Das Knochenmark eines HIV-resistenten Spenders machte Neil immun
Um ihn auf die Zellübertragung vorzubereiten, musste Neil erneut eine – diesmal vergleichsweise milde – Chemotherapie über sich ergehen lassen, dazu auch eine Ganzkörperbestrahlung. Damit wurde gleichsam Platz geschaffen im Knochenmark für die Spenderzellen, aus denen sich das neue Immunsystem entwickeln sollte. Schließlich war es so weit. Durch eine dünne Kanüle sickerte die Flüssigkeit mit vielen Millionen Spenderzellen in seine Blutbahn.
War die Transplantation eine Belastung? »Es war eine große Anstrengung, ja«, sagt Neil. Drei, vier Wochen dauert es, bis ein neues Immunsystem Tritt fasst – eine Zeit ständiger Überwachung und Ansteckungsgefahr. Und bei Neil klappte es im ersten Anlauf nicht so recht, die Leukämie war stärker. Noch einmal Bestrahlung, noch einmal Transplantation. Als auch das überstanden war, hatte Neils Körper gesiegt. Alle Tests gaben Entwarnung, kein Krebs mehr, kein HIV.
Wie es sich jetzt anfühlt, den Krebs besiegt zu haben? Als einziger Mensch auf der Welt künstlich resistent gegen das Virus geworden zu sein? »Sehr schön«, sagt Neil. »Was mir passiert ist, ist sicher sehr gut. Aber ich würde es niemandem raten, diese Therapie zu machen. Außer es ist wegen einer Leukämie notwendig.«
Er mag Protagonist einer medizinischen Premiere sein und ist dem Tod mehr als einmal entkommen. Aber die Behandlung, die Neil rettete, hat ihn auch gezeichnet. Die Strahlen- und die Chemotherapien haben sein Hirn geschädigt. Neil ist noch immer intelligent, geistig präsent, er ist konzentriert und versteht die medizinischen Details seiner ungewöhnlichen Krankengeschichte auffallend präzise. Nur sein motorisches Hirnzentrum hat gelitten. Heute geht er wieder ins Fitnessstudio, macht Krafttraining. »Das ist wichtig, um mich zu disziplinieren.«
Natürlich wollten die Berliner Ärzte ihren Erfolg wiederholen, aus einem Einzelfall eine richtige Studie machen. Acht weitere HIV-infizierte Leukämiekranke wurden an Thiel überwiesen. Doch wiederholen konnte er seinen Erfolg nicht. Für diese Patienten fand sich kein einziger CCR5-negativer Spender.
Dennoch könnte aus Neils Heilung eines Tages auch eine Kur für andere HIV-Patienten erwachsen: In den USA steht der erste Test einer Gentherapie an, die Neils Heilung nachempfindet, aber nicht auf einen unwahrscheinlichen Glückstreffer bei der Knochenmarkspende angewiesen sein soll (siehe Kasten). Die Forschungsperspektive ist eine Resistenz gegen jenes Virus, das die Welt mit der Seuche Aids überzieht.
Neil ist schon resistent. Sein neues Immunsystem verhindert, dass er sich erneut mit HIV infiziert. Er kann auch niemanden anstecken. Benutzt er jetzt noch Kondome? »Nicht immer«, sagt Neil, »zurzeit habe ich aber wenig Sex.« In Thiel erwacht der medizinische Forscherdrang. »Ungeschützter Sex?«, fragt er nach. Ja, einmal im letzten Sommer sei das gewesen, sagt Neil. »Aber wir wissen nicht, ob der was hatte«, fragt Thiel, «oder?« – »Er ist positiv«, sagt Neil gelassen, ein Exfreund von vor 20 Jahren. »Ach so, positiv«, sagt sein Doktor und will es dann ganz genau wissen: »War das rektal? Ich meine, hat der andere bei Ihnen rektal?« Neil nickt. »Da sehen wir es«, sagt der Arzt, bei den ständigen Nachuntersuchungen wäre ihm eine neue Infektion bei Neil nicht entgangen. »Er ist resistent. Er hat sich nicht angesteckt, normalerweise wäre die Gefahr bei rektalem Verkehr ziemlich groß.«
Eckhard Thiel und HIV, das ist eine lange Geschichte. Er hat den ersten Aids-Patienten Deutschlands behandelt, 1981 war das. Sein ganzes Arbeitsleben hat er mit Blutkrebstherapie und auch mit Tumorerkrankungen bei Aids-Kranken verbracht. Ein Arzt, dem nicht die leichten Fälle überwiesen wurden, der seine ganze Laufbahn lang Tod und tragische Schicksale vor Augen hatte, der sich 30 Jahre lang mit einer Infektion befasst hat, die als unbezwingbar galt – im Sommer 2011 wird er emeritiert. Und nun dieser Erfolg. »Toll, einfach fantastisch«, sagt er, »wenn man als Arzt so etwas erlebt, da macht der Beruf richtig Freude.«
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- Datum 19.07.2010 - 07:04 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.07.2010 Nr. 29
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wahren Helden unserer Gesellschaft. Chapeau vor so viel Mut und Engagement!
Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema des Artikels. Danke. Die Redaktion/cs
ein medizinisches Wunder. Aber das "Neil" nach seinem Erfolg weiterhin ungeschützten Verkehr hat, finde ich grausam. Nicht das er vielleicht nur eine Vorbildfunktion inne hat,als Beispiel was das Virus anrichten kann - sondern auch als Mensch, finde ich, ist so ein Verhalten unter aller Würde. Gut, er kann sich nicht nochmal mit HIV infizieren, aber es gibt auch andere Krankheiten. Der Mann hat meiner Meinung nach nie gelernt, Verantwortung für sich und Andere zu übernehmen.
Er hat eine neue Chance bekommen und sollte sie nicht verspielen.
....Es gibt keinen Grund dazu sich zu schützen. Der Mann ist resistent. Er kann Aids offenbar nicht mehr bekommen.
....Es gibt keinen Grund dazu sich zu schützen. Der Mann ist resistent. Er kann Aids offenbar nicht mehr bekommen.
....Es gibt keinen Grund dazu sich zu schützen. Der Mann ist resistent. Er kann Aids offenbar nicht mehr bekommen.
aufmerksam gelesen, würden sie sehen, dass es ihre Kritik bereits impliziert.
aufmerksam gelesen, würden sie sehen, dass es ihre Kritik bereits impliziert.
ach und in Ihrer kleinen Scheinwelt ist AIDS das einzige was man sich einfangen kann ??
ot
Wirklich grandios, was die heutige Medizin (und nicht zuletzt die Technik) zustandebringt... hut ab ...
nicht Behandelbar. Sind sie alle Resistenz, und damit tödlich?
Bin mir sicher, das jetzt einige Wissen wollen, wo man diesen Test machen lassen kann, um zu Wissen, das "Mann" oder "Frau", Aidsresistent ist, und was er kostet. "
"In Europa hingegen tragen 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung eine Kopie des defekten Gens".
Das dürfte wohl einigen reichen, ohne Schutz zu "Arbeiten"!
nicht Behandelbar. Sind sie alle Resistenz, und damit tödlich?
Bin mir sicher, das jetzt einige Wissen wollen, wo man diesen Test machen lassen kann, um zu Wissen, das "Mann" oder "Frau", Aidsresistent ist, und was er kostet. "
"In Europa hingegen tragen 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung eine Kopie des defekten Gens".
Das dürfte wohl einigen reichen, ohne Schutz zu "Arbeiten"!
aufmerksam gelesen, würden sie sehen, dass es ihre Kritik bereits impliziert.
Von einem 1:0 zu sprechen, wenn einer der "Kontrahenten" gar nicht angetreten ist, ist schon eine besondere intellektuelle Leistung. Ich habe jedenfalls in dem Artikel nichts von Homöopathie gelesen.
und Sie sind sich also sicher, dass noch niemand versucht hat diese Krankheit mit Hilfe von Homöopathie zu heilen und man könne deshalb davon sprechen, dass Homöopathie gar nicht angetreten sei?
Das halte ich für eine besondere intellektuelle Leistung.
Ich persönlich finde es eine beeindruckende Leistung, wie hier ein als unheilbar betiteltes Leiden geheilt wurde, inwiefern der Geheilte Verantwortungsbewusstsein zeigt, sei dahingestellt.
Dennoch halte ich es nicht für die endgültige Lösung jedem Menschen ein defektes CCR5-Gen einzubauen. Denn auch dieses Gen wird im funktionsfähigen Zustandfür irgendetwas zu gebrauchen sein. Man sollte also keine schwachstelle für andere Krankheiten öffnen.
Sie fordern also ein, Versuche mit nachweislich (ja, über und über, holen sie sich die geschätzten 2000 Studien, von common sense, Zehntklässlerwissen Chemie und Physik, abgesehen) unwirksamen Mitteln an HIV-Patienten vorzunehmen.
