Linke Politik Der Mix dieses SommersSeite 3/3

Gesine Agena, 22 Jahre alt, ist auf einem Biobauernhof in Norden, Ostfriesland, aufgewachsen. Es war eigentlich ziemlich zufällig, wo sie politisch landen würde: bei attac, beim BUND oder bei der Grünen Jugend, deren Sprecherin sie mittlerweile ist. Sie studiert in Potsdam Soziologie, interessiert sich für Gender Studies und hätte gegen die Abschaffung von »Geschlechterkategorien« im Prinzip nichts einzuwenden – lässt aber gutmütig den Einwand gelten, dass »Männer« und »Frauen« das Leben gelegentlich sehr interessant machen.

Was sie mit den anderen im rot-rot-grünen Netzwerk verbindet, das sind Großereignisse, die man gemeinsam durchgestanden hat, mit Schlafsäcken und Isomatten und Pfefferspray. »Heiligendamm«, »Genfeld-Befreiung«, »Castor« oder »Dresden«, die Menschenkette gegen Neonazis. Die kühle Distanz, die beispielsweise Renate Künast gegenüber der Linken wahrt, ist Gesine Agena völlig fremd. »Katja Kipping, Jan Korte – wenn ich mit denen rede, habe ich das Gefühl, die könnten doch genauso gut bei den Grünen sein. Wir müssen den Linken ein Angebot machen, statt sie in die Schmuddelecke zu stellen.«

Anzeige

Nichts liegt jungen Grünen wie Agena oder dem Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kindler ferner als der Gedanke von den Grünen als Volkspartei. Bloß nicht! So eine Partei mit 18 Prozent, die es allen recht machen will, das will der 25-jährige Kindler, dessen Politisierung in einer Pfadfindergruppe begann, auf gar keinen Fall. »Es geht beim Klimawandel nicht um schöner Essen oder süße Eisbären«, sagt Kindler, der im Haushaltsausschuss sitzt. »Das ist kein Wohlfühlthema, sondern die entscheidende soziale und ökonomische Frage des 21. Jahrhunderts.«

Prägende Bücher waren für den Volkswirt, der erste berufliche Erfahrungen im Controlling von Bosch sammelte, Erich Fromms Haben oder Sein, aber auch Astrid Lindgrens Mio, mein Mio. Der Hedonismus älterer Grüner ist ihm fremd: »Es wird nicht damit getan sein, ein bisschen mehr im Bioladen einzukaufen. Unsere Lebensgewohnheiten müssen sich radikal ändern, wenn wir ein verheerendes Klimachaos noch verhindern wollen.« Damit ist auch eine radikalere Besteuerung gemeint.

Das Establishment der Parteien beobachtet die Probebühne durchaus wohlwollend. Andrea Nahles hat nichts dagegen, dass die Jungen Gesprächskreise gründen. »Sollen sie ruhig machen. Gute Gesprächskontakte sind immer hilfreich. Da sind auch kulturelle Schranken zu überwinden, das geht nicht von heute auf morgen. Wir reagieren einfach wesentlich gelassener als früher.« Welche Chancen rechnen die Jungen sich aus für ein rot-rot-grünes Bündnis? Nicht so wichtig. »Wir wollen uns auf den Weg machen«, heißt es in dem gemeinsamen Papier, »nicht mehr und nicht weniger.« In den Augen der Peperoni-Fraktion war der Gauck-Tiefpunkt nicht das Ende ihrer Geschichte.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unterwww.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
    • tisass
    • 25.07.2010 um 15:15 Uhr

    Ein Grüner,"dessen Politisierung in einer Pfadfindergruppe begann". Einfach göttlich.

    Ein weiteres Indiz dafür, dass die Grünen, in ihrer Struktur, immer (Klein-)Bürgerlicher werden. Im Laufe der nächsten Jahre werden sich die Grünen wohl zu einer fetzigeren Version von schwarz-gelb entwickelt haben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich kenn Sven-Christian Kindler persöhlich und eins kann ich ihnen sagen, kleinbürgerlich ist er ganz bestimmt nicht.

    "Nichts liegt jungen Grünen wie Agena oder dem Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kindler ferner als der Gedanke von den Grünen als Volkspartei. Bloß nicht!" Authentizität statt Stimmenfang, kleinbürgerlich ist das wohl nicht!

    Und nur weil er bei den Pfadfindern politisiert wurde, müssen sie einen jungen, kompetenten und idealistischen Politiker als kleinbürgerlich diffamieren.

    Ich kenn Sven-Christian Kindler persöhlich und eins kann ich ihnen sagen, kleinbürgerlich ist er ganz bestimmt nicht.

    "Nichts liegt jungen Grünen wie Agena oder dem Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kindler ferner als der Gedanke von den Grünen als Volkspartei. Bloß nicht!" Authentizität statt Stimmenfang, kleinbürgerlich ist das wohl nicht!

    Und nur weil er bei den Pfadfindern politisiert wurde, müssen sie einen jungen, kompetenten und idealistischen Politiker als kleinbürgerlich diffamieren.

