Missbrauch Im Schutzraum des SchweigensSeite 3/3

Dieter K. habe gern die evangelische Befreiungstheologin Dorothee Sölle zitiert, die berühmt wurde mit Merksätzen wie: »Liebesfähig zu werden ist das Ziel des Lebens.« Ironie der Ahrensburger Geschichte, dass der Rücktritt der Bischöfin Jepsen ausgerechnet im Hamburger Dorothee-Sölle-Haus stattfand. Dorthin werden die Zeugen seit einigen Wochen nun schon zur Anhörung geladen.

Ansonsten bleiben die Opfer auf sich gestellt. Die Brüder Anselm, Stephan und Sebastian Kohn haben deshalb vor Kurzem beschlossen, sich zu helfen, indem sie die Wahrheit ans Licht bringen. Claudia Berner sei die Vorkämpferin gewesen. Wenn man die Brüder Kohn jetzt vor der Presse über ihre traumatischen Erlebnisse sprechen hört, denkt man, das Durchbrechen der Schweigemauer sei leicht. Es bleibt aber schrecklich schwer. Bei vielen Betroffenen aus Ahrensburg liegen zwischen dem Missbrauch und dem Mut zur Anzeige fast zwanzig Jahre. Sebastian Kohn sagt: »Wenn man besoffen genug war, konnte man es vielleicht vorher mal jemandem anvertrauen. Aber dann ertrug man es wieder allein.« Es ist die tiefe Demütigung durch einen Mann, der Vertrauensperson oder gar Vaterfigur war, es ist dieses Inzestuöse, was die Opfer fast zerreißt. Sich einzugestehen, dass der bewunderte oder gar geliebte Mann zugleich der Feind war, zerstört jegliches positive Selbstwertgefühl.

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Sebastian Kohn wirft sich bis heute vor, sich nicht gegen den Stiefvater Dieter K. gewehrt zu haben. Das Ausgeliefertsein begann damals mit 14 Jahren auf der Fahrradtour der Jungschar, als er nach einem Gewitter im Zelt des Pastors Zuflucht fand und für den Rest der Reise allnächtlich missbraucht wurde. »Tagsüber scherzten wir. Nachts war ich unfähig, wegzulaufen oder zu schreien. Ich schämte mich schrecklich für meine Körperreaktionen, aber konnte nichts dagegen machen.« Er hoffte dann tagsüber immer, der freundliche K. würde von ihm ablassen. »Heute weiß ich, die Hoffnung war sinnlos.« Tagseite und Nachtseite des Pfarrers K. gehörten zusammen.

Als der zwei Jahre später wieder auftauchte, nun an der Seite von Sebastians Mutter, die ihn zu heiraten beabsichtigte, war der Sohn zornig, aber schwieg. Offenbar hatte sein Peiniger sich nun für eine Ehe, für eine Frau entscheiden. Ein Irrtum. Vom 16. bis zum 19. Lebensjahr wurde Sebastian weiter schwer missbraucht. In der Zeit war er Schülersprecher, Geräteturner, engagierte sich in der Friedensbewegung, las Martin Luther King und Willy Brandt. »Ich weiß nicht, warum ich so schrecklich schicksalsergeben war.« Seine Freundin sagt weinend, dass sie jeden Tag Panik habe, er könne sich wieder etwas antun. Manchmal fühlt sie sich von dieser Angst regelrecht überschwemmt. Auch die Angehörigen der Opfer seien Opfer. Wann hört das auf?

Die meisten der Opfer aus den Ahrensburger Jugendgruppen Am Hagen stürzten ab in Alkohol, kifften, fassten im Beruf nur schwer Fuß, haben bis heute Probleme, sich zu verlieben. Jetzt stützen sie sich gegenseitig. Sie haben eine Selbsthilfegruppe gegründet. Sie äußern Schuldgefühle, die Pastoren schweigen. Götz Meincke, auch ein Schützling von Dieter K., den dieser missbrauchte, als Meincke Jugendgruppenleiter des Pastors war, sagt heute, er fühle sich schuldig wegen der Jungen, die nach ihm kamen. Früher hätte er, sagt Meincke, vor Wut und Verzweiflung am liebsten die Kirche angezündet. Später habe er sich vorgenommen, »vor Dieter auszuspucken«. Bei der Taufe seiner Nichte und seines Neffen habe er seinem einstigen Peiniger aber dann doch wie unter Zwang die Hand gegeben.

