ZEITmagazin-AutotestWenn Männer dringend losmüssen

Matthias Kalle fährt den BMW 335i von Matthias Kalle

Die neue BMW 3er-Reihe als Convertible

Die neue BMW 3er-Reihe als Convertible  |  © BMW Group

In dem leider von sehr vielen Menschen unterschätzten Film Rocky IV – Der Kampf des Jahrhunderts gibt es eine Szene, die Kritikern als Beweis dafür dient, warum der Film schlecht sei – für einige aber ist diese Szene ein Erweckungserlebnis: Rocky will gegen den bösen Russen Ivan Drago kämpfen, doch Adrian, seine Frau, hält das für keine gute Idee, immerhin hat Drago gerade Rockys Freund Apollo im Ring totgeschlagen. Rocky und Adrian streiten sich, beide haben durchaus schlüssige Argumente für ihre Position, aber als Adrian nicht mehr diskutieren will, steigt Rocky in sein Auto, es ist Nacht, und er fährt los, ohne Ziel, und in den Rückspiegeln sieht er Szenen seines Lebens. Im Film hört man dazu das Lied No Easy Way Out der dann doch zu Recht vergessenen Band Survivor. Nach der Autofahrt beginnt Rocky mit dem Training, Adrian vergibt ihm, und überraschenderweise gewinnt er dann den Kampf gegen den bösen Russen.

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Die Autotests aus dem ZEITmagazin  |  © Zeit Online

Das sind die Autofahrten, die zählen im Leben, es ist nicht die Fahrt in den Urlaub, nicht die Fahrt zum ersten Date, es sind die Problemfahrten – jene Momente, in denen ein Mann mit Problemen sich nur in ein Auto setzen kann und einfach losfährt: ohne Ziel, ohne Sinn, ohne Verstand.

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Dieser BMW ist das ideale Problemauto, ich habe es ausprobiert, ich habe überhaupt keine Probleme mehr, seit ich mit diesem Wagen gefahren bin. Das liegt an den vielen Vorzügen dieses Wagens, einer ist die Farbe, die mein Testwagen hatte: ein Blau, wie ich noch kein Blau gesehen habe, ein tiefes, dunkles, ruhiges Blau, das so unaufdringlich wirkt, dass man es schon fast als selbstironisch bezeichnen könnte, denn natürlich ist dieser BMW ein kräftiges, wuchtiges Auto. Tagsüber.

Ich aber fuhr ihn nachts, ich stieg mit all meinen Problemen ein und fuhr – zunächst mit geschlossenem Verdeck – auf der Autobahn raus aus Berlin, um dann über Landstraßen zu gleiten – offen. Ich fuhr durch Summt, durch Wandlitz, Bernau, die Nächte waren heiß, aber dank des Autos waren meine Gedanken kühl. Ich dachte nach über dieses und über jenes, das Fahren überließ ich dem Auto, denn abgesehen von einer, nun ja, sehr sportlichen Lenkung, schien das Auto unabhängig vom Können des Fahrers seinen Job zu erledigen. Ich war meistens allein auf den Landstraßen nördlich von Berlin, manchmal hielt ich am Wegesrand an und blickte in den Himmel. Irgendwann brachte mich das Auto wieder nach Hause. Ohne Probleme.

Matthias Kalle ist Berater des ZEITmagazins

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Leserkommentare
  1. ...aber manchmal streite ich mit meiner Frau. Da setze ich mich dann in meinen japanischen Kleinstwagen - ich hasse BMW - und auch der brachte mich immer wieder zurück, oft gegen meinen Willen.

    • agnost
    • 29. Juli 2010 10:47 Uhr

    Nachdem Sie von einem "offenen Verdeck" sprechen gehe ich davon aus, dass Sie einen E93 gefahren sind. Das Bild zeigt jedoch einen E90
    mfg

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    • 2eco
    • 29. Juli 2010 11:10 Uhr

    Das selbe habe ich auch erst gedacht.

    Aber beim E90 gibt es auch eine Variante mit Panoramadach, welches sich öffnen lässt.

    Vielleicht kann der Autor diesen Sachverhalt aufklären - bei den Autobildern nimmt es ZEIT.de nämlich nicht immer so genau.

    • 2eco
    • 29. Juli 2010 11:10 Uhr

    Das selbe habe ich auch erst gedacht.

    Aber beim E90 gibt es auch eine Variante mit Panoramadach, welches sich öffnen lässt.

    Vielleicht kann der Autor diesen Sachverhalt aufklären - bei den Autobildern nimmt es ZEIT.de nämlich nicht immer so genau.

