Clouzot-DVD Romy ohne Ton
Der französische Regisseur Henri-Georges Clouzot begann 1964 einen Film mit Romy Schneider, beendete ihn aber nie. Nun gibt es die 14 Stunden Material ohne Ton auf DVD zu betrachten - ein faszinierendes Erlebnis
© Kinowelt

Romy Schneider im nie fertig-gestellten L'Enfer von Henri-Georges Clouzot (1964)
1964 begann der französische Regisseur Henri-Georges Clouzot einen Film über einen Mann (Serge Reggiani), der seine Ehefrau (Romy Schneider) mit neurotischer Eifersucht verfolgt. Die Produktion lief aus dem Ruder, Reggiani musste wegen einer Depression aussteigen, Clouzot erlitt drei Wochen nach Drehbeginn einen Herzinfarkt – den er zum Glück überlebte. L’Enfer blieb unvollendet.
Aus 14 Stunden Bildmaterial (ohne Ton!), Interviews mit damaligen Mitwirkenden und Clouzots präzisen Szenenskizzen hat das Regie-Duo Serge Bromberg und Ruxandra Medrea eine Art Rekonstruktion des Films fertiggestellt (arthaus). Man blickt in Clouzots vielfarbigen Karteikasten, der die verschiedenen Formen der Eifersucht akribisch aufspaltet. Man sieht Probeaufnahmen, in denen die Wahnvorstellungen des Helden experimentell umgesetzt werden: mit Op-Art-Bildern, Einfärbungen, Grafiken, einer hyperrealen Tiefenschärfe.
Und man erlebt eine tonlos umso faszinierendere Romy Schneider. Am Ende wünscht man sich gar nicht, den fertigen Film L’Enfer zu sehen, sondern unbedingt die ganzen genialischen 14 Stunden Material.
- Datum 07.08.2010 - 12:25 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 29.07.2010 Nr. 31
- Kommentare 5
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wo findet man das? auf http://www.arthaus.de keine info ...
unsere sissi aus osterreich, nein danke.
rauchen trinken trinken rauchen medikamente rauchen.. , tolle frau echt..
es reicht langsam mit so einer figur hier ständig theater zu machen..
doch eine info vom hersteller: http://www.arthaus.de/die...
Die faszinierenden Facetten der Schauspielkunst Romy Schneiders wird durch das Clouzot Material wahrscheinlich einer der cineastischen Höhepunkte der neueren Filmgeschichte. Wer Romy Schneider immer noch mit dem Sissi-Etikett behaftet, hat die künstlerische Wandlung dieser Frau nie verstanden. Aber sie konnte sich erst richtig entfalten, als sie sich aus der verkitschten Nachkriegsfilmszenerie der bundesdeutschen Kunstorientierungslosigkeit befreit hatte. Welch Glück, dass sie in Frankreich die Bühne fand, die ihr Talent entfalten konnte.
Vielen eingefleischten Kinogängern war ihre Rollenschemata in den pekuniär erfolgreichen Filmen von Sautet oder Deray zu klischeehaft, aber sie haben vergessen, dass sie mit Visconti, Clement und Welles schon Highlights ihres Könnens gezeigt hatte - bevor sie mit Clouzot "L´Enfer" gedreht hat.
Romy Schneider war eine Besessene der darstellenden Kunst und all ihre privaten Dramen und Abgründe trugen nur dazu bei, dass sie sich so eindrucksvoll entwickeln konnte.
Nach Marlene Dietrich, Hildegard Knef war sie "das" deutsche Gesicht im internationalen Kino und sicherlich konnte sie unter den Regisseuren, die mit ihr drehten, ein Höchstmaß an femininer Präsenz entfalten, ohne unglaubwürdig zu werden.
Romy Schneider konnte Dank der analytisch künstlerischen Kraft ihrer Regisseure auf den Gipfel des Olymps gelangen.
Inzwischen gibt es in Deutschland einige sehr gute Schauspielerinnen, die das Zeug haben in ihre Fußstapfen zu treten.
W.Neisser
Ungefiltert wäre mir das doch konsequenter. Aber so kann man ja mehr Profit daraus schlagen. Naja.
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