China Bei Regen kommt der Tod
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Der Pilz spielt eine zentrale Rolle

Der Kleine Weiße gehört zur Gattung der Trogia, die bislang wenig erforscht ist. Erste Untersuchungen zeigten, dass der Pilz drei giftige Aminosäuren produziert. Für Mäuse sind sie tödlich, wie Forscher im Labor inzwischen nachgewiesen haben, aber für den Menschen scheinen sie in der Regel nicht gefährlich zu sein; ein großer Anteil der Bewohner der Yunnan-Provinz verzehrt den Pilz, aber nur ein Bruchteil von ihnen stirbt. Derzeit versuchen die Forscher herauszufinden, wann der Trogiaverzehr riskant ist und ob die Pilzgifte womöglich nur besonders anfälligen Menschen zum Verhängnis werden.

Fest steht, dass der Pilz eine zentrale Rolle spielt. Andere mögliche Ursachen hat man wieder verworfen. Ein Zeit lang vermutete das Forschungsteam aus Peking, dass es womöglich die Keshan-Krankheit sei, ein Leiden, das in Gegenden auftritt, die einen Mangel des Spurenelements Selen aufweisen. Die Ergebnisse der Obduktionen widerlegten den Verdacht. Dann galt ein Coxsackie-Virus als mögliche Ursache – doch das verbreitete Virus ließ sich nur bei einem Bruchteil der Verstorbenen isolieren.

Es könnte allerdings sein, dass die Trogia nicht allein für alle 400 Todesfälle verantwortlich ist. Das Schwermetall Barium, das sich auch in den Pilzen ansammelt, löst Herzrhythmusstörungen aus. Es befindet sich zwar auch im Trinkwasser und anderen Nahrungsmitteln, aber womöglich begünstigt der Trogia die Wirkung von Barium.

Doch alles deutet darauf hin, dass es keine Todesfälle gibt, wenn der Kleine Weiße nicht verzehrt wird. Im vergangenen Jahr hatte man in jenen Teilen der Provinz die Bewohner davor gewarnt, den Pilz zu essen. Niemand starb. Inzwischen wurde die Warnung auch auf Regionen ausgedehnt, die man vorher als nicht gefährdet eingestuft hatte. Und tatsächlich: 2010 hat es bisher noch keinen verdächtigen Todesfall gegeben. Wenn das so bleibt, können sich die Bewohner von Yunnan zum ersten Mal nach 30 Jahren auf den Sommer freuen.

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