Verhaltensstudie Strengt euch an!
Menschen schätzen Wahrscheinlichkeiten oft falsch ein, und Forscher irren in ihren Versuchspersonen.
Ein simples Gedankenspiel hat eine kleine Fachdebatte mit überraschenden Wendungen ausgelöst. Zwei Psychologen gingen der Vermutung nach, dass Menschen irrational auf Konkurrenten reagierten und sich einschüchtern ließen, wenn diese in großer Zahl aufträten. Mithilfe einer Denkaufgabe wollten sie ihre These vom »n-Effekt« überprüfen (n steht im Forscherjargon für die Anzahl). Doch statt ihre Probanden haben sie dabei sich selbst in die Irre geführt.
Die Forscher fragten: Bei welchem von zwei 5000-Meter-Läufen würden Sie sich mehr anstrengen? Am ersten nehmen 100 Läufer teil, den 10 besten winken jeweils 100 Euro Preisgeld. Beim zweiten sind es nur 10 Teilnehmer, allerdings gibt es auch nur einen einzigen Preis – nämlich 100 Euro für den Schnellsten.
Zehn von hundert oder einer von zehn: Gewinnen nicht in beiden Fällen die besten zehn Prozent? Ist also nicht die Wahrscheinlichkeit in beiden Fällen gleich hoch? Dann wäre es unsinnig, sich bei dem einen oder dem anderen Lauf mehr anzustrengen. Die Frage wäre also tatsächlich eine Fangfrage.
So hatten es sich Stephen Garcia von der University of Michigan und Avishalom Tor von der Universität Haifa ausgedacht. Und ihre 250 Versuchspersonen reagierten auch wie erhofft: Die Mehrheit wollte sich in dem Fall deutlich stärker verausgaben, in dem es gegen die kleinere Konkurrenz ging. Ein Denkfehler!, freuten sich die Psychologen und präsentierten das Ergebnis ihrer Studie samt Erklärung und passender Theorie im vorigen Jahr in der angesehenen Fachzeitschrift Psychological Science.
Dumme Laien, kluge Experten – hätte nicht der vermeintlichen Fangfrage selbst ein Denkfehler zugrunde gelegen. Auf den stieß ein Wissenschaftler aus Singapur, Kanchan Mukherjee von der Business School Insead . Im Mai veröffentlichte Mukherjee in derselben Zeitschrift eine Ehrenrettung für die Versuchspersonen von Garcia und Tor. Sein Argument: Keineswegs blieben die Preisaussichten der meisten Läufer immer gleich und seien unabhängig davon, wie viele Mitläufer neben ihnen dem Ziel entgegenkeuchten.
Denn erstens sind bei einem Wettlauf die Gewinnchancen ja nicht gleich verteilt. Es gibt bessere und schlechtere Läufer. Zweitens hängt die Platzierung eines Läufers nicht nur von seinen eigenen Fähigkeiten – wie etwa Fitness oder Ehrgeiz – ab. Auch Faktoren, auf die er keinen Einfluss hat, spielen eine Rolle, etwa die Tagesform der Konkurrenten.
In den fraglichen Beispielen könnten 90 Prozent der Teilnehmer nur aus solchen Gründen siegen, da sie eben nicht zu den besten 10 Prozent gehören. Äußere Faktoren und Zufälle schlagen aber in einem kleinen Feld viel stärker zu Buche: Bei nur zehn Läufern ist es ein gewaltiger Unterschied, wenn der Favorit sich den Fuß verstaucht und der Zweitbeste Wadenkrämpfe bekommt. Bei hundert Teilnehmern hingegen wird kaum die ganze Spitze ausfallen und ein Mittelmäßiger auf die vorderen Plätze gelangen.
Schon der Umstand, dass zehn Teilnehmer keine repräsentative Auswahl der Läufer – etwa aus einer Stadt – bilden, verzerrt die Chancen. Wie Mukherjee vorrechnet, hat ein Aspirant, der in Wahrheit lediglich besser ist als 80 Prozent der Läufer, in dem kleinen Rennen dadurch eine Siegeschance von immerhin etwa 15 Prozent. In einem Rennen mit 100 Leuten gehen seine Trophäenaussichten gegen null. Ergo: Es ist durchaus rational, lieber in einem kleinen als in einem großen Rennen zu schwitzen.