Wenn man heute mit den mutmaßlichen Opfern spricht, dann ist ihr neu gewonnener Mut, aber immer noch ihre Ohnmacht spürbar. Man ahnt dahinter die Machtfülle eines manipulativen einstigen Vorbilds, des bewunderten Pastors K., aber auch der Geistlichen überhaupt, seien sie evangelisch oder katholisch. Sie sind Sinnstifter, Autoritäten, Vorbilder. In Ahrensburg, das merkt man deutlich, war bei aller Liberalität des Habitus viel Selbstherrlichkeit im Spiel.

Ein neuer Pornografie-Fall – und wieder wird Diskretion angemahnt

Nur worüber herrschte Pastor K. eigentlich? Die Hagener Kirche sieht aus wie ein Sparkassenbau, flach und verklinkert. An der Außenwand das Kreuz, davor die deutsche Flagge. Das ist kein pompöser Schreckenstempel. Eher ein Backsteincontainer – wo ein Einzelner seine Macht entfalten konnte. Um ihn herum der Schutzraum des Schweigens. Wo kein Richter, da kein Täter. Über das evangelische Machtsystem wird noch einiges aufzuklären sein: Wie auch hier die Missbraucher mit den Vertuschern eine unheilige Allianz bildeten.

Letztes Jahr war in der zehn Kilometer entfernten Gemeinde Lütjensee ein Kirchenmusiker wegen Kinderpornografie aufgefallen. Die zuständige Pastorin ist Britta Sandler, die einstige Ahrensburger Anfängerin, die gegen das Schweigen anzurennen versuchte. Als sie jetzt den Pornografie-Fall ihrem Kirchenvorstand vortragen wollte und einen Termin bei der Kripo hatte, sei sie von der Pröbstin Margit Baumgarten dringend um Diskretion gebeten worden. Der Kirchenvorstand müsse nichts erfahren. Sandler sagt, sie wolle keine mutmaßlichen Täter an den Pranger stellen. Aber den Opfern gerecht werden, das schon.

* Name von der Redaktion geändert

 
Leser-Kommentare
  1. ... und die Mechanismen des Verschweigens auch!

    Egal ob in der Familie, im Sportverein, im Ferienlager oder in der Kirche.

    Das ist die wesentliche Erkenntnis der letzten Monate.

    Gruß,

    Joe

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    • Kiat
    • 23.07.2010 um 11:06 Uhr

    @joe: es stellt schon einen großen Unterschied dar, ob sexueller Missbrauch in Umfeld einer christlichen Kirche oder im weltlichen Raum erfolgt. Gerade die christlichen Kirchen, die immer die Liebe Gottes predigen, das Wort "Liebe" offensichtlich falsch verstehen, sollten endlich aufhören, den Mantel des Schweigens über solche Vergehen zu legen, sondern sich nicht nur um die Aufklärung kümmern, sondern vor allem den Opfern beistehen.

    • Kiat
    • 23.07.2010 um 11:19 Uhr

    Wenn ich lesen muss, dass ein Kirchenmusiker wegen Kinderpornographie aufgefallen ist und dass die zuständige Pastorin um Diskretion gebeten wurde, da frage ich mich schon, in welcher Zeit wir leben. Kinderpornographie zählt für mich zu den widerlichsten Verbrechen, solche strafrelevante Delikte können und dürfen nicht verschwiegen werden, vor allem dann nicht, wenn sie im Umfeld der Kirche stattfinden. Da beanspruchen kirchliche Vertreter eine Vorbildfunktion, und wenn schreckliche Fehler gemacht werden, dann soll das die Öffentlichkeit nicht erfahren. Mit einem solchen Verhalten werden die christlichen Kirchen immer unglaubwürdiger.

