Lehrerpersönlichkeiten Der NeueSeite 4/4
Im Zug nach Sylt sitzt Dennis Beckmann neben seiner Kollegin Kathrin Schütte. Die Schüler kaufen gerade Kekse und Schokolade nach. »Ich hätte niemals gedacht, dass Lehrer sein so viel Arbeit bedeutet«, sagt Schütte und lacht. Beckmann nickt stumm. Seine Freundin ist vor Kurzem nach Hamburg gezogen, sie sehen sich nur an den Wochenenden. Irgendwann müsse sich das mal ändern, sagt Beckmann.
Die Schüler beginnen, ihren Lehrern Fragen zu stellen. »Wie heißt die Geheimorganisation aus Transformers I?« – »Den Film habt ihr doch hoffentlich nicht gesehen!«, sagt Beckmann. Er ist erst ab zwölf Jahren. Auch die Schüler haben sich verändert. »Sie sind heute freier, offener, haben weniger Angst vor den Lehrern als zu meiner Schulzeit, aber auch weniger Respekt.«
Am Ziel der Reise auf Sylt sind es 30 Grad. Die Jugendherberge liegt idyllisch auf einer Landzunge zwischen Watt und Strand. Die Zimmer heißen Rilke, Mozart oder Bach. Es sind mehrere Klassen aus Hamburg angereist. Am Abend sitzen die Lehrer zusammen und reden über die Reformen. Vom nächsten Jahr an soll in Hamburg kein Schüler ab der siebten Klasse mehr sitzen bleiben dürfen. Zweimal im Halbjahr müssen Lehrer mit jedem Schüler Lernentwicklungsgespräche führen. Das sind bei 30 Schülern 60 Gespräche. »Wir schaffen das nicht«, sagt Beckmanns Kollegin Schütte. Ein weiteres Thema ist die Einführung der »eigenverantwortlichen Schule«, die Schulkonferenz entscheidet über alle wichtigen Fragen. Darin sitzen fünf Schüler, fünf Elternvertreter, fünf Lehrer, der Direktor und eine Sekretärin. Die Lehrer sind stets in der Minderheit. »Welche Ideale kann ich dann noch durchsetzen?«, fragt Schütte. Beckmann schweigt, er würde das nie so offen formulieren, aber er denkt ähnlich. Er ist noch nicht verbeamtet und fürchtet Konsequenzen, wenn er sich zu schulpolitischen Fragen äußert. Deshalb mag er auch nichts zum Hamburger Volksentscheid über die Länge der Grundschulzeit sagen. Ein Lehrer von einem anderen Hamburger Gymnasium beendet die Diskussion, die Reformen seien selten fertig durchdacht, sagt er. »Und wir haben immer zu wenig Zeit, um sie einzuführen.«
Am nächsten Morgen sehen Beckmann und seine Kollegin müde aus. Die Schüler einer anderen Klasse haben die Nacht durchgemacht. Und am Vormittag steht eine Wattwanderung an. Ein Student leitet sie. Er stellt den Schülern viele geschlossene Fragen und will nur Ein-Wort-Antworten hören. Beckmann und Schütte blicken sich an, das ist in der modernen Pädagogik verpönt. Die Schüler sollen lernen, etwas zu erklären. Sonst deutet alles auf eine erfolgreiche Klassenreise für Dennis Beckmann hin: Der Junge mit dem Heimweh wollte noch nicht zu Hause anrufen. Das Mädchen mit der Fußwunde sitzt mit einer Freundin am Strand, und das andere Mädchen ist ein wenig vom Kummer um ihren Vater abgelenkt. Am Ende der Wanderung verspeist ein Schüler dann einen Wattwurm. Einfach so. Ganz unerzogen.
- Datum 28.07.2010 - 14:17 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 29.07.2010 Nr. 31
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Bricht eine neue ZEIT heran? Auch diesem Artikel liegt ein Zuhören und offenes Aufnehmen zugrunde. In letzter Zeit wurde ja mehr über Lehrer gesprochen gemäß des geflügelten Wortes "Wer fragt die Gänse, die es zu schlachten gilt?" von Gas-Gerd.
