Öffentlich-Rechtliche Sender

Vom Volk bezahlte Verblödung

Warum der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht leistet, wofür er die Gebühren bekommt.

Dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland scheint es gut zu gehen. Er expandiert gegen alle Widerstände ins Internet. Er hat ein Gesetz ertrotzt, das es erlaubt, die Rundfunkgebühr in jedem Haushalt zu erheben, unabhängig davon, ob dort Empfangsgeräte existieren. Die politischen und juristischen Siege verschärfen indes auch die Legitimationskrise eines Systems, das in Wahrheit nur noch wenig von dem liefert, was seine Finanzierung durch Zwangsgebühren rechtfertigen könnte.

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Diese Legitimationskrise ist nicht heute und nicht gestern entstanden – und erst recht nicht durch das Internet. Wenn es eine Ursache gibt, dann liegt sie in der Konkurrenz der privaten Sender, die den Quotendruck hergestellt hat, der als Mutter aller Missstände gelten kann. Wann immer eine gute Sendung aus dem Programm genommen wird, heißt es: Die Quote war schlecht, und wann immer eine schlechte Sendung im Programm gehalten wird: Die Quote war gut. Über Qualität und Angebot von Sendungen nach der Zuschauerquote zu urteilen bedeutet aber für die öffentlich-rechtlichen Sender, dass sie sich wie reine Wirtschaftsunternehmen verhalten, das heißt nach Maßgabe der Produktverkäuflichkeit, ohne Blick auf eine weitergehende Verantwortlichkeit. Warum sollen Sender, die sich wie Privatakteure auf dem Markt verhalten, eine Gebühr bekommen, die sie von der Rücksicht auf den Markt befreit? Dies ist die Legitimationskrise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Er wird für eine Freiheit bezahlt, die er nicht nutzt.

Das ist im Übrigen bekannt. Von dem ursprünglichen Volksbildungs- und Aufklärungsauftrag, der staatsbürgerlichen und kulturellen Verantwortung der Sender wird nur noch ironisch gesprochen oder um Absurditäten wie den Theaterkanal zu begründen. Gelegentlich wird sogar behauptet, dass die Tendenz zu Verflachung und Verdummung in der Eigenlogik der elektronischen Massenmedien angelegt sei: Sie könnten gar nicht anders sein, als sie sind – beziehungsweise kämen erst in der absoluten Trivialisierung ganz zu sich selbst. Dagegen spricht die Qualität der Sendungen, die sich auch das Fernsehen immer wieder gleichwohl leistet – bis sie auf hintere Sendeplätze oder gänzlich verschwinden. Dagegen spricht vor allem die staunenswerte Qualität von Deutschlandradio und Deutschlandfunk, die täglich beweisen, dass Radio kein Dudelfunk sein muss.

Warum also duldet der Staat die Gebührenfinanzierung eines Systems, das sich diese Qualität nur am Rande und nur in Ausnahmen leistet? Eine zynische Antwort könnte lauten: Die Parteien und Politiker wollen den öffentlich-rechtlichen Sendern einen Konkurrenzvorteil gegenüber den Privaten verschaffen, weil sie damit über ein Instrument zur Beeinflussung der Wähler verfügen, das sie ihrerseits beeinflussen können. Ohne Zynismus ist indes eine Rundfunkgebühr nur zu rechtfertigen, wenn sie Qualität nicht allein in Nischenprogrammen, sondern überall von dem schielenden Blick auf den Markt befreit, mit anderen Worten: Unabhängigkeit herstellt, die zu einem idealistischen Handeln befähigt. Idealismus meint hier nichts Wolkiges, sondern etwas ganz Präzises: die Orientierung an moralischen, kognitiven und ästhetischen Normen, kurz gesagt, an dem Guten, dem Wahren und dem Schönen. Die Programmmacher werden sich wahrscheinlich dagegen verwahren, dass solche ehrwürdigen, die Philosophiegeschichte von 2500 Jahren mit sich schleppenden Kategorien an ihr abgebrühtes Medium herangetragen werden. Indes sind die Kategorien weder weltfremd noch unverbindlich, wie ihre Anwendung zeigt.

