SIEBECKS GRILLSEMINAR Die Grätchenfrage
In diesem Sommer wagt sich Wolfram Siebeck an den Rost. Im dritten Teil seines Grillseminars widmet er sich der Zubereitung von Fisch
© Lukas Wassmann

Eine Rotbarbe, mal nicht im Ofen gebacken, schmeckt hervorragend
Es existieren viele Saucen, von denen der Nichtgriller nichts ahnt. In einem Spezialmagazin sah ich sie abgebildet. Diese Flaschen verkörpern alles, wovor Ärzte und der Buchautor Hans-Ulrich Grimm warnen. Ihr Inhalt ist sehr scharf und enthält unter anderem Zucker. Darauf stehen Namen, die nach Rennpferden klingen, auf die ich aber nicht wetten würde: "Maple Chipotle Grille", "Stokes Lemon Mayonnaise", "Bone Suckin’ Sauce", "Vidalia Onion Fig", "Honey Barbecue Sauce", "Garlic Rosemary Citrus", "Roadhouse Steak Sauce", "Mesquite Steak" und immer wieder "Hickory Smoked BBQ Sauce". Letztere bringt Lagerfeuergeschmack ans Fleisch, weshalb man bei Gasgrillgeräten nicht unbedingt auf jenes penetrante Aroma verzichten muss, welches Holzkohlegrills zum Schrecken der Nachbarschaft mit viel Rauch erzeugen. Um die Schärfe der Saucen mit sanften Würsten und Fischen in Verbindung zu bringen, bedarf es allerdings einer kruden Fantasie. Also habe ich die schlanken Würste ohne alles auf den Rost gelegt.
Für einen zweiten Test beschloss ich, Fisch zu grillen. Ich kaufte eine Rotbarbe und eine dicke Dorade, wie sie, seit diese Spezies sich als des Grillers liebste Grätenwurst etabliert hat, sogar bei uns im Supermarkt angeboten wird. Mithilfe des Mörsers fabrizierte ich eine Pampe aus schwarzen und weißen Pfefferkörnern, 1 EL grobem Meersalz, 1 Zweig frischem Rosmarin und 2 EL Olivenöl und bestrich damit den Fisch. (Er war bereits geschuppt und ausgenommen.)
Die Temperatur unter der Grillkuppel hatte 260 Grad erreicht, als ich den Fisch auf den Rost legte, die Kugel schloss und die Dorade nach 6 Minuten herumdrehte. Zu diesem Zweck hat die Zubehörindustrie spezielle Geräte erfunden, welche ich jedoch nicht besitze. Man braucht sie auch nicht, weil es für den routinierten Griller kein Problem ist, einen 30 cm langen Fisch herumzudrehen. Nach weiteren 6 Minuten habe ich ihn auf einen großen Teller gehievt, ins Haus getragen und mich mit Madame darüber hergemacht. Der Fisch hatte keinerlei Brandspuren und schmeckte hervorragend! Wunderbar saftig und gut gewürzt. Auch die Garzeit war gut geschätzt. Das Fleisch löste sich zwar noch nicht leicht von der Mittelgräte, aber so war er saftig und überhaupt perfekt. Die Rotbarbe, unbestritten der schönste Teilnehmer an der Delikatessvernichtung, brauchte fast zwanzig Minuten, um gar zu werden. Ich führe es darauf zurück, dass der Fisch nicht geschuppt war, als ich ihn auf den Rost legte.
"Also", sagte die Dame des Hauses, über die Dorade gebeugt, "im Ofen wäre sie nicht so gut geworden", und träufelte Zitronensaft darauf. "Obwohl es praktisch die gleichen Bedingungen sind", sagte ich. "Ein geschlossener, heißer Raum." – "Und ohne Zwiebel, ohne Tomate und all den Quatsch", seufzte sie. Ich goss uns von Pfaffmanns Grünem Silvaner nach und freute mich auf das geplante Grillfest.
