Lehrerstreik Neunhundert blaue Briefe

In Schleswig-Holstein haben verbeamtete Lehrer gestreikt. Sie wollten bei den Kürzungsplänen der Landesregierung nicht mitmachen. Jetzt droht das Bildungsministerium mit Disziplinarverfahren

Nach der dritten Stunde war Schluss. Am 3. Juni legten in Schleswig-Holstein rund 3000 Lehrer ihre Arbeit nieder und beendeten den Unterricht. Die Beamten starteten nicht in verfrühte Ferien, sondern streikten. Für drei Stunden. Sie hatten genug von den Bildungsplänen der schwarz-gelben Landesregierung, die längere Arbeitszeiten und Stellenabbau vorsehen. Der Frust war so groß, dass sie zu einem Mittel griffen, das ihnen als Beamten eigentlich verboten ist, dem Streik. Dafür müssen sie nun die Konsequenzen tragen. 900 Briefe hat das Bildungsministerium an die Schulleitungen des Landes verschickt, mit der Aufforderung, die Namen der streikenden Lehrer zu nennen. Ihnen drohen Disziplinarverfahren und Gehaltskürzungen.

Geht es nach Bildungsminister Ekkehard Klug (FDP), sollen Lehrer in Schleswig-Holstein von 2011 an mehr Pflichtstunden zugeteilt bekommen. Im Durchschnitt müssen sie eine Unterrichtsstunde mehr in ihre Arbeitswoche integrieren. Auf dem Papier sieht das nach wenig aus, im Schulalltag kann es ein kompletter zusätzlicher Kurs sein. So wie für die Gesamtschullehrerin Christina Milkert aus Neumünster. Sie wird statt 24,5 sogar 27 Pflichtstunden unterrichten müssen – Vor- und Nachbereitung des Unterrichtsstoffes und die Korrektur von Klausuren nicht mitberechnet.

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Milkert geht es nicht um Zahlen, sondern um die höhere Belastung durch diese Arbeitsverlagerung. »Ich werde vielleicht nicht unbedingt mehr arbeiten, aber anders. Und das geht zulasten der Qualität meines Unterrichts und der Beratung meiner Schüler«, sagt Milkert.

Bildungsminister Klug plant außerdem, bis 2020 knapp 4000 Lehrerstellen zu streichen. Die Einsparungen seien nötig, um den Haushalt zu konsolidieren, sagt die Landesregierung. Der Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Bernd Schauer, verurteilt die Reform dagegen als »Bildungsabbau«.

Es liegt viel in der Waagschale für die Lehrer in Schleswig-Holstein. Genug, um einen Streik zu rechtfertigen? Für den Dienstherrn der Lehrer, das Bildungsministerium, stellt sich diese Frage nicht. Aus dem Ministerium heißt es, die verbeamteten Lehrer hätten rechtswidrig gehandelt und ihre Dienstpflicht verletzt. Dass man darauf mit Disziplinarverfahren reagiere, stehe somit in einer »logischen Kette« und sei »nicht verhandelbar«. Thomas Schunck, Sprecher des Ministeriums, gesteht den Lehrern durchaus ein Demonstrationsrecht zu, allerdings ausschließlich in ihrer Freizeit.

Der Stellenabbau in Schleswig-Holstein wird langfristige Folgen für Schüler und Lehrer haben. Davon ist die GEW überzeugt. Auch wenn die Beamten ihre Stellen nicht verlieren können, werden die Klassen zwangsläufig größer. Nach Ansicht der Gewerkschaft sind aber gerade kleine Klassen wichtig, um Schülern wie Lehrern eine gute Lernatmosphäre zu garantieren.

Schlechte Voraussetzungen also, um Schülern mit einer Hauptschulempfehlung doch noch zum Abitur zu verhelfen, so wie es Christina Milkert auf ihrer Gesamtschule dieses Jahr in drei Fällen geschafft hat.

Leser-Kommentare
  1. Wer sich die Vorteile einstreicht unkündbar zu sein, Lohnerhöhungen erhält obwohl der Staat riesige Schulden hat und woanders überall kurzgearbeitet werden muss, wer keine Sozialabgaben leistet, einen hohen Krankheitsstand hat und häufig in die Frühverrentung geht, der sollte hier richtig zur Rechenschaft gezogen werden. Jetzt auch noch gegen die Dienstpflichten verstoßen - Verweis erteilen und nachsitzen lassen.

    • HHuber
    • 22.07.2010 um 19:13 Uhr

    Natürlich ist das Maß voll und Streiks gegen die a- und unsoziale Bildungspolitik in Deutschland sind sicherlich voll gerechtfertigt (mich wundert eh, dass sich die Betroffenen das so lange gefallen lassen). Trotzdem: Beamte haben in vieler Hinsicht unglaubliche Vorteile gegenüber den Angestellten, nicht zuletzt ihre recht umfänglichen Pensionen, von denen Angestellte nur träumen können. Ein Grund für diese Vorteile ist nun auch einmal auch das Streikverbot.

    Aus diesem Grund sind Disziplinarverfahren völlig gerechtfertigt und sollten auch mit aller Härte durchgeführt werden. Jedem Beamten, der streiken will, steht es frei, aus dem Beamtenverhältnis auszutreten. Nur immer die Vorteile ausnutzen und die Pflichten vergessen, geht nun mal nicht.