Beginnen wir mit dem Guten – der Moral, um deren Geltung es nicht ganz so schlecht bestellt ist. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist kein böses Medium. Rechnet man zur Moral indes auch die Abwesenheit von Korruption, von versteckter Manipulation, also allem, was sich unter Betrug subsumieren lässt, sieht es nicht mehr ganz so gut aus. Man kann sich die Fälle sparen, in denen Wissensmagazine ganze Sendungen von Pharmafirmen eingekauft haben, die dort im Mantel von medizinischer Aufklärung oder Kinderpflegetipps Werbung machen konnten. Das waren Einzelfälle, hoffentlich ebenso wie die undurchsichtigen Absprachen mit Sponsoren in der Sportberichterstattung.

Ein empörendes Dauerbeispiel ist allerdings die versteckte Werbung, das Unwesen des Product-Placements, das es allen Beteuerungen zum Trotz auch in selbst produzierten Sendungen gibt, man denke nur an den Fuhrpark, den die Automobilhersteller manchen Fernsehserien zur Verfügung stellen. Wie absurd es ist, wenn Polizisten neueste und teuerste Automobile zur Verfügung haben, wird schon gar nicht mehr zur Kenntnis genommen. Auch hierin liegt übrigens ein Widerspruch zur Gebührenfinanzierung, die ja streng genommen von Werbung unabhängig machen müsste – aber wenn sie es schon nicht tut, weil der Geldhunger der Anstalten unermesslich ist, dann sollten sie wenigstens auf deklarierter Werbung bestehen.

Und was ist mit dem Schönen, das heißt mit Kultur und Niveau der Sendungen? Zunächst und vor allem ist eine groteske Entbürgerlichung zu beobachten. Es lässt sich zwar zweifeln, ob von einer neuen Bürgerlichkeit als gesellschaftlicher Tendenz gesprochen werden kann, aber wenn es diese Tendenz gibt, dann jedenfalls nicht im Fernsehen. Das Fernsehen, weit davon entfernt, die Zuschauer auf die Höhen der bürgerlichen Bildung zu heben (wie eine berühmte Formulierung der deutschen Arbeiterbewegung lautete) oder ihnen auch nur die Chance auf Teilhabe zu eröffnen, konkurriert mit den billigsten Boulevardmedien um die niedrigsten Instinkte der dümmsten Bevölkerungsteile.

Roger Willemsen hat einmal mit dem Gedanken gespielt, dass sich das Fernsehen absichtsvoll aus dem gebildeten und bürgerlichen Milieu zurückgezogen habe, weil sein Zuschaueranteil marginal sei, weil er auch nicht wachsen werde, weil es sich, brutal gesagt, um eine sterbende Klasse handle, wie das die Bolschewisten nannten. Aber selbst gesetzt den Fall, es wäre so, dann dürfte doch gerade das öffentlich-rechtliche System davor nicht resignieren. Es müsste in der Pflege, gegebenenfalls Wiederaufzucht eines gebildeten Publikums seinen großen und vornehmsten Auftrag für eine Wissensgesellschaft sehen.

Diesen Auftrag auszuschlagen erzeugt weiteren Schaden. Die Bildungsverachtung erzeugt eine bewusste oder unbewusste Vulgarisierung, das heißt eine schleichende Entwertung von allem und jedem. Denn was ist das Vulgäre? Das Vulgäre ist – nach einer bestechenden Definition des kolumbianischen Philosophen Nicolás Gómez Dávila – alles das, was nicht bleiben darf, was es ist. Das Vulgäre entsteht, wenn den Dingen ihr ursprünglicher Eigenwert entzogen wird.

Vulgär ist eine Wissensshow, in der Wissen nur insofern interessiert, als es einen Geldgewinn verspricht, der sich im Übrigen oft auch dem Gebildeten nur durch Raten einstellt. Wissen wird Raten: Das ist vulgär.

Vulgär ist eine Volksmusikshow, in der die Volksmusik nicht Volksmusik bleiben darf, sondern zu Schlagern werden muss, mit Sängern, die zu Stars werden, also gerade nicht mehr Volk sind.

