Lehrerpersönlichkeiten Der AlteSeite 5/5
Nach seiner Pensionierung werde er seine Frau mehr unterstützen, sagt Fegebank pflichtschuldigst. Es klingt nach der Absichtserklärung eines Menschen, der die Hoffnung nicht aufgegeben hat, irgendwie noch aus der Nummer rauszukommen.
Die Pensionierung. Seit Monaten macht ihm die Entlassung aus dem Schuldienst zu schaffen. Dennoch hat er ein großes Fest geplant, 485 Schüler. Er hat nur die eingeladen, mit denen er näher zu tun hatte. Und dann noch etwa 100 Lehrer. Zwei Zelte hat er dafür gemietet und Spanferkel bestellt. »Ehemaligentreffen« nennt Fritz Fegebank, was jeder andere »Abschiedsfest« nennen würde. Wenn er von den Vorbereitungen spricht, wird er leise und langsamer. Schnell möchte er das Gespräch abbrechen oder woandershin lenken. Es wirkt, als würde Fritz Fegebank seine eigene Beerdigung vorbereiten.
Die Schule will ihn weiter beschäftigen. »Wir können es uns nicht leisten, auf solche wertvollen Lehrer und Charakterköpfe zu verzichten«, sagt der Direktor. Den Mädchenfußball und die Schach-AG wird er weiter betreuen und einspringen, wenn Kollegen ausfallen. Das geht, dafür gibt es einen Honorartopf. Aber es wird nicht dasselbe sein. Das weiß Gerhardt, das weiß Fegebank.
Anfang Juli war es dann so weit. Ein paar Tage nach seinem »Ehemaligentreffen« wurde Fritz Fegebank offiziell aus dem Schuldienst verabschiedet. Auch Direktor Wolfgang Gerhardt, der an eine deutsche Schule nach Spanien geht, nahm seinen Abschied, doch das ist irgendwie untergegangen. Es war der Tag des Fritz Fegebank. Die Kollegen hatten ihm einen Thron gebaut, in Werder-Grün, und sein Leben als Quiz inszeniert. Zu einer Frage gehörte ein Foto aus den siebziger Jahren. Es zeigte sechs Schüler, dazu wurden fünf Geburtsdaten genannt. Das fehlende Datum nannte Fritz Fegebank, ohne zu zögern.
Was macht sein junger Kollege anders? Ein Porträt
- Datum 29.07.2010 - 07:24 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 29.07.2010 Nr. 31
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Habe mich sehr über diesen Artikel gefreut und finde bestätigt das:
Berufung, Lehrer zu sein viel bewirken kann und weil er alles, was er sagt, lebt.
Ein Vorbild im Kleinen, sowie im Großen!
Schaut hin ihr Politiker die ihr Vorbildfunktion habt?
Ich hatte einen Lehrer, Biologie und Chemie, der meine ganze Auffassung von "Wissen vermitteln" gepraegt hat. Bis heute vergeht kaum eine Woche, in der ich nicht an ihn denke und Menschen in ihrer Beruehrung mit anderen Menschen mit ihm vergleiche. Bald haben wir die Feier zum 20-jaehrigen und ich plane lange, ihn in einer Rede oeffentlich so darzustellen, wie er es verdient hat, als grossartigen Menschen der besonderen Art. Das liegt mir sehr am Herzen. Vor einem Monat habe ich erfahren, dass er ueberraschend verstorben ist. Es wird mich bis an mein Lebesende verfolgen, dass ich die Gelegenheit nicht genutzt habe, einem Menschen zu sagen, wie grossartig er ist und welchen wertvollen Einfluss er ausuebt.
Ich hätte auch gern einen Latein-Leistungskurs besucht. Allerdings mußte ich schon sehr froh sein, in der DDR überhaupt eine Schule mit Lateinunterricht besuchen zu können. Aber das nur am Rande...
"Wer heute von der Uni kommt, hat gelernt, eine klare Zielsetzung für die Unterrichtsstunde vorzugeben und die Schüler in ein methodisches Arbeiten einzuführen, bei dem der Lehrer im Hintergrund bleibt. Wer das nicht draufhat, kann sein zweites Staatsexamen vergessen. Fritz Fegebank könnte demnach sein zweites Staatsexamen vergessen. Sein Unterricht ist frontal und lehrerzentriert."
Genau DAS ist das Geheimnis. Nichts wirkt so motivierend auf Schüler wie motivierte und motivierende Lehrer. Die Hälfte des neu-modernen Methodik-Krams bewirkt nur, dass die Schüler das Gefühl bekommen, dass dem Lehrer eigentlich auch egal ist, was sie lernen oder oder ob sie überhaupt was lernen. Kinder, bei denen der Abschluß noch in der Ferne liegt, lernen nicht "für's Leben", sondern für den Lehrer. Oder eventuell die Eltern.
"Unterricht, bei dem der Lehrer im Hintergrund bleibt" - wenn ich das schon lese, wird mir übel...
