CDU-Rücktritte Bloß weg hier!
Die CDU verliert eine ganze Führungsgeneration. Aber fehlen Rüttgers, Koch, Oettinger oder von Beust wirklich?
Drei Phasen hat Angela Merkel erlebt, seit sie vor gut zehn Jahren zur Vorsitzenden der CDU gewählt wurde. In der ersten war sie umlagert von einer Schar Gleichaltriger, von denen jeder dachte, er selbst, zumindest aber einer aus seiner Boygroup, habe Anspruch auf die Führungsrolle. Der jungen Vorsitzenden wurde jede Schwäche nachgetragen, jeder Fehler diente dazu, ihre prekäre Position weiter zu untergraben. Eingekeilt zwischen Gerhard Schröder und Joschka Fischer auf der einen, Roland Koch, Friedrich Merz und Christian Wulff auf der andern Seite, erlebte Merkel damals, zwischen 2000 und 2005, ihre politischen Horrorjahre.
Danach wurde alles anders. Angela Merkel hatte die Union 2005 an die Macht zurückgeführt. Sie war Kanzlerin geworden, wenn auch mit einem denkbar knappen Sieg. Doch gerade der Umstand, dass die Union nun mit den Sozialdemokraten regieren musste, erzwang innerparteiliche Loyalität. Die Chefin vor den Angriffen der Sozis zu schützen gehörte plötzlich zur Parteiräson.
Nun ist Angela Merkel in der dritten Phase angekommen. Fast wirkt sie wieder so gefährdet wie einst. Nicht, weil ihre alten Widersacher erneut aktiv sind, sondern im Gegenteil, weil sie sich nun reihenweise aus der Politik verabschieden. Es erscheint wie der letzte Angriff einer geschlagenen Generation. Merkel steht unter Druck, weil ihre einstigen Gegner verschwinden.
Am vergangenen Sonntag hat der Horror Vacui in der Führungsetage der CDU einen neuen Höhepunkt erreicht. Ole von Beust kündigt seinen Rückzug an. Er war lange genug dabei, erklärt Hamburgs Noch-Bürgermeister in leicht genervtem Tonfall. »Wir bleiben in Kontakt«, verspricht die Kanzlerin.
»Erosion« lautet nun der Begriff, der innerhalb und außerhalb der CDU die Runde macht. Wie soll man es auch anders nennen, wenn innerhalb eines Jahres sechs führende Köpfe der Partei die Bühne verlassen. Althaus und Rüttgers abgewählt, Koch und von Beust amtsmüde, Oettinger nach Brüssel entsorgt, Wulff ins Bellevue entschwunden. Es ist die Generation, die in der späten Ära Kohl in den Startlöchern saß und die Zukunft der CDU repräsentierte. Es sind diejenigen, die nach dem Machtverlust 1998 den Generationswechsel vollzogen. Seither standen sie im Zentrum der Partei.
Nun sind sie plötzlich Vergangenheit, von einem Tag auf den anderen. Und es würde schon nicht mehr überraschen, wenn als letzter der einstigen Hoffnungsträger bald auch der Saarländer Peter Müller sein Ausscheiden ankündigen würde.
In Fahrt kommt das Krisenkarussell nicht allein wegen der personellen Verluste der CDU. Aber sie wirken besonders verheerend, weil sich die schwarz-gelbe Koalition seit Monaten als streitlustiges, überfordertes und unambitioniertes Gebilde erweist, dem auch die Kanzlerin keine Richtung geben kann. Auch wenn die Rücktrittswelle nichts mit dem Zustand der Koalition zu tun hat, wirkt sie doch wie eine Reaktion auf die desperaten Monate: Bloß weg hier! Dass erstmals in der Geschichte der Republik auch noch ein Bundespräsident vorzeitig zurücktrat, passt ins Bild.
- Datum 24.07.2010 - 08:14 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.07.2010 Nr. 30
- Kommentare 17
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erst das Land ausplündern und dann abhauen...
man die Nase voll. Ewig dieses Gezerre, Kampf mit den Falschdarstellungen, erfinderischer Trügergeist, Tücken und Fallen auf dem Weg, nicht jede kann umgangen werden, das Meinungsbarometer ... Allerdings: Es stehen genug neue da, die auch mal bisschen lenken wollen ...
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Was Merkel fehlt, ist nicht das frische Personal, sondern in erster Linie eine klare Vision für die Regierungs-Politik.
Sie leitet das Land wie ein Frühstücksdirektor: Keine Strategie, moderieren, aussitzen.