    • Kiat
    • 23.07.2010 um 11:06 Uhr

    @joe: es stellt schon einen großen Unterschied dar, ob sexueller Missbrauch in Umfeld einer christlichen Kirche oder im weltlichen Raum erfolgt. Gerade die christlichen Kirchen, die immer die Liebe Gottes predigen, das Wort "Liebe" offensichtlich falsch verstehen, sollten endlich aufhören, den Mantel des Schweigens über solche Vergehen zu legen, sondern sich nicht nur um die Aufklärung kümmern, sondern vor allem den Opfern beistehen.

    • Kiat
    • 23.07.2010 um 11:19 Uhr

    Wenn ich lesen muss, dass ein Kirchenmusiker wegen Kinderpornographie aufgefallen ist und dass die zuständige Pastorin um Diskretion gebeten wurde, da frage ich mich schon, in welcher Zeit wir leben. Kinderpornographie zählt für mich zu den widerlichsten Verbrechen, solche strafrelevante Delikte können und dürfen nicht verschwiegen werden, vor allem dann nicht, wenn sie im Umfeld der Kirche stattfinden. Da beanspruchen kirchliche Vertreter eine Vorbildfunktion, und wenn schreckliche Fehler gemacht werden, dann soll das die Öffentlichkeit nicht erfahren. Mit einem solchen Verhalten werden die christlichen Kirchen immer unglaubwürdiger.

  2. und ermitteln gegen alle, die davon gewusst haben, wegen unterlassener Hilfeleistung und Begünstigung fortlaufender schwerer Straftaten?

    • carol
    • 23.07.2010 um 7:58 Uhr

    ..nimmt fahrt auf.

    immer mehr menschen werde desillusioniert. eine rückkehr zum christlichen glauben wird dann nicht mehr stattfinden.

    selbst schuld.

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    Sie schreiben vom Untergang der Kirche in Verbindung mit einer Rückkehr zum christlichen Glauben.

    Braucht man die Kirche zum Glauben? Ich denke nein! Liest man die Geschichte von Hus - dem sogenannten "Ketzer" aus Böhmen, es wird einem nur schwummrig.
    Für mich ist die Institution Kirche ein Wirtschaftsunternehmen mit allen Facetten: Controlling, Mobbing, Festhalten an Posten, teilweise auch Versorgungseinrichtung für jene denen nichts anderes einfiel. Mancher Pastor könnte auch in anderen Unternehmen arbeiten, seine Darlegung von Glaube und Zugang zu den Menschen, die seiner Hilfe bedürfen ist kalt, man fängt an zu frieren!
    Ich habe eine Gemeinde erlebt, vom Propst über diverse Pastoren bis hin zum Gemeindevorstand. Bückelnd und absolut "perfekt" in der Demontage von engagierten Menschen. Diese hatten nämlich einen Fehler: sie wollten die Kirchentüren aufreissen für alle Menschen, ihnen ein Zuhause geben in schweren Zeiten.
    Und diese schweren Zeiten umfassten viele alltägliche Dinge die von unserer Gesellschaft nur hinter vorgehaltener Hand und mit Augenbinde wahrgenommen werden: Arbeitslosigkeit, keine Ausbildung, Schwierigkeiten im Elternhaus, erster Liebeskummer, Bettlägerigkeit, schwere Krankheit und Tod eines lieben Menschen, Verzweiflung über den Zustand unserer Umwelt.
    Die "belachten" Pastoren sind jetzt in anderen Gemeinden mit starken Pröpsten, die nicht kuschen, wenn der Bischof kommt!

    Sie schreiben vom Untergang der Kirche in Verbindung mit einer Rückkehr zum christlichen Glauben.

