Wirtschaft für Kinder Warum bekommt ein Chef so viel Geld?
Wolfgang Uchatius erklärt, warum ein Chef so viel Geld bekommt.
Chefs sitzen auf Chefsesseln. Die sind breiter und bequemer als normale Schreibtischstühle. Chefs haben ihre Büros in der Chefetage. Die liegt ganz oben in den Hochhäusern der großen Unternehmen. Chefs fahren mit Cheflimousinen. Das sind Autos, die größer und schneller sind als die meisten anderen Autos. Und wenn Chefs nach Hause kommen, dann können sie, wenn sie wollen, das viele Geld zählen, das sie verdienen. Chef – das klingt nach einem tollen Job!
Einer der bekanntesten Chefs in Deutschland heißt Josef Ackermann. Er ist 62 Jahre alt und kann sehr gut singen und Klavier spielen. Trotzdem ist er weder Sänger noch Klavierspieler geworden, sondern lieber Mitarbeiter einer Bank. Heute ist er der Chef der größten und mächtigsten Bank in Deutschland, der Deutschen Bank.
- Serie: Wirtschaft für Kinder
Warum gibt es Geld? Warum haben manche viel davon und manche wenig? Wie funktioniert eine Firma? Unsere Serie für Kinder beantwortet diese und viele weitere Fragen. Für alle, die ihren Eltern erklären wollen, worum es in der Wirtschaft wirklich geht.
Dieser Josef Ackermann hat im vergangenen Jahr rund zehn Millionen Euro verdient – als Zahl: 10.000.000 Euro. Mit diesem Geld hätte er jeden Tag mehr als 8300 Big Macs bei McDonald’s kaufen können. So viel kann kein Mensch essen. Aber warum verdienen Chefs so viel Geld? Wenn Josef Ackermann diese Frage gestellt bekommt, antwortet er immer, dass es schon in Ordnung sei, wenn jemand, der Bestleistungen erbringe, auch besonders viel verdiene. Das soll heißen: Das hohe Gehalt eines Chefs ist so etwas wie der erste Preis in einem Wettbewerb. Der Chef ist der beste und wichtigste Mitarbeiter in einer Firma und bekommt besonders viel Geld, und weil er der Beste und Wichtigste ist, hat er das auch verdient. Meint jedenfalls Josef Ackermann.
Und irgendwie stimmt das auch. Denn die meisten Chefs wären niemals Chef geworden, wenn sie nicht besonders gut wären in dem, was sie tun. Der Chef des Autobauers BMW zum Beispiel weiß genau darüber Bescheid, wie man neue Autos erfindet und verkauft, der Chef der Firma Miele kennt sich sehr gut mit Waschmaschinen aus. Es scheint also nur gerecht, wenn diese Leute gut entlohnt werden.
Aber zehn Millionen Euro, das ist mehr als ein hohes Gehalt, das ist ein unglaublich hohes Gehalt! Die Chefs der großen deutschen Unternehmen früher, sagen wir, vor 25 Jahren, verdienten noch nicht so viel. Dabei kannten sie sich auch sehr gut aus in dem, was sie taten. Damals verdiente ein Chef etwa 14-mal so viel wie ein normaler Mitarbeiter, heute aber bekommt der Chef 50-mal so viel.
Dass die Chefs heute so besonders viel Geld bekommen, liegt ein bisschen an den großen Firmen im Ausland, vor allem an denen in den USA. Die haben irgendwann mit diesen sehr hohen Gehältern angefangen. Daraufhin hat fast jeder Chef eines deutschen Unternehmens gesagt: Wenn ich nicht auch so viel Geld verdiene, dann wandere ich aus, nach Amerika. Und dann hat derjenige, der über das Gehalt des Chefs bestimmt, geantwortet: Einverstanden, dann bekommen Sie eben mehr. Weil es ja nicht geht, dass plötzlich alle Chefs ins Ausland verschwinden.
Über das Gehalt eines Chefs bestimmt bei großen Unternehmen der sogenannte Aufsichtsrat. Das ist eine Gruppe von Leuten, die über die Geschäfte der Firma wacht. Der Aufsichtsrat entscheidet, wer Chef werden darf, und auch, wie viel Geld dieser Chef verdient.