Vulgär ist eine Nachrichtensendung, die alle Probleme, auch solche, die strukturelle oder systemische Ursachen haben, personalisiert. Ein Sachproblem darf nicht Sachproblem bleiben, sondern muss Personalproblem werden: Das ist vulgär.

Dem Publikum etwas vorzusetzen, was nicht ist, was es ist, sondern nur das, von dem erwartet wird, dass es gerne konsumiert wird, bedeutet eine Zuschauerverachtung, die sich ein System nicht leisten kann, das von den Zuschauern finanziert wird. Die Verachtung versteckt sich selbstverständlich in einem augenzwinkernden Einverständnis mit den Ressentiments des Ungebildeten – also mit den Ressentiments dessen, der ja eigentlich an seiner Unbildung leidet, dieses Leiden aber im Ressentiment verbirgt.

Diese Verachtung zeigt das Fernsehen auch in dezidierten Kultursendungen, in denen manche Moderatoren, unvergesslich Elke Heidenreich, sich über verkopfte Geistesmenschen lustig machen. Zur Verachtung der Kultur gehört ebenso ihr Abschieben in Spartensender (als sei Kultur eine Abseitigkeit, die man einem gesunden Normalpublikum nicht zumuten dürfe). Der Verweis auf Arte oder 3sat ist gerade kein Gegenargument – denn die Entfernung der Kultur aus der Mitte der Gesellschaft ist ja das Problem. Das Niveau eines Senders hängt überhaupt nicht von Kultursendungen ab, sondern vom allgemeinen Niveau des allgemeinen Programms.

Zur Vulgarität gehört auch das Prominentenunwesen – das heißt die Erzeugung und Pflege von Scheinprominenten, also Menschen, denen kein anderes Verdienst zukommt als das, häufig im Fernsehen aufzutreten oder genannt zu werden. Wie weit dieser Unfug gediehen ist, zeigt sich darin, dass schon die normalen Funktionsträger des Fernsehens, Nachrichtensprecher, Talkmaster, Moderatoren, wie Prominente behandelt werden, über die das Fernsehens dann seinerseits wieder berichtet.

Mit dem Prominentenunwesen ist schon die Frage nach dem Umgang mit der Wahrheit erreicht – insofern das Unwesen sich auf die Politik erstreckt und auch hier die verdummende Personalisierung befördert. Die allermeisten Probleme in unserer modernen Welt sind Sachprobleme, sie als Personalprobleme zu behandeln macht sie dem Publikum unverständlich – und das heißt in einer Demokratie: unlösbar. Besonders kuriose Auswüchse des Personalisierungswahns sind die rituellen Interviews mit Experten, die fest mit bestimmten Problemen verknüpft werden und dann unablässig auftreten, komische Figuren auf den Arme-Sünder-Bänkchen der Talkshows.

Die politischen Talkshows, die Nachrichtensendungen und -magazine sind nicht die rühmliche Ausnahme im Unterhaltungsprogramm, als die sie gepriesen werden. Mag sein, dass ihre Quote oft schlecht ist, aber warum? Weil ihre Sprache abstrakt und undeutlich ist, und das ist sie, weil hier tausend Rücksichten genommen werden auf die Empfindlichkeiten der Politiker und Parteien, die in den Gremien präsent sind und ständig, auch aus nichtigem Anlass, auf Ausgewogenheit pochen können. Wenn die Senderleute sich einmal nicht vor der Quote fürchten, dann fürchten sie sich vor der Politik.

Im Übrigen verhält sich der öffentlich-rechtliche Journalismus nicht neutral zu seiner Unterhaltungsumgebung, Personalisierung und Starkult um Moderatoren sind nur zwei Stichwörter. Eine groteske Unsitte ist auch die Neigung des Fernsehens zu Eigenankündigungen, zum Beispiel von neuen Serien oder neuen Schauspielern in alten Serien. Noch absurder wird es, wenn Talkshows mit Schauspielern des Senders bestückt werden oder das Programm des Senders zum Gegenstand haben. Zur Infektion durch die Unterhaltungslogik gehört aber schon die Auswahl der Nachrichtensprecher oder Moderatoren. Wieso müssen Sprecher eigentlich sympathisch oder Sprecherinnen gut aussehend sein?