- Datum 18.07.2010 - 10:12 Uhr
- Quelle ZEITmagazin, 15.07.2010 Nr. 29
- Kommentare 11
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Also beim besten Willen, die Serie hier hat mit Grillen überhaupt nichts zu tun.
Es ist ja keine Frage, daß man in socl einem mobilem Gasbackofen auch ein Würstchen warm oder einen Fisch gar bekommen kann.
Mit Grillen hat das aber nun mal gar nix zu tun.
Der schöne Sinn des Grillens liegt vor allem in der Anwesenheit in der Natur bei gleichzeitiger Abwesenheit von Firlefanz und aufgeblasenem Gourmetgeblubber.
Man wirft in aller Einfachheit einen Haufen Holzkohle auf den Boden oder in irgendeine feuerfeste Wanne, befestigt auf diese oder jene Art einen Metallrost darüber und kann sich mit allen Sinnen an der Kunst der Einfachheit und gelegentlichem Vogelgezwitscher erfreuen.
Wenn man das will.
Wenn man das nicht will - dann kann man sich einen mobilen Gasbackofen mit aufklappbarem Ohrensessel kaufen, nach dem Kochen das erwärmte dann im Haus und geschützt vor den Unbilden der Natur verzehren -
so, wie Herr Siebeck.
Es tut mir leid, aber ich finde die Serie Siebecks Grillseminar affig.
... wie lange wollen Sie W. S. und die Leser noch mit dieser portionierten Unsäglichkeit quälen?
Das alles hat mit dem "Grillen" ja noch viel weniger zu tun als mit einem "Seminar", dessen tieferer Sinn ja wohl das Weitergeben von Wissen sein sollte.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Die Redaktion /ft
Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion /ft
"Das Ding sieht aus wie eine Mondlandefähre. Ein glatter, konischer Corpus auf drei Rollen, gekrönt von einem helmartigen Gebilde, das metallisch in der Abendsonne glänzte. "Outdoorchef Trichtertechnologie, zwei Ringbrenner, Temperaturkontrolle, robustes und patentiertes Stahlfahrgestell, Seitenablagen und Bodenrost aus Eukalyptusholz, elektrische Mehrfachzündung inklusive Batterie - kurz: mein neuer Designergrill", so wird der Kugelgrill beworben, der während der Fußballweltmeisterschaft zum Einsatz kam und seinem Besitzer immer wieder wilde Flüche entlockte gegen die verfluchte Brut der Designer, die dem Grillfreund und seinen Gästen beinahe jedes WM-Spiel verdarb, da das sündhaft teure Designerstück noch jedes Stück Fleisch in Windeseile zu Klumpen unansehnlichster Materie verbruzzeln ließ."
Noch Fragen, Siebeck?
Entfernt. Bitte äußern Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion /ft
wieso werden wohl die ganzen kommentare gelöscht?
kritik? sicherlich, und wenn die nicht mehr sooo freundlich ist, liegt dies sicherlich nicht am verfasser, sondern am abgelieferten "artikel"
setzen sechs! und dann bitte aufhören, machen sie sich ihren ruf nicht ganz kaputt!
... Ruf?
... Ruf?
Wie ist es möglich, dass ein Food-Blogger bei »Chipotle« an Rennpferde denkt? In der von den Azteken benutzten Nahuatl-Sprache bedeutete »Pochilli« soviel wie »geräucherter Chili«, was im späteren Sprachgebrauch zu »Chilpotle« umgestellt wurde. Die Mexikaner machten daraus »Chipotle«, doch auch heute ist auf manchen südamerikanischen Produkten noch die ältere Schreibweise zu finden. Aber das gehört eigentlich zum Grundwissen eines jeden Grill-Gourmets. Haben Sie den für den Herrn Siebeck nicht in Ihrem Sportressort noch ein Blogger-Plätzchen frei? Bei den Rennpferden.
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