Lehrerpersönlichkeiten Der Neue
Auf den alten folgt der junge Lehrer: Dennis Beckmann. Er setzt auf Gruppenarbeit und interaktive Displays

Der neue Lehrer Dennis Beckmann unterrichtet, wie es die moderne Pädagogik lehrt: Gemeinschaftsarbeit, Methodenwechsel, Medieneinsatz
Noch fünf Minuten bis zur Abfahrt des Zuges nach Sylt: Ein Schüler hat schon jetzt Heimweh. Das ganze Wochenende hat er durchgeweint, nun redet seine Mutter auf dem Bahnsteig von Hamburg-Altona leise auf Klassenlehrer Dennis Beckmann ein. Mobiltelefone sind auf der Reise verboten. Die beiden vereinbaren, dass der Junge im Notfall mit Beckmanns Handy seine Familie anrufen kann. Ein Mädchen hat Kummer, weil sein Vater sehr krank ist, ein anderes hat sich seinen Fuß mit einer Glasscherbe aufgeschnitten und braucht ein gekühltes Antibiotikum: Klassenfahrt der 5a des Gymnasiums Buckhorn in Hamburg. Dennis Beckmann hört zu, nickt, beruhigt, lächelt.
Am Ende rennen manche Mütter neben dem ausfahrenden Zug her, um ihren Kindern zu winken. Beckmann sitzt neben seiner Kollegin Kathrin Schütte und wirkt gelassen. Er ist 30, trägt eine Kapuzenjacke, Jeans, Turnschuhe und sieht ein wenig aus wie ein Schüler aus der Oberstufe. Dreißig Kinder sind in seiner Klasse. Kaum hat der Zug den Bahnhof verlassen, packen die Jungs riesige Tüten mit Süßigkeiten aus. Ein paar Mädchen wollten sogar Proviant mit nach Sylt nehmen, Fertiggerichte zum Überleben. Sie hatten gehört, die Küche der Jugendherberge dort sei nicht so gut. Das haben Beckmann und seine Kollegin aber noch verhindern können.
Wie muss ein Lehrer heute sein, was muss er leisten? Laut einer Studie, bei der 16.000 Lehrer befragt wurden, steht fast jeder dritte Pädagoge kurz vorm psychischen und physischen Kollaps. Lehrer gelten als überfordert, überlastet, überaltert. Die Klassen sind groß, die Schüler aggressiv, und jedes Jahr gibt es, so scheint es zumindest, eine neue Schulreform. Der Ruf von Pädagogen ist nach den Nachrichten von Lehrern, die Schüler missbraucht oder geschlagen haben, so schlecht wie nie zuvor. Warum wird ein junger Mann wie Dennis Beckmann in einer solchen Zeit Lehrer?
An einem Montagmorgen im Juni eilt Beckmann über den Hof des Gymnasiums, die Sonne brennt auf die Gehwegplatten, dort steht in Kreideschrift: »Immer blau und trotzdem schlau«. Zwei Schüler liegen reglos auf Bänken und schlafen. Sie haben in der vergangenen Nacht ihr Abitur gefeiert. Beckmann grinst und läuft an ihnen vorbei zu dem Parkplatz, auf dem die Lehrer rauchen dürfen – außer Sichtweite der Schüler. Lehrer sollen Vorbild sein. Beckmann findet das richtig.
Hastig zieht er eine Zigarette aus der Packung, gleich beginnt der Unterricht. Seit zwei Jahren ist er an der Schule, davor hat er dort sein Referendariat gemacht. Danach stellte ihn Schulleiter Wolfgang Gerhardt sofort ein. »Er hat großes Potenzial«, sagt der über ihn. Beckmanns Karriere ist am Anfang, die seines Kollegen Fritz Fegebank geht zu Ende. In gewisser Weise ist Beckmann Fegebanks Nachfolger, Vertreter einer neuen Generation von Lehrern. Was macht er ähnlich, was unterscheidet ihn von Fegebank?
Der Alte und der Neue, sie treffen sich oft am Morgen vor dem Schultor, sie sind immer die Ersten, die kommen – zehn vor halb acht. Beckmann kopiert in der Früh Arbeitsblätter. Die Sicherheit des Alten fehlt ihm noch, er weiß nicht schon Tage im Voraus, wie eine Unterrichtsstunde aussehen wird.
Später steht Beckmann in seinem Klassenzimmer und sieht auf die Bäume vor dem Fenster. Das Gymnasium Buckhorn liegt idyllisch im Wald am Rande Hamburgs. Es gibt kaum Schüler mit »Migrationshintergrund«, wie Beckmann sagt. An diesem Gymnasium haben die Kinder durchgeplante Nachmittage, sie spielen Hockey, Tennis und reiten. Von 1000 Schülern singen 150 im Schulchor, und 300 rechnen beim Känguru-Mathematik-Wettbewerb mit. »Wir sind auf einer Insel der Glückseligen«, sagt Beckmann.
