Weltaidskonferenz Einer wurde geheilt
Mehr als 33 Millionen Menschen sind weltweit mit dem Aids-Virus HIV infiziert. In Berlin gelang Ärzten jetzt ein Wunder.
© Sergei Supinsky/AFP/Getty Images

Eine Krankenschwester in einer Klinik in Kiew versorgt einen Aids-Patienten
Er ist einverstanden.« Eckhard Thiel legt den Hörer auf und schaut hoch: »Kein Name, keine Fotos«, sagt der Arzt. »Er kommt jetzt runter.«
Thiels bestgehüteter Patient ist an diesem Nachmittag ins Benjamin-Franklin-Klinikum der Charité gekommen. Zu einer Nachuntersuchung. Eigentlich ist er längst wieder gesund. Aber das ist so unglaublich, dass seine Ärzte es selbst kaum fassen können und sich immer wieder von ihrem Erfolg überzeugen wollen.
Als die Tür zu Thiels Büro aufschwingt, tritt ein Mann in Jeans, weißem T-Shirt und Turnschuhen ins Zimmer. Er könnte Mitte dreißig sein. Dunkelhaarig, etwas spitze Nase, groß und sehr schmal, mit auffallend dünnen Armen. Er wirkt auf seltsam gebrochene Weise jugendlich, wie ein flügger Vogel mit verletzten Flügeln. Sein Gang ist schleppend, unsicher. Als er sich auf das braune Ledersofa im Büro seines Doktors hockt, sieht er verloren aus auf dem riesigen Möbel und dennoch voller Selbstbewusstsein. Tatsächlich ist der Mann 44 Jahre alt. Dass man ihm sein Alter nicht ansieht, ist umso erstaunlicher, wenn man weiß, was er durchgestanden hat. Thiels Patient ist Amerikaner. Wir werden ihn einfach Neil nennen.
Vor 18 Monaten wurde Neil von der Boulevardpresse regelrecht gejagt und musste gegen die Öffentlichkeit streng abgeschirmt werden. Zeitweise lebte er außerhalb Berlins in einer geheimen Wohnung. Sein Arzt erzählt: Um an Neils Identität zu kommen, hätten Reporter sogar versucht, Pfleger der Klinik zum Reden zu bringen, Schwestern zu bezirzen.
- HIV-Resistenz
Menschen mit einem bestimmten Gendefekt haben eine natürliche HIV-Resistenz, weil ihnen 32 Bausteine im Gen CCR5 fehlen. Das wollen US-Mediziner jetzt nachahmen – durch eine Gentherapie. Mithilfe neu entwickelter Genscheren, sogenannter Zinkfingernukleasen (ZFN), können sie zielgenau die 32 Bausteine ausschneiden.
- Versuch
Von den auf diese Weise manipulierten Immunzellen werden bis zu 50 Prozent resistent gegen HIV. Übertrüge man sie in den Körper eines Patienten, würden die normalen – anfälligen – Immunzellen allmählich vom Virus zerstört. Übrig bliebe eine HIV-resistente Körperabwehr. Dazu wäre kein Spender nötig, körpereigene Zellen würden manipuliert. Gerade hat ein entsprechender Versuch begonnen. Daran nehmen Patienten teil, deren Erreger für die Arzneien unempfindlich wurden, oder solche, die mit gravierenden Nebenwirkungen auf Aids-Medikamente reagieren.
- Impfstoff-Entwicklung
Gleichzeitig arbeiten Forscherteams an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das HI-Virus. Die Schwierigkeit liegt in der enormen Wandlungsfähigkeit des Krankheitserregers. Ständig wechselt er seine Gestalt und bietet so kaum eine Angriffsfläche für eine Vakzine. Nur wenige Menschen sind von Natur aus immun gegen das Virus. In ihrem Blut fahnden Forscher nach Antikörpern, die als Vorbild für eine Impfung dienen könnten.
