Krise und Reformen »Opfer, Opfer, Opfer«
Spaniens wilder Sommer: WM-Euphorie, Separatismus, Krise. Ministerpräsident Zapatero, der letzte Hoffnungsträger der europäischen Sozialdemokratie, muss kämpfen
© DOMINIQUE FAGET/AFP/Getty Images

Spanien feiert den WM-Sieg - doch die Politik ist schon wieder in der harten Realität angekommen
Fröhliche Tage der Euphorie: Der Traum, der die Nation in den vergangenen Wochen einte, ist wahr geworden. Spaniens Fußballer haben sich in Südafrika durchgespielt bis zum krönenden Sieg im Finale und dabei ein neues Sommermärchen erzählt. Es ist die Geschichte einer Mannschaft, die mit ihrer ästhetischen Spielweise auch unter widrigen Umständen zum Erfolg führen kann.
Madrid und das ganze Land, Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, Klassen und Alterskohorten, feierten ihre heimkehrenden campeones in geradezu rührendem Augenblicksoptimismus. Die kollektive Glückseligkeit eines Landes, das sonst in diesem Sommer wenig zu feiern hat, schien kaum enden zu wollen, die Fiesta dauerte vom Abend des Finales bis hinein in die neue Arbeitswoche. So etwas kommt eben nicht so bald wieder. Da muss das Bruttosozialprodukt schon mal warten. Es lebe der Sport, hier darf man stolz sein, ob auf Pau Gasol, den Basketball-Riesen aus Katalonien und NBA-Champion mit den Lakers, auf Rafael Nadal, das Tennis-Kraftpaket aus Mallorca und Nummer eins auf der Weltrangliste, und jetzt eben auf die selección, die »Könige der Welt«, wie La Vanguardia aus Barcelona auf der Titelseite schrieb. El País aus Madrid hat diesen kollektiven Taumel schon vor dem Finale erklärt: »Der Sport ist das Lächeln Spaniens. Und das bleibt.«
Aber wie lange? Spaniens öffentliches Gefühlsleben ist in diesem Sommer nicht nur vom Jubel über Iniesta, Villa, Puyol und »San Iker« Casillas geprägt. Da gibt es noch ganz andere emotionale Wellen. Am Tag vor dem WM- Finale, bei dem man auch in Barcelona mit dem übrigen Spanien massenhaft mitfieberte, hatten in der Hauptstadt Kataloniens mehr als eine Million Bürger für die Anerkennung als eigene Nation innerhalb des spanischen Staatsgefüges demonstriert. Es war die größte politische Kundgebung seit dem Ende der Franco-Diktatur Ende der siebziger Jahre. Dazu aufgerufen hatte die katalanische Mitte-links-Regierung zusammen mit der konservativ-nationalen Opposition. Der Anlass: ein Verfassungsgerichtsurteil, in dem einige Punkte im katalanischen Autonomiestatut für unwirksam erklärt worden waren – unter anderem der Passus über den Vorrang der katalanischen Sprache und die Bezeichnung des katalanischen Volkes als »Nation«. Juristisch und vor allem politisch war die Richtermehrheit damit den Klägern gefolgt, der konservativen Volkspartei, für die Nation nur das ganze Königreich ist: España! Die Antwort der Demonstranten stand auf vielen Plakaten: »Som una nació« – wir sind eine Nation. Politisch präziser sollte man die Botschaft aber wohl so übersetzen: Wir sind das Volk! Dieser Konflikt entwickelt eine neue Dynamik, und im Herbst wird in Katalonien gewählt.
Doch da ist noch, um sie in der Woche des nationalen Stolzes und des nationalistischen Zorns nicht ganz zu vergessen, die Krise, die noch lange nicht ausgestanden und unverändert gefährlich ist. Die zweitägige Debatte zur »Lage der Nation« in dieser Woche bot Gelegenheit zur Ernüchterung, zur Rückkehr in die Realität und damit leider auch zur Fortsetzung der unproduktiven Konfrontation zwischen der regierenden Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE) und der konservativen Volkspartei (PP), vor allem zwischen deren Vorsitzenden, Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero und PP-Chef Mariano Rajoy.