Ich muss zugeben, dass ich mich oft über Zeitartikel zum Thema Schule geärgert habe. Dieser ist dagegen einfühlsam geschrieben und offensichtlich Resultat einer offenen Begegnung.
Auch ich habe einen solchen Lehrer gehabt und war dankbar. Nun gehen die letzten Vertreter dieser Generation in Pension. Manche sagen leider, dass ihnen in den letzten Jahren die hauptsächlich politisch verantworteten Rahmenbedingungen die Freude des Umgangs mit Schülern getrübt haben.
Für die Ichwerdung ist die Auseinandersetzung mit Persönlichkeiten und Inhalten wichtig. Wir tun den jungen Menschen keinen Gefallen, wenn wir sie bespaßen, Sachwissen durch Methodenkompetenz ersetzen und das Niveau senken um allen das Abitur zu ermöglichen.
Die besten Lehrer waren/sind diejenigen, die in sich ruhend und unaufgeregt klare Grenzen setzen - und es schaffen dabei gerecht zu sein.
Solche Lehrer gibts noch immer, die wachsen nach - auch wenn sie vielleicht keinen Anzug mehr tragen.
Ich habe 1982 Abi gemacht, hatte fiese Menschenfeinde und glücklicherweise auch "Fegebanker".
Meine Kinder haben 2008 und 2010 Abi gemacht und durften ebenfalls von Lehrerpersönlichkeiten profitieren.
Die Menschenfeine können sich heutzutagen nicht mehr ganz so heftig ausleben wie früher weil sie sich sofort mit empörten Eltern auseinandersetzen müssen - solche Unterstützung war vor 30 Jahren eher die Ausnahme.... mein Mathelehrer der 5./6. Klasse hat mich so traumatisiert, daß ich als erwachsene Frau unkontrolliert zu zittern begann, als ich unverhofft sein Bild in der Zeitung sah.
Aber ich erinere mich auch dankbar an einen späteren Mathelehrer, der mein Versagen in diesem Fach nicht zum Anlaß nahm mich nicht zu mögen - dafür bin ich heute noch dankbar.
Auch meine Schulzeit war geprägt von 2 bis 3 Lehrern, denen man Respekt zollen konnte, deren Konsequenz nicht nur für andere galt und über ein gehöriges Mass an Selbsterkenntnis und Fairness verfügten.
De facto war das vermittelte Wissen dieser Lehrer alles, was ich in der Schule gelernt habe, den Rest vergisst man sehr schnell und ist nur selten wirklich wichtig.
Durch meine Kinder weis ich, das Junglehrer sich heute mit viel zu vielen Nebensächlichkeiten aufhalten, Bewertungskriterien anlegen, die der Theorie, aber selten ihren Schülern gerecht werden.
Viele davon werden deshalb eine Krise erleben und nur die offenen zur Selbstkritik und zur Selbsterkenntnis fähigen werden am Ende psychisch überleben können, weil nur sie wirklich die Kompetenz erwerben für ihren Beruf.
Das ist traurig, weil es verdammt unfair ist, als junger Lehrer unvorbereitet feststellen zu müssen, dass die eigentliche Ausbildung erst nach dem Studium beginnt.
H.
"Nie würde er einen Tropfen Alkohol trinken..."
Wer niemals einen Rausch gehabt, der ist kein braver Mann.
Da muss ich ihnen zustimmen.
Schüler, gerade der unteren Klassenstufen haben noch nicht die Weitsicht, der es bedarf um zu erkennen, dass man für das Leben und die Zukunft lernt.
Ich hatte damals auch eine Mathematiklehrer, der wie manche sagen würden ein "harter Hund" gewesen ist und durchaus mit Herrn Fegebank zu vergleichen ist.
Ich hatte damals in meinem Mathe-Leistungskurs durchaus meine Schwierigkeiten und mein Lehrer hat mir nichts geschenkt. Jedes Habjahr hat er mich kurz vor der Notenvergabe bewusst noch einmal 3-4 Wochen auf den Kicker gesetzt um meine Note zu rechtfertigen.
Jetzt schließe ich bald ein naturwissenschaftliches Bachelorstudium ab und muss sagen, so schlecht wie ich auch damals gewesen bin, es ist doch was hängen geblieben und die hartnäckigkeit meines Lehrers hat sich ausgezahlt.
Um auf ihre Meinung zu neuen Unterrichtskonzepten zu sprechen zu kommen, auch da stimme ich ihnen zu.
Ich meine was war denn an unserer Schulbildung so schlimm? Frontalunterricht mit Tafel, Kreide und einem im Zentrum stehenden Lehrer.
(Meine Mutter ist Lehrer an einem Gymnasium) Heute wird selbstständig in Gruppen gelertn, Zirkellernen, mit Whiteboards die an einen Computer angeschlossen sind, Termine werden per email abgesprochen und Formulare sind aus dem Internet herunterzuladen.
Ich denke jeder der sein Abitur vor 2006 (mein Jahrgang) gemacht hat kann mir zustimmen, dass wir uns doch ganz gut entwickelt haben und keine kognitiven Krüppel sind, oder?!
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