Normandie Monets Fest
Vor 150 Jahren hat die Normandie den Impressionisten ihre besten Motive geliefert. Jetzt bedankt sich die Region mit Malkursen und Picknicks im Grünen
© JOEL SAGET/Getty Images

Claude Monet hielt die Kathedrale von Rouen in einer 33teiligen Bilderserie fest
Nicht fragen: Was hätte Monet dazu gesagt? Einfach weitermachen. Pinsel ins Wasserglas stupfen, etwas Ocker auf dem Pappteller verteilen, einen Tupfer Umbra dazu und dann mit der Spitze den Turm hinpünkteln. So haben es die Impressionisten gemacht – ungefähr. Das Motiv steht vor dem Fenster: die Kathedrale von Rouen. Claude Monet hat sie zwischen 1892 und 1894 dreißigmal gemalt, immer frontal. Bei Tagesanbruch, zur kreidigen Mittagszeit, im durchsonnten Dunst und im abendlichen Schatten. In Blau, Gelb, Rosé, Grau. Sein Atelier lag dem Portal gegenüber im ersten Stock eines Renaissancehauses, damals ein Strumpf- und Trikotagengeschäft, dessen Kundinnen den Maler auf die Palme brachten, wenn sie im Hintergrund herumraschelten. Heute waltet dort das Fremdenverkehrsamt von Rouen.
Hinter den Fenstern, wo der Meister an mehreren Staffeleien gleichzeitig arbeitete, lehrt Édith Molet Oghia, eine aparte Dame mit braunen Locken und schwingenden Ohrgehängen, »Malen wie Monet«. Sie unterrichtet ganze Schulklassen, doch heute sitzen nur vier Touristen um einen runden Tisch. Man müsse keine besonderen Fertigkeiten mitbringen, weder zeichnen noch aquarellieren können, stand im Prospekt. An jedes Malpult ist die Reproduktion einer Kathedrale von Monet geklemmt, daneben ein Blatt mit den Umrisslinien. So erkennt der Proband, wo er mit den ockerfarbenen Tupfen aufhören und mit den blauen für den Himmel anfangen sollte.
- Anreise
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Zum Beispiel mit Air France nach Paris. Von dort mit dem TGV nach Rouen.Karte Frankreich Normandie Rouen
© ZEIT-Grafik
(Für eine größere Ansicht der Karte, klicken Sie bitte hier.) - Unterkunft
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Manoir de Villers, 30 Route de Sahurs, Saint-Pierre-de-Manneville, Tel. 0033-235320702, www.manoirdevillers.com, 2 DZ und 1 Suite als B&B, DZ ab 140 Euro exkl. Frühstück
Ermitage Bouquet, 58 rue Bouquet, Tel. 0033-232123040, www.hotel-ermitagebouquet.com, DZ ab 115 Euro
L’Absinthe Hotel, 1, rue de la Ville, Honfleur, Tel. 0033-231892323, www.absinthe.fr, Zimmer, Restaurant, Frühstücksraum über mehrere alte Häuser am Hafen verteilt, DZ ab 115 Euro exkl. Frühstück
- Festival
Festival »Normandie Impressionniste«: bis zum 26. September, www.normandie-impressionniste.fr. In Lokalen an der Seine gibt es impressionistische Bälle. In Deauville und Massy finden am 8. August Picknicks statt. In Cabourg kann man am 22. August auf dem Deich dinieren – in historischen Kostümen. »Une ville pour l’impressionnisme: Monet, Pissarro et Gauguin à Rouen« heißt die Ausstellung im Musée des Beaux-Arts de Rouen (Tel. 0033-235712840, www.rouen-musees.com), geöffnet 9 bis 19, Do/Sa bis 22 Uhr. Lichtschau ab 23 Uhr
- Ausstellungen
Weitere Ausstellungen in Honfleur, Dieppe und Vernon Musée des impressionnismes Giverny, 99 Rue Claude Monet, Giverny, Tel. 0033-232519465, www.mdig.fr. In Giverny kann man auch Monets Haus und Garten besichtigen, Rue Claude Monet, Tel. 0033-232512821, www.fondation-monet.fr, täglich bis 1. November 9.30 bis 18 Uhr
- Auskunft
Comité Régional de Tourisme de Normandie, www.normandie-tourisme.fr/de. Atout France, Tel. 09001-570025, www.franceguide.com
Keiner hebt den Blick vom Blatt, um das wirkliche, übermächtige gotische Bauwerk zu betrachten, das rahmenfüllend im Fenster steht: drei Türme, von denen einer wie das Blatt einer Stichsäge in den Himmel zackt; graues Maßwerk aus Litzen und Spitzen, das im Lichtgestöber von Monets Bildern nur zu ahnen ist. Jeder kleckst für sich allein, unterstützt von Madame Molet Oghia, die über die Schulter schaut: »Sehr hübsch! Aber mehr Wasser, die Farbe dünner auftragen. So: tac tac tac!« Sie nimmt den Pinsel in die Hand und strichelt selbst das Werk zu Ende.
