Pro & Contra Sollten Gentests an Embryonen verboten werden?
Seite 2/2:

Contra - Frank Drieschner

Contra

Von Frank Drieschner

Wer Gentests an Embryonen verbieten will, muss das gegenüber den Betroffenen rechtfertigen. Wer das ist? Nun, man stelle sich ein Paar vor, er ist schwer krank, sie ist gesund, es kann auch umgekehrt sein, die beiden wünschen sich ein gesundes Kind. Müssen die beiden diesen Wunsch rechtfertigen? Hoffentlich nicht.

Sie entscheiden sich, wie Tausende von anderen Paaren, für eine künstliche Befruchtung. Gibt es daran etwas auszusetzen? Wohl kaum.

Nun ist seine (oder ihre) Krankheit erblich, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ihr Kind betroffen sein wird. Dennoch könnte die Frau sich einen beliebigen Embryo einsetzen und den Fötus zur Not später straffrei abtreiben lassen. Das Paar entscheidet sich aber für einen anderen Weg. Sie lassen die Embryonen bereits vor der Einsetzung in die Gebärmutter testen. Was soll daran Unrecht sein?

Die Gegner der PID haben auf dieses Paar längst ein ganzes Argumentenarsenal abgefeuert, vom Naziverdacht, der noch jede bioethische Debatte in Deutschland befeuert hat, über die Diskriminierung Behinderter bis zum Vorwurf, ihren Nachwuchs genetisch optimieren zu wollen. Wer lege denn fest welche Erkrankungen eine PID rechtfertigten? Gewiss sei man dann bald bei Kleinwüchsigkeit, Augenfarbe und Geschlecht.

Der Verdacht der Selektion findet sich sogar als Minderheitenposition in einem Papier des Nationalen Ethikrats. Sei die Grenze zur Eugenik einmal überschritten, gebe es kein Halten mehr, wie die deutsche Geschichte beweise. Allerdings hat das Argument etwas an Plausibilität eingebüßt, weil die Wiederkehr des Dritten Reichs ja angeblich auch schon durch Abtreibung, In-vitro-Fertilisation und Patientenverfügungen drohte, aber erstaunlicherweise noch immer nicht eingetreten ist.

Lässt sich nicht entscheiden, was für Krankheiten »schwer« sind? Natürlich geht das, der Gesetzgeber könnte eine Liste erstellen, und wenn Gerichte und spätere Parlamente sie zu korrigieren wünschten – warum nicht?

Diskriminierung Behinderter? Ja, es ist nicht schön, sich eingestehen zu müssen, dass andere die eigene Existenz als Unglück betrachten. Und die Vorstellung ist schrecklich, dass Eltern sich vor ihren Kindern für deren Behinderungen rechtfertigen müssen. Aber kann man eine Freiheitseinschränkung wirklich mit dem Wunsch begründen, anderen unerfreuliche Fragen zu ersparen?

Und die Designerkinder schließlich, die angeblich herausselektiert werden sollen? Wenn das technisch möglich wäre, was es nicht ist – dann ließe sich darüber reden. So aber möge man das Paar, um das allein es hier gehen sollte, mit diesem Einwand verschonen.

Was bisweilen in Vergessenheit gerät: Die beiden sind Bürger, sie dürfen tun und lassen, was sie möchten, so lange es ihnen nicht mit guten Gründen verboten werden kann.

 
Leser-Kommentare
  1. den gefühlslosen Robotermenschen zu züchten oder was soll so eine Forschung denn anderes im Sinn haben ? weil wir sind doch schon jetzt zu viele auf dem Planeten - wovon sich diese Programmierer der Zukunft allerdings ernähren wollen sollen sie mir mal erklären- von ölverseuchtem Fisch - von GenFOOd ?
    oder radioaktiv verstrahltem Gemüse und Fleisch ....? BRAVE NEW WORLD...kann man nur sagen - das Projekt Menschheit geht langsam aber sicher dem Ende zu - das werden die Herren in den Anzügen die sich noch grinsend koksende Bänkster nennen auch noch zu spüren bekommen und einmal ohne Strom -Net- und Wasser zuhause sitzen und sich fragen warum denn das alles so gekommen ist- eben- weil keiner was tut und nur noch alle schnell Profit auf die Gesundheit aller machen wollen - bloß die sterben auch mit - und das ist bei all dem Wahnsinn wenigstens eine gewisse Befriedigung - oder hat Ackermann einen Bunker ? da wird ihm genauso wie einem Oberherrn auch mal die Luft ausgehen

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ihr Ernst oder (wie ich hoffe) satirisch gemeint?

    Gene sind jedenfalls widerlich und (wie ich höre) auch schlecht verdaulich. ^^

    Ihr Ernst oder (wie ich hoffe) satirisch gemeint?

    Gene sind jedenfalls widerlich und (wie ich höre) auch schlecht verdaulich. ^^

    • MmeL
    • 15.07.2010 um 20:21 Uhr
    2. Demut

    Wenn ich Demut leiste bei der Frage, ob ich ein gesundes Kind bekomme oder nicht, dann bin ich in der Regel auch so demütig anzuerkennen, es ist mein Schicksal keine Kinder zu bekommen und adoptiere eventuell.
    Übrigens tun alle so, als wäre in den Genen schon direkt ablesbar, wie intelligent jemand wird. Ist es derzeit nicht und wird es auch nicht werden, weil Intelligenz eben ein Teil Vererbung aber auch ein Teil gebotener Möglichkeiten ist.