Es ist absurd genug, dass überhaupt die Quote von Nachrichtensendungen gemessen wird. Auf welche Entscheidung hinaus? Will man Zuschauer zwischen beliebten und weniger beliebten Nachrichten auswählen lassen? Über die Wichtigkeit von Nachrichten kann der Zuschauer ja nicht befinden – dazu müsste er wissen, was ihm gegebenenfalls vorenthalten würde, also einen Nachrichtenüberblick haben, den naheliegenderweise nur die Redaktion hat. Wenn sich die Nachrichtenredaktion einer Quote beugen würde, dann beugte sie sich also nur einer gedachten Zuschauermeinung. Und doch geschieht es – und hat beispielsweise beim ZDF schon zu einer neuen Liebe zu Unglücksmeldungen geführt.

Glücklicherweise betrifft die Quotenrücksicht in den Nachrichtenredaktionen bisher nur Themen. Aber was, wenn dereinst auch die vermutete Meinungstendenz von Zuschauern berücksichtigt würde? Wenn also beispielsweise, um Zuschauer nicht zu vergrätzen – oder, wie die berühmt dumme Formel lautet: dort abzuholen, wo sie stehen –, deutlich abfälliger über Ausländer berichtet würde? Eine Marketingstudie könnte beispielsweise zutage fördern, dass Antisemiten sich bei der ARD schlecht aufgehoben fühlen. Bei einem geschätzten Bevölkerungsanteil von 18 bis 20 Prozent wären das 15 Millionen Zuschauer, die die Quote deutlich verbessern könnten, wenn man ihnen nur ein bisserl entgegenkäme. Nicht dass dies denkbar wäre – es zeigt aber, worin die letzte Konsequenz der Quotenmessung bestünde.

Manches spricht indes für den Verdacht, dass in den Sendern die Quotenherrschaft für Demokratie gehalten wird. Deswegen ist es vielleicht nicht überflüssig, zu betonen, dass die Demokratie eine Staatsform ist, die sich nicht als beliebige Analogie auf andere Felder der Gesellschaft übertragen lässt – erst recht nicht auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, über dessen Gebühren ja auch nicht durch ein Plebiszit abgestimmt wird – mit gutem Grund, weil damit die Unabhängigkeit dahin wäre.

Über das Wahre, das Schöne und das Gute lässt sich nicht abstimmen. Über das Wahre, also über Erkenntnisse und Nachrichten nicht, weil eine Aussage nun einmal entweder wahr oder falsch ist, unabhängig davon, was eine Mehrheit als Wahrheit gerne hätte. Über das Schöne, also das kulturell Bedeutsame, lässt sich nicht abstimmen, weil es prinzipiell inkommensurabel ist (nach einem Wort Goethes) und weil es im Gewand des Unbekannten, des Neuen ebenso wie des Vergessenen, immer befremdet. Wenn also ein Beitrag über den Maler Giotto eine schlechte Quote hätte, bedeutete das nicht, dass er nicht hätte gesendet werden dürfen – sondern nur, dass die Allgemeinbildung der Zuschauer eine kleine Nachhilfe verdient hätte. Über das Gute, also über Normen und Moral, kann man erst recht nicht abstimmen – von 100 Menschen erkennen in einer gegebenen Situation vielleicht nur zwei das moralisch Gebotene, während die anderen 98 den durch die Stadt gehetzten Ausländer in der Schaufensterscheibe verbluten sehen wollen.

Die Quote einer Sendung ist auch keine Qualitätsaussage. Die Sendung könnte glänzend, aber der Mehrheit unwillkommen sein. Doch selbst wenn sie nicht glänzend wäre, wüsste man immer noch nicht, was den Zuschauer gestört oder gelangweilt haben könnte. Die Analyse der Quote kann immer nur nach Maßgabe der senderinternen Vorurteile vollzogen werden, und dass dies wirklich so ist, beweist der stereotype Mechanismus, jede durchgefallene Sendung als zu anspruchsvoll zu diagnostizieren. Auf eine schlechte Quote folgt immer eine Niveausenkung, als wäre es ausgeschlossen, dass vielleicht im Gegenteil ein Niveaumangel vorgelegen habe.