  1. Die Linken bewegen sich derzeit in dem Zustand, in dem sich nach Gründung die Grünen befanden.
    Natürlich lässt der "politische Gegner" CDU/CSU u.die Klientel Gruppe FDP kein "gutes Haar " an den Linken. Sie werden generell in die Ecke von Honnecker und Konsorten oder gar zu Stalinisten gemacht. Vergessen wird dabei, dass viele SPD Mitglieder und auch der "verhasste" Lafontaine Mitglieder bei den Linken wurden, um der Schröder Diktatur (Basta Politik)und gegen die Mitglieder gerichtete Politik
    Harz 4 , Leiharbeit,kein Mindestlohn etc. zu entgehen.
    Auch die Wähler der Linken, hier im westliche Teil sind keine Kommunisten. Es lässt sich also künftig nicht vermeiden, diese neue Partei in das politische Geschäft zu integrieren. Natürlich ist der Machtverlust für die bisher etablierten Gruppen schwer zu ertragen, aber nicht mehr zu verändern. Häme und Diskriminierung wird nichts an dem Aufstieg der Linken ändern....

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es bleibt bei all dem zu hoffen, daß die Linke nicht dem Beispiel der Grünen folgt und für die Teilhabe an der Macht nach und nach ihre Positionen opfert.
    Das spricht nicht gegen Kompromisse. Diese dürfen halt nur nicht zur Selbstaufgabe führen.
    Was mich angesichts der ständigen, ja, man muß es Diskriminierung nennen, immer wieder bewegt, ist die Frage, was wäre aus der DDR geworden, wenn man dort mit der Indoktrination ähnliche Erfolge erzielt hätte wie in der alten Bundesrepublik.
    Der Kommunismus ist tot, hieß es 1990. Der Antikommunismus lebt fort und wird intensiver betrieben als im kalten Krieg.

    Es bleibt bei all dem zu hoffen, daß die Linke nicht dem Beispiel der Grünen folgt und für die Teilhabe an der Macht nach und nach ihre Positionen opfert.
    Das spricht nicht gegen Kompromisse. Diese dürfen halt nur nicht zur Selbstaufgabe führen.
    Was mich angesichts der ständigen, ja, man muß es Diskriminierung nennen, immer wieder bewegt, ist die Frage, was wäre aus der DDR geworden, wenn man dort mit der Indoktrination ähnliche Erfolge erzielt hätte wie in der alten Bundesrepublik.
    Der Kommunismus ist tot, hieß es 1990. Der Antikommunismus lebt fort und wird intensiver betrieben als im kalten Krieg.

  2. Es bleibt bei all dem zu hoffen, daß die Linke nicht dem Beispiel der Grünen folgt und für die Teilhabe an der Macht nach und nach ihre Positionen opfert.
    Das spricht nicht gegen Kompromisse. Diese dürfen halt nur nicht zur Selbstaufgabe führen.
    Was mich angesichts der ständigen, ja, man muß es Diskriminierung nennen, immer wieder bewegt, ist die Frage, was wäre aus der DDR geworden, wenn man dort mit der Indoktrination ähnliche Erfolge erzielt hätte wie in der alten Bundesrepublik.
    Der Kommunismus ist tot, hieß es 1990. Der Antikommunismus lebt fort und wird intensiver betrieben als im kalten Krieg.

    Antwort auf "Die Linken"
  3. wird die meinungsfreiheit weiter reduziert - denn diese wird wieder in eine richtung manöveriert ! für die einheimischen bürger wird die luft dünner - also gut nachdenken.......

    [Anmerkung: Bitte seien Sie vorsichtig mit Aussagen, die als fremdenfeindlich gedeutet werden können und bemühen Sie sich um argumentativ untermauerte und differenzierte Kommentare. Danke. Die Redaktion/ew]

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • tisass
    • 25.07.2010 um 18:11 Uhr

    Gibt es auch uneinheimische Bürger? Und wenn ja, wo sind sie? Auf Mallorca?

    • tisass
    • 25.07.2010 um 18:11 Uhr

    Gibt es auch uneinheimische Bürger? Und wenn ja, wo sind sie? Auf Mallorca?

    • tisass
    • 25.07.2010 um 18:11 Uhr

    Gibt es auch uneinheimische Bürger? Und wenn ja, wo sind sie? Auf Mallorca?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    kennen wir schon von euch - deutsche bevölkerung-ist das
    verständlicher ? auch von denen sind bestimmt ein paar auf mallorca - noch fragen?ich bin sicher ich treibe sie dann mit fakten in die enge!

    kennen wir schon von euch - deutsche bevölkerung-ist das
    verständlicher ? auch von denen sind bestimmt ein paar auf mallorca - noch fragen?ich bin sicher ich treibe sie dann mit fakten in die enge!

  4. dieses grüne "Unsere Lebensgewohnheiten müssen sich radikal ändern, wenn wir ein verheerendes Klimachaos noch verhindern wollen." - Deutschland ist der Nabel der Welt und alleine durch unseren Verzicht könnten wir die Welt retten.

