Mineralwasser Ganz nah an der Quelle

Mineralwässer aus der Nachbarschaft schonen das Klima

Der Danone-Konzern war gar nicht begeistert. In einer Werbekampagne hatte der Brunnenbetrieb Thüringer Waldquell gewagt, die Danone-Tochter Evian anzugreifen und die langen Transportwege des französischen Luxuswassers zu kritisieren. Dabei hatte der lokale Brunnen nur vorgerechnet, dass die eigene Quelle in 99 Kilometer Entfernung sprudelt, während es nach Évian-les-Bains in den französischen Alpen 825 Kilometer seien. Der Seitenhieb sollte die Thüringerinnen und Thüringer ermutigen, die Exotik vor der Haustür zu entdecken und auf ihr regionales Wasser umzusteigen. Denn je kürzer der Weg vom Abfüllort zum Kunden, desto mehr CO₂ lässt sich sparen. Jeder Schluck aus einer Quelle in der Nachbarschaft bedeutet also Klimaschutz.

So klar hatte das vorher keiner der 210 deutschen Firmen auf den Punkt gebracht. Die von den Importwässerchen gebeutelte Branche feixte. Juristischen Gegenwind fürchtete Ullrich Schweitzer, Marketing-Geschäftsführer bei Hassia, dem hessischen Mutterkonzern von Thüringer Waldquell, nicht. "In der Anzeige stand nur die Wahrheit", sagt er. Die Zeit für ökologische Argumente sei günstig, seit quasi jeder ein Klimaretter sein wolle.

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Umso erstaunlicher, dass die rund 500 deutschen Mineralwässer es so schwer haben, beim Kunden zu punkten. Es gibt kein Bundesland, in dem keine Quelle wäre. Offenbar scheint das Lifestyle-Produkt Wasser erst interessant zu werden, wenn es auf einen edel klingenden Namen hört und weit reisen muss. Zumindest bei Mineralwasser völlig ohne Kohlensäure sind die global agierenden Hersteller wie Danone oder Nestlé Marktführer. Diese stillen Wasser sind nach aktuellen Branchendaten des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen sehr gefragt.

Wolfgang Stubbe, Geschäftsführer des Verbandes, betont aber, dass Mineralwasser generell "eine Erfolgsstory" sei. Mag das Wasser aus den Hähnen noch so sauber sein – die Deutschen löschen ihren Durst am liebsten mit Abgefülltem aus dem Supermarkt. Über 130 Liter Mineralwasser trank der Durchschnittsbürger im vergangenen Jahr – elf Mal so viel wie 1970. Wasser ist das zweitbeliebteste Getränk, gleich nach Kaffee und noch vor Bier. Dessen Konsum ist seit Jahren rückläufig.

Ob Büro, Strand, Sportstudio oder U-Bahn – die Mehrheit der Deutschen hat nahezu überall eine Wasserflasche dabei. 70 Prozent geben an, nahezu täglich Mineralwasser zu trinken.

Die regionalen Brunnen aber profitieren davon erst wenig. Beim Essen hingegen hat sich der Trend zur lokalen Herkunft offenbar durchgesetzt. Kunden suchen im Supermarkt gezielt nach dem Joghurt der nahe gelegenen Molkerei und geben für den Honig des Imkers um die Ecke sogar mehr Geld aus. Spitzenköche ziehen die Forelle aus den heimischen Gewässern dem weit gereisten Hummer vor und das Brandenburger Schwein dem japanischen Kobe-Rind.

Auch die Brunnen spielten jetzt verstärkt die regionale Karte, um der internationalen Konkurrenz Paroli zu bieten, erklärt Gabriele Römer, Chefin und Inhaberin der Haaner Felsenquelle, die 15 Kilometer von Düsseldorf entfernt ist. Gemeinsam mit fünf anderen Brunnen im Umkreis von 80 Kilometern starteten die Haaner 2009 die Kampagne "Stark in NRW". Optisch erinnert das markante Signet an ein gelbes Ortsschild. "Dadurch fallen wir im Getränkemarkt erstmals auf", sagt Römer. Nebenbei unterstützen die Brunnen regionale Umweltprojekte, die Haaner Felsenquelle etwa den Artenschutz im Bergischen Land. Das zahlt sich aus, alle beteiligten Brunnen schnitten 2009 über dem Branchendurchschnitt ab. Die Haaner Felsenquelle erwirtschaftete ein Absatzplus von drei Prozent.