Natürlich lässt sich die Frage stellen, ob ein Sender überhaupt als selbstständiger Akteur auftritt und nicht tatsächlich nur ein Medium ist, in dem sich die Tendenzen unserer Gesellschaft niederschlagen. Kann ein Programm besser sein als die Gesellschaft, von der es umgeben ist? Wenn es das nicht könnte, stellte sich allerdings in verschärfter Form die Frage, wozu man es über eine Gebühr finanziert. Um einen niederschmetternden, ja nahezu karikierenden Spiegel vorgehalten zu bekommen, reicht das normale Angebot der Unterhaltungsindustrie vollkommen aus. Man könnte sogar sagen: Just dazu ist der private Rundfunk da. Ein Abbild des Marktes kann der Markt selbst mühelos herstellen.

Tatsächlich spricht aber nichts dafür, dass sich in den Programmen die Gesellschaft spiegelt. Der Zustrom zu Universitäten und höheren Schulen, neuerdings sogar zu altsprachlichen Gymnasien beweist einen enormen Bildungsehrgeiz. Warum will das Fernsehen davon so wenig wissen? Oder, anders gefragt, warum kapriziert es sich ausgerechnet auf jene Bevölkerungsteile, die daran keinen Anteil haben? Und wenn es hier, in diesen Schichten seine Aufgabe sieht – warum tut es nichts, deren geistige Lage zu bessern?

Das sind die Fragen, die seit zwanzig Jahren gestellt werden, ohne dass aus den Sendern eine Antwort käme – außer jener, dass die Quote nun einmal beweise, dass die Zuschauer ihre geistige Lage nicht gebessert sehen wollten. Man könnte sogar den satanischen Gedanken fassen, dass die Programmmacher inzwischen selbst schön finden, was sie tun, also ehrliche Fans von Hansi Hinterseer sind, von Traumschiff-Serien und minderwertigem Dudelfunk. Man will es nicht glauben. Die Alternative ist jedoch charakterlich nicht erfreulicher: Dann wären es Zyniker, die den Massen verachtungsvoll vorwerfen, was sie selber niemals konsumieren würden.

Aber natürlich gibt es noch eine blasse dritte Möglichkeit, und das ist die Feigheit im Schatten übermächtiger Politikeinflüsse. Da wäre dann tatsächlich, weil Idealismus im Schatten der Macht nicht gedeiht, die Quote das einzige Argument für den Bestand der öffentlich-rechtlichen Sender: Die Leute wollen das so. Indes ist die Quote keine Rechtfertigung. Die Quote ist der Widerspruch schlechthin zur Gebührenfinanzierung. Die Quote heißt Markt, die Gebühr heißt Unabhängigkeit vom Markt. Mit anderen Worten: Wenn das öffentlich-rechtliche System seine Legitimationskrise lösen will, dann muss es sich zwischen Quote und Gebühr entscheiden.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
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Leser-Kommentare

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  1. ...wenn es doch irgendetwas bewirken würde!

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    ....dass die öffentliche Hand Bildungs- und vielleicht auch, aber hier ist in einer Demokratie sehr sorgsam zu verfahren, um Missbrauch aber auch und vor allen Anderen durch Vereinheitlichung der Informationen einem selektiven Weltbild zu verfallen, Informationsinhalte unters Volk bringen will. Dass sie aber ein Unterhaltungsangebot anbietet ist ein Symptom, dass völliges Missverständnis dessen wozu Staaten da sind unterwegs ist.

    Sehr geehrter Jens Jessen,

    als Dokumentarfilmer und Vorstandsmitglied der AG Dok möchte ich Ihnen danken für Ihren couragierten Artikel.
    Mögen die Medienlandschaft und die dafür Verantwortlichen sich Ihre Worte mal zu Herzen nehmen.

    Mit freundlichen Grüßen, Dirk Szuszies

    Mein Favorit ...   Autobahn München-Ulm

    ... sind die mitgefühlten Nachrichten von Frau Slomka in den Heute-Sendungen im ZDF.