Diese Auseinandersetzung wird mit zunehmender Härte geführt, mehr im Stil des Endspiels von Johannesburg, wo viel gefoult wurde. Im Grunde prägt sie die politische Atmosphäre seit dem Wahlsieg Zapateros im März 2004. Der Regierungschef setzte in seiner ersten Amtszeit auf eine soziokulturelle Modernisierung Spaniens. Sein Reformprogramm reichte von der Ermöglichung der Homo-Ehe über die Eindämmung des kirchlichen Einflusses auf Bildungsinhalte, die verschärfte Bestrafung häuslicher Gewalt und der Legalisierung der Abtreibung bis zur Entfernung franquistischer Symbole aus dem öffentlichen Leben und zum Erinnerungsgesetz, das den Weg zur Aufarbeitung des Bürgerkriegs erleichtern soll. Für die PP lauter Tabubrüche.
Auf ökonomische Reformen hatten die regierenden Sozialisten in den vier Jahren nach der Rückkehr an die Macht weitgehend verzichtet. Dem Land ging es gut, die Haushalte hatten Überschüsse, die Warnungen vor der Immobilienblase hatten die Sozialisten so wenig ernst genommen wie ihre Vorgänger, so wenig auch wie Amerikaner und Briten die Mahnungen von Experten, die Kreditpolitik ihrer Banken stärker zu kontrollieren. Als an der Wall Street 2008 die Sicherungen durchbrannten und die Welt bebte, stand Spanien zunächst ganz gut da, seine weltweit engagierten Großbanken wirkten stabil, die Krise der regionalen Sparkassen wurde erst später entdeckt – womöglich zu spät.
- Datum 15.07.2010 - 10:25 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.07.2010 Nr. 29
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der Europäischen Sozialdemokratie? Welch grosse Worte mit eben solcher, nach wie vor, effizienter Verdrehung von Tatsachen. Die Europäische SOzialdemokratie wächst gerade bei der Die Linke besonders frisch nach.
Die Budgets vieler EU Länder werden gerade einer besonders intensiven Neoliberalen Kur unterzogen in dem die Verschuldungsgrade zu gigantischen Katastrophen gemacht werden obwohl oekonomische Indikatoren in der Tat ein anderes Bild zeigen. Hier kommt nicht die Sozialdemokratie noch die kümmerlichen Reste Sozialer Marktwirtschaft zu ihrem Recht und Geltung sondern es werden die letzten Reste Sozialer Errungenschaften abgerissen... Ganz im Sinne der Neoliberalen Indoktrinationen. Schon vergessen wer die 100' von Milliarden an Steuergeldern aufgebracht i.e. erarbeitet hat die für die Rettung der besonders "fetten" Bankkonten verwendet worden sind? Auch das ganze Rententhema dient einzig dazu, die gigantischen Summen der Pensionen in private Kontrolle zu überführen um die satten Kommissionen abzugrasen. Bald muss man den Neoliberal verwirrten Verantwortlichen tatsächlich Böswilligkeit, List und Tücke vorwerfen. Die offiziel als Sozial und Demokratisch deklarierten Parteien Europas sind nicht was diese vorgeben zu sein. Um das Soziale und die Demokratie weider zu finden muss man ein stück weiter nach links im politischen Spektrum schauen.
....trifft es für die gescheiterte Idee der Sozialdemokratie eher. Mag sein, dass man "Sozialdemokratie" retten kann. Dazu müsste aber die Bewegung demokratisch werden bzw die kontinentalen politischen Systeme wesentlich überarbeiten.
Katalan: Som una nació.
Spanisch: Somos una nación.
"Som una nación" wäre eine Mischung aus Katalan und Spanisch, was bestimmt nicht auf den Plakaten der katalanischen Demonstranden stand.
Sie haben Recht. "Nació"muss es heißen.
Danke und Grüße, Markus Horeld
Sie haben Recht. "Nació"muss es heißen.
Danke und Grüße, Markus Horeld
Sie haben Recht. "Nació"muss es heißen.
Danke und Grüße, Markus Horeld
Spanien erinnert mich stark an die ehemaligen sozialistischen Länder.
Die politische Führung versucht mit Hilfe des Sports ihre desaströse Misswirtschaft zu vertuschen.
Vielleicht wird deshalb beim Sportministerium zum Thema "Doping im Radsport" bewusst weggeschaut?