- Proteinkomplex
Vergangene Woche vermeldeten die Wissenschaftler Xueling Wu und Tongqing Zhou von den US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) in "Science" Vollzug: Sie haben zwei Antikörper gefunden, die im Laborversuch 91 Prozent aller bekannten HIV-Stämme bekämpfen. Sie attackieren die Bindungsstelle CD4, die das Virus benötigt, um sich an die Zellen des Immunsystems zu heften. Dieser Proteinkomplex ist bei allen bekannten Varianten ähnlich aufgebaut. Es ist womöglich die Achillesferse des Virus. Nun wird an einer entsprechenden Vakzine gearbeitet. Falls sie klinisch einsetzbar sein wird, werden bis dahin aber noch Jahre vergehen.
Neil blieb ein Phantom. Doch über seinen Fall berichteten die Medien in aller Welt : Neil ist, soweit bekannt, der erste und einzige Mensch, der von dem Aids-Virus HIV geheilt wurde. Seit mehr als drei Jahren schluckt er keine Medikamente mehr gegen den tückischen Erreger, trotzdem ist das Virus aus seinem Körper verschwunden. Und nach menschlichem Ermessen wird HIV ihn auch nie wieder befallen können.
Doch seine Heilung war ein Drama. »Man kann dabei sterben«, sagt Neil lakonisch. »Nur wegen meiner Infektion hätte ich dieser Therapie bestimmt nicht zugestimmt.« Die Behandlung hat Spuren hinterlassen. Neil spricht gut Deutsch, aber er redet langsam, stockt ab und zu, schweigt sekundenlang. Schon will das Gegenüber etwas erwidern, aber da bringt Neil den begonnenen Satz doch noch zu Ende.
Zweimal ist er dem Tod von der Schippe gesprungen. Zwei der schlimmsten Geißeln, die die moderne Medizin kennt, trafen ihn. Neil war viele Jahre lang HIV-positiv. Dann erkrankte er außerdem an Krebs. Und wie es heute aussieht, war sein doppeltes Unglück gerade der Grund dafür, dass er jetzt mehr oder weniger gesund ist. Neil ist bislang ein krasser Einzelfall. Doch seine Geschichte hält Lehren für die Medizin bereit. Sein Schicksal wird in die Lehrbücher eingehen.
Die Vereinigten Staaten hat Neil schon vor 20 Jahren verlassen, Freunde hatten ihn eingeladen, nach Barcelona, nach Berlin. Dort lebt er seit 1992, hat studiert, Politologie an der FU. Er machte eine Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann. Die meiste Zeit aber habe er als Übersetzer gearbeitet, erzählt Neil, für eine Firma und als Freiberufler. Er bewohnte eine Zweizimmerwohnung, lebte in einer festen Beziehung. Wie er war auch sein Freund HIV-positiv. Damit ließ sich umgehen.
Bis vor vier Jahren. Damals, im Sommer 2006, begann für Neil der Kampf ums Überleben. Er war wie jedes Jahr einige Tage in Seattle. Den Namen seiner Heimatstadt spricht er aus wie die Leute dort: »Sijäddle«. Er besuchte seine Mutter, traf Freunde. Aber es ging ihm schlecht. »Ich fühlte mich supermüde. Zuerst dachte ich, es ist nur der Jetlag.« Es war Krebs.
Zurück in Deutschland, schickte sein Hausarzt ihn zum Onkologen. Der erkannte im Blutbild akute myeloische Leukämie (AML), eine gefährliche Form von Blutkrebs. Bestenfalls jeden zweiten AML-Patienten kann die konventionelle Behandlung retten. Die Zeit drängte. Schon am Tag nach der niederschmetternden Diagnose lag Neil in der Medizinischen Klinik am Hindenburgdamm. Es war der Tag, als Eckhard Thiel, der Direktor der Abteilung für Hämatologie und Onkologie, seinen neuen Patienten kennenlernte. Dass Neil der spektakulärste Fall seiner Karriere würde, ahnte Thiel da noch nicht.