    Das liegt aber vermutlich daran, dass ich viele der anderen Sendungen schon seit Jahren meide - ja, tatsächlich - wie der Teufel das Weihwasser.

    .....es stimmt zwar schon dass auch bei den öffentlich rechtlichen einiges im argen liegt, aber verglichen mit dem Unterschichten-TV ist es immer noch ganz ordentlich, vor allem wenn man die Zusatzkanäle wie ZDF Info etc. hinzunimmt

  2. Die Intendanten sollten sich schämen so viel Geld zum Fenster hinauszuschmeißen. Damit gefährden sie die Öffentlich-Rechtlichen. Wie wichtig es ist, dass wir diese haben, zeigt ein Blick nach Italien.

    Bitte seinen Sie verantwortungsbewusst und kürzen Sie, wo es geht. (Ich bin mir sicher, dass es geht.)

  3. Die Strategie der Volksverblödung wird seit Jahrzehnten von allen Parteien zielstrebig verfolgt. Und die restlichen ogenannten gesellschaftlich relevanten Gruppen haben auch kein Interesse an einem Bildungsbürger. Nicht umsonst sitzen die Vorgenannten in trauter Gemeinsamkeit in den Verwaltungs- und Programmräten. Und damit das System aus dem Blick der noch Kritischen gerät, beschließt man die Ewigkeitsfinanzierung. Automatisch und geräuschlos. Moderne "Brot und Spiele" für eine immer dumpfere Menge Stimmvieh. Schöne neue Welt.

  4. mal beim Namen genannt. Ich ärgere mich permanent über das Product Placement. Wenn die Sendungen, in denen das permanent gemacht wird, wenigstens noch einen Hauch von Niveau hätten. Aber nein, ab 15.00 Uhr nachmittags jagt eine Seifenoper die andere, ab 19.00 Uhr die Nachrichten, die ich so auf ntv schon drei mal gehört und gesehen hab. Zum krönenden Abschluss dann noch eine Talksendung à la Illner, in der die immer gleichen Gäste die immer altbekannten Floskeln von sich geben. Und dafür bezahlen wir Gebühren. Immerhin einen Lichtblick kann ich ausmachen: Die sogenannten "Volksmusik-Sendungen", die jahrelang alle öffentlich-rechtlichen samstag-abendlich überschwemmt haben, die sind wenigstens massiv zurückgegangen.

  5. Nun ja, die Zwangseintreibung pro Haushalt ist schon ein starkes Stück. Man könnte aus den Sendungen mehr draus machen, richtig! Schielt man dazu sehr auf die Quoten und kleistert unsere Bildungshunger zu?
    Die Sender spiegeln leider das wieder was die Frau, Mann auf der Straße sehen will.

    Doch auf Phönix geht’s doch, bei den anderen außer schmalzigen a la latinoSendungen, sowie tränenreiche Musiksendungen und so was ähnliches schalte ich ab.
    Die Privaten mit durchwirkten Reklamesendungen sind nervend nach dem Muster von "American Way of Life".

    Leider sind wir Menschen durchmischt mit wenigen Goldkörnern und Sandkörner ziehen Sandkörner an.

  6. Wer den Zweck von Rundfunkgebühren noch nicht begriffen hat, sollte mal für ein paar Abende Privatfernsehen und vor allem die dort gesendeten Nachrichten ansehen.

    Wenn alle Bevölkerungsschichten Rundfunkgebühren zahlen müssen, sollte das Öffentllich-/Rechtliche Fernsehen auch deren Wünsche bedienen! Herr Jessen pocht sehr auf den erzieherischen Auftrag, doch wer erzieht da? Hat die bürgerliche Bildungselite die Wahrheit gepachtet, sodass alle anderen Bevölkerungsschichten damit beglückt werden müssen? Die Kritik an den Spartenkanälen verkennt, dass sich die Lebenswelten und Vorlieben in unserer Gesellschaften unterscheiden. Wenn ein Bildungsbürger niveauvolle Unterhaltung sehen möchte, kann er einfach die entsprechende Taste auf der Fernbedienung drücken. Sendungen die er aufgrund der späten Ausstrahlung (oder anderer Termine) verpasst hat, können aufgrund der gescholtenen Internetpräsens jederzeit angesehen werden.