Erfolgsrezept: asymmetrische Demobilisierung des Wahlvolks mit der Nebenwirkung Demobilisierung der Berufspolitiker aller Parteien!
Wähler, Ihr habt Euch fürchterlich geirrt!
Her Oettinger sitzt in Brüssel auf einer neuen Position.
Herr Rüttgers hat die Wahl in NRW verloren und hätte genervt,
weil er nach Berlin will, auch erledigt.
Für Herrn Koch und Herrn v. Beust gilt:
Wer rausgeht muß auch wieder reinkommen, oder ganz draußenbleiben.
Dazu haben sich Beide entschieden, wohl aus gutem Grund,
dumm sind sie nicht.
Die Karawane zieht weiter ohne große Aufregung und die Kanzlerin
genießt ihren verdienten Urlaub.
Was ist objektiv die politische "Hinterlassenschaft" von Rüttgers, Koch, Oettinger oder von Beust?
Was ist die tatsächliche politische Leistung, die diese Politiker "aus der Sicht der Bürger (des Souveräns!)" zweifelsfrei bewertbar erbracht haben?- So gesehen bleibt dann offensichtlich nicht mehr viel übrig...
Der Artikel weist auf die Potentiale der Politikflüchtlinge hin, ohne zu beschreiben, welchem Konservativismus diese Leute eigentlich anhängen.
Erst die intellektuellen Fähigkeiten gepaart mit der Grundstruktur der Denke lässt Schlußfolgerungen zu, ob diese Leute in einer Gesellschaft die von Mitte-Links regiert werden will, überhaupt noch mehrheitsfähig wäre.
Für mich ist klar, die CDU hat nur eine Überlebenschance als Volkspartei, wenn sie dem Linkstrend, gepaart mit viel Pragmatismus, Rechnung trägt. Diese Überlebenschance will Merkel verbreitern, dabei ist ihr aber noch der Westerwelle im Wege. Aber den wird sie auch noch los.
'Quitting = loosing', jeder Normalbürger ist mit dieser Alltagssituation in unserer Gesellschaft eigentlich recht vertraut. Und ist es nicht auch und vor allem genau der Job eines Politikers, im Streit Kompromisse zu finden statt das Handtuch zu werfen ? Wer kann sich das in seinem Beruf leisten ? Es ist wohl gut so, daß die, die einen Stresstest nicht aushalten, besser gehen.
Diese "Politikverdrossenheit von oben", die Empfindlichkeit im Streit, ist vor allem ein Problem einzelner Politiker und fällt auch negativ auf die einzelne Person zurück. Die Verantwortung dafür auf Merkel zu schieben ist erstmal Futter für Medien, aber bei genauerem Hinsehen nicht ihr Problem. Merkel tauscht aus und macht weiter.
Dem Koch diese beiden Eigenschaft zu unterstellen finde ich weit hergeholt. Ich verstehe nur nicht, warum die Hessen so ein brilianten und Kompetenten Politiker beim ersten Wahlgang abgewaehlt haben???? Die Zeiten von Koch, Ruedgers und co sind vorbei. Die waehler haben sie hintereinander abgewaehlt und das ist gut so.
um die Brillanz und Kompetenz von so guten Leuten wie Koch und Ruedgers zu erkennen. Es ist so wie in der Schule. Die Leherer können brillant sein , und das beste wollen. Wen die Schüler sich aber Comic-heften ablenken lassen kann & bei den Pruefungen durchfallen , werden sie die Lehrer als inkompetent betrachten.
Es ist also nicht "gut" sondern äußerst bedauerlich das die Politik und damit das Volk so gute und brillante Füher verloren hat.
Ein KOMPETENTER UND BRILLIANTER Lehrer sollte in der Lage sein die Interesse seine Schüler zu wecken sie gewinnen und mitzunehmen. Sonst wuerden ja wir von einem normalen Lehrer sprechen.
um die Brillanz und Kompetenz von so guten Leuten wie Koch und Ruedgers zu erkennen. Es ist so wie in der Schule. Die Leherer können brillant sein , und das beste wollen. Wen die Schüler sich aber Comic-heften ablenken lassen kann & bei den Pruefungen durchfallen , werden sie die Lehrer als inkompetent betrachten.
Es ist also nicht "gut" sondern äußerst bedauerlich das die Politik und damit das Volk so gute und brillante Füher verloren hat.
Ein KOMPETENTER UND BRILLIANTER Lehrer sollte in der Lage sein die Interesse seine Schüler zu wecken sie gewinnen und mitzunehmen. Sonst wuerden ja wir von einem normalen Lehrer sprechen.
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