ZEITmagazin: Herr Warsame, Sie sind in Mogadischu geboren und aufgewachsen. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Kindheit?

K'Naan: Ich denke an den Strand, an den wir immer mit unserem Vater gingen. Oder daran, wie wir nachts zusammensaßen und uns Geschichten erzählten.

ZEITmagazin: Wie haben Sie den Bürgerkrieg in Somalia erlebt?

K'Naan: Ich sah viele Verwandte und Freunde sterben. Und ich war eines der Kinder, die dafür eingeteilt waren, Reifenbarrikaden in den Straßen anzuzünden. Das sollte die Soldaten daran hindern, in unser Viertel zu kommen.

ZEITmagazin: Einmal wurden Sie und drei Ihrer Freunde von Soldaten gejagt. Sie überlebten als Einziger. Wie kam das?

K'Naan: Wir hörten Artilleriefeuer, hielten das aber nicht für ein großes Problem. Eine Gruppe Soldaten kam herangefahren, in einem Lkw, auf dem ein Maschinengewehr montiert war. Einer von uns rief etwas Obszönes. Wir dachten, wir dürfen das, wir waren ja Kinder.

ZEITmagazin: Was geschah dann?

K'Naan: Einer der Soldaten begann zu feuern. Ich stand für einen Moment schockstarr. Dann rannte ich weg und schaffte es nach Hause. Meine Freunde starben.

ZEITmagazin: Was hat Sie in dieser Situation gerettet?

K'Naan: Meine innere Einstellung. Auch wenn die Situation überhaupt nicht danach aussieht, es gibt immer eine andere Option.

ZEITmagazin: Woher hatten Sie diesen Glauben?

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K'Naan: Mit sieben Jahren sah ich zum ersten Mal jener Persönlichkeit ins Gesicht, die ich heute bin. Das war ein Tag, als ich zu meinem Großvater ging. Er lebte auf einem Berg. Es war sehr heiß, ich ging barfuß, hatte zu wenig Wasser dabei und war sehr durstig. Als ich endlich an seine Haustür klopfte, war er nicht da. Ich ging denselben langen Weg durch die Hitze zurück. Mir wurde schwindlig. Ich sah Arme, die einfach auf dem Boden hockten. Ich setzte mich mitten auf die Straße und fragte mich: »Was wäre, wenn es mein Schicksal wäre, den Rest meines Lebens durstig und in Armut zu verbringen?« Plötzlich sprang ich auf und schwor mir, nie wieder ohne Hoffnung zu sein und daran zu denken, dass das Leben immer noch eine andere Möglichkeit bereit hält für mich.

ZEITmagazin: Glauben Sie immer noch daran?

K'Naan: Ja, dieser Glaube hat mich durchhalten lassen. Es ist schwer, als mittelloser Einwanderer in den USA von seiner Musik zu leben. Ich weigerte mich, normale Jobs anzunehmen. Ich wollte Musik machen.