    Braucht man die Kirche zum Glauben? Ich denke nein! Liest man die Geschichte von Hus - dem sogenannten "Ketzer" aus Böhmen, es wird einem nur schwummrig.
    Für mich ist die Institution Kirche ein Wirtschaftsunternehmen mit allen Facetten: Controlling, Mobbing, Festhalten an Posten, teilweise auch Versorgungseinrichtung für jene denen nichts anderes einfiel. Mancher Pastor könnte auch in anderen Unternehmen arbeiten, seine Darlegung von Glaube und Zugang zu den Menschen, die seiner Hilfe bedürfen ist kalt, man fängt an zu frieren!
    Ich habe eine Gemeinde erlebt, vom Propst über diverse Pastoren bis hin zum Gemeindevorstand. Bückelnd und absolut "perfekt" in der Demontage von engagierten Menschen. Diese hatten nämlich einen Fehler: sie wollten die Kirchentüren aufreissen für alle Menschen, ihnen ein Zuhause geben in schweren Zeiten.
    Und diese schweren Zeiten umfassten viele alltägliche Dinge die von unserer Gesellschaft nur hinter vorgehaltener Hand und mit Augenbinde wahrgenommen werden: Arbeitslosigkeit, keine Ausbildung, Schwierigkeiten im Elternhaus, erster Liebeskummer, Bettlägerigkeit, schwere Krankheit und Tod eines lieben Menschen, Verzweiflung über den Zustand unserer Umwelt.
    Die "belachten" Pastoren sind jetzt in anderen Gemeinden mit starken Pröpsten, die nicht kuschen, wenn der Bischof kommt!

  3. Sie schreiben vom Untergang der Kirche in Verbindung mit einer Rückkehr zum christlichen Glauben.

    Braucht man die Kirche zum Glauben? Ich denke nein! Liest man die Geschichte von Hus - dem sogenannten "Ketzer" aus Böhmen, es wird einem nur schwummrig.
    Für mich ist die Institution Kirche ein Wirtschaftsunternehmen mit allen Facetten: Controlling, Mobbing, Festhalten an Posten, teilweise auch Versorgungseinrichtung für jene denen nichts anderes einfiel. Mancher Pastor könnte auch in anderen Unternehmen arbeiten, seine Darlegung von Glaube und Zugang zu den Menschen, die seiner Hilfe bedürfen ist kalt, man fängt an zu frieren!
    Ich habe eine Gemeinde erlebt, vom Propst über diverse Pastoren bis hin zum Gemeindevorstand. Bückelnd und absolut "perfekt" in der Demontage von engagierten Menschen. Diese hatten nämlich einen Fehler: sie wollten die Kirchentüren aufreissen für alle Menschen, ihnen ein Zuhause geben in schweren Zeiten.
    Und diese schweren Zeiten umfassten viele alltägliche Dinge die von unserer Gesellschaft nur hinter vorgehaltener Hand und mit Augenbinde wahrgenommen werden: Arbeitslosigkeit, keine Ausbildung, Schwierigkeiten im Elternhaus, erster Liebeskummer, Bettlägerigkeit, schwere Krankheit und Tod eines lieben Menschen, Verzweiflung über den Zustand unserer Umwelt.
    Die "belachten" Pastoren sind jetzt in anderen Gemeinden mit starken Pröpsten, die nicht kuschen, wenn der Bischof kommt!

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    ich bin gläubig. Aber ich brauche keine Kirche dazu.

    ich bin gläubig. Aber ich brauche keine Kirche dazu.

    • TDU
    • 23.07.2010 um 9:23 Uhr

    Welch erfreulich differenzierte Darstellung im Gegensatz zu den Berichten über Verfehlungen bei anderen Religionen.

    Vor allen Dingen ist einer gewissen Ratlosigkeit Ausdruck gegeben.

    Im Gegensatz dazu sind bei den Katholiken das Zölibat, die Abwesenheit von Frauen in der Institution und der Papst als klare und unumstössliche Ursache ausgemacht. Immer und von vorne herein.

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    ... denn nicht nur dieser traurige "Fall", sondern auch die Vorgänge an der Odenwaldschule zeigen auf, dass es nicht allein am Zölibat oder einem anderen Enthaltungsgebot liegen kann, wenn sich Erwachsene sexuell an Kindern vergehen.
    Da kommt in der Tat Ratlosigkeit auf. Hoffen wir, dass es nicht Wasser auf die Mühlen der katholischen Zölibatsbefürworter ist...

    Allerdings wächst AUCH die Hoffnung, dass durch die serienweisen Enthüllungen immer weniger Täter sich der Illusion hingeben können, es werde von ihren Verbrechen ja doch niemand etwas erfahren.

    In einer pervertierten Weise hatte der katholische Würdenträger recht, der behauptete, die sexuelle Revolution sei schuld an den Missbrauchsvorgängen. Er hat, aus meiner bescheidenen Sicht, nur die Kausalität falsch beurteilt: es kann sehr gut sein, dass die zunehmende Ent-Tabuisierung von Sexualität es den _Opfern_ leichter macht, über die Vorgänge, die ja sie, die Opfer, in allererster Linie zutiefst beschämt haben müssen, offen zu sprechen, weil sie nun auf Verständnis hoffen dürfen. Das Ende der Verklemmtheit bringt eben hoffentlich auch das Ende des Verschweigens dieser "darüber-spricht-man-nicht"-Fälle.

    Nichts anderes als vorgenannte Einstellung ist doch bei allzuvielen Zeugen und Mitwissern Grund genug, den Mund zu halten. Eine besonders üble Form von Fremdschämen könnte man es nennen.

    ... denn nicht nur dieser traurige "Fall", sondern auch die Vorgänge an der Odenwaldschule zeigen auf, dass es nicht allein am Zölibat oder einem anderen Enthaltungsgebot liegen kann, wenn sich Erwachsene sexuell an Kindern vergehen.
    Da kommt in der Tat Ratlosigkeit auf. Hoffen wir, dass es nicht Wasser auf die Mühlen der katholischen Zölibatsbefürworter ist...

    Allerdings wächst AUCH die Hoffnung, dass durch die serienweisen Enthüllungen immer weniger Täter sich der Illusion hingeben können, es werde von ihren Verbrechen ja doch niemand etwas erfahren.

    In einer pervertierten Weise hatte der katholische Würdenträger recht, der behauptete, die sexuelle Revolution sei schuld an den Missbrauchsvorgängen. Er hat, aus meiner bescheidenen Sicht, nur die Kausalität falsch beurteilt: es kann sehr gut sein, dass die zunehmende Ent-Tabuisierung von Sexualität es den _Opfern_ leichter macht, über die Vorgänge, die ja sie, die Opfer, in allererster Linie zutiefst beschämt haben müssen, offen zu sprechen, weil sie nun auf Verständnis hoffen dürfen. Das Ende der Verklemmtheit bringt eben hoffentlich auch das Ende des Verschweigens dieser "darüber-spricht-man-nicht"-Fälle.

    Nichts anderes als vorgenannte Einstellung ist doch bei allzuvielen Zeugen und Mitwissern Grund genug, den Mund zu halten. Eine besonders üble Form von Fremdschämen könnte man es nennen.

  4. ... denn nicht nur dieser traurige "Fall", sondern auch die Vorgänge an der Odenwaldschule zeigen auf, dass es nicht allein am Zölibat oder einem anderen Enthaltungsgebot liegen kann, wenn sich Erwachsene sexuell an Kindern vergehen.
    Da kommt in der Tat Ratlosigkeit auf. Hoffen wir, dass es nicht Wasser auf die Mühlen der katholischen Zölibatsbefürworter ist...

    Allerdings wächst AUCH die Hoffnung, dass durch die serienweisen Enthüllungen immer weniger Täter sich der Illusion hingeben können, es werde von ihren Verbrechen ja doch niemand etwas erfahren.

    In einer pervertierten Weise hatte der katholische Würdenträger recht, der behauptete, die sexuelle Revolution sei schuld an den Missbrauchsvorgängen. Er hat, aus meiner bescheidenen Sicht, nur die Kausalität falsch beurteilt: es kann sehr gut sein, dass die zunehmende Ent-Tabuisierung von Sexualität es den _Opfern_ leichter macht, über die Vorgänge, die ja sie, die Opfer, in allererster Linie zutiefst beschämt haben müssen, offen zu sprechen, weil sie nun auf Verständnis hoffen dürfen. Das Ende der Verklemmtheit bringt eben hoffentlich auch das Ende des Verschweigens dieser "darüber-spricht-man-nicht"-Fälle.

    Nichts anderes als vorgenannte Einstellung ist doch bei allzuvielen Zeugen und Mitwissern Grund genug, den Mund zu halten. Eine besonders üble Form von Fremdschämen könnte man es nennen.

