Euro-Politik Deutschland schadet Europa
Die Berliner Regierung will einen harten Euro – und ruiniert so andere EU-Länder
Falsche Vorstellungen spielen eine große Rolle dabei, die Geschichte zu formen, und die Euro-Krise ist dafür ein typisches Beispiel. Dass der Euro ein offensichtlich fehlerhaftes Konstrukt ist, war seinen Architekten zum Zeitpunkt seiner Erschaffung bewusst. Doch sie gingen davon aus, dass seine Mängel in dem Maße, wie sie akut werden würden, korrigiert werden könnten. Der größte Mangel, das Fehlen einer gemeinsamen Fiskalpolitik, ist weithin bekannt. Ein weiterer struktureller Fehler ist, dass nur die Gefahr der Inflation bedacht und die Möglichkeit einer Deflation ignoriert wurde.
Der amerikanischer Investor wurde 1992 durch Spekulationen gegen das britische Pfund bekannt. Er unterstützt zahlreiche gesellschaftliche Projekte.
Doch der gravierendste Mangel im Design des Euro ist: Es ist nicht auf Fehler eingestellt. Es setzt voraus, dass die Mitgliedsstaaten sich an die Maastricht-Kriterien halten – die vorgeben, dass das Haushaltsdefizit drei Prozent und die Staatsverschuldung insgesamt 60 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt nicht überschreiten darf –, ohne einen angemessenen Mechanismus zu ihrer Durchsetzung festzulegen. Und jetzt, da mehrere Länder meilenweit von den Maastricht-Kriterien entfernt sind, gibt es weder einen Anpassungs- noch einen Ausstiegsmechanismus. Von diesen Ländern wird nun erwartet, dass sie zu den Maastricht-Kriterien zurückkehren, selbst wenn ein solcher Schritt eine Deflationsspirale in Gang setzen würde. Dies steht im direkten Widerspruch zu den Lehren aus der Großen Depression der 1930er Jahre und dürfte Europa mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine Phase anhaltender Stagnation drücken – wenn nicht Schlimmeres. Dies wiederum wird zu Unzufriedenheit und sozialen Unruhen führen. Es ist schwer vorherzusagen, wie diese Wut und Frustration zum Ausdruck kommen werden. Schlimmstenfalls könnten diese politischen Trends die Demokratie gefährden und die Europäische Union lähmen oder gar untergraben.
Falls es hierzu kommt, trägt Deutschland einen Großteil der Verantwortung dafür, denn als stärkstes und kreditwürdigstes Land bestimmt es, wo es langgeht. Indem es auf einer prozyklischen Politik beharrt, bringt Deutschland die EU in Gefahr. Ich bin mir bewusst, dass dies ein schwerwiegender Vorwurf ist, doch ich fürchte, er ist berechtigt.
Sicher, man kann Deutschland nicht vorwerfen, dass es eine starke Währung und einen ausgeglichenen Haushalt will. Aber man kann ihm vorwerfen, dass es seine Vorliebe anderen Ländern mit anderen Bedürfnissen und Vorlieben aufzwingt – wie Prokrustes, der andere Leute zwang, in seinem Bett zu liegen, und sie in die Länge zog oder ihnen die Beine abschnitt, um sie passend zu machen. Das Prokrustesbett, das derzeit der Euro-Zone aufgezwungen wird, heißt Deflation.
Leider ist sich Deutschland nicht bewusst, was es da macht. Alles, was es tun möchte, ist, seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und nicht länger der Zahlmeister für das restliche Europa zu sein. Doch als stärkstes Land mit der höchsten Kreditwürdigkeit hat es das Sagen. Infolgedessen bestimmt Deutschland objektiv die Finanzpolitik und die makroökonomische Politik der Euro-Zone. Wenn alle Mitglieder versuchen, wie Deutschland zu sein, schicken sie damit die Euro-Zone zwangsläufig in eine Deflationsspirale. Dies sind die Auswirkungen der von Deutschland verfolgten Politik, und da Deutschland das Sagen hat, ist es die der Euro-Zone aufgezwungene Politik.