Eigentlich sollte der Aufsichtsrat auch aufpassen, dass ein Chef kein zu hohes Gehalt bekommt. Denn wenn ein Unternehmen ganz viel Geld an seinen Chef zahlen muss, dann hat es nicht mehr so viel übrig, um zum Beispiel neue Maschinen oder Computer zu kaufen.
Nun ist es aber so, dass in den Aufsichtsräten vor allem auch wieder Chefs sitzen. Chefs von anderen großen Unternehmen, manchmal auch ehemalige Chefs des eigenen Unternehmens. Das ist eine seltsame Regel, die schon sehr oft beanstandet wurde, aber bisher hat sich daran nichts geändert. Deshalb kann man manchmal den Eindruck haben, dass sich alte Freunde gegenseitig mit Geld versorgen. Und dass das eigentlich doch nicht so ganz gerecht ist.
- Datum 26.07.2010 - 17:32 Uhr
- Serie Wirtschaft für Kinder
- Quelle DIE ZEIT, 22.07.2010 Nr. 30
- Kommentare 33
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Das ist ein ausgesprochen kluger Artikel über Managergehälter. Kann es sein, dass man sich als Journalist mehr Mühe um Objektivität und Darstellung von Zusammenhängen gibt, wenn man für Kinder schreibt. Oder ist das nur eine Art vorauseilender Gehorsam, weil man sich nicht dem Vorwurf ausgesetzt sehen will Kinder mit der ein oder anderen Meinung zu "indoktrinieren".
Dennoch wie gesagt: Guter Artikel!
Nun tun ja Wirtschaftsbetriebe immer das, was wirtschaftlich ist. Offensichtlich ist das System der gegenseitigen Begünstigung sehr wirtschaftlich. Wäre das nicht der Fall, wäre man ja als "Global Player" mit dieser Praxis benachteiligt. Sprich, man müßte sie ändern! Offensichtlich regt das ja auch die Motivation des Personals in den unteren hierarchischen Ebenen sehr an. Hier mit anzusehen, wie Ketten von Fehlentscheidungen ganz oben zu immer höheren Prämien führen, stimmt auch Milde, wenn eigene Fehler dort ganz unten mit Beschimpfungen und Kündigungsdrohungen - ober, in weniger ausgeprägten Formen, nur milde mit Versagen von Gehaltserhöhungen bestraft werden. Es steht zu befürchten, dass man mit Vorschriften dieser "Seilschaftspraxis" nicht beikommt. Nur eben mit wirtschaftlicher Vernunft, Die scheint zur Zeit nicht gerade Konjunktur zu haben. Sie wird immer nur als Argument aus dem Ärmel gezogen, wenn es darum geht, Wehrlose zu peinigen und zu quälen.
...du glaubst der Wettbewerb könnte die Selbstbedienung der Spitze beseitigen?
Ich denke die Tatsache, dass die Manager sich überall (auch in den schlechten Unternehmen, siehe Enron, siehe GM, siehe...) bereichern, beweist eben gerade, dass Wettbewerb an sich, manche Fehlentwicklungen nicht verhindern KANN.
Ich halte das übrigens für ein typisches Agentenproblem:
http://de.wikipedia.org/w...
Der Agent verfolgt private Ziele, in einem gutlaufendem Unternehmen kann er das mit "Eigenleistung" rechtfertigen, in einem schlecht laufendem pocht er auf die Verträge. Tausendmal gesehen.
Dazu gehört auch das Personalkarussell und die Tatsache der Elite-Seilschaften. Wie oft hört man etwa, Unternehmen XY würde "händeringend" nach einem neuen Chef Ausschau halten, aber niemand wöllte das machen. Das ist natürlich eine infame Lüge, die aus der zweiten Managementreihe würden sich die Beine dafür ausreißen und wären idR wahrscheinlich genausogut geeignet. Aber die fragt man natürlich gar nicht erst. Man möchte unter sich bleiben...
Das mag sein: "Es steht zu befürchten, dass man mit Vorschriften dieser "Seilschaftspraxis" nicht beikommt. Nur eben mit wirtschaftlicher Vernunft". Aber wie sieht sie aus?
...du glaubst der Wettbewerb könnte die Selbstbedienung der Spitze beseitigen?
