Aids-Bekämpfung Rote Karten gegen Aids
Die Ukraine feiert Erfolge gegen die Infektionskrankheit. Doch die Prävention bleibt schwierig.
© Ukraine © The Global Fund / Efrem Lukatsky

Eine Karte sichert den Zugang zu frischen Spritzen
Andrej weiß, wo er seine Klienten finden kann. In einem Randbezirk von Kiew führt sein Weg vorbei an heruntergekommenen Wohnblöcken zum lokalen Pfandleihhaus. Dort organisieren sich die Fixer das Geld für frischen Stoff. Gerade verlässt ein dünner Mann das Gebäude. Andrejs Kollegen von der Organisation Convictus drücken dem Abhängigen einen Beutel mit Kondomen und ein paar sterilen Spritzen in die Hand. Ihr Ziel: die Verbreitung von HIV unter den Drogenabhängigen in der Ukraine eindämmen.
Seit Jahren ist die Ukraine das europäische Land mit der höchsten Aids-Rate. Nach dem Kollaps des Sowjetreiches fielen die Reisebeschränkungen, die Sitten wurden lockerer, die Drogen verheißungsvoll. Diese Mischung führte zu einem dramatischen Anstieg der HIV-Infektionen und der Tuberkulosefälle.
In der Ukraine ist heute ein Prozent der Erwachsenen HIV-positiv (in Deutschland weniger als 0,1 Prozent). Die Situation wäre vollends eskaliert, hätte nicht vor acht Jahren der globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (Global Fund) Hilfe zugesagt. Inzwischen sind 230 Millionen Dollar ins Land geflossen, rund 12000 Aids-Patienten erhalten regelmäßig Aids-Medikamente, und vor zwei Jahren hat der Staat die Medikamentenversorgung übernommen. Jetzt unterstützt der Global Fund, in dem Deutschland der viertgrößte Zahler ist, den ungleich schwierigeren Teil im Kampf gegen Aids: die nachhaltige Prävention.
Die Menschenrechte sind das Thema der diesjährigen Welt-Aids-Konferenz, die am Sonntag in Wien beginnt – und der fragile ukrainische Staat muss zeigen, wie ernst es ihm mit der Hilfe für Randgruppen ist.
Nichtregierungsorganisationen versuchen zurzeit, den Schaden, den das Virus in den Randgruppen anrichtet, zu minimieren. Sozialarbeiter wie Andrej schwärmen aus, Freiwillige verteilen Essen an Straßenkinder, und Ärzte halten in ihren gelben Klinikbussen Sprechstunde für die weiblichen Sexarbeiter auf dem Straßenstrich – inklusive gynäkologischer Untersuchung.
Wer möchte, kann sich anonym testen lassen, auf Geschlechtskrankheiten wie Syphilis, auf Chlamydien, auf Hepatitis B und C, vor allem aber auf HIV. Überall können die Abhängigen ihre gebrauchten Spritzen abliefern. 5000 von ihnen bekommen Methadon. Der erste Schritt in ein gesünderes Leben soll ihnen leichtfallen. Das offizielle Ticket für diese Kehrtwende ist eine rot umrandete Karte mit einer Aids-Schleife darauf. Mit ihr ist das Nötigste frei erhältlich.
- Datum 18.07.2010 - 09:35 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.07.2010 Nr. 29
- Kommentare 4
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der kritische teil ihres berichts ist nicht einmal die spitze des eisbergs.
da geht es nicht nur um viel geld, welches der global fund in diesen staat pumpt, sondern keiner weiss wo dieses geld landet. in deren taschen, bzw. konten es liegt, freuen sich.
offizielle aussage eines regierungsbeauftragten, bei der befragung nach den zahlen bei infiszierten strassenkindern, war die antwort" diese seien selbst an ihrem schicksal schuld", einschließlich der ansteckung. sie könnten doch jederzeit nach hause gehen." diese regierung ist in einer weise zynisch, diskriminierend und rassistisch, dagegen leben wir hier alle im paradies.
ich war zwei wochen in der ukraine und konnte mit eigenen augen den zustand und die lebensbedingungen sehen. demokratie? fehlanzeige, dieses land liegt im dauerkoma von wodka, drogen und fernsehen. prostitution zum lebenserhalt und menschenhandel.
und die welche, schon in kommunistischen zeiten an der macht waren, sind es bis heute. mit dem unterschied, dass sie jetzt das kapitalistische prinzip gnadenlos umsetzen können.
und sich an internationalen geldern bereichern.
wer sonst kauft bei porsche, prada und tiffany?
