Oktoberfest Von Dirndln und Hühnerknochen
Das Münchner Stadtmuseum zeigt 200 Jahre Oktoberfest
© Stadtmuseum München

Bis auf die Knochen freigelegt: die Chronik des Oktoberfestes
Das Oktoberfest feiert sein 200-jähriges Bestehen – und Jubiläen lassen sich gut touristisch nutzen. Das sagte sich auch das Münchner Stadtmuseum. Mit seiner Ausstellung Das Oktoberfest 1810 bis 2010 versucht es seit Anfang Juli, die Sommergäste der Landeshauptstadt von luftigen Isarstränden oder aus Biergärten ins Museum zu locken.
Das erste Oktoberfest fand anlässlich der Vermählung des bayerischen Kronprinzen Ludwig mit Therese von Sachsen-Hildburghausen statt. Inzwischen hat sich auf der Wiesn unterhalb der Bavaria einiges geändert: Größer und lauter ist es in 200 Jahren geworden – und transparenter. Das gilt nicht nur für die Outfits der Wiesnbesucher, wie die Gemälde beweisen, sondern auch für die Bierkrüge: Bestanden diese ehemals aus Steingut, wurden sie zu Beginn der sechziger Jahre aufgrund betrügerischen Einschenkens durch Glaskrüge ersetzt.
Die Ausstellung erzählt die Oktoberfest-Geschichte chronologisch und stimmungsvoll anhand vieler Exponate aus dem Museumsdepot: Bilder von Pferderennen, die einst während des Volksfests ausgetragen wurden, das älteste Bierfass, Schiffschaukeldekorationen, alte Geisterbahnfiguren und Fassadenteile diverser Schaustellergeschäfte. Zu den bizarrsten Ausstellungsstücken gehören die Knochen eines Wiesnhendls, um 1900! Auch die Designgeschichte des Bierzeltmobiliars (vom Holztisch mit Stühlen über die Klappbank mit Resopalbeschichtung zur heutigen Garnitur) ist so noch nie gezeigt worden. Der jüngsten Zeit widmet sich die Ausstellung, indem sie Utensilien zum »Vorglühen« (Alkopops) und Magnum-Champagnerflaschen aus der Käferschenke präsentiert und das Dirndl zeigt, welches Paris Hilton 2007 auf der Wiesn trug.
Was fehlt, sind Einordnungen. Mit dem bloßen Zeigen von Promi-Dirndln ist die Frage kaum beantwortet, warum sich das Image des Oktoberfests gewandelt hat: Einst Ort der Begegnung biertrinkender Kleinbürger, ist es heute eine Kultveranstaltung, bei der die Jugend historische Erfahrungen von »Fanmeile« und »Partyzone« fortsetzt. So bietet die Ausstellung nicht mehr als eine Einstimmung auf ein Thema, das gesellschaftlich und kulturhistorisch besser im Bierzelt aufgearbeitet werden kann.
Bis 31.10. Di 10–21 Uhr, Mi–So 10–18 Uhr, Eintritt 6 Euro, Münchner Stadtmuseum, St.-Jakobs-Platz 1, 80331 München, Tel. 089/23322370, www.stadtmuseum-online.de
- Datum 19.08.2010 - 18:28 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 29.07.2010 Nr. 31
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Mich würde interessieren, wie sich die Dirndl in der Zeit auch verändert haben. Meine Freundin schleppt inzwischen schon "Dirndl" an, die nicht mehr wirklich viel mit der Tracht zu tun haben...
VG, Daniel
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