    Was würde eigentlich bei einem Verbot passieren? Würde der gesunde Partner sich dann nicht einen neuen Lebenspartner suchen um den Kinderwunsch zu erfüllen. Die wenigstens Menschen können sich doch auf Dauer mit einem unerfülltem Kinderwunsch abfinden. Das bedeutet doch dann, dass ich mir meinen Partner nicht als Mensch aussuche, sondern nach seinen genetischen Eigenschaften und Potenzialen.

    • Crest
    • 15.07.2010 um 21:12 Uhr

    Ich tue Jessen sicher nicht unrecht, wenn ich seinen Kommentar wie folgt zusammenfasse:

    Eltern sollten sich ein Quäntchen Demut bewahren und das Schicksal zulassen als Refugium für Gottes unerforschlichen Willen, auch weil der Mensch hieran wachsen kann. Eltern sollten dem lieben Gott also nicht ins Handwerk pfuschen, und der Versuchung widerstehen, sich mithilfe der Medizin ein (gesundes) Kind zu ertrotzen.

    Wie ich das empfinde?

    So als ob jemand mit einer Metallfeile meine Seele schmirgelt.

    Jessen beschreibt hier nicht "meine" Welt(sicht).

    Herzlichst Crest

    • xpol
    • 15.07.2010 um 21:53 Uhr

    .. ist diese PID-Debatte.
    Für den technischen Prozess der Embryonenproduktion ist PID ein absolut notwendiges Instrument der Qualitätssicherung.

    Die Grundfrage ist, ob man Kinderlosigkeit infolge Krankheit oder Veranlagung nicht hinnehmen sollte. Vielleicht ein Hinweis der Natur, dass man seine Gene besser nicht weitergibt?

    • Crest
    • 15.07.2010 um 22:38 Uhr

    Die Grundfrage ist, ob man Kinderlosigkeit infolge Krankheit oder Veranlagung nicht hinnehmen sollte. Vielleicht ein Hinweis der Natur, dass man seine Gene besser nicht weitergibt?

    vs.

    Die Grundfrage ist, ob man Armut infolge Hartz 4 nicht hinnehmen sollte. Vielleicht ein Hinweis vom lieben Gott, dass man seine Gnade nicht gefunden hat?

    Herzlichst Crest

  2. Eigentlich überhaupt keine Diskussionsfrage.
    Warum man Gott ins Spiel bringt, ist mir nicht ganz klar? Vielleicht würde Herr der Ringe besser passen.
    Wenn die Möglichkeit besteht ungesunde von gesunde "Zellen" zu trennen, wieso sollte man ungesunde einpflanzen? Worin besteht die Logik, mit gezielter Absicht, und das ist es dann, behindertes Leben in die Welt zu setzen. Das ist noch schlimmer, als im Dritten Reich.

    Intelligente Paare wandern bei so einer Entscheidung aus, oder lassen es dann sowieso im Ausland durchführen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    was ungesunde oder gesunde Zellen sind?
    Was theoretisch so einfach klingt, ist praktisch alles andere als eindeutig. Letztlich würde die menschliche Vorauswahl und Bewertung Mutation, auch im Sinne von positiver Evolution, ausmerzen.
    Da es bei den meisten Genen nur im Zusammenspiel mit anderen zu vielleicht unerwünschten Folgen kommt, würden auch potentiell gesunde Menschen nur ob des Risikos aussortiert werden, nicht zwingend weil sie sichere Behinderungen haben werden.

    H.

    was ungesunde oder gesunde Zellen sind?
    Was theoretisch so einfach klingt, ist praktisch alles andere als eindeutig. Letztlich würde die menschliche Vorauswahl und Bewertung Mutation, auch im Sinne von positiver Evolution, ausmerzen.
    Da es bei den meisten Genen nur im Zusammenspiel mit anderen zu vielleicht unerwünschten Folgen kommt, würden auch potentiell gesunde Menschen nur ob des Risikos aussortiert werden, nicht zwingend weil sie sichere Behinderungen haben werden.

    H.

  3. Ihr Ernst oder (wie ich hoffe) satirisch gemeint?

    Gene sind jedenfalls widerlich und (wie ich höre) auch schlecht verdaulich. ^^

  4. abschaffen und dann ist die Welt wieder gut. Mal Hand aufs Herz, wer glaubt wirklich das, dass Leben von den Genen vorherbestimmt wird? Selbst wenn diese Selektion wirklich stadfinden sollte, (was wie im Artikel erwähnt ist bestenfalls Utopie ist) was könnte man da mehr bestimmen als Haar und Augenfarbe? Im übrigen gibt es mitlerweile 2 neue Erfindungen, die nennen sich Kontaktlinsen und Haarfärbemittel, damit kann man auch die Haarfarbe / Augenfarbe nach belieben ändern. Ganz ehrlich jetzt, wir sollten lieber Angst davor haben uns selbst zu vernichten, als davor das sich Eltern mit Hilfe der modernen Medizin ihren Wunsch nach einem gesunden Kind erfüllen. Überhaupt was hat Gott in diesem Artikel verloren?
    Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich kenn den Typen nicht.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service