Neil wurde behandelt wie Abertausende andere Krebskranke, mit einer Chemotherapie. Starke Zellgifte, sogenannte Zytostatika, sollten die unreifen Blutzellen bekämpfen, die in seinem Knochenmark wucherten und den Körper zu überschwemmen drohten. Ein Chemo-Zyklus, noch einer, beim dritten läuft etwas schief. Ein Infekt überwindet Neils malträtierte Immunabwehr: Sepsis, Intensivstation, künstliches Koma. Erst als er nicht mehr in Lebensgefahr war, zog sich auch der Krebs zurück. Neil wurde entlassen: »Ich dachte, es ist gut.«
Seine Ärzte dachten das nicht. Sie hatten wenig Hoffnung. Nach Monaten scheinbarer Ruhe kommt der Blutkrebs oft zurück. »Rezidiv« nennen Mediziner das. Dann ist für viele Kranke eine Knochenmarktransplantation die letzte Chance. Falls ein Spender gefunden wird.
Weil im Knochenmark auch die Grundlagen der Körperabwehr – die Stammzellen des Immunsystems – stecken, ist eine Transplantation wie eine zweite Chance. Ein eingepflanztes Abwehrsystem kann überaus zerstörerische Kräfte entfalten und den Blutkrebs schnell niederzwingen. Doch die Ärzte hantieren dabei mit einem zweischneidigen Schwert. Richtet sich das fremde Immunsystem mit voller Macht gegen den Körper des Empfängers, kann es ihn binnen Stunden töten. Deshalb ist ein Spender nötig, dessen Gewebemerkmale denen des Empfängers sehr ähnlich sind. Die Therapie ist teuer, um die 30000 Euro kostet die Krankenversicherung allein das Transplantat. Doch vielen Kranken verheißt sie auch dauerhafte Heilung.
Mit dieser Behandlung – der letzten Möglichkeit, Neil vor dem sicheren Tod zu bewahren – werden die Berliner Ärzte ein Experiment wagen, das in der Geschichte der Medizin seinesgleichen sucht.
Thiel und seine Oberärzte Gero Hütter und Igor Blau wussten: Sie würden Neil bald wiedersehen. »Uns war klar – der wird ein Rezidiv bekommen«, sagt Thiel. »Da haben wir uns gesagt: Dann werden wir vorbereitet sein.« Hütter und Blau begannen mit der Suche nach einem passenden Knochenmarkspender. In diesem Moment nahm Neils ganz alltägliche Krankengeschichte eine fast unglaubliche Wendung.
Welches Glück er hatte, erfuhr Neil erst viel später. In den weltweiten Datenbanken fand Thiels Ärzteteam tatsächlich 232 Menschen, die als Spender infrage kamen, die meisten davon in den deutschen Knochenmark-Registern. So etwas ist sehr ungewöhnlich, oft passt kein einziger Spender, oder es gibt nur sehr wenige Kandidaten. Aber gleich 232?
Bei Neils Ärzten reifte ein kühner Plan. Denn da war ja auch noch seine HIV-Infektion. Konnte man womöglich mit einem Schlag die Leukämie besiegen – und zugleich das gefährliche Virus aus Neils Körper vertreiben? Dazu brauchte man einen ganz besonderen Spender.
Die Mediziner hatten sich an einen inzwischen fast vergessenen Fall erinnert, der in den späten neunziger Jahren in Fachkreisen für Furore gesorgt hatte. Damals war ein Mann bei dem New Yorker Aids-Forscher Richard Koup erschienen und hatte eine Erklärung gefordert: »Warum habe ich kein Aids?« Seit Jahren habe er mit seinem HIV-infizierten Partner ungeschützten Sex, erläuterte der Besucher den verdutzten Wissenschaftlern. Dennoch habe er sich nie angesteckt. Wie das denn sein könne?