    Antwort auf "E90 oder E93"
  2. »[…] ohne Ziel, ohne Sinn, ohne Verstand. […]«

    der ausschnitt reicht völlig, um den artikel und das dargestellte objekt zu umschreiben.

    auf der einen seite wird die hirnlose freude am nichtsnutzigen fahren gelobpreist und auf der anderen seite versifft der atlanntik für den stoff, der sie antreibt. naja. was solls, solange die aussicht auf sylt noch ungetrübt ist ;)

    mein wunsch wären autotests, die sich auf rein technische daten wie verbrauch, materialverbrauch und alltagstauglichkeit reduzieren würden und zwar so lange, bis die autohersteller anfangen, so bekloppte ideen wie SUVs und hochpreisige lifestylekleinwagen (siehe auch die aktuelle BMW citymobilstudie) als unzeitgemäß anzusehen und den lippenbekenntnissen zu nachhaltigkeit endlich mal taten folgen zu lassen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Jens_K
    • 29. Juli 2010 12:13 Uhr

    Die Test's der Zeit heben sich ab von denen, welche Sie in Fachzeitschriften finden, oder in Zeitungen die einen Mobil-Teil haben.
    Ich finde die Test's der Zeit eine gelungene Alternative. Das Automobil ist nicht nur Auto - es ist Teil unserer Gesellschaft u Kultur und wirkt stark auf sie ein. Da ist es doch naheliegend zu beschreiben wie das Auto Einfluss auf uns nimmt, uns verändert. Bzw. was wir alles dem Auto anstellen - es wird nicht nur als Fortbewegungsmittel betrachtet. Evtl wird der Test auch aus diesen Gründen im Magazin platziert.

    Mich würde interessieren, ob die Hersteller von den Tests begeistert sind und ihre Wagen den Zeitredakteuren gerne zur Verfügung stellen.

    Wenn man freude am Autofahren hat,
    wenn man Fleisch isst,
    wenn man Ski fährt,
    wenn man im Winter seine Wohnung auf mehr als 18 Grad heizt,
    wenn man im Schützenverein oder Jäger ist,
    wenn man raucht,
    wenn man Plastikspielsachen kauft,
    wenn man lieber Antibiotika als Globuli nimmt,
    wenn man die USA nicht hasst,
    ...
    immer, bei allem, und überall stehen ungefragt renitente Berufsgutmenschen und Ökojünger auf der Matte die einfach nicht aufhören können zu weinen.

    Ich hätte nicht mal die Zeit, geschweige denn Lust dazu permanent andere Leute in ihrer Lebensweise zu bevormunden.

  3. von BMW ist tatsächlich wunderschön - sehr zu empfehlen!
    Ansonsten ist der 1er ein sehr angenehmes Fahrzeug - aber nur ein mittelmäßiges Cabrio.

    "mein wunsch wären autotests, die sich auf rein technische daten wie verbrauch, materialverbrauch und alltagstauglichkeit reduzieren würden"

    Spaßbremse!

    • Jens_K
    • 29. Juli 2010 12:13 Uhr

    Die Test's der Zeit heben sich ab von denen, welche Sie in Fachzeitschriften finden, oder in Zeitungen die einen Mobil-Teil haben.
    Ich finde die Test's der Zeit eine gelungene Alternative. Das Automobil ist nicht nur Auto - es ist Teil unserer Gesellschaft u Kultur und wirkt stark auf sie ein. Da ist es doch naheliegend zu beschreiben wie das Auto Einfluss auf uns nimmt, uns verändert. Bzw. was wir alles dem Auto anstellen - es wird nicht nur als Fortbewegungsmittel betrachtet. Evtl wird der Test auch aus diesen Gründen im Magazin platziert.

    Mich würde interessieren, ob die Hersteller von den Tests begeistert sind und ihre Wagen den Zeitredakteuren gerne zur Verfügung stellen.

    Antwort auf "auf den punkt…"
  4. ...Dahlem-Villenerben oder Deutsch-Investmentbanker. Die aber haben keine Probleme in der Nacht. Sondern treffen sich mit ihrer Zweitfreundin am Schlachtensee.

  5. Redaktion

    Liebe Leser agnost und 2eco,

    vielen Dank für den freundlichen Hinweis. Das Bild zeigte ursprünglich tatsächlich einen geschlossenen 3er-BMW (E90). Wir haben das Foto ausgetauscht.

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  • Serie Autotest
  • Schlagworte BMW | Film | Recht | Apollo | Auto | Autobahn
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