Studiengang Mechatronik Gefragte Multitalente

Mechatronik verlangt vielseitige Begabungen: Der Ingenieurstudiengang verbindet Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik. Ein Fach mit guten Aussichten

Und dann, nachdem sie ein Jahr lang neben dem Studium über Konstruktionsplänen gebrütet und an der Werkbank getüftelt haben, ist es endlich so weit: 32 Studenten der Hochschule Bochum gehen in Australien mit ihrem selbst gebauten Solarmobil bei der World Solar Challenge an den Start, der Weltmeisterschaft für Solarfahrzeuge. Von Darwin an der Nordküste führt die Strecke 3000 Kilometer quer über den Kontinent bis nach Adelaide im Süden. Sechs Tage gleitet der weiß lackierte BOcruiser mit einem Studenten am Steuer durch das rot leuchtende Outback. Die anderen Teammitglieder sitzen in Begleitfahrzeugen und beobachten die Sonne, regeln per Datenfunk die Elektronik. Am Ende belegen die Bochumer Platz zwölf, gewinnen mit ihrem Hightech-Gefährt aber den Preis für das beste Design.

Das war im Oktober 2009, doch noch ein halbes Jahr später gerät Julian Stentenbach ins Schwärmen, wenn er von dem abenteuerlichen Trip erzählt: »Es war so spannend – die sechs Tage sind verflogen wie eine halbe Stunde.« Er sei sehr stolz auf die Leistung seines Teams: »Unser Auto hat in Australien für viel Aufsehen gesorgt.« Seinen eigenen Verdienst sieht Stentenbach, der die Studentengruppe leitete, weniger in der Konstruktionsarbeit. Zwar hatte er anfangs am Fahrwerk des Solarmobils mitgearbeitet, dann aber war er schnell zum Chef gewählt worden. In dieser Funktion musste er zwischen der Elektrik- und der Mechanikfraktion vermitteln. »Die Herausforderung bestand darin, das gesamte Projekt im Auge zu behalten – bis hin zur Reise nach Australien.«

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Dass Stentenbach sich als Teamchef bewährte, hat der 25-Jährige wohl auch seinem Studium zu verdanken, denn er studiert im sechsten Semester Mechatronik. Dabei handelt es sich um ein ingenieurwissenschaftliches Fach, das Elemente aus Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik vereinigt. Mechatronik steckt allerdings nicht nur in Hightech-Entwicklungen wie dem BOcruiser. »Überall dort, wo Maschinen etwas bewegen und diese Bewegung durch ein intelligentes System gesteuert wird, spricht man von Mechatronik«, sagt Reiner Dudziak, Professor für Mechatronik an der Hochschule Bochum.

Das Antiblockiersystem etwa ist ein solches mechatronisches System, in dem mechanische, elektrische und informationstechnische Komponenten zusammenarbeiten. Sensoren messen die Umdrehungsgeschwindigkeit der Räder und leiten die elektrischen Signale an einen Computer weiter. Blockieren die Räder, sorgt der Rechner dafür, dass sich die Bremsen im Millisekundentakt abwechselnd lösen und dann wieder zupacken – so bleibt das Auto lenkbar, und der Fahrer kann das Hindernis umfahren.

Mechatronische Systeme arbeiten auch in Bankautomaten, Digitalkameras, Spülmaschinen oder Windrädern. Mechatronik-Ingenieure entwickeln solche Produkte, arbeiten aber auch in der Beratung und im Service.

Früher verlief die Entwicklung meist in einem zweistufigen Prozess: Zuerst konstruierten Maschinenbau-Ingenieure die Mechanik, anschließend machten sich Elektrotechnik-Ingenieure daran, die Mechanik zu automatisieren. Trotz vieler Absprachen kam es an dieser Stelle häufig zu Problemen. »Beide Prozesse parallel laufen zu lassen war nicht üblich«, sagt Reiner Dudziak. Dann aber wurde die Technik immer komplexer – und ein Umdenken begann. »Heute werden zunehmend Fachkräfte gesucht, die auch an den Schnittstellen arbeiten können und darauf achten, dass mehrere Entwicklungs- und Produktionsschritte integriert ablaufen. Dafür sind Mechatronik-Ingenieure prädestiniert«, sagt Dudziak von der Hochschule Bochum.

Nachfragen bei Unternehmen bestätigen diese Einschätzung. Bei Bosch beispielsweise sind Mechatroniker als »Multitalente« gerne gesehen, »weil sie technische Fragestellungen ganzheitlich betrachten«, sagt Eva-Maria Weidner, Leiterin der Konzernabteilung Personal- und Hochschulmarketing. Die Wertschätzung ist so groß, dass der Konzern gemeinsam mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg einen Bachelorstudiengang für Mechatronik anbietet.

Leser-Kommentare
  1. Ich hab Medizin-Kypertronik mit WirtschaftsPhysikLinguistik studiert.
    Breiter kann man nicht aufgestellt sein.
    Heutzutage muss man einfach alles können!
    Sogar die Putzfrau braucht BWL.