  5. Auch Gerold Becker ist ein Fall der evangelischen Kirche:
    http://wap.ekd.de/EKD-Tex...

  6. So wie Sie es in Ihrem Beitrag deuten, genau so war es gesagt und gemeint von Bischof Mixa,der dafür von den Medien angefeindet wurde.

    Es geht nicht darum, dass die bösen 68er grundsätzlich Kinderf..... wären, sondern dass damals ein ganz bestimmter Geist in die Erziehung und in die Lebenseinstellungen der Menschen einzog. Eine allgemeine Befreiung von bisher als normal empfundenen 'Zwängen' Diese Haltung begünstigte überall, wo Erwachsene mit Kindern in Kirchen, Vereinen oder Familien zusammen waren, dass Menschen mit dieser unguten Veranlagung bei ihren Untaten letztlich auf ein für sie besseres 'Klima'hoffen konnten.

    Als Mixa die 68er ansprach, war das nicht als Anklage gemeint, sondern sollte uns alle zum Überlegen bringen. Genau das wurde aber wiederum abgelehnt.

    Nun ist Mixa im Ruhestand und wir alle im Unruhestand, denn die Wahrheit kommt nun an allen Stellen hervor. Es hat überhaupt nichts mit Zölibat zu tun, mit der angeblichen Verdrängung der Sexalität in der katholischen Kirche oder mit einem Papst der der lateinischen Liturgie anhängt.

    WIR alle sind wohl mitschuldig, wenn wir die kleinen Andeutungen von Missbrauchten nicht recht verstehen konnten...oder vielleicht auch unbewusst nicht verstehen wollten.

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    Es mögen damals libertinäre Zeiten angebrochen sein, aber davon hätten sich die Moralprediger und Erzieher mit Zugang zu Kindern eben NICHT anstecken lassen dürfen.
    "Ungute Veranlagung": welch ein Euphemismus.

    Umgekehrt wird ein Schuh draus: erst durch die sexuelle Enthemmung wurde es überhaupt möglich, über diese klandestinen Verbrechen mehr oder weniger öffentlich zu _sprechen_, ohne _als Opfer_ in die Ecke gestellt zu werden, weil man sich "dazu" hatte rumkriegen lassen. Erinnern Sie sich vielleicht mir mir, dass früher der Priester DIE Autorität war, gegen die nicht aufgemuckt wurde? Als noch, wenn man zuhause eine vom Pastor ausgeteilte Ohrfeige "beichtete", von Elternhand eine dazu kam, weil dafür ja wohl jeder Grund bestand?

    Früher wurden auch bekanntlich Frauen bei Vergewaltigungsprozessen peinlichst genau befragt, ob sie etwa "in actu" Vergnügen empfunden hätten.

    Dass wir aus solchen Zeiten raus sind, DAS ist für mich einer der Grundvorteile dessen, dass Sexualität aus der Schmuddelecke heraus geholt wurde. Auch von den 68ern.

    Es mögen damals libertinäre Zeiten angebrochen sein, aber davon hätten sich die Moralprediger und Erzieher mit Zugang zu Kindern eben NICHT anstecken lassen dürfen.
    "Ungute Veranlagung": welch ein Euphemismus.

    Umgekehrt wird ein Schuh draus: erst durch die sexuelle Enthemmung wurde es überhaupt möglich, über diese klandestinen Verbrechen mehr oder weniger öffentlich zu _sprechen_, ohne _als Opfer_ in die Ecke gestellt zu werden, weil man sich "dazu" hatte rumkriegen lassen. Erinnern Sie sich vielleicht mir mir, dass früher der Priester DIE Autorität war, gegen die nicht aufgemuckt wurde? Als noch, wenn man zuhause eine vom Pastor ausgeteilte Ohrfeige "beichtete", von Elternhand eine dazu kam, weil dafür ja wohl jeder Grund bestand?

    Früher wurden auch bekanntlich Frauen bei Vergewaltigungsprozessen peinlichst genau befragt, ob sie etwa "in actu" Vergnügen empfunden hätten.

    Dass wir aus solchen Zeiten raus sind, DAS ist für mich einer der Grundvorteile dessen, dass Sexualität aus der Schmuddelecke heraus geholt wurde. Auch von den 68ern.

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