Interessant finde ich noch, dass das Smartboard als modernes Unterrichtsmittel angesehen wird, obwohl es frontaler kaum stehen könnte und den verlängerten Lehrerarm repräsentiert.
Gute Lehrer sind die mit Abstand wichtigste Berufsgruppe in Deutschland. Leider wird sie nicht genug gewürdignt. Das liegt auch daran das es eine große Kluft zwischen guten und schlechten Lehrern gibt, die schnell zu einem Generalverdacht wird. Gute Lehrer können auch in einem schlechten Schulsystem viel erreicehn und umgekehrt ist das beste Schulsystem wenig erfolgreich wenn die Qualität der Lehrer nicht stimmt. Ich denke das schon bei der Auswahl der Studenten, die einen Lehrberuf anstreben angesetzt werden kann. Der Notenschnitt im Abitur von 3.3 sagt nicht aus, das dieser angehende Student nicht ein wunderbarer Lehrer werden könnte. Der Abischnitt ist nur ein Anhaltspunkt von vielen, besonderns wichtig ist die Persönlichkeit, das Selbstbewusstsein und die Integrität des werdenden Lehrers. Bei der Ausbildung muss mehr Gewicht auf die Pädagogik und weniger auf das ausufernde Fachwissen gelegt werden. Außerdem sollten Lehrer ihren Beamtenstatus verlieren und im Gegenzug ggf. besser bezahlt werden. Dafür sollten "schlechte" Lehrer aber auch konsquent entlassen werden. Es gäbe noch viele weitere Punkte, das Bildungssystem ist die wichtigste Säule unserer Gesellschaft!
ZITAT: "Der moderne Lehrer muss..[AUA] Besonders der Anspruch des Innovierens ist ganz neu im Berufsbild des Pädagogen«, sagt Mareike Kunter, Professorin. Das bedeutet, Lehrer sollen... Heute sind Lehrer verpflichtet, sich ständig selbst weiterzubilden«" - Seltsam, ich habe 1980/1981 im Referendariat S-H gelernt, dass die "ständige eigenständige Weiter- und Fortbildung" selbstverständlich zu den pflichten des GYM-lehrers gehört. ich verstehe nicht recht, wie Frau Kunter darauf kommen kann, dies sei erst "heute" so? abgesehen davon, dass es zur selbstverständ-lichen Grundhaltung des paukers gehört, breitbandig "auf dem Laufenden" zu sein - wozu u.a. auch die regelmäßige ZEIT-lektüre gehört. ich kenne keine/n, die/der sich auf etwas "ausruhen" könnte. selbstverständlich nutzt Kollege Fegebank medien, wozu hält er denn all die schönen artikel in klarsichthülle mit 2 cm randabstand vor? andere leiten halt online-artikel per Email an ihre schülerInnen weiter. smart-boards sind in spätestens 5-6 jahren vom tisch wie der OHP, das "Sprachlabor" und andere pädagogische erlösungstechniken, keine schulbehörde kann die komplettausstattung bezahlen. versendung von unterrichtsstoff aus dem smart-board heraus setzt voraus, dass alle schülerInnen einen PC mit ausreichendem account haben; die methode Fegebank hingegen hat den vorteil, "schnell mal" kopiert oder verliehen werden zu können - wenn der Kollege Beckmann mit seinem USB-stick keinen funktionierenden PC und drucker findet, tja...?
Der alte Lehrplan in Baden-Württemberg von 1996 forderte bereits als die fünf wichtigsten Aufgaben des Lehrers: Unterrichten, Erziehen, Beurteilen, Beraten, Innovieren. Beratung wird hier überhaupt nicht erwähnt. Dabei reden doch heute alle von den ach so wichtigen Förderempfehlungen!
Von Schülereltern höre ich immer wieder, die Lehrerpersönlichkeit sei das Wichtigste. Das ist nach meiner Erfahrung nur in Teilen richtig. Ich habe als Schülerin zwar Freude an manchen Fächern entwickelt, weil der Lehrer mich dafür begeistern konnte, aber in der Regel hat der Lehrer mich kaum in meinen Interessen beeinflusst, eher das - gute und schlechte - Vorbild meiner Eltern.
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