Ölpest Anwalts LieblingSeite 2/2
Nachdem BP die schlimmste Umweltkatastrophe in der amerikanischen Geschichte verursacht hat und daraufhin die größte Rettungs- und Reinemachaktion startete, bereitet das Unternehmen sich darauf vor, amerikanische Rechtsgeschichte zu schreiben. Sieben der größten Anwaltskanzleien aus Washington, Chicago und London wurden angeheuert, um BP vor dem Untergang zu retten.
An der Spitze stehen Jamie Gorelick, die ehemalige US-Generalbundesanwältin, die für ihre Härte und Zähigkeit bekannt ist, und BPs Hausanwalt Rupert Bondy, der als strategischer Einsatzleiter die Arbeit von Hunderten von Anwälten koordinieren wird. »In der BP-Zentrale wird gerade die größte virtuelle Sozietät aller Zeiten eingerichtet«, sagt ein Anwalt von der Londoner Großkanzlei Herbert Smith, der sich darauf einstellt, die nächsten Jahre nichts anderes zu tun, als BP zu verteidigen. »Bald wird es eine ganze Generation von Geschäftsjuristen geben, die auf der einen oder der anderen Seite des BP-Falls gearbeitet haben.«
Ob der Entschädigungsfonds von 20 Milliarden Dollar ausreicht, ist nicht sicher, das gibt auch der neue Chef Bob Dudley zu. Genauso wichtig ist die Frage, wie das Gericht über den Grad der Schuld urteilt, die BP trägt. »Wir sind davon überzeugt, dass wir nicht grob fahrlässig gehandelt haben«, erklärte Aufsichtsratschef Carl-Henric Svanberg am Dienstag. Auf dieser Annahme beruht die Schadenssumme von 32 Milliarden Dollar. Sollte das Gericht die Fahrlässigkeit genauso einschätzen, wäre nach amerikanischem Gesetz eine Strafe von 5 Milliarden Dollar fällig. Wird BP aber grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen, droht ein Bußgeld von 20 Milliarden Dollar.
Seit zwei Wochen sprudelt kein Öl mehr aus dem leckgeschlagenen Bohrloch auf dem Meeresboden im Golf von Mexiko. Und es sieht danach aus, als ob die Hoffnungen auf eine erfolgreiche Entlastungsbohrung, die das Ölfeld bis Mitte August endgültig sichern würde, berechtigt sind. Ob BP am Ende dennoch zerschlagen wird, das liegt nicht in der Macht des Unternehmens.
- Datum 28.07.2010 - 12:52 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 29.07.2010 Nr. 31
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Falls die britische Firma BP ihre amerikanischen Reserven verkauft, ist das noch lange nicht "das Ende von BP". Es wäre lediglich ihr Ende auf US-amerikanischem Gebiet, denn BP bohrt ja neuerdings auch in Lybien dank der Freilassung des lybischen Massenmörders von Lockerbie, sowie zusammen mit den Russen.
Ich wette um ein Gummibärchen, dass dieser Rechtsstreit hart an die 2-stellige Dauer in Jahren kommen wird.
Und bis dahin... kann viel mit BP passieren.
Es gab hier mal einen Zeit Artikel der eigendlich nett aufgezeigt hat war zu bei der rechtlichen Aufarbeitung zu erwarten ist.
Habe aber leider nur die 2 hier finden können.
http://www.welt.de/wirtsc...
http://www.spiegel.de/wir...
Ich bin mir noch nicht sicher, dass das Problem im Golf von Mexiko überhaupt schon gelöst ist. Nur weil uns entsprechende Nachrichten fehlen. Was ist denn mit den Austrittsstellen neben dem Bohrloch (der zu geringe Druck auf die Abdeckung belegt es doch), dass da immer noch was daneben geht … nur man sieht und hört nichts mehr. Und was passiert wenn weitere Fehler gemacht werden bei den Parallelbohrungen?
Insoweit dürfte es eher müßig sein sich über jahrelange Rechtsstreitigkeiten zu unterhalten, die sicherlich nach bester Konzernmanier mit einer massiven Aufstockung der Rechtsabteilung verbunden sein werden, um möglichst viele davon klein zu kriegen oder aber abzuwürgen. Sowas ist guter Ton in der Liga, hilft zwar den Betroffenen nicht, aber rettet gegebenenfalls den Konzern.
Eine weitgehend satirische Betrachtung dazu verknüpft die aktuellen Weltprobleme und löst das Ding recht eindrucksvoll auf, wenn BP sich jetzt für die Umsiedlung Israels stark macht. Zeigt aber auch nicht mehr als die Hilflosigkeit gegenüber den Konzernen und großen Lobbys denen die Menschen ausgeliefert sind.
Oder am Ende steht wieder ein Pauschaldeal, BP zahlt den Fond an die USA aus und der Rest der Probleme wird dann auch sozialisiert. Im Rahmen der Imagepflege dürfte dies wohl der galantere Weg sein und dass das Volk über die Sozialisierung des Schadens selber zahlt dürfte ja inzwischen auch eher zum guten Ton gehören.
... und damit das Land selbst bestimmen, oder sich selbst an die Spitze einer (pseudo) Sammelklage setzen?
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