Erst in den Genen des Mannes stieß Koups Forscherteam auf eine Antwort – und zugleich auf eine bahnbrechende Einsicht, nämlich wie genau das Virus seine Opfer befällt. Offenbar, so lautete ihr Befund, koppelt sich der Erreger an zwei Eiweiße auf der Oberfläche von Immunzellen, an das CD4- und das CCR5-Protein. Erst wenn es zu beiden Molekülen Kontakt herstellt, kann das Virus die Zelle entern und sein Zerstörungswerk beginnen.
Der New Yorker Proband aber hatte sowohl vom Vater als auch von der Mutter je eine fehlerhafte Kopie des Gens geerbt, das die Bauanleitung für das CCR5-Eiweiß enthält. Genau 32 Bausteine fehlten, seine Zellen trugen daher nur verkrüppelte CCR5-Proteine – und die boten keinen Ankerplatz für HIV. Diese Genmutation, CCR5∆32 getauft, hatte dem Mann eine natürliche Resistenz gegen das Virus verliehen. Nur ein exotischer Einzelfall?
Inzwischen weiß man, dass HIV-Resistenz bei europäischstämmigen Menschen relativ häufig ist. Selbst in 2800 Jahre alten Bronzezeit-Skeletten wurde der Gendefekt entdeckt. Ein prähistorischer Seuchenzug könnte dafür verantwortlich sein: Weil der CCR5-Defekt auch gegen den Erreger der Pocken schützt, bot er einen Überlebensvorteil. Im Süden Afrikas und in Asien ist er sehr selten, in Europa hingegen tragen 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung eine Kopie des defekten Gens. Sie stecken sich nicht so leicht mit HIV an wie andere, und falls doch, bricht Aids bei ihnen seltener und später aus. Etwa einer von hundert Europäern verfügt gar über zwei defekte CCR5-Kopien – und ist nahezu unerreichbar für das Virus.
Diese Melange – ein amerikanischer Fallbericht, komplizierte Molekularbiologie und statistische Genetik –, im Fall von Neil verhieß sie plötzlich einen spektakulären Nutzen. Denn unter den vielen Spendern, so rechneten die Mediziner, mussten statistisch zwei oder drei dieser resistenten Menschen mit zwei defekten CCR5-Kopien zu finden sein. Die Ärzte ließen sich Blutproben der Spender schicken, unterzogen eine nach der anderen einem Gentest. Bei Spender Nummer 61 schlug der Test an: »CCR5∆32/∆32!« Sie hatten entdeckt, was sie suchten. Dieses Knochenmark war nicht nur eine Waffe gegen die Leukämie, es würde bei Neil auch HIV ausradieren.
Neil hat nie Drogen gespritzt, über eine verseuchte Nadel kann er sich also nicht infiziert haben. Es muss beim Sex passiert sein. Bei welchem seiner Liebhaber er sich angesteckt hat, weiß Neil nicht. Er benutze normalerweise Kondome, sagt er, »aber manchmal auch nicht«. Warum nicht? Neil zuckt mit den Schultern. »Da war die Situation einfach so«, sagt er schließlich. »Dann bin ich bei dem Mann nach Gefühl gegangen.« Viele Männer in der Schwulenszene würden sich nicht wirklich konsequent schützen, sagt Neil, »ich denke, das hat sogar zugenommen«.
Dass er sich mit HIV angesteckt hatte, erfuhr er 1995. »Ein Freund von mir wurde positiv getestet«, erzählt er, »da dachte ich, mach einen Test, vielleicht habe ich das auch?« Die Symptome der Immunschwäche Aids hat Neil jedoch nie zu spüren bekommen, ein Jahr nach seinem Positivtest kamen wirksame Medikamentenkombinationen gegen das Virus auf den Markt. Neil konnte behandelt werden, als die Zahl der weißen Blutkörperchen unter die kritische Grenze fiel und der Ausbruch des Aids-Leidens drohte.
Jahrelang musste er eine Menge Tabletten schlucken, doch immerhin, die Therapie wirkte. Neils Immunzellenbestand nahm rasch wieder zu, und in seinem Blut war kein Virus mehr nachzuweisen. »Die Tabletten haben gut funktioniert«, sagt er, »ich bin nicht krank geworden.« Doch stets wusste er: Sobald er die Tabletten abgesetzt hätte, wäre der Erreger mit Macht zurückgekommen – und hätte ihn umgebracht.