Leser-Kommentare
  1. Evian ist Luxuswasser ?!

    In 1.5l PET Flaschen abgefüllt, und das bezeichnen Sie als Luxuswasser ???

    Iskilde, Gota, Ice Age oder Hawaiian Deep Seawater, mit Preisen bis 30€ für die 0,33l Flasche, das ist zweifelsfrei Luxus, und definitv ..... grosser BS.

    Aber 3€ für 9l in PET Flaschen - wo ist der Luxus ???

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    • Buh
    • 03.08.2010 um 16:17 Uhr

    ..QUalität macht es zu Luxuswasser, sondern sein Ruf unter denen die sich Luxus leisten können und dieses als solchen ansehen. Manche waschen sich die Haare damit. Wie vieles entscheidet nicht der tatsächliche wert über den Wert eines Objekts, sonders sein Status der durch die Konsumenten festgelegt wird.

    Zudem ist das eine solche Nebensächlichkeit, dass sie und ich anscheinend zuviel Zeit haben um uns damit zu beschäftigen.

    Bekanntermaßen ist das gute alte deutsche Leitungsheimer von exquisiter Qualität. Vielleicht nicht an jedem Ort beim Thema Mineralisierung führend, doch gesundheitlich stets gründlichst geprüft und stets unbedenklich.

    Vor Jahren probierte ich in einem städtischen Wasserwerk den Geschmack des Wasser direkt an der Quelle. Bevor er von den maroden Leitungssystemen der städtischen Wasserversorgung mit einer ganz eigenen Note versehen wird. Das Wasser wurde dort aus dem Gebirge herangeführt. Es war köstlich. Absolut rein und klar. Diese Qualität erreicht kein abgefülltes Wasser.

    Bei einem Preis von um die 0,006 € pro Liter Wasser aus der Leitung, ist es absolut angemessen, jegliches Flaschenwasser als Luxus zu bezeichnen. Dabei geht es nicht um den Preis, es geht um den Umstand, das wir uns trotz eines hervorragenden Versorgungssystems Flaschenwasser leisten, dass zudem auch noch eine wenig erfreuliche Umweltbilanz aufzuweisen hat. Die Treibstoffe für den Transport werden auch beim Regiowasser benötigt.

    Evian, Volvic & Co. unter diesem Gesichtspunkt nicht als Luxusprodukt zu sehen ist gestattete persönliche Meinung. Den Verfasser jedoch für diese Formulierung zu behelligen und zu kritisieren, hat etwas dekantentes.

    Ob die Verwendung von Mehrweg- statt Einwegflaschen (mit Pfand) besser ist, wage ich zu bezweifeln. Da sind der Rücktransport und die Reinigung. Die LKW' ließen sich in einem smart organisierten System sicher auch anders als zum "Leerflaschenkutschen" verwenden.

    • Buh
    • 03.08.2010 um 16:17 Uhr

    ..QUalität macht es zu Luxuswasser, sondern sein Ruf unter denen die sich Luxus leisten können und dieses als solchen ansehen. Manche waschen sich die Haare damit. Wie vieles entscheidet nicht der tatsächliche wert über den Wert eines Objekts, sonders sein Status der durch die Konsumenten festgelegt wird.

    Zudem ist das eine solche Nebensächlichkeit, dass sie und ich anscheinend zuviel Zeit haben um uns damit zu beschäftigen.

    Bekanntermaßen ist das gute alte deutsche Leitungsheimer von exquisiter Qualität. Vielleicht nicht an jedem Ort beim Thema Mineralisierung führend, doch gesundheitlich stets gründlichst geprüft und stets unbedenklich.

    Vor Jahren probierte ich in einem städtischen Wasserwerk den Geschmack des Wasser direkt an der Quelle. Bevor er von den maroden Leitungssystemen der städtischen Wasserversorgung mit einer ganz eigenen Note versehen wird. Das Wasser wurde dort aus dem Gebirge herangeführt. Es war köstlich. Absolut rein und klar. Diese Qualität erreicht kein abgefülltes Wasser.

    Bei einem Preis von um die 0,006 € pro Liter Wasser aus der Leitung, ist es absolut angemessen, jegliches Flaschenwasser als Luxus zu bezeichnen. Dabei geht es nicht um den Preis, es geht um den Umstand, das wir uns trotz eines hervorragenden Versorgungssystems Flaschenwasser leisten, dass zudem auch noch eine wenig erfreuliche Umweltbilanz aufzuweisen hat. Die Treibstoffe für den Transport werden auch beim Regiowasser benötigt.

