Datenschutz Meine Daten gehören mir?
Die meisten Verbraucher begreifen ihre Privatsphäre nicht als ökonomischen Wert
© Joe Raedle/Getty Images

Ein Kunde bestellt in einem Onlineshop. Die Daten, die er dabei hinterlässt, sind einiges wert
Privatheit ist ein hohes Gut – aber hat sie einen Preis, der sich in Euro und Cent ausdrücken lässt? Traditionell wird die Privatsphäre als Rückzugsort eines Bürgers vor dem Staat und der Öffentlichkeit verstanden – und damit manchmal auch vor Nachbarn und Freunden. Es ist der persönliche Freiraum, geschützt von vielen Gesetzen.
Doch mit dem Erfolg von Sozialen Netzwerken wie Facebook und StudiVZ , durch Suchmaschinen wie Google und Bing und andere Werbenetzwerke im Internet wird heute vieles, was gemeinhin der Privatsphäre zugerechnet wird und in politischen Kategorien betrachtet wird, in den Raum des Ökonomischen gesogen.
Fotos, elektronische Nachrichten und Briefe, Informationen über Hobbys und persönliche Netzwerke sind ein begehrter Rohstoff für Konzerne geworden. Einige von ihnen gehören an den Börsen inzwischen zu den wertvollsten der Welt. Mal werden die Daten selbst gehandelt. Mal bieten Internetunternehmen die Dienstleistung an, Reklame zielgenau an Menschen zu verschicken, die sich für die beworbenen Produkte interessieren könnten. Sie haben sich nämlich früher für ähnliche Dinge interessiert. Das ist inzwischen weithin bekannt. Zwischen diesen Unternehmen gelten die üblichen Regeln von Angebot und Nachfrage.
Anders liegt der Fall beim Verhältnis des einzelnen Bürgers und Verbrauchers zu den Daten sammelnden Unternehmen. In den Anfängen des Internetzeitalters ging der US-amerikanische Ökonom Hal Varian noch davon aus, dass es ausreichen würde, wenn der Verbraucher seine privaten Daten als Eigentum begreifen würde – das er veräußern könnte. Dann könnte ein Markt entstehen, dann würden sich Preise bilden und damit ein Gleichgewicht zwischen Verbraucher und Produzenten. Varian arbeitet inzwischen als Chef-Ökonom für den Internetkonzern Google, und ob er seine Meinung geändert hat, ist nicht bekannt.
Ökonomische Studien zeigen allerdings, dass ein Bewusstseinswandel wie ihn Varian als erstrebenswert einstufte, nicht stattgefunden hat. Der Einzelne begreift seine privaten E-Mails oder Fotos eben nicht als normales Eigentum und geldwertes Gut. Belege dafür liefert wieder eine aktuelle Studie des Wissenschaftszentrums Berlin (Unwillingness to Pay for Privacy: A Field Experiment) . Darin sollte einer Gruppe von Kunden zwischen zwei gleich strukturierten Onlineshops wählen, bei denen man DVDs leihen konnte. Die Forscher boten zunächst die DVDs des einen Onlineshops zu einem geringeren Preis an, verlangten dafür aber mehr persönliche Daten. Das Ergebnis: Fast alle entschieden sich für das Produkt mit dem geringeren Preis. Eine zweite Versuchsanordnung bestätigt die Vermutung, dass private Daten für die Teilnehmer dabei überhaupt keinen ökonomischen Wert besaßen. Als die Preise für die DVDs in beiden Online-Shops gleich hoch angesetzt wurden, kam es zu einer annähernd gleichwertigen Verteilung auf beide Onlinehändler. Die Probanden behandelten ihre Daten also nicht wie etwas, das einen Gegenwert in Euro besitzt.
Der Bundesinnenminister will nun auf diese Erkenntnisse reagieren, indem er, ohne es so zu nennen, die Eigentumsrechte der Bürger an ihren persönlichen Daten stärkt. In einer Grundsatzrede vor einigen Wochen kündigte er an, er wolle die »informationelle Selbstbestimmung stärken«, indem er unter anderem sicherstellen wolle, dass man die Möglichkeit habe, rasch zwischen verschiedenen Internetangeboten »zu wechseln und die Daten mitzunehmen«. Thomas de Maizière spricht von »Verfügungsgewalt« über seine Daten.
Wenn man so will, denkt er in den Kategorien des Tauschhandels, der rückgängig zu machen sein muss. Das käme dem Verhalten der meisten Nutzer entgegen und würde tatsächlich einige aktuelle Probleme lösen, so etwa bei einem Wechsel von einem Sozialen Netzwerk zum anderen. Darüber hinaus müsste der Einzelne dann noch das Recht bekommen, bei allen Daten sammelnden Unternehmen einzusehen, was dort gerade gespeichert ist. Auch das ist eine Voraussetzung, um Verfügungsgewalt auszuüben – und auf dieser Grundlage würde sich über die Jahre der Tauschhandel vielleicht zu einem Markt entwickeln, in dem eine Währung eingesetzt wird. Heute sind wir davon weit entfernt.
- Datum 16.07.2010 - 15:55 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 15.07.2010 Nr. 29
- Kommentare 2
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Es ist traurig, dass man sich gegen die Machenschaften von Konzernen schützen muss weil die in persönlichen Daten stehlen gehen. Der Mensch ist ein Gesellschaftswesen und diese positive Eigenschaft wird von Konzernen in einer Weise missbraucht, dass der Mensch wie Schlachtvieh behandelt wird. Gewinnmaximierung auf Kosten der persönlichen Freiheit.
Gibt es dagegen Gesetze mit drakonischen Strafen (Zerschlagung bei Verstoß)? Nein. Die Gesetze lassen riesige Lücken offen oder öffnen ständig neue. Denn das Geldverdienen ist längst zum Selbstzweck verkommen, selbst wenn es ohnehin nicht mehr funktioniert.
http://www.heise.de/tp/r4...
...können persönliche Daten sein. Kontobewegungen in der Schweiz oder Liechtenstein. Und selbst unsere Bundesländer sind fleißig dabei, unsere geklauten Daten zu kaufen.
Ich unterstelle mal, dass diese Daten nicht gemeint waren, wenn die Datengesetze verschärft werden. Da wird es die ersten Ausnahmen geben. Da wird dann verfügt, dass diese Daten eigentlich schon den Finanzbehörden zustehen, sie aber böswillig entzogen wurden.
Das würde aber bei den Schweizer und Liechtensteiner Daten-CDs nicht zutreffen. denn den Finanzbehörden steht nur bei Verdacht die Offenlegung der Kontenstanddaten und Bewegungsdaten zu. Ohne Verdacht steht ihnen nur zu, zu erfahren, ob ein Konto existiert.
Da bin ich aber gespannt, welche Auslegung sich durchsetzen wird. Das wäre sogar eine grundgesetzliche Festlegung notwendig. Sonst schwankt die Rechtslage, welche persönlichen Daten dem Staat kostenlos zustehen, hin und her, je nachdem, welche Regierung gerade dran ist.
Dies ein Aspekt zur Veranschaulichung. Der Artikel ist sehr allgemein gehalten. Vielleicht gibt es weitere Präzisierungen in den Kommentaren zum Beispiel Facebook oder Schufa. Oder auch zu dem illegalen Bilddatenraub einer Tomate, um es in der eigenen Homepage zu verwenden.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren