Staatspräsident Frankreich will Könige
Wie Nicolas Sarkozy so unbeliebt werden konnte
© ERIC FEFERBERG/AFP/Getty Images

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy
Die Franzosen, sagte der Sozialphilosoph Raymond Aron einmal, lieben nicht die Reform, sondern nur die Revolution. Stellen sie das jetzt wieder einmal unter Beweis?
Diejenigen, die den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy verteidigen, betonen die Reformfeindlichkeit des Landes. Sie sagen, die Beliebtheit des Präsidenten sei deswegen so gesunken, weil er – endlich – gegen die Blockaden des Landes angestürmt sei. Zum Beispiel: eine garantierte Basisversorgung namens service minimum während der Streiks im öffentlichen Dienst (Schulen, Kindergärten, Nahverkehr und anderswo); Autonomie der Universitäten; Reform der Rentenversicherung – und noch jedes Mal sei Nicolas Sarkozy schließlich frontal mit dem Konservatismus zusammengeprallt, vor dem seine Vorgänger stets zurückgeschreckt seien. Deshalb bezahle er heute für seine Hartnäckigkeit.
Ein weiterer Faktor macht es zudem für Sarkozy schwer: die globale ökonomische Situation. Die Finanzkrise im vergangenen, ebenso diejenige der Staatshaushalte in diesem Jahr sowie das schwache Wirtschaftswachstum und die drohende Sparpolitik – das alles erregt das Missfallen der Straße. Die Staats- oder Regierungschefs in Spanien, Italien oder Deutschland haben laut Umfragen, alles in allem genommen, nur noch ein Drittel der Bevölkerung auf ihrer Seite. Seltsamer demokratischer Nihilismus: Den linken oder rechten Regierungen werden just jene von außen kommenden Schocks vorgeworfen, gegen die sie zu kämpfen versuchen! Frankreich ist da jedenfalls keine Ausnahme.
Und doch hat die Unbeliebtheit des französischen Präsidenten noch zusätzliche, tiefer liegende Ursachen.
Denn er hat gegen das verstoßen, was die nationale Ideenwelt der Franzosen ausmacht, und das in mehr als einer Hinsicht.
Erstens: Ausgerechnet in diesem alten monarchistischen Land – das ist es in seinem Kern geblieben, trotz der Revolution von 1789 – verstieß er gegen die Vorstellungen, die sich die Franzosen von der Würde seines Amtes machten.
Sarkozy wollte regelrecht brechen mit dem Pomp und der Distanz, die monarchistische Züge tragen. Er glaubte, dass ein neues demokratisches Zeitalter angebrochen sei, in dem sich ein Präsident von seinen Mitbürgern nicht etwa dadurch abhebe, dass er von höherem Wesen wäre, sondern weil er, den Menschen ansonsten ähnlich, ganz einfach über ein außergewöhnliches Quantum an Energie verfüge.
Doch er hatte sich getäuscht. Ihm wurde bald vorgeworfen, das Amt zu banalisieren, es durch zahllose unpassende Details zu trivialisieren, von der Zurschaustellung seines Privatlebens bis zur »Vulgarität« gewisser Verhaltensweisen. Zwar versuchte er daraufhin, seine Amtsführung zu ändern. Aber das Bild eines allzu gewöhnlichen, vom Sockel gefallenen Präsidenten hat sich in die Gehirne der Franzosen eingeprägt.
- Datum 23.07.2010 - 16:34 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.07.2010 Nr. 30
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Es gibt auf der Website von voltairenet.org einen Artikel des Thierry Meyssan, den man zum Verständnis von Sarkozy unbedingt gelesen haben sollte. Da wird auch gezeigt, dass die Zurschaustellung seines Privatlebens von ganz anderen Skandalen und Hintergründen ablenken sollte.
Es ist also nicht so, dass Sarkozy das Präsidentenamt trivialisieren, womöglich sogar ein demokratisches Zeitalter beginnen wollte, wie der Artikel da naiv spekuliert.
Weil ich nicht weiß, wie weit die Details hier der Zensur verfallen würden, empfehle ich den Lesern den Artikel von Thierry Meyssan im Original zu lesen:
http://www.voltairenet.or...
Nicolas Sarkozy hat die Rolle des Präsidenten nie als Amt, das heißt als Aufgabe, begriffen, sondern bestenfalls als Etappe seiner beruflichen Karriere. Sarkozy ist nicht "Staatsmann", sondern "Politiker". Er ist einfach nie in die Rolle des Präsidenten hineingewachsen, und von einem Präsidenten darf man schon mehr erwarten, als dass er gerade mal seinen Job tut.
Durch seine ichbezogene Interpretation des Amtes entsteht aber auch ein ganz anderes Bild: Es ist eben ein Unterschied, ob der "Präsident der Republik" von irgendjemand privat eingeladen wird, oder ob "Herr Sarkozy" seine Ferien auf einer Jacht mit den Reichen der Republik verbringt. Einem "Präsidenten" gesteht man einige Privilegien zu; einem kleinen Anwalt aus Neuilly eben entsprechend weniger.
Die Hälfte der Franzosen verdient heute maximal 1500€ und damit bekommt man in kleineren Städten gerade mal eine 30m²-Wohnung, in größeren Städten vielleicht noch ein Zimmer; vom Mindestgehalt (1050€) kann sowieso niemand mehr leben; da helfen auch 50€ mehr nicht mehr. Und wer meint in Zeiten eines schleichenden Pauperismus seine Politik prioritär auf ein "Steuerschutzschild" für Reiche begründen zu müssen, wirkt eben bestenfalls realitätsfremd... und ansonsten nur zynisch.
Er hat Geld zum Mitelpunkt seiner Präsidentschaft gemacht; selbst hat er's zwar schon bis zum Präsidenten gebracht - und seine "Rolex" hat er sicher auch - aber darüber hinaus hat er einfach verdammt wenig zu bieten.
Zitat:
"Seltsamer demokratischer Nihilismus: Den linken oder rechten Regierungen werden just jene von außen kommenden Schocks vorgeworfen, gegen die sie zu kämpfen versuchen! Frankreich ist da jedenfalls keine Ausnahme."
Ist das nur ein Missverständnis oder Desinformation?
Immerhin waren es doch "linke und rechte Regierungen" welche - unterstützt vom Getröte der Medien - der Herrschaft der "Finanzmärkte" sprich dem Zocker-Casino Tür und Tor geöffnet haben. Und nebenbei solch hanebüchenen Unsinn wie Privatisierungsverträge, welche vor der Öffentlichkeit verborgen bleiben müssen wg. "Geschäftgeheimnis", "Cross-Border-Leasing" mit Gerichtsstand in New York, Freiheit für Hedgefonds und Spekulationspapiere usw. usw. nach Kräften gefördert haben.
Nein, das kam nicht nur "von außen" - jedenfalls gab es "drinnen" Leute, welche den "von außen kommenden Schochs" Tür und Tor sperrangelweit aufgerissen haben.
Das wollen wir nicht vergessen.
Das Sarkozy nicht halten würde, was er vor der Wahl versprch, war vorherzusehen. Die resultierende Enttäuschung auch.
vor allem da sie hinsichtlich der Coleur keine Unterscheidung treffen, statt des perfiden Stils die Verantwortung immer nur beim politischen Gegner zu verorten, was nachweislich falsch ist.
H.
vor allem da sie hinsichtlich der Coleur keine Unterscheidung treffen, statt des perfiden Stils die Verantwortung immer nur beim politischen Gegner zu verorten, was nachweislich falsch ist.
H.
alles die Weltverschwörer: dein Artikel ist aus Wahrheiten zusammengebaut, der von Anfang an nur seine These bestätigen möchte. Hass liegt meiner Meinung dem Artikel zugrunde, nicht das Interesse an der Person. Dem Ton des Artikels nach..
Bitte verzichten Sie trotz Kritik auf Beleidigungen. Danke, die Redaktion/vv
"... Kandidat des Volkes, der Arbeiter ..."
KÖSTLICH! :-)
vor allem da sie hinsichtlich der Coleur keine Unterscheidung treffen, statt des perfiden Stils die Verantwortung immer nur beim politischen Gegner zu verorten, was nachweislich falsch ist.
H.
mir alles sooo bekannt vor.
Bemerkenswert sind die besonders blumige Umschreibungen, und ich wette auf französisch hört sich so etwas einfach toll an:
"Nicolas Sarkozy hingegen glaubte, jetzt habe die Stunde geschlagen, in der die engen Verbindungen zwischen Politik- und Geschäftswelt den helllichten Tag vertrügen – "
In Deutschland reicht dafür mittlerweile ein Wort:"Mövenpick".
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