Sport scheint der letzte Strohalm zu sein an den sich die stolzen Spanier klammern.
Schade dabei dachten viele Spanier sie würden in Kürze wieder eine Weltmacht sein wie zu Columbus Zeiten.
Zapatero hatte vor ca. 3 Jahren noch gesagt sie sein wirtschaftlich in der Champions League und würden in kürze Frankreich und Deutschland beim Pro-Kopf-Einkommen einholen!
Und die ignoranten Spanier haben's geglaubt.
Dabei wurde ihnen nie gesagt, dass ihr Wohlstand auf Sand gebaut wurde.
Dank der 150 Fördermilliarden aus der EU und den günstigen Eurokrediten wurde das Land für ein paar Jahre aus dem Mittelalter geholt wo es sich jetzt wieder hin bewegt.
Wissen die meisten Spanier eigentlich, dass Spanien Geld aus der EU erhält?
Nein sie wissen es nicht!!!
Das wird von ihren korrupten Politikern und den meisten Medien mit keinem Wort erwähnt!
( Fragen sie mal einen Spanier bei Ihrem nächsten Urlaub )
entfernt. Bitte bemühen Sie sich um sachliche und differenzierte Beiträge und belegen Sie Ihre Thesen mit Quellenangaben. Danke. Die Redaktion/km
Wussten Sie, dass 30% der Schüler in Spanien die Schule vorzeitig abbrechen ohne Abschluss?
Wussten Sie, dass 75% der Spanier keine abgeschlossene Berufsausbildung haben?
Wussten Sie, dass es in Spanien bei einer Einwohnerzahl von ca. 46 Mil. über 3 Mil. Beamte gibt?
Wussten Sie, dass es in Spanien mehr Beamte als Unternehmer gibt?
Und dann wundern sich die Spanier wieso sie eine Arbeitslosenzahl von über 20% haben Tendenz steigend.
Jeder will in Spanien Beamter werden wer das auf Dauer finanzieren soll interessiert niemanden.
Die meisten Spanier reden den ganzen Tag über Real Madrid, FC Barcelona, Fernando Alonso, Nadal, ....
Vielleicht sollten sie zur Abwechslung auch mal ihren Kopf trainieren?
Quellenangaben:
http://www.libertaddigita...
http://www.libertaddigita...
http://www.ifuturo.org/es...
http://www.abc.es/hemerot...
http://www.bbc.co.uk/mund...
http://www.publico.es/esp...
http://www.libertaddigita...
Für mich ist das ganze typisch sozialdemokratisch. Die Prioritäten sind: Frauen, Ausländer, Schwule und Lesben. Selbstverständlich auch noch werden mit großem Gesums Franko-Statuen entfernt. Ich will jetzt nicht sagen, dass diese Themen vollkommen überflüssig sind, aber diese als Prioritäten zu setzen und 4 Jahre lang sich im Grunde nur damit zu beschäftigen halte ich eben für typisch sozialdemokratisch. Dann aber wenn es ernst wird, kommt genauso der Sparkurs wie bei den konserativen Parteien. Religionskritik ist auch schön und gut aber bei den Sozialdemokraten lauft es ja auch immer nach dem gleichen Schema F ab. Die katholische Kirche wird kritisiert und geschwächt, aber gleichzeitig werden Ausländer bevorzugt aus islamischen Ländern "eingeladen". Sie wollen hier ja arbeiten - Wir haben soviel Arbeitsplätze Interressant!! Mit welcher Logik man diese "Notwendigkeit?" begründen will, entzieht sich bis heute (auch nach oftmaligem Nachfragen bei überzeugten Sozialdemokraten) meiner Kenntnis.
Was das übrige betrifft so kann ich nur sagen wer NICHT bei der EU ist um sich Geld zu holen, ist selbst schuld und die Spanier werden wohl auch nicht das einzige Land sein in dem Beamter der Berufswunsch Nummer 1 ist.
Das Hauptproblem Europas für mich ist wie ich schon seit Jahren sage nicht die wirtschaftliche Krise sondern eher die gesellschaftliche. Und Politiker wie Feminist Zapatero werden Europa jedenfalls nicht retten. Es bleibt zu hoffen, dass sich bald etwas ändert.
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