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    • jr88
    • 28.07.2010 um 8:22 Uhr

    Ich bin Student des Studiengangs Mechatronik Trinational(4.Sem) und finde es äußerst schade, dass dieser mit keiner Silbe in diesem Artikel erwähnt wird!

    Wir studieren in 3 Ländern (D/F/CH) an den Standorten Lörrach, Basel und Mulhouse und sind als Deutsche an der DHBW immatrikuliert. Jedes Semester wechseln wir die Hochschule, so dass wir in jedem Land 2 Semester haben.
    Zusammengesetzt ist der Kurs zu Beginn aus 30 Studenten (10 aus D, 10 aus CH und 10 aus F), was auch einen besonderen Reiz ausmacht!
    Wer in D immatrikuliert ist, hat zusätzlich einen Arbeitgeber und studiert im dualen System.
    Der Studiengang findet überwiegend 2-sprachig statt, also auf französisch und deutsch und auch die Dozenten kommen aus allen 3 Ländern und dozieren an der jeweiligen Hochschule.

    Dieser Studiengang (existiert seit etwas über 10 Jahren) hat wirklich viel zu bieten und ist in meinen Augen auch wirklich anspruchsvoll.Er hat es leider trotz vieler hier erwähnter Studiengänge nicht in den Artikel geschafft.

    Das ist vielleicht noch das Manko, da der Studiengang so exotisch ist, dass kaum jemand diesen kennt!

    • jr88
    • 28.07.2010 um 8:22 Uhr

    Ich bin Student des Studiengangs Mechatronik Trinational(4.Sem) und finde es äußerst schade, dass dieser mit keiner Silbe in diesem Artikel erwähnt wird!

    Wir studieren in 3 Ländern (D/F/CH) an den Standorten Lörrach, Basel und Mulhouse und sind als Deutsche an der DHBW immatrikuliert. Jedes Semester wechseln wir die Hochschule, so dass wir in jedem Land 2 Semester haben.
    Zusammengesetzt ist der Kurs zu Beginn aus 30 Studenten (10 aus D, 10 aus CH und 10 aus F), was auch einen besonderen Reiz ausmacht!
    Wer in D immatrikuliert ist, hat zusätzlich einen Arbeitgeber und studiert im dualen System.
    Der Studiengang findet überwiegend 2-sprachig statt, also auf französisch und deutsch und auch die Dozenten kommen aus allen 3 Ländern und dozieren an der jeweiligen Hochschule.

    Dieser Studiengang (existiert seit etwas über 10 Jahren) hat wirklich viel zu bieten und ist in meinen Augen auch wirklich anspruchsvoll.Er hat es leider trotz vieler hier erwähnter Studiengänge nicht in den Artikel geschafft.

    Das ist vielleicht noch das Manko, da der Studiengang so exotisch ist, dass kaum jemand diesen kennt!

    • jr88
    • 28.07.2010 um 8:22 Uhr

    Ich bin Student des Studiengangs Mechatronik Trinational(4.Sem) und finde es äußerst schade, dass dieser mit keiner Silbe in diesem Artikel erwähnt wird!

    Wir studieren in 3 Ländern (D/F/CH) an den Standorten Lörrach, Basel und Mulhouse und sind als Deutsche an der DHBW immatrikuliert. Jedes Semester wechseln wir die Hochschule, so dass wir in jedem Land 2 Semester haben.
    Zusammengesetzt ist der Kurs zu Beginn aus 30 Studenten (10 aus D, 10 aus CH und 10 aus F), was auch einen besonderen Reiz ausmacht!
    Wer in D immatrikuliert ist, hat zusätzlich einen Arbeitgeber und studiert im dualen System.
    Der Studiengang findet überwiegend 2-sprachig statt, also auf französisch und deutsch und auch die Dozenten kommen aus allen 3 Ländern und dozieren an der jeweiligen Hochschule.

    Dieser Studiengang (existiert seit etwas über 10 Jahren) hat wirklich viel zu bieten und ist in meinen Augen auch wirklich anspruchsvoll.Er hat es leider trotz vieler hier erwähnter Studiengänge nicht in den Artikel geschafft.

    Das ist vielleicht noch das Manko, da der Studiengang so exotisch ist, dass kaum jemand diesen kennt!

    Antwort auf "Na und?"
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    • hamkon
    • 28.07.2010 um 14:46 Uhr

    Gemessen am Realvermögen (im Sinne dessen, was ein Mensch zu tun vermag) werden Sie auf eine ganz grausame Weise ein Scheitern erfahren, dass Sie und Ihre Kommilitonen lehren wird, dass jede Handlung ihre Zeit verbraucht und dass Sie selbst mit over- and hyperstimulated accelerations nicht einen wirklichen Schritt vorwärts kommen, weil es heute in den Unternehmen nicht mehr um reale Prozesse der Mehrwerterschaffung geht, sondern um schizoid-narzistische Selbstinszenierungen einer neuen Herrschaftskaste, die ihre Inszenierungen als oberste Priorität definiert hat.