  2. Der Chef der Pleite-Bank braucht ja Milliarden.
    Wo sollen die denn herkommen?
    Die Bürger werden abgezogen, die Politiker helfen ihnen dabei.
    Streik, egal von wem, ist das letzte Mittel bevor es richtig knallt!

  3. 4. Lehrer

    Ja, die armen Lehrer, müssen ja soooo viel Arbeiten. Da bleibt in den 6 Wochen Sommerurlaub sicher keine Zeit für einen Streik, oder gar am Wochenende!

    Die Arbeitsumstände können nicht so schlimm sein, wenn man einen Streik in der Freizeit nicht organisiert bekommt. Nächste Woche befinden sich die armen Geschundenen vermutlich zu zwei Dritteln in der Toskana um sich 5 Wochen wohl verdient vom übergroßen Stress zu erholen und man bekommt niemanden mehr auf die Strasse.

    Ich finde bei dieser Gelegenheit sollte die ganze häter an Disziplinarmaßnahmen angewendet werden. Die Lehrer sollten dann auf die Strasse gehen und für die Abschaffung des völlig überflüssigen Beamtentums dieser Berufsgruppe demonstrieren!

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    "Ja, die armen Lehrer, müssen ja soooo viel Arbeiten. Da bleibt in den 6 Wochen Sommerurlaub sicher keine Zeit für einen Streik, oder gar am Wochenende! "

    ja, das ist ziemlich wahr. die sommerferien sind die einzigen ferien, die lehrer nutzen können, um in den urlaub zu fahren. und dann auch höchstens 3 wochen, so wie es über das jahr verteilt der normale bürger auch tut. die restlichen ferienwochen, sei es im sommer oder in den restlichen jahreszeiten, sind für freizeit nicht nutzbar, da über ferien die zeit genutzt wird, klausuren zu korrigieren, unterrichtsstunden vorzubereiten und sonstigen papierkram zu erledigen. in der schulzeit ist es nunmal so, dass lehrer nicht nur halbtags arbeiten, sondern nach dem regulären unterricht in der schule noch (fach-)konferenzen oder elternabende haben und danach all das zu hause wartet, was oben genannt auch in den ferien gemacht werden muss.

    man muss doch einfach nur schauen, warum in deutschland ein akuter lehrermangel herrscht. es liegt einfach an den bedingungen, den die lehrer ausgesetzt sind.

    - eben keine halbtagsarbeit, sondern manchmal arbeit bis in die nacht
    - zu viele schüler in zu großen klassen
    - zu viel lernstoff, den die schüler jetzt auch noch in 12 jahren bewältigen müssen. da schafften es die lehrer nicht, allen alles beizubringen, weil sie gnadenlos den stoff durchpeitschen müssen

    bei solchen bedingungen ist selbst ein über dem durchschnitt liegendes gehalt nicht ausreichend, um genug studenten zu locken.

    "Ja, die armen Lehrer, müssen ja soooo viel Arbeiten. Da bleibt in den 6 Wochen Sommerurlaub sicher keine Zeit für einen Streik, oder gar am Wochenende! "

    ja, das ist ziemlich wahr. die sommerferien sind die einzigen ferien, die lehrer nutzen können, um in den urlaub zu fahren. und dann auch höchstens 3 wochen, so wie es über das jahr verteilt der normale bürger auch tut. die restlichen ferienwochen, sei es im sommer oder in den restlichen jahreszeiten, sind für freizeit nicht nutzbar, da über ferien die zeit genutzt wird, klausuren zu korrigieren, unterrichtsstunden vorzubereiten und sonstigen papierkram zu erledigen. in der schulzeit ist es nunmal so, dass lehrer nicht nur halbtags arbeiten, sondern nach dem regulären unterricht in der schule noch (fach-)konferenzen oder elternabende haben und danach all das zu hause wartet, was oben genannt auch in den ferien gemacht werden muss.

    man muss doch einfach nur schauen, warum in deutschland ein akuter lehrermangel herrscht. es liegt einfach an den bedingungen, den die lehrer ausgesetzt sind.

    - eben keine halbtagsarbeit, sondern manchmal arbeit bis in die nacht
    - zu viele schüler in zu großen klassen
    - zu viel lernstoff, den die schüler jetzt auch noch in 12 jahren bewältigen müssen. da schafften es die lehrer nicht, allen alles beizubringen, weil sie gnadenlos den stoff durchpeitschen müssen

    bei solchen bedingungen ist selbst ein über dem durchschnitt liegendes gehalt nicht ausreichend, um genug studenten zu locken.

  4. in SH für mehr Brutto statt Netto votieren und die Steuerpflicht wie bei Angestellten einführen?

  5. Da muss ich zustimmen, ich bin in einer Lehrerfamilie aufgewachsen, einer Familie sehr engagierter Lehrer, die wöchentlich mehr Stunden arbeiten als wahrscheinlich die meisten Festangestellten.
    Ich werde mich bloß hüten und niemals Lehrer werden!

    Und allen, die jetzt angenehmerweise in das gleiche Horn blasen können und in einem Ton über den Lehrerberuf herziehen:
    Lehrer sind mit eine der Hauptgrundlagen unserer Gesellschaft, es sind die ersten Menschen, die unseren Kindern Wissen vermitteln, die (was oftmals zu Hause versäumt wird) Kindern eine gewisse Disziplin abverlangen (etc, etc).

    Also bitte hört auf mit eurem Geheul!

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