Ich denke die Tatsache, dass die Manager sich überall (auch in den schlechten Unternehmen, siehe Enron, siehe GM, siehe...) bereichern, beweist eben gerade, dass Wettbewerb an sich, manche Fehlentwicklungen nicht verhindern KANN.
Ich halte das übrigens für ein typisches Agentenproblem:
http://de.wikipedia.org/w...
Der Agent verfolgt private Ziele, in einem gutlaufendem Unternehmen kann er das mit "Eigenleistung" rechtfertigen, in einem schlecht laufendem pocht er auf die Verträge. Tausendmal gesehen.
Dazu gehört auch das Personalkarussell und die Tatsache der Elite-Seilschaften. Wie oft hört man etwa, Unternehmen XY würde "händeringend" nach einem neuen Chef Ausschau halten, aber niemand wöllte das machen. Das ist natürlich eine infame Lüge, die aus der zweiten Managementreihe würden sich die Beine dafür ausreißen und wären idR wahrscheinlich genausogut geeignet. Aber die fragt man natürlich gar nicht erst. Man möchte unter sich bleiben...
Das mag sein: "Es steht zu befürchten, dass man mit Vorschriften dieser "Seilschaftspraxis" nicht beikommt. Nur eben mit wirtschaftlicher Vernunft". Aber wie sieht sie aus?
"Dieser Josef Ackermann hat im vergangenen Jahr rund zehn Millionen Euro verdient.....
Damals verdiente ein Chef etwa 14-mal so viel wie ein normaler Mitarbeiter, heute aber bekommt der Chef 50-mal so viel."
200.000 Euro?
"Eigentlich sollte der Aufsichtsrat auch aufpassen, dass ein Chef kein zu hohes Gehalt bekommt. Denn wenn ein Unternehmen ganz viel Geld an seinen Chef zahlen muss, dann hat es nicht mehr so viel übrig, um zum Beispiel neue Maschinen oder Computer zu kaufen."
Oder seine Mitarbeiter angemessen zu bezahlen, so dass sie auch von ihrer Arbeit leben können...
Auch das wäre einen "Wirtschaft für Kinder"-Artikel wert.
Der gute Acker(s)mann braucht die Kohle so dringend, weil er der Hauptdarsteller in dieser Kindergeschichte ist, die vom Jesus und dem Mammon handelt, den der Akcer(s)mann hier auf Erden vertritt. Und was er bekommt sind Peanuts, natürlich als Schmerzensgeld für das was er in der Geschichte erleiden und leisten muss. Nur anders als der Jesus wird er nachher nicht ans Kreuz genagelt, sondern bekommt eher das Bundesverdienstkreuz auf die Brust geheftet, jedenfalls wenn er es schafft den Mammon zu retten. Wenn nicht, dann bekommt er noch mehr Schmerzensgeld als das was in dem Artikel erwähnt ist.
Maßlos? - nicht ganz. Sein Gehalt orientiert sich daran, wie viel Gewinn sein Unternehmen macht. Damit das Unternehmen aber Erfolg hat und funktioniert, benötigt es eine große Menge an Angestellten.
Wenn jeder seine Aufgabe gut erfüllt, macht das Unternehmen Gewinn. Manch einer im Unternehmen hat eine etwas schwierigere Aufgabe als der andere, oder mehr Verantwortung. Deswegen ist es auch okay, wenn der ein etwas mehr verdient als der andere. Ein Manager wie der Herr Ackermann ist sehr wichtig für das Unternehmen und verdient auch deswegen das meiste Geld. Aber auch er ist darauf angewiesen, dass im Unternehmen alles funktioniert. Denn er alleine kann nicht alle Aufgaben gleichzeitig erledigen.
Es ist daher nicht verständlich, warum nur der Chef von dem Gewinn so viel bekommt. Eigentlich müsste jeder, der für das Unternehmen arbeitet, auch Anteil haben. Doch der Ackermann glaubt, es wäre alles nur sein Verdienst.
In einem Gespräch im Fernsehen sagte er einmal, er würde nur so viel verdienen, weil es so wenige gibt, die so gut sind wie er. Der Tip von Herr Ackermann war, dass mehr von euch jungen Mensch ein Studium über die Wirtschaft machen sollten.