... aber vor allem in Menschlichkeit !
Quote/ich war zwei wochen in der ukraine und konnte mit eigenen augen den zustand und die lebensbedingungen sehen. /unquote
Ich lebe bereits seit über 11 Jahren in der Ukraine und darf Ihnen bestätigen, daß Rassismus und menschenverachtende Auswüchse hier alltäglich sind.
Dies liegt vor allem an einer erschreckend hinterwäldlerischen Auffassung von Menschssein. In den ehemaligen Sowjetstaaten sind "Andersartige" immer wie Aussätzige behandelt worden. Und dies läuft heute auch noch so. Das Bildungsniveau vieler Jugendlicher ist erschreckend niedrig,und diese sind es auch, die an erster Stelle pöbeln. Dazu kommen etliche Staatsbedienstete, deren Menschenbild ebenfalls recht beschränkt ist.
Ein AIDS-Infizierter wird in der Ukraine leider von vielen als Abschaum betrachtet und entsprechend behandelt, statt als Hilfsbedürftiger.
Will der Westen hier etwas bewirken, wären breit angelegte Aufklärungskampagnen vonnöten. Am besten angelehnt an ähnliche Projekte aus der EU. Und vor allem: Überwacht, oder besser noch, Kampagnen selber leiten resp. von einem EU-Gremium durchführen lassen. Ansonsten versickern zur Verfügung gestellte finanzielle Mittel wieder mal, wie eigentlich fast immer, in einigen Taschen, die recht tief sind.
Vor allem jedoch sollten EU-Politiker ihre Kollegen in der Ukraine aufklären und sensibilisieren. Denn leider leben etliche von denen das schlechte Beispiel vor ... siehe Kommentar "selber schuld".
... aber vor allem an Menschlichkeit !
Quote/ich war zwei wochen in der ukraine und konnte mit eigenen augen den zustand und die lebensbedingungen sehen. /unquote
Ich lebe bereits seit über 11 Jahren in der Ukraine und darf Ihnen bestätigen, daß Rassismus und menschenverachtende Auswüchse hier alltäglich sind.
Dies liegt vor allem an einer erschreckend hinterwäldlerischen Auffassung von Menschssein. In den ehemaligen Sowjetstaaten sind "Andersartige" immer wie Aussätzige behandelt worden. Und dies läuft heute auch noch so. Das Bildungsniveau vieler Jugendlicher ist erschreckend niedrig,und diese sind es auch, die an erster Stelle pöbeln. Dazu kommen etliche Staatsbedienstete, deren Menschenbild ebenfalls recht beschränkt ist.
Ein AIDS-Infizierter wird in der Ukraine leider von vielen als Abschaum betrachtet und entsprechend behandelt, statt als Hilfsbedürftiger.
Will der Westen hier etwas bewirken, wären breit angelegte Aufklärungskampagnen vonnöten. Am besten angelehnt an ähnliche Projekte aus der EU. Und vor allem: Überwacht, oder besser noch, Kampagnen selber leiten resp. von einem EU-Gremium durchführen lassen. Ansonsten versickern zur Verfügung gestellte finanzielle Mittel wieder mal, wie eigentlich fast immer, in einigen Taschen, die recht tief sind.
Vor allem jedoch sollten EU-Politiker ihre Kollegen in der Ukraine aufklären und sensibilisieren. Denn leider leben etliche von denen das schlechte Beispiel vor ... siehe Kommentar "selber schuld".
Ich denke dass unverständis für Demokratie nicht Schuld am Aidsdesaster in der Ukraine ist. In Wahrheit hat der Westen mit den Ersatzgott "Geld" versagt. Die haben nur nachgemacht was wir ihnen vorgemacht haben.
Und Übrigens, Bildung, Schule, erlenter Beruf, davon gibt es bei uns genügend die seit ihren zwölften Lebensjahr in keiner Schule waren, Beruf haben sie schon gar nicht. Es gibt keine Werte, weil sie die Politik schon lange verloren hat. Und jeder entscheidet selber ob er Drogen nimmt und die daraus folgenden konsequenzen akzeptiert.
So traurig es ist.
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