden, wenn die Trennung ansteht.

Klara und Rolf wollen nichts von jenen kindlichen Verschmelzungen der Liebe wissen, in denen kleine Trennungen und große Verluste nicht auseinandergehalten werden können. Vom selbstbezogenen Rolf lässt sich leichter Abschied nehmen. Nach vollzogener Trennung rundet sich das Bild wieder; die guten Seiten Rolfs tauchen auf, ihnen entsprechend wächst das Begehren.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE.

Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de

 
Leser-Kommentare
  1. Singleleben kann so schön sein! Ich bedaure solche Paare und ihre Dauerstreitereien immer. Wie soll das enden, falls dann wirklich mal eine gemeinsame Wohnung möglich ist?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wer den Artikel gelesen hat merkt, dass diese Streitereien eben häufig wegen der Fernbeziehung respektive Schmerzlinderung zustande kommen.

    Im Umkehrschluss bedeutet das, dass solche Kleinigkeiten im gemeinsamen Alltag eigentlich gar nicht mehr so schlimm sind.

    Und ob Sie sich binden wollen oder nicht, ist Ihre Sache, doch doch die Wertung finde ich unangemessen. Reibeflächen treten bei engen Beziehungen nunmal gezwungenermaßen auf, alles andere wäre todlangweilig.

    Wer den Artikel gelesen hat merkt, dass diese Streitereien eben häufig wegen der Fernbeziehung respektive Schmerzlinderung zustande kommen.

    Im Umkehrschluss bedeutet das, dass solche Kleinigkeiten im gemeinsamen Alltag eigentlich gar nicht mehr so schlimm sind.

    Und ob Sie sich binden wollen oder nicht, ist Ihre Sache, doch doch die Wertung finde ich unangemessen. Reibeflächen treten bei engen Beziehungen nunmal gezwungenermaßen auf, alles andere wäre todlangweilig.

  2. Wer den Artikel gelesen hat merkt, dass diese Streitereien eben häufig wegen der Fernbeziehung respektive Schmerzlinderung zustande kommen.

    Im Umkehrschluss bedeutet das, dass solche Kleinigkeiten im gemeinsamen Alltag eigentlich gar nicht mehr so schlimm sind.

    Und ob Sie sich binden wollen oder nicht, ist Ihre Sache, doch doch die Wertung finde ich unangemessen. Reibeflächen treten bei engen Beziehungen nunmal gezwungenermaßen auf, alles andere wäre todlangweilig.

  3. Jeder Mensch hat in einer Beziehung zwei Partner: den anderen und sich. Genau genommen hat wer sogar noch viel mehr Partner: die vielen Gefühle, Kräfte, Talente, Fähigkeiten in sich. Statt erst einmal mit uns selbst und unseren Fähigkeiten umgehen zu lernen, machen wir lieber die üblichen Alibifleißaufgaben, auf die man uns von klein auf dressiert hat. Wir geben uns Mühe - und sind damit dann Mühe - und wundern uns wenn wir als Mühe nicht gemocht werden. In der Ich-kann-Schule würde man statt des Be-mühens das Ent-mühen lernen und statt des sich An-strengens das sich Ab-strengen - dann wäre man nicht so an-gestrengt-an-strengend.
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

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