- Datum 28.07.2010 - 14:17 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 29.07.2010 Nr. 31
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Bricht eine neue ZEIT heran? Auch diesem Artikel liegt ein Zuhören und offenes Aufnehmen zugrunde. In letzter Zeit wurde ja mehr über Lehrer gesprochen gemäß des geflügelten Wortes "Wer fragt die Gänse, die es zu schlachten gilt?" von Gas-Gerd.
Interessant finde ich noch, dass das Smartboard als modernes Unterrichtsmittel angesehen wird, obwohl es frontaler kaum stehen könnte und den verlängerten Lehrerarm repräsentiert.
Gute Lehrer sind die mit Abstand wichtigste Berufsgruppe in Deutschland. Leider wird sie nicht genug gewürdignt. Das liegt auch daran das es eine große Kluft zwischen guten und schlechten Lehrern gibt, die schnell zu einem Generalverdacht wird. Gute Lehrer können auch in einem schlechten Schulsystem viel erreicehn und umgekehrt ist das beste Schulsystem wenig erfolgreich wenn die Qualität der Lehrer nicht stimmt. Ich denke das schon bei der Auswahl der Studenten, die einen Lehrberuf anstreben angesetzt werden kann. Der Notenschnitt im Abitur von 3.3 sagt nicht aus, das dieser angehende Student nicht ein wunderbarer Lehrer werden könnte. Der Abischnitt ist nur ein Anhaltspunkt von vielen, besonderns wichtig ist die Persönlichkeit, das Selbstbewusstsein und die Integrität des werdenden Lehrers. Bei der Ausbildung muss mehr Gewicht auf die Pädagogik und weniger auf das ausufernde Fachwissen gelegt werden. Außerdem sollten Lehrer ihren Beamtenstatus verlieren und im Gegenzug ggf. besser bezahlt werden. Dafür sollten "schlechte" Lehrer aber auch konsquent entlassen werden. Es gäbe noch viele weitere Punkte, das Bildungssystem ist die wichtigste Säule unserer Gesellschaft!
ZITAT: "Der moderne Lehrer muss..[AUA] Besonders der Anspruch des Innovierens ist ganz neu im Berufsbild des Pädagogen«, sagt Mareike Kunter, Professorin. Das bedeutet, Lehrer sollen... Heute sind Lehrer verpflichtet, sich ständig selbst weiterzubilden«" - Seltsam, ich habe 1980/1981 im Referendariat S-H gelernt, dass die "ständige eigenständige Weiter- und Fortbildung" selbstverständlich zu den pflichten des GYM-lehrers gehört. ich verstehe nicht recht, wie Frau Kunter darauf kommen kann, dies sei erst "heute" so? abgesehen davon, dass es zur selbstverständ-lichen Grundhaltung des paukers gehört, breitbandig "auf dem Laufenden" zu sein - wozu u.a. auch die regelmäßige ZEIT-lektüre gehört. ich kenne keine/n, die/der sich auf etwas "ausruhen" könnte. selbstverständlich nutzt Kollege Fegebank medien, wozu hält er denn all die schönen artikel in klarsichthülle mit 2 cm randabstand vor? andere leiten halt online-artikel per Email an ihre schülerInnen weiter. smart-boards sind in spätestens 5-6 jahren vom tisch wie der OHP, das "Sprachlabor" und andere pädagogische erlösungstechniken, keine schulbehörde kann die komplettausstattung bezahlen. versendung von unterrichtsstoff aus dem smart-board heraus setzt voraus, dass alle schülerInnen einen PC mit ausreichendem account haben; die methode Fegebank hingegen hat den vorteil, "schnell mal" kopiert oder verliehen werden zu können - wenn der Kollege Beckmann mit seinem USB-stick keinen funktionierenden PC und drucker findet, tja...?
Der alte Lehrplan in Baden-Württemberg von 1996 forderte bereits als die fünf wichtigsten Aufgaben des Lehrers: Unterrichten, Erziehen, Beurteilen, Beraten, Innovieren. Beratung wird hier überhaupt nicht erwähnt. Dabei reden doch heute alle von den ach so wichtigen Förderempfehlungen!
Von Schülereltern höre ich immer wieder, die Lehrerpersönlichkeit sei das Wichtigste. Das ist nach meiner Erfahrung nur in Teilen richtig. Ich habe als Schülerin zwar Freude an manchen Fächern entwickelt, weil der Lehrer mich dafür begeistern konnte, aber in der Regel hat der Lehrer mich kaum in meinen Interessen beeinflusst, eher das - gute und schlechte - Vorbild meiner Eltern.
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