    Was soll daran bitte schlecht sein?

    Die Vielfalt im Fernsehen erfordert den "mündigen Bürger", der in Feulletons und Sonntagsreden besungen wird. Die Integrationswirkung eines Senders, der nur Inhalte bringt die einem hohen kulturellen Niveau entsprechen erreicht vielleicht die Menschen, welche mit dem Einheitsfernsehen aus drei Kanälen aufgewachsen sind, andere schalten einfach um. Damit hätte sich dann auch der Bildungsauftrag des öffentlich rechtlichen Fernsehens erledigt.

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    Einer der besten Kommentare, dem ist Nichts mehr hinzuzufügen.

    Vielen Dank,

    Kentaro

    Wie mir den Nachrichten überbracht werden ist mir egal, denn es kommt nur auf den Inhalt an.

    Ich gebe gerne zu das Nachrichten ala RTLII(obwohl noch nie gesehen)wahrscheinlich nicht das beste sind, aber die stocksteifen Sprechbehinderten beim ZDF/ARD sind da auch nicht besser.

    Die Haushaltsabgabe werde ich trotzdem mit bekämpfen, denn dann könnte ich genauso behaupten, Als Mann ist das Gerät zum Kindermachen da, also will ich auch Kindergeld haben. Selbe Logik, nur auf etwas anderes bezogen.

    ....Ausland oft dortige Fernsehprogramme. Die sind in mehreren Ländern viel, viel besser als hier und privat. Selbst in einem armen Land wie Rumänien gibt es mindestens 60 Programme. Man kann laufend Naturfilme, Wissenschaftsfilme, Serien oder Filme sehen. News wird in Arabisch, Englisch, Holländisch, Italienisch, Französisch usw angeboten. Dies gilt auch für die anderen Inhalt, die ich oben nannte. Man kann in den wesentlichen Sprachen all die Dinge sehen. Alles privat. Ich finde das eigentlich besser als hier und schon alle Mal besser als hier das öffentliche Fernsehen. Gleiches gilt auch für das Radio.

    Das bedeutet nicht, dass man öffentliches Fernsehen oder Radio nicht auch gut gestalten. BBC macht das und mit Abschlägen DLF. In beiden Fällen ist aber die Gefahr immer wieder durch ihre starke Position gegeben, dass sie das Universum der Informationen so selektiert, dass die Meinung der Redaktion zur Meinung der Nation wird. Dieser Gefahr erliegen die Sender manchmal und manchmal zu gewissen Themen dauerhaft.

    Es steht außer Frage, dass nicht die Bildungselite von oben herab das Programm für die Massen oktroyieren soll. Dies stünde ja sogar im Widerspruch zum demokratischen Auftrag der öffentlich-rechtlichen. Sieht man sich allerdings mal das Programm an, erkennt man dass hier das umgekehrte Phänomen am Werk ist.
    Der "mündige Bürger" muss zwar seine Quellen selbst auswählen, er hat aber ein Recht darauf, dass auch seine Gebühren seinen Interessen entsprechend verwendet werden. Das Fernsehen im Allgemeinen läuft mehr und mehr Gefahr, zum Verblödungsinstrument zu werden, ob aus Angst vor der Politik oder (wie ich öfter erfahren muss, da mein bester Freund bei einem Fernsehsender arbeitet) aus Angst vor dem Zuschauer; aber kann es der Sinn unserer Gebühren sein, uns ein Programm vorzusetzen, das uns die Privaten jeden Tag auslöffeln oder muss nicht das öffentlich-rechtliche diesen Trend vielmehr kontern um einen Ausgleich zu schaffen? DAS wäre eine demokratische Verwendung von Gebühren.