Das wäre zynischer Menschenversuch. Der in Afrika stattfindet. Dort toben sich europäische Homöopathen nach Herzenslust aus, "Entwicklungshilfe" der obszönen Art. Was sich prima ergänzt mit denjenigen traditionellen Wunderheilern, die das Leben der Leute dort verschlimmern. Zahlreiche Kräuterheiler in Ghana geben an, das Wissen um die Wirkung ihrer Kräuter aus Träumen erhalten zu haben, nicht wenige behaupten, HIV-AIDS, Tuberkulose und andere gefährliche Krankheiten "heilen" zu können. Therapien schließen meistens das Öffnen der Haut durch Rasierklingenschnitte und das Einreiben von unsterilen Mixturen ein, womit Keimen Pforten geöffnet werden. Auch "homöopathische" Methoden sind verbreitet: Mit Schlägen, giftigen Trunken und kochend heißem Wasser meint man so manchen bösen Geist aus dem Körper z.B. von bettnässenden Kindern austreiben zu können. Manche Pflanzengifte sind als Kontaktgifte in der Lage, das Augenlicht zu zerstören. Psychoaktive und andere Substanzen in Kayal-Mixturen sollen helfen, im "spirituellen" Reich zu sehen und so böse Geister zu besiegen. Das alles ist im Kern nichts anderes als Anthroposophie und Homöopathie.
und Sie sind sich also sicher, dass noch niemand versucht hat diese Krankheit mit Hilfe von Homöopathie zu heilen und man könne deshalb davon sprechen, dass Homöopathie gar nicht angetreten sei?
Das halte ich für eine besondere intellektuelle Leistung.
Ich persönlich finde es eine beeindruckende Leistung, wie hier ein als unheilbar betiteltes Leiden geheilt wurde, inwiefern der Geheilte Verantwortungsbewusstsein zeigt, sei dahingestellt.
Dennoch halte ich es nicht für die endgültige Lösung jedem Menschen ein defektes CCR5-Gen einzubauen. Denn auch dieses Gen wird im funktionsfähigen Zustandfür irgendetwas zu gebrauchen sein. Man sollte also keine schwachstelle für andere Krankheiten öffnen.
Sie fordern also ein, Versuche mit nachweislich (ja, über und über, holen sie sich die geschätzten 2000 Studien, von common sense, Zehntklässlerwissen Chemie und Physik, abgesehen) unwirksamen Mitteln an HIV-Patienten vorzunehmen.
Das wäre zynischer Menschenversuch. Der in Afrika stattfindet. Dort toben sich europäische Homöopathen nach Herzenslust aus, "Entwicklungshilfe" der obszönen Art. Was sich prima ergänzt mit denjenigen traditionellen Wunderheilern, die das Leben der Leute dort verschlimmern. Zahlreiche Kräuterheiler in Ghana geben an, das Wissen um die Wirkung ihrer Kräuter aus Träumen erhalten zu haben, nicht wenige behaupten, HIV-AIDS, Tuberkulose und andere gefährliche Krankheiten "heilen" zu können. Therapien schließen meistens das Öffnen der Haut durch Rasierklingenschnitte und das Einreiben von unsterilen Mixturen ein, womit Keimen Pforten geöffnet werden. Auch "homöopathische" Methoden sind verbreitet: Mit Schlägen, giftigen Trunken und kochend heißem Wasser meint man so manchen bösen Geist aus dem Körper z.B. von bettnässenden Kindern austreiben zu können. Manche Pflanzengifte sind als Kontaktgifte in der Lage, das Augenlicht zu zerstören. Psychoaktive und andere Substanzen in Kayal-Mixturen sollen helfen, im "spirituellen" Reich zu sehen und so böse Geister zu besiegen. Das alles ist im Kern nichts anderes als Anthroposophie und Homöopathie.
und Sie sind sich also sicher, dass noch niemand versucht hat diese Krankheit mit Hilfe von Homöopathie zu heilen und man könne deshalb davon sprechen, dass Homöopathie gar nicht angetreten sei?
Das halte ich für eine besondere intellektuelle Leistung.
Ich persönlich finde es eine beeindruckende Leistung, wie hier ein als unheilbar betiteltes Leiden geheilt wurde, inwiefern der Geheilte Verantwortungsbewusstsein zeigt, sei dahingestellt.
Dennoch halte ich es nicht für die endgültige Lösung jedem Menschen ein defektes CCR5-Gen einzubauen. Denn auch dieses Gen wird im funktionsfähigen Zustandfür irgendetwas zu gebrauchen sein. Man sollte also keine schwachstelle für andere Krankheiten öffnen.
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