Das ist bis heute der Status quo der pharmazeutischen Forschung im Kampf gegen Aids: Der Pillencocktail hält zwar die Vermehrung der HI-Viren in Schach, drängt sie sogar zurück, kann den Erreger aber nie ganz aus dem Körper vertreiben. Denn HIV ist ein Retrovirus, ein blinder Passagier, der sein Erbgut in die Chromosomen vieler Arten von Immunzellen einschleust – in Lymphknoten, Schleimhäute, sogar in die Mikrogliazellen des Gehirns. In diesen Reservoirs ist es für keinen Wirkstoff erreichbar, aber jederzeit zur neuerlichen Attacke bereit, sobald die Medikamente aus dem Blut verschwinden sollten.
Nur für Neil ist diese Gefahr vorbei. Seit mehr als drei Jahren nimmt er nun schon keine HIV-Medikamente mehr. In seinem Blut ist das Virus dennoch nie wiederaufgetaucht. Auch nirgendwo sonst in seinem Körper konnten die Berliner Ärzte noch eine Spur des hartnäckigen Erregers finden. Gesucht haben sie überall – in den Lymphknoten, in der rektalen Schleimhaut, mit den sensibelsten Nachweisverfahren. Sogar ein winziges Stück Gehirn haben sie ihm entnommen. Nichts, Neil ist geheilt. Als Einziger unter mehr als 33 Millionen HIV-Infizierten dieser Welt. »Nie mehr die vielen Pillen«, sagt Neil. Da strahlt er zum ersten Mal.
Dieses medizinische Wunder begann mit dem Entsetzen, das Neils Ärzte vorhergesehen hatten. Sie hatten mit ihrer Ahnung recht behalten – Neil erlitt einen Rückfall. 200 Tage nach der Chemotherapie kehrte die Leukämie zurück. »Das war ein großer Schock«, sagt Neil. Abermals ging es um Leben und Tod. Thiel schlug die Knochenmarktransplantation vor. Und er erklärte Neil seinen kühnen Plan: Der riskante Eingriff könne nicht nur Neils ALM heilen, sondern auch seine HIV-Infektion. Dank dem Knochenmark des Spenders mit der Nummer 61. Neil stimmte zu.
Um ihn auf die Zellübertragung vorzubereiten, musste Neil erneut eine – diesmal vergleichsweise milde – Chemotherapie über sich ergehen lassen, dazu auch eine Ganzkörperbestrahlung. Damit wurde gleichsam Platz geschaffen im Knochenmark für die Spenderzellen, aus denen sich das neue Immunsystem entwickeln sollte. Schließlich war es so weit. Durch eine dünne Kanüle sickerte die Flüssigkeit mit vielen Millionen Spenderzellen in seine Blutbahn.
War die Transplantation eine Belastung? »Es war eine große Anstrengung, ja«, sagt Neil. Drei, vier Wochen dauert es, bis ein neues Immunsystem Tritt fasst – eine Zeit ständiger Überwachung und Ansteckungsgefahr. Und bei Neil klappte es im ersten Anlauf nicht so recht, die Leukämie war stärker. Noch einmal Bestrahlung, noch einmal Transplantation. Als auch das überstanden war, hatte Neils Körper gesiegt. Alle Tests gaben Entwarnung, kein Krebs mehr, kein HIV.