    ......Kanälen" groß geworden sind. Sie werden es kaum glauben, mit denen komme ich meistens noch gut zurecht, obwohl die Qualität schon nachgelassen hat. Es sind ja immerhin noch ARTE hinzugekommen und die ZDF- und ARD-Parallel-Sender hinzugekommen. Die jeweiligen Regionalsendungen hinzu genommen, bin ich gut "bedient". Die vielen Privatsender, außer den Nachrichtensendungen, sind schrecklicher Schwund. Seit dem Aufkommen derselben hängen sich ja leider auch die Öffentlich-Rechtlichen an den Zug der Verblödung. Diese Privaten sind keine Bereicherung. Hin und wieder kommt man beim zippen mal da rein. Man erschrickt meistens, dagegen hätten Pornos ja noch
    Stil. Nee Danke, dann lieber nur die "Drei" plus.
    Wer lange im Ausland lebt, wird auch in dieser Hinsicht feststellen, die Deutschen jammern auf hohem Niveau.

    • 29.07.2010 um 7:50 Uhr
    • atur

    Man stelle sich vor es würden nur Bücher von Politikern, Schauspielern und einigen handverlesenen Journalisten auf den Markt kommen. Das ist in etwa das Niveau von Polittalkshows in ard und zdf.

    Man spürt ja richtig wie einer wie Georg Schramm mit angezogener Handbremse sich zurückhält um nicht die öffentlich rechtlichen in Grund und Boden zu demontieren. (Das wär eine Freude). Wahrscheinlich sitzt ständig einer im Hintergrund mit dem Finger am Notabschaltknopf.

    Es hilft hier nur kollektive Verweigerung gegen diese Verachtung.

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    Unverständlich   Veil_of_Ignorance

    Georg Schramm haben Sie wahrscheinlich selbst auch im öffentlichen Fernsehen gesehen. Ihre Haltung erscheint mir daher merkwürdig. Im Privatfernsehen sehe ich ihn noch weniger auftreten.

    Ich bin übrigens sehr glücklich mit den öffentlich-rechtlichen radiosendern wie WDR5 oder NRD info und denke dort wird man wesentlich umfassender, kritischer und objektiver informiert als zB durch die Zeit. Das ist auch im internationalen Vergleich vorbildlich. Andererseits finde ich es auch inakzeptabel für irgendwelches Entertainment Gebühren zu zahlen... DAS sollen doch bitte die Privatsender erledigen DAS können sie nämlich gut genug.

    • 29.07.2010 um 7:56 Uhr
    • zagy
    8. Dradio

    "Dagegen spricht vor allem die staunenswerte Qualität von Deutschlandradio und Deutschlandfunk, die täglich beweisen, dass Radio kein Dudelfunk sein muss."

    Genau – dafür Zahle ich gerne.

    Was im Fernsehen läuft ist in der Tat meistens völlig uninteressant. Das hat aber natürlich auch den Vorteil, dass man sich nicht ständig genötigt fühlen muss den Fernseher überhaupt anzuschalten. Dafür muss man aber wirklich kein Geld bezahlen.

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    Das Programm des Deutschlandfunks ist wirklich fantastisch. Vor allem erstaunt das erstaunlich Spektrum der Beiträge. Man wünscht sich täglich ähnliche Qualität im deutschen Fernsehen.

    ...Augenblick. Leider ist DLF aber auch gefährlich, da man ihm weitaus gerne glaubt, aber systematisch gewisse Paradigmen dort disseminiert werden und oft Informationen gewandelt werden, um diesen Paradigmen zu genügen. Das fällt sehr oft an den Simultan Übersetzungen auf, bei denen die bspw Englischen Sätze einen anderen Inhalt haben, als die Übersetzung. Ähnliches geschieht bei Berichten zu politischen Geschehnissen. Relativ oft las ich bspw eine Reden nach und fand eine andere Aussage in ihr, als berichtet worden war.

    ... nichts für bare Münze nehmen, zum. wenn´s um die Weltpolitik, ja Berichte aus dem Ausland geht.

    Der Mitkommentierende joG hat in seiner Antwort hierauf die Sache beim Namen genannt, DEM ist nichts hinzuzufügen.

    ps.
    ´ freut mich aufrichtig zu hören, dass es noch Leute gibt, die ebenso über das Aufgetischte nachdenken und genau zuhören, ja die gleichen unsauberen Sachen entdecken, Grüsse an joG

    Beispiel gefällig?
    IGH-Urteil vom 21.07. ...

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