Liebeskolumne Wie betrunken darf er sein?

Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Darf sie seinen Alkoholkonsum kritisieren?

Die Frage: Maria und Charlie sind seit einem Jahr ein Paar. Zuvor hatte Maria eine zermürbende Beziehung: Ihr damaliger Freund hatte sie mehrmals betrogen. Charlie hingegen ist treu, will mit ihr leben und Kinder haben. Aber wieder taucht ein Problem auf. Maria bemerkt, dass er ihrer Ansicht nach zu viel trinkt – einige Weizenbier jeden Abend. Er sagt, er habe das schon immer so gemacht, es entspanne ihn, er verändere sich ihr gegenüber nicht. Maria muss zugeben, dass das stimmt, aber sie fürchtet, dass es schlimmer wird, außerdem stört sie seine Fahne. Charlie sagt, sie solle keine Probleme sehen, wo keine seien. Er komme aus einer Familie, in der viel getrunken werde. Maria fragt sich, ob sie es ist, die immer einen Haken finden muss – oder ob sie ihre Zweifel ernst nehmen und ihn vor die Alternative stellen soll: ich oder der Alkohol.

Liebeskolumne
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Das Problem Marias scheint mir weniger der Alkoholkonsum von Charlie als ihre Unsicherheit, ob sie mit Konflikten in einer Liebesbeziehung umgehen kann und ob es erlaubt ist, es sich mit einem Mann gemütlich zu machen, wenn nicht alles immer stimmt, sondern nur das meiste die meiste Zeit. Nicht alle Menschen, die regelmäßig trinken, sind Alkoholiker. Solange Charlie sonst ein guter Partner ist, seinen Führerschein noch hat und sich verantwortungsvoll verhält, sollte Maria vorsichtig sein, ihn als Trunkenbold zu entwerten.

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Sie soll aber auch nicht aufhören, mit ihm zu verhandeln, ob sein Alkoholkonsum der Gesundheit und der Erotik zuträglich ist. Solche Gespräche gelingen eher, wenn sie gemeinsame Interessen formulieren und nicht Positionen verhärten.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE.

Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de

 
Leser-Kommentare
  1. "Solange Charlie sonst ein guter Partner ist, seinen Führerschein noch hat und sich verantwortungsvoll verhält, sollte Maria vorsichtig sein, ihn als Trunkenbold zu entwerten."

    Mir bleibt bei diesem Satz die Spucke weg. Wer "einige Weizenbier jeden Abend" trinkt, ist Alkoholiker.

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    • 42317
    • 01.08.2010 um 13:58 Uhr

    Ich will von dem Begriff "Alkoholiker" zwar noch Abstand nehmen, aber JEDEN Abend MEHRERE Gläser Weizenbier zu trinken, halte ich für bedenklich.
    Mein Großvater hat jeden Mittag eine und jeden Abend zwei Null-Dreier Flaschen Bier getrunken, und ich empfand das als unangenehm.
    Vielleicht ist das nicht Alkoholismus, aber es ist eindeutig Gewohnheitstrinken, und die wahrgenommene Unsicherheit in einer solchen Situation der Frau zuzustecken, ist geradezu eine Frechheit.

    • 42317
    • 01.08.2010 um 13:58 Uhr

    Ich will von dem Begriff "Alkoholiker" zwar noch Abstand nehmen, aber JEDEN Abend MEHRERE Gläser Weizenbier zu trinken, halte ich für bedenklich.
    Mein Großvater hat jeden Mittag eine und jeden Abend zwei Null-Dreier Flaschen Bier getrunken, und ich empfand das als unangenehm.
    Vielleicht ist das nicht Alkoholismus, aber es ist eindeutig Gewohnheitstrinken, und die wahrgenommene Unsicherheit in einer solchen Situation der Frau zuzustecken, ist geradezu eine Frechheit.

    • elmued
    • 31.07.2010 um 19:19 Uhr

    Setzt man Alkoholiker mit abhängig von Alkohol gleich, "reicht" es eben nicht einige Weizenbier abends zu trinken. Im ICD 10 gibt es Kriterien, die eine Alkoholabhängigkeit definieren. Ohne die näheren Umstände des Weizenbierkonsums zu kennen, würde ich es eher als Mißbrauch von Alkohol bezeichnen.

  2. Entschuldigen Sie bitte, aber wenn meine Freundin jeden Abend mehrere Bier trinken würde, um runter zu kommen, hätte ich durchaus ein Problem damit. Warum? Weil das schon Sucht ist, vor allem wenn man meint, dass man etwas unbedingt braucht, und das jeden Tag.
    Als Partner eines Alkoholkranken muss man davon ausgehen, dass derjenige auch sonst nur schwer mit Belastungen umgehen kann, vor allem wenn er seiner Sucht nicht nachgehen kann.
    [...]
    Ich trinke auch mal ein Bier, aber nicht jeden Tag mehrere.
    Wenn einen etwas in der Beziehung stört, sollte man es auch ansprechen können. Ein empathiefähiger Partner interessiert sich übrigens auch für die Bedenken des Partners.
    [...]

    [entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich und höflich. Vielen Dank. Die Redaktion/ew]

  3. Wieviel sind denn mehrere ? 2-3? 5-6?

    Das Problem, dass ich dabei sehe ist die Gewohnheit und die damit verbundene Gefahr, dass nach einem Jahr aus 1-2 Weizen 3-4 werden und nach 2-3 weiteren Jahren dann 5-6 getrunken werden. Alkoholsucht entwickelt sich schleichend, beim einen schneller beim anderen langsamer.

    Also für vertretbar halte ich maximal 1-2 Flaschen am abend und wenigstens 3 Tage in der Woche ohne Bier.

  4. Sorry, also bei einige = mindestens 2 Flaschen also 1l Bier am Abend sehe ich auch das Problem das dies immer mehr wird. Wenn ich jeden Abend eine Flasche Cola trinke und meine Freundin mir sagen würde das wäre zuviel Zucker und eben nicht so gut für mich würde ich tatsächlich meinen Konsum verändern weil es ja nicht unbedingt sein muss. Wenn er aber dieses Bier als "runterkommen" sieht ist es schon in seinem Kopf und damit der Anfang zu grossen Problemen.

  5. "Sollten eines Tages Kinder dazu kommen, die ihren Vater jeden Abend ein paar Bier trinken sehen, entwickeln sie ziemlich wahrscheinlich ein ähnliches Verhältnis zum Alkohol."
    Das kann man den Kindern nur wünschen.
    Maria sollte sich lieber auch einen einschütten.
    Das entspannt.
    Ein sehr ausgewogener Beitrag von Wolfgang Schmidbauer!

  6. Es gibt Leute die hatten noch nie oder haben kaum Sex.

    Weiter:

    Gehen wir mal davon aus dass jmd 3x die Woche Sex hat. Heisst das dass diese Person sexsuechtig ist weil nach einem Jahr daraus 5-6 Sex pro Woche werden?

    Also wahrlich, wenn die beschriebene Person 3 Weizenbier trinkt und dieses seit 10 Jahren so praktiziert ohne in die 5-6-Bier-Falle zu treten dann hat das nichts mit Sucht zu tun.

    Moeglicherweise kommt der eine oder andere nach einem harten Arbeitstag runter, indem er seine Freundin [...]

    Gut, die beschriebene Person hat ne Freundin, ist aber vielleicht zu hoefflich und trinkt lieber Bier ... denkt mal darueber nach!

    Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Die Redaktion/sh

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