Wie es sich jetzt anfühlt, den Krebs besiegt zu haben? Als einziger Mensch auf der Welt künstlich resistent gegen das Virus geworden zu sein? »Sehr schön«, sagt Neil. »Was mir passiert ist, ist sicher sehr gut. Aber ich würde es niemandem raten, diese Therapie zu machen. Außer es ist wegen einer Leukämie notwendig.«
Er mag Protagonist einer medizinischen Premiere sein und ist dem Tod mehr als einmal entkommen. Aber die Behandlung, die Neil rettete, hat ihn auch gezeichnet. Die Strahlen- und die Chemotherapien haben sein Hirn geschädigt. Neil ist noch immer intelligent, geistig präsent, er ist konzentriert und versteht die medizinischen Details seiner ungewöhnlichen Krankengeschichte auffallend präzise. Nur sein motorisches Hirnzentrum hat gelitten. Heute geht er wieder ins Fitnessstudio, macht Krafttraining. »Das ist wichtig, um mich zu disziplinieren.«
Natürlich wollten die Berliner Ärzte ihren Erfolg wiederholen, aus einem Einzelfall eine richtige Studie machen. Acht weitere HIV-infizierte Leukämiekranke wurden an Thiel überwiesen. Doch wiederholen konnte er seinen Erfolg nicht. Für diese Patienten fand sich kein einziger CCR5-negativer Spender.
Dennoch könnte aus Neils Heilung eines Tages auch eine Kur für andere HIV-Patienten erwachsen: In den USA steht der erste Test einer Gentherapie an, die Neils Heilung nachempfindet, aber nicht auf einen unwahrscheinlichen Glückstreffer bei der Knochenmarkspende angewiesen sein soll (siehe Kasten). Die Forschungsperspektive ist eine Resistenz gegen jenes Virus, das die Welt mit der Seuche Aids überzieht.
Neil ist schon resistent. Sein neues Immunsystem verhindert, dass er sich erneut mit HIV infiziert. Er kann auch niemanden anstecken. Benutzt er jetzt noch Kondome? »Nicht immer«, sagt Neil, »zurzeit habe ich aber wenig Sex.« In Thiel erwacht der medizinische Forscherdrang. »Ungeschützter Sex?«, fragt er nach. Ja, einmal im letzten Sommer sei das gewesen, sagt Neil. »Aber wir wissen nicht, ob der was hatte«, fragt Thiel, «oder?« – »Er ist positiv«, sagt Neil gelassen, ein Exfreund von vor 20 Jahren. »Ach so, positiv«, sagt sein Doktor und will es dann ganz genau wissen: »War das rektal? Ich meine, hat der andere bei Ihnen rektal?« Neil nickt. »Da sehen wir es«, sagt der Arzt, bei den ständigen Nachuntersuchungen wäre ihm eine neue Infektion bei Neil nicht entgangen. »Er ist resistent. Er hat sich nicht angesteckt, normalerweise wäre die Gefahr bei rektalem Verkehr ziemlich groß.«
Eckhard Thiel und HIV, das ist eine lange Geschichte. Er hat den ersten Aids-Patienten Deutschlands behandelt, 1981 war das. Sein ganzes Arbeitsleben hat er mit Blutkrebstherapie und auch mit Tumorerkrankungen bei Aids-Kranken verbracht. Ein Arzt, dem nicht die leichten Fälle überwiesen wurden, der seine ganze Laufbahn lang Tod und tragische Schicksale vor Augen hatte, der sich 30 Jahre lang mit einer Infektion befasst hat, die als unbezwingbar galt – im Sommer 2011 wird er emeritiert. Und nun dieser Erfolg. »Toll, einfach fantastisch«, sagt er, »wenn man als Arzt so etwas erlebt, da macht der Beruf richtig Freude.«
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- Datum 19.07.2010 - 07:04 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.07.2010 Nr. 29
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wahren Helden unserer Gesellschaft. Chapeau vor so viel Mut und Engagement!
Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema des Artikels. Danke. Die Redaktion/cs
ein medizinisches Wunder. Aber das "Neil" nach seinem Erfolg weiterhin ungeschützten Verkehr hat, finde ich grausam. Nicht das er vielleicht nur eine Vorbildfunktion inne hat,als Beispiel was das Virus anrichten kann - sondern auch als Mensch, finde ich, ist so ein Verhalten unter aller Würde. Gut, er kann sich nicht nochmal mit HIV infizieren, aber es gibt auch andere Krankheiten. Der Mann hat meiner Meinung nach nie gelernt, Verantwortung für sich und Andere zu übernehmen.
