FortpflanzungsmedizinLouise unerwünscht

Vor 32 Jahren: Fast hätte es das erste Retortenbaby nicht gegeben

Juli 1978: Doktor Robert Edwards hält das erste Retortenbaby Louise Joy Brown

Juli 1978: Doktor Robert Edwards hält das erste Retortenbaby Louise Joy Brown

Bevor wir es vergessen: Happy Birthday, Louise! 32 Jahre am vergangenen Sonntag, Gratulation nachträglich. Mit Dir wäre es ja beinahe nichts geworden damals. Niemand wollte für Dich zahlen, den Experten warst Du suspekt. Nur Deine Eltern wollten Dich auf der Welt sehen, na ja, und diese beiden Verrückten, die Doctores Edwards und Steptoe.

Zum Glück hat es am Ende doch noch geklappt mit Dir. Eizellen von der Mama und ein paar Spermien vom Papa ins Reagenzglas (»in vitro«), und schon war die Befruchtung (»Fertilisation«) passiert. Neun Monate später, am 26. Juli 1978, warst Du da. Das erste Retortenbaby. War das eine Aufregung! Und heute? Ach, es gibt Euch In-vitros millionenfach.

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Klar, Ihr seid ganz normale Menschen. Aber, trotzdem – Ihr habt uns inzwischen schon eine Menge Probleme eingebrockt: Da kriegen Lesbierinnen Kinder, ganz ohne Sex mit einem Mann. Frauen bringen als Leihmütter ihre Enkel zur Welt. Ist das noch Familie? Inzwischen sortiert man auch gar vor. Nur wer den Gentest der »Präimplantationsdiagnostik« passiert, darf in den Mutterleib. Ursprünglich suchten bloß Unfruchtbare wie Deine Eltern ihr In-vitro-Kinderglück. Aber heute wollen auch noch Erbkranke gesunde Kinder. Keine Spur mehr von Schicksalsergebenheit!

Mehr noch, manche von Euch sind »Retterkinder«. Ihr werdet so ausgesucht, dass Eure Zellen etwa dem leukämiekranken Bruder helfen. Kaum seid Ihr geboren, dürft Ihr für seine Behandlung Blut spenden. Klingt »Kinderglück« da nicht doppeldeutig? Andererseits: Noch bevor die erste Windel gefüllt ist, schon ein Leben retten – wenn das keine Geschwisterliebe ist. Das finden wir eigentlich großartig von Euch!

Dürfen wir aber nicht. Die Präimplantationsdiagnostik sei »ein unwürdiger Akt«, so hat es der Kölner Kardinal Meisner gerade wieder aufgeschrieben. Just am Wochenende Deines Geburtstags, Louise, predigte er per FAZ gegen die Idee von gesundem Nachwuchs per Gentest: Kinder würden zu »Produkten«. Gehe es so weiter, »werden wir in Teufels Küche landen«. Tja, Louise, Gottes Segen liegt nicht auf dem Tun, das Euch ins Leben holt. Vielleicht hätten wir damit gar nicht erst anfangen sollen.

Damals aber schlug Euch noch ganz weltliche Skepsis entgegen. Die alten Akten bringen es ans Licht: Edwards und Steptoe wurde beschieden, für Retortenbabys gebe es kein Geld. Nicht aus dem staatlichen Fördertopf des britischen Medical Research Council . Künstliche Kinder wie Du, Louise, seien ein falsches Signal. Kompetente Gutachter hielten es damals für viel wichtiger, das ungezügelte »Wachstum der britischen Bevölkerung« zu dämpfen – ein größeres Ziel als das Glück Einzelner.

Außerdem galten Steptoe und Edwards als missliebig, ja impertinent – hatten sie doch den Medien ihren Plan verraten, Unfruchtbaren zu Elternglück verhelfen zu wollen. Durch Kinder wie Dich. So konnte sich, oh weh, der gewöhnliche Bürger zeitgleich zu den Herren Experten eine Meinung bilden.

Als Du dann vor 32 Jahren kamst, gab es mehr Jubel als Tadel. Die Zeitungen titelten: Da ist sie, die süße Louise! Also, auch dieses Jahr: Einen schönen Geburtstag Dir und allen anderen Menschenkindern aus dem Reagenzglas!

 
Leserkommentare
  1. Ihr Stil erinnert in seltsamerweise an den Bildkolumnisten Wagner. Ihr Text ist ähnlich inhaltslos wie die Kolumnen von Franz Josef Wagner, ihr Schreibstil genauso abgehackt und verdummend. Übermäßiger Einsatz von Satzzeichen dient im Übrigen nicht immer der Verdeutlichung einer Aussage.
    Ich hätte nicht erwartet, einen formal so schlechten Text in einem Qualitätsmedium zu finden

  2. "Es ist naheliegend, dass dieser Prozess nicht ohne Selektion, auf welche Art auch immer, erfolgen kann, nur nach welchen Prinzipien und mit welchen Mitteln?
    Wurde durch die in-vitro-Fertilisation die Büchse der Pandora geöffnet?"

    Ich vermute, dass irgendwann in wahrscheinlich nicht allzuferner Zukunft (aber immer noch fern genug, um die Erinnerungen an die unselige Rolle, die die Eugenik im 20 Jh gespielt hat, verblassen zu lassen) Embryonenselektion zumindest zur Auswahl von Kindern, die unbelastet von Erbkrankheiten sind, keine Ausnahme mehr sein wird.
    Und man wird dann wahrscheinlich ähnlich kopfschüttelnd auf die ganzen Debatten PID betreffend zurückblicken, wie wir es heute tun, wenn wir uns über gesellschaftliche Standards der frühen BRD unterhalten...

  3. Die Auseinandersetzung mit der PID wird sicherlich und auch hoffentlich in der Gesellschaft unter vielen Aspekten weiter geführt werden. Es ist aus meiner Sicht nicht einfach damit getan, Erbkrankheiten auszuschliessen, oder Krankheiten insgesamt - was sind "Krankheiten"?
    Wenn wir eine ernsthafte Diskussion darüber führen und um Standpunkte ringen, glaube ich kaum, dass man dies rückwirkend mit Kopfschütteln abtun wird.

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