Nicht fragen: Was hätte Monet dazu gesagt?, sondern ins Musée des Beaux-Arts und in die Ausstellung Une ville pour l’impressionisme gehen. Vor 150 Jahren haben sich in Rouen und anderen Orten der Normandie junge Maler zusammengerottet, die vom akademischen Kunstbetrieb als »außerirdisch« und »wahnsinnig« beschimpft wurden. Nun feiert die Region den Aufbruch in die Moderne mit einem großen Jubiläumsfestival. Auf rund 200 Veranstaltungen – Konzerten, Lesungen, Ausstellungen und Landpartien – soll das Publikum ein wenig vom Geist der vergangenen Zeit spüren und das Licht der Normandie entdecken, das die Künstler aus ihren Pariser Butzen aufs Land und an die Küste lockte. Entlang der Seine, wo sie malten, ruderten und ihre Tischdecken im Grünen ausbreiteten, lädt man in diesem Sommer wieder zu Ausflügen, Bootspartien und Picknicks ein.
Kunst fand um die Mitte des 19. Jahrhunderts vorwiegend im Atelier statt. Wer ins Freie zog und auf seiner Leinwand das Sujet nicht wirklichkeitsgetreu abbildete, machte sich verdächtig. Über Monets Bild Impression, Sonnenaufgang, eine Komposition in Blau und Violett mit der flirrenden Schleppe des roten Sonnenballs auf dem Wasser, zog ein Kritiker her, als hätte er die Ergebnisse von Madames Malkurs vor Augen gehabt. Und doch brachte er mit seinem Schmähwort »impressionistes!« (Eindrückler!) das Wirken Monets und der Malerfreunde Sisley, Degas, Berthe Morisot, Pissarro und Renoir auf den Punkt. Als »fünf oder sechs Wahnsinnige, darunter eine Frau« verurteilte er sie: »Diese sogenannten Künstler nehmen Leinwand, Farbe und Pinsel, werfen auf gut Glück einige Farbtöne hin und setzen ihren Namen darunter… Welch ein erschreckendes Beispiel menschlicher Eitelkeit.«
Die sogenannten Schmierereien fanden nur wenige Abnehmer. So kaufte der arme Manet dem noch ärmeren Monet 1875 fünf Bilder zu je 100 Franc ab. 20 Jahre später wurden die Kathedralen-Gemälde zu je 15000 Franc gehandelt. In Rouen zog der Künstler aus dem Strumpfgeschäft in ein Atelier im Nachbarhaus. In Giverny an der Seine, auf halbem Weg zwischen Rouen und Paris, erwarb er ein Anwesen für sich und seine große Patchworkfamilie und legte einen Garten an. Aus dem Schlafzimmerfenster überblickte er jeden Morgen sein Werk: vorn am Haus das überbordend Blühende, im Hintergrund die dunkle Blutbuche am Seerosenteich.
- Datum 30.07.2010 - 11:59 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.07.2010 Nr. 30
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Der Bericht erinnert mich an eine wunderschöne Normandiereise, aber das zweite Bild ist leider falsch: das ist nicht die Kathedrale von Rouen, es dürfte sich um die ebenfalls sehr große und eindrucksvolle Abteikirche St. Ouen in Rouen handeln.
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