- Datum 16.07.2010 - 17:41 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.07.2010 Nr. 29
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Selbst wenn man die anderen Faktoren mal ausser Acht lässt und davon ausgeht, dass die "besten 10%" am Ende auch immer die "besten 10%" des Marathons sind, erscheint es mir trotzdem wesentlich sinnvoller bei dem kleinen Wettbewerb mitzumachen.
In diesem Fall würde man schliesslich 100 Euro gewinnen, wenn man zu den besten 10% gehört - bei dem 100 Mann-Lauf hingegen nur 10 Euro...
Bei dem Lauf mit 100 Teilnehmern liegt der durchschnittliche Gewinn aller Teilnehmer bei einem Euro, bei dem Lauf mit 10 Teilnehmern hingegen 10 Euro, ist also zehn mal so hoch.
Kann es sein, dass in dem Artikel irgend eine Zahl falsch übernommen wurde? Denn mit den genannten Werten ist es meiner Meinung nach völlig logisch, sich bei dem kleineren Lauf mehr anzustrengen.
Im Beispiel heisst es, die 10 Besten der 100 bekommen jeweils 100 Euro. Der durchschnittliche Gewinn pro Teilnehmer liegt also genauso wie beim Lauf mit weniger Teilnehmern bei 10 Euro, nicht bei 1 Euro!
Im Beispiel heisst es, die 10 Besten der 100 bekommen jeweils 100 Euro. Der durchschnittliche Gewinn pro Teilnehmer liegt also genauso wie beim Lauf mit weniger Teilnehmern bei 10 Euro, nicht bei 1 Euro!
Im Beispiel heisst es, die 10 Besten der 100 bekommen jeweils 100 Euro. Der durchschnittliche Gewinn pro Teilnehmer liegt also genauso wie beim Lauf mit weniger Teilnehmern bei 10 Euro, nicht bei 1 Euro!
Ich bin ja ein großer Verfechter von schönen theoretischen Modellen, aber dieses scheitert an der einfachen Gleichverteilungsannahme.
In einem Rennen mit 10 Leuten werden nämlich in der Praxis immer die besten zehn gegeneinander antreten. Damit ist die Aussicht auf einen Preis bei einem Rennen mit 100 Personen viel höher.
Oder einfacher: Der beste Läufer der Stadt läuft bei beiden Rennen mit. Ist man selbst der zweitbeste, dann wird man bei nur 10 Personen nichts gewinnen, bei den 100 Personen schon.
Was mich an der ganzen Diskussion verwundert ist die Tatsache, dass offensichtlich bei den genannten Studien niemand die in solchen Untersuchungen übliche nachexperimentelle Befragung der ProbandInnen nach den Motiven ihrer Antworten durchgeführt hat - in einem seriösen Experiment befragt man üblicherweise eine kleine Teilstichprobe anhand ihres Fragebogens, warum sie genau welche Antworten gegeben hat. Die Untersuchung ist einfach nicht state-of-the-art!
der SAT muss in einigen Bundesstaaten von allen Schülern abgelegt werden, in anderen Bundesstaaten ist der Test freiwillig und wird daher nur von den Schülern abgelegt sie auch studieren wollen und sich dementsprechend auf den SAT vorbereiten.
Welche Gruppe besser abschneidet kann man sich ja denken. In welchen Staaten mehr Betrieb bei den Tests herrscht, kann man sich auch denken.
Das Beispiel scheint mir eher der nächste Patzer der Forscher zu sein.
Testfehler hin, Testfehler her .. Nach dem Lesen des Artikels stelle ich mir zum wiederholten Male die Frage, warum man uns in so vielen Bereichen eintrichtert, dass Konkurrenz so super für uns ist. Möglicherweise sind wir von Natur aus doch eher kooperativ veranlagt .. ?
Wenn ich mich nicht irre, ist es für einen Läufer, der tatsächlich zur Spitzengruppe gehört, unter den genannten Bedingungen besser in einem Lauf mit möglichst vielen Teilnehmern zu starten und ein schlechter Läufer hat nur in einer kleinen Läufergruppe eine kleine Chance zu gewinnen.
Bei realistischer Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit im 100m-Lauf sollten sich also 10% der Befragten für ein Rennen mit 99 Konkurrenten und 90% der Befragten für ein Rennen mit lediglich 9 Konkurrenten entscheiden um die eigenen Gewinnchancen zu optimieren.
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