Er hat eine neue Chance bekommen und sollte sie nicht verspielen.
....Es gibt keinen Grund dazu sich zu schützen. Der Mann ist resistent. Er kann Aids offenbar nicht mehr bekommen.
....Es gibt keinen Grund dazu sich zu schützen. Der Mann ist resistent. Er kann Aids offenbar nicht mehr bekommen.
....Es gibt keinen Grund dazu sich zu schützen. Der Mann ist resistent. Er kann Aids offenbar nicht mehr bekommen.
aufmerksam gelesen, würden sie sehen, dass es ihre Kritik bereits impliziert.
aufmerksam gelesen, würden sie sehen, dass es ihre Kritik bereits impliziert.
ach und in Ihrer kleinen Scheinwelt ist AIDS das einzige was man sich einfangen kann ??
ot
Wirklich grandios, was die heutige Medizin (und nicht zuletzt die Technik) zustandebringt... hut ab ...
nicht Behandelbar. Sind sie alle Resistenz, und damit tödlich?
Bin mir sicher, das jetzt einige Wissen wollen, wo man diesen Test machen lassen kann, um zu Wissen, das "Mann" oder "Frau", Aidsresistent ist, und was er kostet. "
"In Europa hingegen tragen 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung eine Kopie des defekten Gens".
Das dürfte wohl einigen reichen, ohne Schutz zu "Arbeiten"!
nicht Behandelbar. Sind sie alle Resistenz, und damit tödlich?
Bin mir sicher, das jetzt einige Wissen wollen, wo man diesen Test machen lassen kann, um zu Wissen, das "Mann" oder "Frau", Aidsresistent ist, und was er kostet. "
"In Europa hingegen tragen 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung eine Kopie des defekten Gens".
Das dürfte wohl einigen reichen, ohne Schutz zu "Arbeiten"!
aufmerksam gelesen, würden sie sehen, dass es ihre Kritik bereits impliziert.
Von einem 1:0 zu sprechen, wenn einer der "Kontrahenten" gar nicht angetreten ist, ist schon eine besondere intellektuelle Leistung. Ich habe jedenfalls in dem Artikel nichts von Homöopathie gelesen.
und Sie sind sich also sicher, dass noch niemand versucht hat diese Krankheit mit Hilfe von Homöopathie zu heilen und man könne deshalb davon sprechen, dass Homöopathie gar nicht angetreten sei?
Das halte ich für eine besondere intellektuelle Leistung.
Ich persönlich finde es eine beeindruckende Leistung, wie hier ein als unheilbar betiteltes Leiden geheilt wurde, inwiefern der Geheilte Verantwortungsbewusstsein zeigt, sei dahingestellt.
Dennoch halte ich es nicht für die endgültige Lösung jedem Menschen ein defektes CCR5-Gen einzubauen. Denn auch dieses Gen wird im funktionsfähigen Zustandfür irgendetwas zu gebrauchen sein. Man sollte also keine schwachstelle für andere Krankheiten öffnen.
Sie fordern also ein, Versuche mit nachweislich (ja, über und über, holen sie sich die geschätzten 2000 Studien, von common sense, Zehntklässlerwissen Chemie und Physik, abgesehen) unwirksamen Mitteln an HIV-Patienten vorzunehmen.