    Evian, Volvic & Co. unter diesem Gesichtspunkt nicht als Luxusprodukt zu sehen ist gestattete persönliche Meinung. Den Verfasser jedoch für diese Formulierung zu behelligen und zu kritisieren, hat etwas dekantentes.

    Ob die Verwendung von Mehrweg- statt Einwegflaschen (mit Pfand) besser ist, wage ich zu bezweifeln. Da sind der Rücktransport und die Reinigung. Die LKW' ließen sich in einem smart organisierten System sicher auch anders als zum "Leerflaschenkutschen" verwenden.

    • Buh
    • 03.08.2010 um 16:12 Uhr

    Hierzu sei gesagt, dass Schweden von der Eu eine Rüge bekam, weil es, bzw sein zuständiges Ministerium, dafür warb, Schwedische Produkte zu bevorzugen um Klimaschutz und Tiershutz zu begünstigen! Das verstößt gegen Eu_Recht, nachdem jedes Land darauf hinarbeiten soll, dass der Handel zwischen den Nationen wächst.

    Das kommt davon, wenn wir es erlauben, dass ein Konstrukt namens EU an den Bürgern vorbei Politik macht.

  2. Für die Gesundheit spielt das Flaschenwasser sicher nur in Ausnahmefällen eine Rolle auch wenn uns die Reklame etwass anderes suggerien will, aber es ist in allen Fällen eine wichtige Einnahmequelle des Gaststättengewerbes. Wenn es der Wertschätzung dient, kann man auch für Besucher Flaschenwasser bereithalten. Aber aufwendige Transporte von Flaschen zwischen Kaufhalte und Wohnung sind für den täglichen Bedarf sind sicher nicht notwendig.

    • Buh
    • 03.08.2010 um 16:17 Uhr

    ..QUalität macht es zu Luxuswasser, sondern sein Ruf unter denen die sich Luxus leisten können und dieses als solchen ansehen. Manche waschen sich die Haare damit. Wie vieles entscheidet nicht der tatsächliche wert über den Wert eines Objekts, sonders sein Status der durch die Konsumenten festgelegt wird.

    Zudem ist das eine solche Nebensächlichkeit, dass sie und ich anscheinend zuviel Zeit haben um uns damit zu beschäftigen.

  3. In den allermeisten regionen deutschlands hat Leitungswasser dieselbe Reinheit und Qualität wie Mineralwasser. Dass die Leute trotzdem Mineralwasser aus Flaschen trnken, sich das Zeug kistenweise einkaufen und die Treppe hochschleppen (lassen?), ist nur auf eine gut funktionierende Werbemaschinerie zurückzuführen, gegen die die lokalen wasserwerke nicht anstinken können oder wollen.
    Klimaschädlich, da emissionsintensiv in Herstellung, Transport und Rückführung von Leergut, ist Mineralwasser allemal im Vergleich zu Leitungswasser. Und das egal wie nah die Quelle ist, aus der es stammt...

  4. Vieles was aus dem Wasserhahn kommt oder aus deutschen Quellen mundet mir einfach nicht.

    zB ist das Leitungsnetz unseres (Miet-)Hauses und die Wasserqualität miserabel. Sehr verkalkt.

    Deutsche Wasser haben oft hohen Sulfat und Chlorid Gehalt, was sich auf den Geschmack auswirkt. Von dem Nestle Aquarel bekomme ich schon mal Kopfschmerzen.

    Darum bevorzuge ich Volvic (aus Frankreich, Umweltverschmutzer aus Leidenschaft). Falls jemand ein deutsches Wasser kennt, dass auf dessen Niveau ist, soll er das mitteilen, ich würde es gerne probieren.

    Zudem gibt es Volvic 8 Liter Kanister, weniger CO2 pro km ;-)

    Aber wie gesagt, ich "schmecke" den Unterschied.

    • a.flex
    • 03.08.2010 um 17:18 Uhr

    Sehr sehenswert: "The story of bottled water" von Annie Leonard

    http://www.youtube.com/wa...

  5. Ich trinke auch Mineralwasser aus meiner regionalen Umgebung (Teinacher), aber ich bin überzeugt davon, wenn diese Marke auf den Werbetrick Regionalität setzen würde, wäre das scheinheilig, weil sie selber trotzdem versuchen würden, ihr Wasser in Hamburg oder Berlin zu verkaufen.

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