Man kann sich den deutschen Denkfehler am besten vor Augen führen, wenn man ein kleines Gedankenexperiment anstellt. Was würde geschehen, wenn Deutschland die Euro-Zone verließe? Die dann wieder eingeführte Mark würde die Schallmauer durchbrechen, und der Euro würde ins Bodenlose fallen. Dies würde dem Anpassungsprozess der anderen Länder in der Tat helfen, aber Deutschland würde feststellen, wie schmerzhaft es sein kann, eine überbewertete Währung zu haben. Seine Handelsbilanz würde ins Negative drehen, und es gäbe weitverbreitete Arbeitslosigkeit. Die deutschen Banken würden schwere Wechselkursverluste erleiden und große Kapitalspritzen durch die öffentliche Hand benötigen. Aber die Regierung würde es politisch akzeptabler finden, deutsche Banken zu retten als Griechenland oder Spanien. Und es gäbe noch andere Kompensationen: Deutsche Rentner könnten sich in Spanien zur Ruhe setzen und dort wie die Könige leben – und so dem spanischen Immobilienmarkt zu einer Erholung verhelfen.
Ich möchte betonen, dass dies ein absolut hypothetisches Szenario ist. Der Zweck dieses Gedankenexperiments besteht darin, Deutschland zu überzeugen, sein Verhalten zu ändern, ohne die tatsächlichen Erfahrungen, die seine gegenwärtige Politik birgt, zu durchlaufen.
Was wäre die richtige Politik für Deutschland? Es kann von Deutschland nicht erwartet werden, dass es die Defizite anderer Länder unbegrenzt garantiert. Daher ist eine straffere Fiskalpolitik unvermeidlich. Aber man muss einen Weg finden, der es den Krisenländern erlaubt, ihre Schwierigkeiten durch Wachstum zu überwinden. Die betroffenen Länder müssen den größten Teil der Lasten tragen, indem sie Strukturreformen einleiten, doch sie brauchen Hilfe von außen, um sie in die Lage zu versetzen, ihre Volkswirtschaften zu stimulieren. Durch Senkung seines Haushaltsdefizits und Widerstand gegen Lohnerhöhungen, die den Rückgang der Kaufkraft des Euro ausgleichen, erschwert Deutschland es anderen Ländern tatsächlich, ihre Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen.
Was also sollte Deutschland tun? Es muss drei Leitprinzipien anerkennen.
Erstens ist die aktuelle Krise eher eine Bankenkrise als eine Fiskalkrise. Im kontinentaleuropäischen Bankensystem wurde nach dem Crash von 2008 nie richtig aufgeräumt. Klar ist, dass die Banken stark überschuldet sind und zwangsweise rekapitalisiert werden müssen. Dies sollte die erste Aufgabe des neu gegründeten Europäischen Stabilitätsfonds sein und wird viel dazu beitragen, reinen Tisch zu machen. Es könnte sich beispielsweise zeigen, dass in Spanien überhaupt keine Fiskalkrise vorliegt. Deutschlands Rolle könnte ebenfalls in einem deutlich anderen Licht erscheinen, falls es im Rahmen der Rekapitalisierung seiner Landesbanken ein stärkerer Nutzer als Einzahler des Fonds werden sollte.
Zweitens muss eine Straffung der Fiskalpolitik durch eine Lockerung der Geldpolitik ausgeglichen werden. Insbesondere sollte die EZB spanische Staatsanleihen kaufen. Dies würde es Spanien ermöglichen, seine Ziele zur Haushaltsreduzierung auf weniger schmerzhafte Weise umzusetzen, was jedoch ohne einen Sinneswandel in Deutschland nicht möglich ist.
Und drittens ist nun der Zeitpunkt gekommen, bisher unproduktiv genutzte Ressourcen für Investitionen in Bildung und Infrastruktur einzusetzen. So braucht Europa beispielsweise ein besseres Erdgasröhrensystem, und die Verbindung zwischen Spanien und Frankreich ist einer der Engpässe dabei. Die Europäische Investitionsbank sollte in der Lage sein, noch andere Investitionsmöglichkeiten zu finden, etwa die Ausweitung der Breitbandabdeckung oder die Entwicklung eines intelligenten Stromnetzes.