Das wäre zynischer Menschenversuch. Der in Afrika stattfindet. Dort toben sich europäische Homöopathen nach Herzenslust aus, "Entwicklungshilfe" der obszönen Art. Was sich prima ergänzt mit denjenigen traditionellen Wunderheilern, die das Leben der Leute dort verschlimmern. Zahlreiche Kräuterheiler in Ghana geben an, das Wissen um die Wirkung ihrer Kräuter aus Träumen erhalten zu haben, nicht wenige behaupten, HIV-AIDS, Tuberkulose und andere gefährliche Krankheiten "heilen" zu können. Therapien schließen meistens das Öffnen der Haut durch Rasierklingenschnitte und das Einreiben von unsterilen Mixturen ein, womit Keimen Pforten geöffnet werden. Auch "homöopathische" Methoden sind verbreitet: Mit Schlägen, giftigen Trunken und kochend heißem Wasser meint man so manchen bösen Geist aus dem Körper z.B. von bettnässenden Kindern austreiben zu können. Manche Pflanzengifte sind als Kontaktgifte in der Lage, das Augenlicht zu zerstören. Psychoaktive und andere Substanzen in Kayal-Mixturen sollen helfen, im "spirituellen" Reich zu sehen und so böse Geister zu besiegen. Das alles ist im Kern nichts anderes als Anthroposophie und Homöopathie.
und Sie sind sich also sicher, dass noch niemand versucht hat diese Krankheit mit Hilfe von Homöopathie zu heilen und man könne deshalb davon sprechen, dass Homöopathie gar nicht angetreten sei?
Das halte ich für eine besondere intellektuelle Leistung.
Ich persönlich finde es eine beeindruckende Leistung, wie hier ein als unheilbar betiteltes Leiden geheilt wurde, inwiefern der Geheilte Verantwortungsbewusstsein zeigt, sei dahingestellt.
Dennoch halte ich es nicht für die endgültige Lösung jedem Menschen ein defektes CCR5-Gen einzubauen. Denn auch dieses Gen wird im funktionsfähigen Zustandfür irgendetwas zu gebrauchen sein. Man sollte also keine schwachstelle für andere Krankheiten öffnen.
Sie fordern also ein, Versuche mit nachweislich (ja, über und über, holen sie sich die geschätzten 2000 Studien, von common sense, Zehntklässlerwissen Chemie und Physik, abgesehen) unwirksamen Mitteln an HIV-Patienten vorzunehmen.
Das wäre zynischer Menschenversuch. Der in Afrika stattfindet. Dort toben sich europäische Homöopathen nach Herzenslust aus, "Entwicklungshilfe" der obszönen Art. Was sich prima ergänzt mit denjenigen traditionellen Wunderheilern, die das Leben der Leute dort verschlimmern. Zahlreiche Kräuterheiler in Ghana geben an, das Wissen um die Wirkung ihrer Kräuter aus Träumen erhalten zu haben, nicht wenige behaupten, HIV-AIDS, Tuberkulose und andere gefährliche Krankheiten "heilen" zu können. Therapien schließen meistens das Öffnen der Haut durch Rasierklingenschnitte und das Einreiben von unsterilen Mixturen ein, womit Keimen Pforten geöffnet werden. Auch "homöopathische" Methoden sind verbreitet: Mit Schlägen, giftigen Trunken und kochend heißem Wasser meint man so manchen bösen Geist aus dem Körper z.B. von bettnässenden Kindern austreiben zu können. Manche Pflanzengifte sind als Kontaktgifte in der Lage, das Augenlicht zu zerstören. Psychoaktive und andere Substanzen in Kayal-Mixturen sollen helfen, im "spirituellen" Reich zu sehen und so böse Geister zu besiegen. Das alles ist im Kern nichts anderes als Anthroposophie und Homöopathie.
und Sie sind sich also sicher, dass noch niemand versucht hat diese Krankheit mit Hilfe von Homöopathie zu heilen und man könne deshalb davon sprechen, dass Homöopathie gar nicht angetreten sei?
Das halte ich für eine besondere intellektuelle Leistung.
Ich persönlich finde es eine beeindruckende Leistung, wie hier ein als unheilbar betiteltes Leiden geheilt wurde, inwiefern der Geheilte Verantwortungsbewusstsein zeigt, sei dahingestellt.
Dennoch halte ich es nicht für die endgültige Lösung jedem Menschen ein defektes CCR5-Gen einzubauen. Denn auch dieses Gen wird im funktionsfähigen Zustandfür irgendetwas zu gebrauchen sein. Man sollte also keine schwachstelle für andere Krankheiten öffnen.
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