Spitzensteuersatz Der Obolus der Rockefellers
Je weniger die Reichen abgeben, desto größer wird der Abstand zu den Armen. Eine kleine Geschichte des Spitzensteuersatzes
Karl Marx hatte manchmal recht praktische Vorschläge parat. Neben der Enteignung der Grundbesitzer und der »Centralisation des Kredits in den Händen des Staates« empfahl er 1848 im Kommunistischen Manifest eine »starke Progressiv-Steuer«, um die »Umwälzung der ganzen Produktionsweise« zu erreichen. Neu war das Ziel, das er anstrebte – nicht aber das Instrument. Die Frage nach der gerechten Verteilung der Steuerlast, die derzeit auch die Politiker in Berlin wieder einmal umtreibt, hat eine lange und wechselhafte Geschichte.
Bereits in den deutschen Städten und den italienischen Stadtstaaten des ausgehenden Mittelalters wurden die Steuern progressiv erhoben – also mit Einkommen oder Vermögen steigend. In Florenz lag der Höchstsatz im 15. Jahrhundert bei 50 Prozent, und in Frankfurt am Main bezog man 1405 stolze 21 Prozent aller städtischen Einnahmen aus Vermögensteuern. Die Staaten der Neuzeit finanzierten sich dann fast ausschließlich durch Zölle und Verbrauchsteuern, auch wenn sich die französischen Revolutionäre von 1789 und einige deutsche Intellektuelle der Vormärzzeit redlich um mehr Steuerprogression bemühten. Doch es fehlten vielfach die administrativen Voraussetzungen für die Einführung flächendeckender Steuern.
Zudem gab es ideologische Vorbehalte. Der britische Nationalökonom John Stuart Mill bezeichnete die Steuerprogression als eine »milde Form von Raub«. Der französische Staatsmann Turgot, der vergeblich versuchte, das nahezu bankrotte Frankreich Ludwigs XVI. zu reformieren, wetterte, man solle den Urheber der Idee exekutieren und nicht diese selbst. Adam Smith, der Gründervater der freien Marktwirtschaft, vertrat als einer von wenigen die gegenteilige Meinung. Seiner Ansicht nach sollte der Beitrag zum Unterhalt der Regierung »genau im Verhältnis zu den Einkünften« stehen.
Die rasante Industrialisierung ließ im Verlauf des 19. Jahrhunderts das Interesse an der Progressivsteuer auch in staatstragenden Kreisen wachsen. Es ging ihnen vor allem um die Finanzierung der Staatsausgaben. Den Anfang machte Preußen. 1891 führte dort Finanzminister Johannes von Miquel, der in seinen jungen Jahren Kommunist gewesen war, die progressive Einkommensteuer ein. Der Spitzensatz ab einem Einkommen von 100.000 Mark (das entspricht heute etwa einer Million Euro) lag bei bescheidenen vier Prozent, trotzdem war die Maßnahme höchst umstritten. Die »allerheiligsten politischen Grundsätze« würden über Bord geworfen, nur um »den Reichen schärfer zu treffen«, beklagte sich der Rechtsgelehrte Rudolf von Gneist.
Doch angesichts der fortschreitenden Verelendung der Arbeiterschaft auf der einen und einer Konzentration der Einkommen auf der anderen Seite wurden Steuern nun auch immer häufiger mit Gerechtigkeitserwägungen begründet. Die SPD bekannte sich im Gothaer Programm 1875 zu einer progressiven Einkommensteuer. Und die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstehende Grenznutzenschule der Ökonomie lieferte auch konservativen Zirkeln das ideologische Fundament für ein progressives Abgabensystem. Dieser Theorie zufolge sinkt der Nutzen eines Gutes mit jeder zusätzlich konsumierten Einheit – woraus folgt, dass der Gesamtnutzen in einer Gesellschaft steigt, wenn den Reichen genommen wird, um den Armen zu geben. Für den französischen Ökonomen Jean-Baptiste Say, auf den sich heute viele konservative Wirtschaftswissenschaftler beziehen, war die progressive Besteuerung »die allein gerechte«.
US-Präsident Reagan senkte den Spitzensatz von 70 auf 28 Prozent
Im März 1920 verabschiedete der Reichstag die große Steuerreform des Finanzministers Matthias Erzberger. In nur neun Monaten baute der Zentrumspolitiker die Finanzverwaltung um und erhöhte den Spitzensteuersatz auf 60 Prozent. Erzberger hatte schon als Unterzeichner des Waffenstillstandes von Compiègne 1918 den Hass der Rechten auf sich gezogen, seine Reformpolitik brachte sie nun noch mehr gegen ihn auf. Am 26.August 1921 wurde er von Mitgliedern der rechtsradikalen Organisation Consul ermordet.
Erzbergers Reform wirkte lange fort. Bis in die achtziger Jahre hinein lag der Spitzensteuersatz in Deutschland bei 56 Prozent. Ähnlich sah es in anderen europäischen Staaten und in den USA aus. Die Amerikaner führten 1913 eine abgestufte Einkommensteuer ein, zunächst mit einem Spitzensatz von sieben Prozent. Doch Kriege und Krisen trieben die Sätze schnell nach oben.
Als während der Großen Depression nach dem Börsencrash von 1929 die Staatseinnahmen wegbrachen, hob der republikanische Präsident Herbert Hoover im Jahr 1932 die Steuern insgesamt an und setzte die Spitzenabgabe auf 63 Prozent. Im Zweiten Weltkrieg, unter Hoovers demokratischem Nachfolger Franklin D. Roosevelt, kletterte der Satz sogar auf 94 Prozent. Als der Krieg vorbei war, ließ sich Washington mit der Senkung der Steuern Zeit: Bis Ende der siebziger Jahre fiel der Spitzensatz nicht unter 70 Prozent. Der Vietnamkrieg brachte noch einmal eine Erhöhung um zehn Prozent.