    Eine andere Form des stalinistischen Kaderfunktionärssystems, aber ein um keinen Deut produktivere. Es geht um pathologische Allmachtsvorstellungen, um pathologische Grossmannssucht, um all die Untugenden, die herrenrassichen Superiors eigen sind. So gesehen steht Ihnen der Weg nicht auf ein Traumschiff, sondern auf ein Schiff voller Narren offen, wenn Sie einmal einen Job gefunden haben.

    Bon chance.

    • hamkon
    • 28.07.2010 um 14:46 Uhr

    Gemessen am Realvermögen (im Sinne dessen, was ein Mensch zu tun vermag) werden Sie auf eine ganz grausame Weise ein Scheitern erfahren, dass Sie und Ihre Kommilitonen lehren wird, dass jede Handlung ihre Zeit verbraucht und dass Sie selbst mit over- and hyperstimulated accelerations nicht einen wirklichen Schritt vorwärts kommen, weil es heute in den Unternehmen nicht mehr um reale Prozesse der Mehrwerterschaffung geht, sondern um schizoid-narzistische Selbstinszenierungen einer neuen Herrschaftskaste, die ihre Inszenierungen als oberste Priorität definiert hat.

    Eine andere Form des stalinistischen Kaderfunktionärssystems, aber ein um keinen Deut produktivere. Es geht um pathologische Allmachtsvorstellungen, um pathologische Grossmannssucht, um all die Untugenden, die herrenrassichen Superiors eigen sind. So gesehen steht Ihnen der Weg nicht auf ein Traumschiff, sondern auf ein Schiff voller Narren offen, wenn Sie einmal einen Job gefunden haben.

    Bon chance.

    • hamkon
    • 28.07.2010 um 14:36 Uhr

    So wie wir die Sensationen und die gewaltigen Hoffnungspotentiale durch die Organisation der Messen der Meister von Morgen in der Ostzone präsentiert bekamen, die dann in der brutalen Erbärmlichkeit der betrieblichen Praxis untergingen, so wird sich das mit den "gefragten Multitalenten" auch in der heutigen Finanszpekulations- und -anlagenbetrugwirtschaft unseres Kannibalkapitalismus nach dem Strickmuster der geistig-moralischen Wende von 1982 und der Agenda 2010 wieder ereignen.

    Schlussendlich sind aus einer Stunde nicht mehr als 60 Minuten heraus zu holen und auch diese Neuen Weber der Neuen Kleider des Kaisers werden auf Dauer mit ihrer Methode "Können! Muss nicht sein. Kennen! Kennen muss sein!", als Sternschuppen verglühen und als Aschehaufen in einer zusammengebrochenen Scheinwirtschaft ihre Erfahrungen sammeln.

    Geld ist nicht anderes als der Wert aller Güter, die wir als Gesellschaft und Wirtschaft in einem Akt von Mehwerterschaffung auf Basis einer realen, konsensualen Gemeinschaftsarbeit schaffen. Und davon kann ja wohl heute in den Betrieben schon lange nicht mehr die Rede sein, jedenfalls wenn wir die Kapitalunternehmen anschauen, in denen die real-existierende Günstlings- und Vetternwirtschaft nur noch Scheinleistungsträger und Pseudofachkundige in die Entscheiderpositionen spült.

    Gestern Politkommissare - heute Cashflow Controller.

    Nix dazu gelernt. Schade eingentlich.

    • hamkon
    • 28.07.2010 um 14:46 Uhr

    Gemessen am Realvermögen (im Sinne dessen, was ein Mensch zu tun vermag) werden Sie auf eine ganz grausame Weise ein Scheitern erfahren, dass Sie und Ihre Kommilitonen lehren wird, dass jede Handlung ihre Zeit verbraucht und dass Sie selbst mit over- and hyperstimulated accelerations nicht einen wirklichen Schritt vorwärts kommen, weil es heute in den Unternehmen nicht mehr um reale Prozesse der Mehrwerterschaffung geht, sondern um schizoid-narzistische Selbstinszenierungen einer neuen Herrschaftskaste, die ihre Inszenierungen als oberste Priorität definiert hat.

    Eine andere Form des stalinistischen Kaderfunktionärssystems, aber ein um keinen Deut produktivere. Es geht um pathologische Allmachtsvorstellungen, um pathologische Grossmannssucht, um all die Untugenden, die herrenrassichen Superiors eigen sind. So gesehen steht Ihnen der Weg nicht auf ein Traumschiff, sondern auf ein Schiff voller Narren offen, wenn Sie einmal einen Job gefunden haben.

    Bon chance.

    • jr88
    • 29.07.2010 um 8:50 Uhr

    Wohl eher bonne chance! ;)

    Sie versuchen aber wirklich ausschließlich mit Aphorismen den Studiengang und unsere Gesellschaft schlecht zu reden!
    Bitte noch ein wenig triefender...

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