Südafrika Mutter des Erfolgs
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Weiblicher Führungsstil

Eigentlich wollte Zikalala nicht in die Diamantenindustrie. Als Kind träumte sie davon, Ärztin zu werden. Das war der einzige Beruf mit hohem Prestige, von dem man in der Wohnsiedlung für Schwarze in ihrem Heimatort Vryheid je gehört hatte. Ihre Eltern – eine Lehrerin und ein Schulinspektor – waren schockiert, als ihre Tochter in der zwölften Klasse eines Tages nach Hause kam und verkündete, sie wolle in einer Mine arbeiten. Für sie waren Minen Symbole der Ausbeutung. Sie glaubten, ihre Tochter würde für einen Hungerlohn unter Tage gehen und ihr Talent vergeuden.

Zikalala lacht, als sie erzählt, wie sie versprechen musste, dass sie nicht in einem Schacht arbeiten werde. Vertreter von De Beers waren einige Wochen zuvor in ihre Schule gekommen und hatten den besten Schülern Universitätsstipendien angeboten. Im Gegenzug mussten die in den Ferien für den Konzern arbeiten. Zikalala war unter den Auserwählten und hatte direkt zugesagt.

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Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die damals 17-Jährige nie etwas von Studiengängen wie Maschinenbau oder Hüttenkunde gehört. Das Diskriminierungssystem hatte Zikalala noch am eigenen Leib zu spüren bekommen. Während gleichaltrige Weiße von Beginn an in eine gut ausgestattete Schule in der Stadt gehen konnten, musste sie sich in einer Township-Schule die wenigen vorhandenen Bücher mit Klassenkameraden teilen. Bis sie wegen guter Noten die Oberstufe einer Missionarsschule besuchen konnte, hatte sie noch nie einen Computer gesehen. Und auch keinen Diamanten.

Ihren Eltern verdanke sie, dass sie trotz allem eine gute Bildung genossen habe, sagt sie. »Meine vier Geschwister und ich wurden zu harter Arbeit angehalten.« Von ihrer Großmutter, die in einer weißen Familie als Haushaltshilfe arbeitete, habe sie gelernt, dass jeder sein Glück selbst in der Hand halte. Diese Einstellung will sie an ihre Mitarbeiter weitergeben: »Ich sage immer: Wenn ihr vor einer Tür steht und jammert, dass ihr keine Chance habt, reinzukommen, wird sich nichts ändern. Die Tür öffnet sich erst, wenn ihr die Klinke drückt.«

Zikalala hat in kurzer Zeit einen Führungsstil entwickelt, der zu funktionieren scheint – eine Mischung aus Lebensfreude, Disziplin und Förderung von Eigeninitiative. »Aus weiblichem und gesundem Menschenverstand«, wie sie es flapsig formuliert. »Ich gebe auch Anweisungen, aber ich will, dass die Leute sie hinterfragen, mit mir diskutieren. Ich will, dass sie Ideen einbringen und genauso viel Spaß haben wie ich«, sagt sie. Wenig später knufft sie eine Kollegin, der sie zuvor wegen eines Sicherheitsverstoßes eine Strafzahlung von 20Cent aufgebrummt hat, kumpelhaft in die Seite.

Für die Zukunft hat Zikalala sich viel vorgenommen. Eine Familie will sie gründen, am liebsten hätte sie drei Kinder. Sie glaubt nicht, dass ihre Karriere dadurch gefährdet würde. »Andere schaffen das auch«, sagt sie nur. Die haben allerdings nicht vor, CEO einer großen Firma zu werden. »Es muss nicht De Beers sein, auch nicht die Minenindustrie. Es gibt viele Branchen, denen mehr Weiblichkeit guttun würde«, sagt sie. Selbstsicher und stolz. Man könnte meinen, dass ihre Mutter eine Ahnung hatte, wie ihre Tochter einmal werden würde, als sie nach einem passenden Namen für sie suchte. Mpumi bedeutet »Mutter des Erfolgs«.

 
Leser-Kommentare
  1. Es ist nach Nelson Mandela vom Parlament in Pretoria ein Gesetz
    verabschiedet worden, das alle freiwerdenden Arbeitsplätze,
    die vorher mit Weißen besetzt waren, bei Neubesetzung
    mit Schwarzen besetzt werden müssen.
    Ich möchte das auch nicht bewerten, weil es jeder Nation
    freisteht, wie sie ihre Belange regelt.
    Nur soviel, nach Chancengleichheit sieht das nicht aus.

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    • joflo
    • 28.07.2010 um 13:53 Uhr

    Solche Gesetze sind fuer den einzelnen tatsaechlich nicht fair. So kann ein weisses Kind aus einer reichen Familie ja nichts dafuer, dass es von der ersten Klasse an die Moeglichkeit hatte, an einer guten Privatschule unterrichtet zu werden.

    Allerdings kann es fuer einen Staat als ganzes durchaus sinnvoll sein, Einzelne zu benachteiligen, wenn es dadurch im Schnitt allen besser geht: Dadurch, dass mehr Schwarze in Fuehrungspositionen kommen, gibt es auch mehr Vorbilder, die Kinder in Townships moitivieren koennen; wenn diese dann motivierter lernen, ihre Eltern mehr dafuer geben, um auch die letzten Schuljahre zu bezahlen, dadurch mehr gut ausgebildete junge Menschen in Unternehmen stroemen oder auch selber neue gruenden, dann kann dadurch der Wohlstand des Landes steigen.

    Natuerlich bergen solche Gesetze die Gefahr in sich, dass sie zu extrem angewandt werden, und moeglicherweise Talente verloren gehen, weil jemand auf einen Posten kommt, fuer den er gar nicht die noetige Ausbildung hat.