Es ist unmöglich, im Moment konkreter zu sein, doch es gibt Grund für Optimismus. Wenn die Solvenzlage der Banken geklärt ist und sie ordnungsgemäß rekapitalisiert sind, sollte es möglich sein, eine Wachstumsstrategie für Europa zu entwickeln. Und wenn die europäische Wirtschaft ihr Gleichgewicht wiederhergestellt hat, dürfte der Zeitpunkt gekommen sein, um die strukturellen Mängel des Euro zu korrigieren.
Der Artikel basiert auf einem Vortrag, den der Autor an der Humboldt-Universität in Berlin gehalten hat
- Datum 01.08.2010 - 16:02 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 29.07.2010 Nr. 31
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jetzt sind also diejenigen die "Unverschämten", die die (durch alle beschlossenen und transparenten) Regeln einhalten?
Das darf doch nicht wahr sein!
Übersetzt heißt dieser Artikel in etwas das:
Wie kann Deutschland so blöd sein und glauben, dass irgendjemand sich an die vereinbarten Abmachungen hält? Deutschland hat genug Geld und soll es gefälligst für andere ausgeben - denen droht schließlich eine Stagnation, weil sie überschuldet sind.
Das beste wäre in der Tat ein Austritt Deutschland aus der EU.
[...]
Bitte verzichten Sie auf polemische Aussagen und spezifisieren Ihre Kritik an der EU. Die Redaktion/is
Be careful what you wish for...
..."Wie kann Deutschland so blöd sein und glauben, dass irgendjemand sich an die vereinbarten Abmachungen hält"..nachdem Deutschland sie als Erster brach und konkludent einer Aussetzung der Regeln handelte? So stimmt die Aussage.
Das Problem ist doch, dass man einen dummen Vertrag grob Fahrlässig abschloss und nun mit den Folgen des Machwerks konfrontiert wird. Da ist man selbst schuld.
Soros kritisiert Deutschland nicht, weil er sich um die EU Sorgen macht, Soros argumentiert mit der EU, weil er hofft, die Deutschen könnten so die wirtschaftlichen Erfordernisse nach der Krise besser erfassen.
Dass die Idee, nach der Krise so weiterzumachen wie vor der Krise, nicht die schlauste ist, sollte selbstverständlich sein. Wenn man Frau Merkel und andere politisch maßgebende Taktiker hört, ist es das aber nicht.
Da Amerika auch ein Netto-Schuldner ist, brauchen die Unbelehrbaren sich nicht der Hoffnung hingeben, dass sie mit ihrer wirtschaftlichen Ignoranz gegenüber Amerika werden reüsieren können.
They will change it - ob wir wollen oder nicht.
Be careful what you wish for...
..."Wie kann Deutschland so blöd sein und glauben, dass irgendjemand sich an die vereinbarten Abmachungen hält"..nachdem Deutschland sie als Erster brach und konkludent einer Aussetzung der Regeln handelte? So stimmt die Aussage.
Das Problem ist doch, dass man einen dummen Vertrag grob Fahrlässig abschloss und nun mit den Folgen des Machwerks konfrontiert wird. Da ist man selbst schuld.
Soros kritisiert Deutschland nicht, weil er sich um die EU Sorgen macht, Soros argumentiert mit der EU, weil er hofft, die Deutschen könnten so die wirtschaftlichen Erfordernisse nach der Krise besser erfassen.
Dass die Idee, nach der Krise so weiterzumachen wie vor der Krise, nicht die schlauste ist, sollte selbstverständlich sein. Wenn man Frau Merkel und andere politisch maßgebende Taktiker hört, ist es das aber nicht.
Da Amerika auch ein Netto-Schuldner ist, brauchen die Unbelehrbaren sich nicht der Hoffnung hingeben, dass sie mit ihrer wirtschaftlichen Ignoranz gegenüber Amerika werden reüsieren können.
They will change it - ob wir wollen oder nicht.
Be careful what you wish for...
ojojoj... der Bock wird ein Gärtner. So ein schwachsinnigen Vortrag ( bzw. Auszüge ) habe ich schon lange nicht gelesen.
