Konzernumbau Die Gunst der Stunde

Schon vor dem Unfall im Golf von Mexiko wollte BP-Chef Tony Hayward den Konzern umbauen. Jetzt bleibt ihm keine andere Wahl

Vor der Küste Libyens rückt dieser Tage eine schwimmende Bohrinsel in Stellung. Sie trägt den Namen Homer Ferrington und gehört der Noble Corporation, einem Subunternehmen im internationalen Ölgeschäft. Sein Firmensitz ist Baar in der Schweiz.

Die gigantische, 1985 in der Sowjetunion gebaute und zuletzt 2004 generalüberholte künstliche Insel wird ihre Bohrköpfe in bis zu 1700 Meter Wassertiefe unter den Meeresboden treiben. Es ist ein Projekt an den Grenzen des technisch Möglichen. Das Wasser ist an dieser Stelle im Golf von Sidra noch tiefer als an jenem Ort im Golf von Mexiko, wo am 22. April die Deepwater Horizon sank und die größte Ölpest in der Geschichte der USA verursachte.

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Die Erschließung des 24.000 Quadratkilometer großen Golfs von Sidra und angrenzender 30.000 Quadratkilometer Wüste stellt das größte Engagement dar, das jemals ein Energiekonzern im Reich Gadhafis eingegangen ist. Das Gebiet hat die doppelte Fläche von Belgien! Und noch nie in ihrer über hundertjährigen Geschichte hat die Firma, die den Zuschlag erhielt, so viel Geld in ein einziges Ölgebiet gesteckt.

Die Firma heißt BP.

Machen die einfach weiter wie bisher?

Alle Welt rechnete nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko mit einem raschen Niedergang des britischen Ölkonzerns, und viele Beobachter tun es bis heute. Mitte Juni reduzierte die internationale Rating-Firma Fitch die Kreditwürdigkeit des Ölmultis auf BBB, nur zwei Punkte über Schrottwert. An der Londoner Börse stürzten BP-Aktien bis Ende Juni auf drei Pfund ab, sie waren also nur noch halb so viel wert wie vor der Katastrophe. Experten meinen, die Einzelteile der Firma seien mehr wert als das Ganze an der Börse.

Als der BP-Chef Tony Hayward bald darauf den Nahen Osten bereiste, interpretierten Aktienhändler das entsprechend: Der Ölmanager suche bei Prinzen, Scheichen und Bankern in Abu Dhabi, Qatar, Kuwait und Singapur um Geld und Rückhalt nach. Gerüchte machten die Runde, nach denen der große US-Rivale ExxonMobil sich von Präsident Barack Obama die Zustimmung für eine Übernahme des zweitgrößten Ölkonzerns der Welt geholt habe. Die Rede ist von einem Verkauf von BP-Vermögen in Alaska, Anteilen an der argentinischen Ölfirma Pan-American Energy, Ölfeldern in Venezuela, Kolumbien und Vietnam. Ein Rückzug aus Russland scheint nicht ausgeschlossen. Am Montag berichtete die Press Association, der BP-Aufsichtsrat erwäge den Verkauf aller Tankstellen und Raffinerien.

Doch schlich sich mit diesen Meldungen, Gerüchten und Interpretationen auch ein Missverständnis in die Berichterstattung ein: dass bei BP alle in Panik seien. Dass es sich um reine Notverkäufe handle, wenn der Ölkonzern Teile abstoße. Dass es jetzt bloß noch darum gehe, die Schadensersatzmilliarden zu zahlen.

Leser-Kommentare
  1. Die Frage würde ich auch gerne beantwortet bekommen. Liegt es nicht an der Presse?

    Warum wurde beispielseweise bis heute nicht über den Unfall in der texanischen BP Raffenerie vom 6. April 2010 in der deutschen Presse berichtet?

    Dabei wurden über einen Zeitraum von 40 Tagen insgesamt 244.000kg hochgiftige Substanzen in die Umwelt entlassen.

  2. Was ist dran an den Gerüchten, dass diese Katastrophe möglicherweise geplant war?

    - verdächtige Aktienverkäufe
    - komische Telefonate

  3. Na ja, was sich halt so jeder unter "klein aber fein" vorstellt. Die Vorstellungen sind da individuell wohl recht unterschiedlich:

    http://www.kuenstlernetzw...

    • tom67
    • 28.07.2010 um 10:14 Uhr

    Da leistet er so schlechte Arbeit und wird nicht mal entlassen wie es jedem anderen passieren würde. Nein er bekommt ein ganzes Jahres Gehalt und einen neuen Job zwar in Russland, aber erhat Arbeit. Jeder andere Arbeiter würde erst Arbeitslosengeld erhalten und dann kommt der Abstieg, tolle Gerechtigket, auch in England gelten doch gleichtsgesetzte oder?

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