Herr Ackermann spricht hier von einem Prinzip, dass wenn sich mehr Leute, die sehr gut sind, sich um etwas streiten, jeder weniger bekommt.
Die großen Unternehmen achten deswegen darauf, dass nicht zu viel Konkurrenz aufkommt. Andere Unternehmen werden dann aufgekauft, damit es nur noch einen Chef gibt.
also, wenn ich ein kleines kind mit gottesgläubiger erziehung wäre, dann würd ich jetzt sagen: ich bin so arg wütend über diese ganze ungerechtigkeit, dass dieser ackermann so viel geld kriegt und andere arbeiter so wenig, dass ich es gerecht finde, wenn der liebe gott macht, dass der ackermann krebs kriegt und stirbt und die arbeiter aber nicht oder dass er mit seinem protzauto einen unfall hat...
weil ich nun aber kein kind bin, mich die "ungerechtigkeit" aber dennoch wütend macht (diese tatsache im kapitalismus, dass einige immer mehr und der rest immer weniger hat), bin ich für eine wirtschafts-und gesellschaftsordnung, in der das nicht so ist. ich hoffe, dass sich die mehrheit(denn die reichen sind ja in der minderheit!) das nicht mehr lange gefallen lässt....
Wird der junge Ehrgeizling gefragt (das war jetzt in den späten 1980ern), ob es gerecht sei, dass Tennisprofi Boris Becker so viel mehr Geld verdient als der Bundeskanzler Helmut Kohl. Antwort: Sicher, Boris Becker könne ja unbestreitbar soooo viel besser Tennis spielen.
In der Tat.
Das Entlohnungssytem von Gesellschaften hat mit Gerechtigkeit nur sehr bedingt zu tun. Vielmehr ist es so, dass die Bosse großer Gesellschaften mittlerweile Rollen ausfüllen, die denen von Sport- oder Filmstars ähneln, und entsprechend werden sie behandelt: Riesengagen, aber auch Gefeuertwerden, wenn sie dem Publikum nicht mehr gefallen (wie jetzt der Chef von BP). Eine merkwürdige Entwicklung. Interessant wäre es, herauszufinden, warum das so ist.
... eine Folge des Shareholder-Value-Fetischismus, der irgendwann in den 90igern ganz groß gehypt wurde. Plötzlich gings nur noch um den Aktienkurs. Da passt eine Ballerina an der Spitze, die sich dreht wie gewünscht, ganz gut dazu. Langfrist-Orientierung eher weniger, schlichtes geschäftstüchtiges oder gar nachhaltiges Wirtschaften gewinnt im Casino keinen Blumentopf. Ein Grund mehr die Börse abzuschaffen.
So sehe ich das auch - Börse abschaffen. Wahrscheinlich wäre dann schon viel gewonnen, ohne dass das Wirtschaftssystem abgeschafft werden müsste. Wäre doch schade um Menschen wie zum Beispiel Bill Gates, der ja ein Kind des Kapitalismus ist aber doch dafür sehr sozial.
... eine Folge des Shareholder-Value-Fetischismus, der irgendwann in den 90igern ganz groß gehypt wurde. Plötzlich gings nur noch um den Aktienkurs. Da passt eine Ballerina an der Spitze, die sich dreht wie gewünscht, ganz gut dazu. Langfrist-Orientierung eher weniger, schlichtes geschäftstüchtiges oder gar nachhaltiges Wirtschaften gewinnt im Casino keinen Blumentopf. Ein Grund mehr die Börse abzuschaffen.
So sehe ich das auch - Börse abschaffen. Wahrscheinlich wäre dann schon viel gewonnen, ohne dass das Wirtschaftssystem abgeschafft werden müsste. Wäre doch schade um Menschen wie zum Beispiel Bill Gates, der ja ein Kind des Kapitalismus ist aber doch dafür sehr sozial.
bzw wie errechnet sich ein lohn bzw was muss alles miterwirtschaftet werden...zinsdienste, mieten...?
ist doch viel interessanter als nach oben zum chef des unternehmens zu schauen.
der ist oftmals auch bloss angestellter.
jedenfalls gibt es interessantere zusammenhaenge warum man nicht mehr verdient...am moeglicherweise zu hohem gehalt des chefs liegt das nicht zwangslaeufig.
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