Nur zur Errinnerung: nicht Deutschland hat die Nachbarländer in den Sparkorset gezwungen, sonder die Finanzmärkte, Ratingagenturen, IWF ....
Märchen mit dem hypothetischen Szenario.
Die Realität sähe wohl eher so aus:
Deutschlands Währung würde in die Höhe schnellen. Die Wirtschaft würde nach- wie vor einen guten Export haben, weil nicht die Preise, sondern die Qualität der Produkte wichtig ist. Oder fahren Schiffe auf einmal ohne Motor und Schiffsschraube? Oder fahren die Chinesen und Amerikaner dann kein BMW oder Mercedes mehr?
Auf Deutschland in Bezug auf die EU "rumzuhaken" ist wirklich schwach.
20% der EU wird von Deutschland finanziert - bei 25 Mitgliedsstaaten.
Aber wahrscheinlich "runiert" Deutschland mit diesem Anteil ja wieder alle anderen. Wie kann es sich erlauben, weniger als 100% zu zahlen, was?!!!
Solche Berichte zeigen, dass die Logik in Bezug auf die EU schon lange keine Chance mehr hat.
....da wir mit den anderen Ländern nun verbunden sind und Deutschland seit dem Lissabonner Vertrag auf diesen Politikfeldern überstimmt werden kann. Deutschland ist effektiv nicht länger souverän.
....da wir mit den anderen Ländern nun verbunden sind und Deutschland seit dem Lissabonner Vertrag auf diesen Politikfeldern überstimmt werden kann. Deutschland ist effektiv nicht länger souverän.
Glücklicherweise sind es nicht die George Soros' dieser Welt, die politische Geschichte schreiben. Wenn er annimmt, dass er einen so überregionalen, wichtigen Prozess von Anbeginn an richtig gestalten kann, ist er kleinkarätiger als ich dachte. Denn er übersieht, dass gerade solche Prozesse sich vielmehr iterativ entfalten, je mehr sie angewendet werden. Man beginnt unzureichend und entwickelt sich stolpernd.
Soros sollte bei seinem Aktienhandel und moralischen Einsatz bleiben. Unternehmer oder politische Unternehmer haben selten den Weitblick von Politikern. Und diese müssen sie auch nicht haben.
...scheitern nach 15-25 Jahren las ich in einer Studie hierzu. Das ist weil die Fliegkräfte verschiedener Wirtschaften nicht per Dictum ausgeräumt werden können und sich aufbauen bis die politischen Kräfte nicht mehr die Macht haben die Probleme zu verdecken.
...scheitern nach 15-25 Jahren las ich in einer Studie hierzu. Das ist weil die Fliegkräfte verschiedener Wirtschaften nicht per Dictum ausgeräumt werden können und sich aufbauen bis die politischen Kräfte nicht mehr die Macht haben die Probleme zu verdecken.
und hier im Sinne eigener Interessen Propaganda betreibt.
Jedenfalls kann man ihm nicht unterstellen, dass er es eigentlich gut mit Deutschland meint und gegen die eigenen Interessen Ratschläge erteilt.
Leute, die gegen Währungen z.B. gegen das britische Pfund spekuliert haben, sind für mich suspekt.
haette Deutschland weniger Export und Deutschlands Arbeiter mehr Kaufkraft! Dann würden einige Konzerne weniger Gewinne schreibern, andere wiederum mehr weil es eine höhere Inlandsnachfrage gaebe da die Mittelschicht wieder mehr kaufen kann. Statt dessen wird denen das Geld als Steuern entwendet um streikende Griechen zu finanzieren!
Ganz wie von Kohls Parteispendern vorgesehen ........
Frage, ob Deutschland so viel weniger exportieren würde.
Wenn das so wäre, wieso war Deutschland dann OHNE Euro auch Exportweltmeister?
Seltsam, was?!
Frage, ob Deutschland so viel weniger exportieren würde.
Wenn das so wäre, wieso war Deutschland dann OHNE Euro auch Exportweltmeister?
Seltsam, was?!
Entfernt. Bitte tragen Sie mit konstruktiven Beiträgen zu einer anregenden Debatte bei. Danke. Die Redaktion/cs
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