    Da Suedafrika allerdings einige Probleme hat, was Armut, Kriminalitaet und aehnliches angeht, ist dieses Risiko durchaus zu rechtfertigen.

    • joflo
    • 28.07.2010 um 13:53 Uhr

    Solche Gesetze sind fuer den einzelnen tatsaechlich nicht fair. So kann ein weisses Kind aus einer reichen Familie ja nichts dafuer, dass es von der ersten Klasse an die Moeglichkeit hatte, an einer guten Privatschule unterrichtet zu werden.

    Allerdings kann es fuer einen Staat als ganzes durchaus sinnvoll sein, Einzelne zu benachteiligen, wenn es dadurch im Schnitt allen besser geht: Dadurch, dass mehr Schwarze in Fuehrungspositionen kommen, gibt es auch mehr Vorbilder, die Kinder in Townships moitivieren koennen; wenn diese dann motivierter lernen, ihre Eltern mehr dafuer geben, um auch die letzten Schuljahre zu bezahlen, dadurch mehr gut ausgebildete junge Menschen in Unternehmen stroemen oder auch selber neue gruenden, dann kann dadurch der Wohlstand des Landes steigen.

    Natuerlich bergen solche Gesetze die Gefahr in sich, dass sie zu extrem angewandt werden, und moeglicherweise Talente verloren gehen, weil jemand auf einen Posten kommt, fuer den er gar nicht die noetige Ausbildung hat.

    Da Suedafrika allerdings einige Probleme hat, was Armut, Kriminalitaet und aehnliches angeht, ist dieses Risiko durchaus zu rechtfertigen.

    • joflo
    • 28.07.2010 um 13:53 Uhr

    Solche Gesetze sind fuer den einzelnen tatsaechlich nicht fair. So kann ein weisses Kind aus einer reichen Familie ja nichts dafuer, dass es von der ersten Klasse an die Moeglichkeit hatte, an einer guten Privatschule unterrichtet zu werden.

    Allerdings kann es fuer einen Staat als ganzes durchaus sinnvoll sein, Einzelne zu benachteiligen, wenn es dadurch im Schnitt allen besser geht: Dadurch, dass mehr Schwarze in Fuehrungspositionen kommen, gibt es auch mehr Vorbilder, die Kinder in Townships moitivieren koennen; wenn diese dann motivierter lernen, ihre Eltern mehr dafuer geben, um auch die letzten Schuljahre zu bezahlen, dadurch mehr gut ausgebildete junge Menschen in Unternehmen stroemen oder auch selber neue gruenden, dann kann dadurch der Wohlstand des Landes steigen.

    Natuerlich bergen solche Gesetze die Gefahr in sich, dass sie zu extrem angewandt werden, und moeglicherweise Talente verloren gehen, weil jemand auf einen Posten kommt, fuer den er gar nicht die noetige Ausbildung hat.

    Da Suedafrika allerdings einige Probleme hat, was Armut, Kriminalitaet und aehnliches angeht, ist dieses Risiko durchaus zu rechtfertigen.

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    Ich weiß nicht was sie rauchen, muß aber ganz schöner Tobak sein.
    Der Norddeutsche sagt: Man kann dat allns hinsnaken.

    Und was die Reichen angeht, gibt es zahlenmäßig wohl keine Unterschiede
    mehr.
    Mich befremdet nur, das Qualifikation zweitrangig ist für eine Anstellung.
    Eigentlich sollen ja Minderheiten geschützt werden, oder?

    Ich weiß nicht was sie rauchen, muß aber ganz schöner Tobak sein.
    Der Norddeutsche sagt: Man kann dat allns hinsnaken.

    Und was die Reichen angeht, gibt es zahlenmäßig wohl keine Unterschiede
    mehr.
    Mich befremdet nur, das Qualifikation zweitrangig ist für eine Anstellung.
    Eigentlich sollen ja Minderheiten geschützt werden, oder?

  2. 3. @ 2

    Ich weiß nicht was sie rauchen, muß aber ganz schöner Tobak sein.
    Der Norddeutsche sagt: Man kann dat allns hinsnaken.

    Und was die Reichen angeht, gibt es zahlenmäßig wohl keine Unterschiede
    mehr.
    Mich befremdet nur, das Qualifikation zweitrangig ist für eine Anstellung.
    Eigentlich sollen ja Minderheiten geschützt werden, oder?

    • Ghassi
    • 28.07.2010 um 16:06 Uhr

    Es ist wirklich ein schöner und zugleich optimistischer Artikel zur Stellung der Frau in Südafrika. Jedoch erweist sich diese Dame als absolute Ausnahmeerscheinung zum trostlosen Leben zahlreicher südafrikanischer Frauen - LEIDER! Armut, Gewalt und Perspektivenlosigkeit dominieren weiterhin den Alltag der Mehrheit dieser Bevölkerungsgruppe. Ich empfehle folgenden Artikel zur dramatischen Lage der Südafrikanerinnen: [...]

    [Gekürzt. Nochmals möchten wir Sie bitten, auf das Verlinken Ihres Blogs zu verzichten. Vielen Dank. /Die Redaktion pt.]

  3. In der Regenbogennation macht es eine Frau auch nicht.
    Nelson Mandela fehlt ihnen an allen Ecken und Enden.
    Talente wie Mandela findet man in einer jungen Nation
    wie Südafrika nicht jeden Tag.

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  • Quelle DIE ZEIT, 22.07.2010 Nr. 30
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  • Schlagworte Südafrika | Familie und Partnerschaft | Mine | Diamant
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