    Furchbar. Ich darf mich also auf weitere Steuererhöhungen bei den eh schon überteuerten Energien freuen. Strom, Gas, Benzin.

    Supi.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Buh
    • 25.07.2010 um 20:36 Uhr

    ...sind soe fortschrittlich, dass wir auf dem dritten Platz im export sind. Deutsche wWaffen aber auch U-Boote und Flieger sind beliebt und werden nachgeahmt. "Made in Germany" ist ganz einfach ein WErturteil, und zwar ein positives.

    Kaum auszudenken wie wir Deutsche (und damit meine ich auch alle Migranten, Behinderten, Frauen und Touristen ect) die Welt verändern könnten, wenn wir neue, wirtschaftlich lohnende alternativen auf den Markt bringen könnten. Solaranlagen "Made in Germany"! "Haben sie gehört China? Deutschland hat es geschafft! Die haben kaum noch Atom, Öl und Kohle Kraft! Das müssenw ir uns mal anschauen!"

    Deutschland gehört zu den bedeutensten und mächtigsten Ländern dieses Erdballs. Wir sind eine gigantische Wirtschaftsmacht. und wenn hier ein krasses Umdenken passiert, dann wird das auch bald in der EU der fall sein, und wir werden auch positiv auf die Welt ausstraheln.

    So wie heute schon unsere professionalle Waffen Kriege kompetent begleiten. mir jeenfalls sind Solaranlagen leiber.

    • Buh
    • 25.07.2010 um 20:36 Uhr

    ...sind soe fortschrittlich, dass wir auf dem dritten Platz im export sind. Deutsche wWaffen aber auch U-Boote und Flieger sind beliebt und werden nachgeahmt. "Made in Germany" ist ganz einfach ein WErturteil, und zwar ein positives.

    Kaum auszudenken wie wir Deutsche (und damit meine ich auch alle Migranten, Behinderten, Frauen und Touristen ect) die Welt verändern könnten, wenn wir neue, wirtschaftlich lohnende alternativen auf den Markt bringen könnten. Solaranlagen "Made in Germany"! "Haben sie gehört China? Deutschland hat es geschafft! Die haben kaum noch Atom, Öl und Kohle Kraft! Das müssenw ir uns mal anschauen!"

    Deutschland gehört zu den bedeutensten und mächtigsten Ländern dieses Erdballs. Wir sind eine gigantische Wirtschaftsmacht. und wenn hier ein krasses Umdenken passiert, dann wird das auch bald in der EU der fall sein, und wir werden auch positiv auf die Welt ausstraheln.

    So wie heute schon unsere professionalle Waffen Kriege kompetent begleiten. mir jeenfalls sind Solaranlagen leiber.

  5. kennen wir schon von euch - deutsche bevölkerung-ist das
    verständlicher ? auch von denen sind bestimmt ein paar auf mallorca - noch fragen?ich bin sicher ich treibe sie dann mit fakten in die enge!

    Antwort auf "Eine Frage"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • tisass
    • 25.07.2010 um 19:33 Uhr

    Wer ist mit euch gemeint? Meine Absicht war auch weniger Wortklauberei als die Neugier, ob sie sich auf diese Nachfrage hin offen zur Ausländerfeindlichkeit bekennen. Oder ob sie bei unterschwelligen wirkenden Worthülsen bleiben wollen.

    • tisass
    • 25.07.2010 um 19:33 Uhr

    Wer ist mit euch gemeint? Meine Absicht war auch weniger Wortklauberei als die Neugier, ob sie sich auf diese Nachfrage hin offen zur Ausländerfeindlichkeit bekennen. Oder ob sie bei unterschwelligen wirkenden Worthülsen bleiben wollen.

  6. Mit fünfzehn eine Verpflichtungserklärung der Stasi unterschrieben, später schlappe zehn Jahre auf Kosten der Linkspartei-nahen Rosa-Luxemburg-Stiftung studiert und schließlich zum Dank zur SPD gewechselt.

    Wenn "Deutschland eine Zumutung" ist, kann sich Frau Marquardt gern nach Kuba begeben, um dort dem Sozialismus zum sicheren Sieg zu verhelfen. Wäre dies ein Verlust für Deutschland?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Buh
    • 25.07.2010 um 20:37 Uhr

    "Wenn es dir hier nicht passt, daa geh doch". Ist das wirklich ihre argumentation? Dann müsste jeder gehen, der etwas ändern will. Also so ziemlich alle Politiker. Am ende regieren dann die, denen alles egal ist. oder was wollen sie damit sagen? Dieses Argument frisst sich selbst.

    • Buh
    • 25.07.2010 um 20:37 Uhr

    "Wenn es dir hier nicht passt, daa geh doch". Ist das wirklich ihre argumentation? Dann müsste jeder gehen, der etwas ändern will. Also so ziemlich alle Politiker. Am ende regieren dann die, denen alles egal ist. oder was wollen sie damit sagen? Dieses Argument frisst sich selbst.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service