In den frühen Jahren lagen die Einkommensgrenzen allerdings so hoch, dass kaum jemanden der Höchstsatz traf. Die Abgabe von 79 Prozent (1936) galt für Jahreseinkünfte von mehr als fünf Millionen Dollar – nach heutiger Kaufkraft etwa 50 Millionen Dollar. Es ging das Gerücht um, in ganz Amerika zahle überhaupt nur einer diesen Satz: John D. Rockefeller. In den sechziger und siebziger Jahren wurde der Schwellenwert dann auf 200.000 Dollar gesenkt. Nach Berechnungen von Emmanuel Saez, Ökonom an der Universität in Berkeley, führten Topverdiener damals insgesamt rund 70 Prozent des Einkommens an den Fiskus ab. Für den keynesianisch inspirierten Mainstream der damaligen Zeit war das aber kein Problem: Keynes glaubte, der Wohlstand einer Nation hänge vor allem von der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage ab – und Superreiche geben ohnehin nur einen geringen Anteil ihres Einkommens für den Konsum aus.
Doch schon Präsident John F. Kennedy hatte – anders als seine Wirtschaftsberater – Zweifel an der Theorie: Die Wirtschaft werde »behindert durch restriktive Steuersätze«. So urteilten bald auch andere. In den siebziger Jahren wuchs an den ökonomischen Fakultäten der Einfluss wirtschaftsliberaler Denkschulen. In den von Ölkrise, Wechselkursschwankungen und Streikwellen erschütterten westlichen Volkswirtschaften fanden die Liberalen zunehmend Gehör und in US-Präsident Ronald Reagan und der englischen Premierministerin Margaret Thatcher Verbündete auf höchster Ebene.
Die neue Bewegung hielt hohe Spitzensteuersätze für wachstumsschädlich, leistungsfeindlich und für das Steueraufkommen insgesamt vergleichsweise unbedeutend. Der Ökonom Arthur Laffer, ein Berater Reagans, stellte die auch heute noch populäre Theorie auf, dass die Steuereinnahmen steigen, wenn die Steuersätze gesenkt werden. Wenn die Menschen weniger Steuern zahlen müssten, lohne es sich, mehr zu arbeiten. Die Folge seien höhere Einkommen, was wiederum mehr Geld in die Staatskassen bringe.
Reagan drückte den Höchstsatz in zwei Schritten von 70 auf 28 Prozent. Viele Länder folgten dem Beispiel. In Deutschland kam die konservative Revolution erst mit Verspätung an: Ausgerechnet die rot-grüne Regierung war es, die den Spitzensatz im Jahr 2004 auf 42 Prozent senkte.
Heute gilt in den USA ein Spitzensteuersatz von 35 Prozent ab einem Einkommen von 373651 Dollar. Damit geben die Topverdiener unterm Strich nur noch halb so viel ab wie in den sechziger und siebziger Jahren. Die Hoffnung auf steigende Steuereinnahmen und eine höhere wirtschaftliche Dynamik erfüllte sich unterdessen nicht. Reagan hinterließ riesige Etatdefizite, die Wachstumsraten sind heute alles in allem nicht höher als früher.
Seit zwei Jahrzehnten kann wieder ungestört Geld verdient werden
Das wirft die Frage auf, welche gesellschaftlichen Folgen das Auf und Ab des Spitzensteuersatzes hat. Von den dreißiger Jahren an begann sich in den Industriestaaten die Schere zwischen Reich und Arm zunächst zu schließen. Seit Mitte der achtziger Jahre geht sie wieder auseinander. Der Schluss liegt nahe, je höher die Spitzensteuer, desto gleicher die Gesellschaften. Das oberste Prozent der absoluten Topverdiener streicht heute in den USA wie in den zwanziger Jahren fast 25 Prozent der Gesamteinkommen ein – in den siebziger Jahren waren es weniger als zehn Prozent.
Aus der Gleichzeitigkeit von Entwicklungen, das sagen die Gesetze der Statistik, lässt sich noch nicht auf eine kausale Verbindung schließen. Auch Globalisierung und technologischer Wandel gelten unter Experten als Ursache für die Zunahme der Ungleichheit, ebenso die Erosion der Gewerkschaftsmacht und die Deregulierung der Finanzmärkte. Die Steuerpolitik aber hat den Trend in jedem Fall befördert. So waren die großen Vermögen, die es zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab, in der weitgehend abgabenfreien Zeit des 19. Jahrhunderts angehäuft worden. In der Weltwirtschaftskrise und den beiden Weltkriegen wurden sie heftig dezimiert, und der Fiskus verhinderte durch seine rigiden Steuergesetze einen Ausgleich der entstandenen Verluste. Seit zwei Jahrzehnten kann nun auf Erden wieder relativ ungestört Geld verdient werden.
- Datum 02.08.2010 - 16:04 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 29.07.2010 Nr. 31
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Ein grundlegender Fehler steckt im Geldsystem, steigerung der Produktivität tut sein übriges.
#http://www.zeit.de/2010/31/Arbeitsmarkt-Langzeitarbeitslose?commentstart=25#cid-803797
Wenn jemand Einkaufen will braucht er Geld dafür. Normalerweise bekommt er das Geld für Arbeit, wenn nicht, zahlt der Staat! Das Geld, was jemand für seine Arbeit bekommt, ist immer weniger, als seine Arbeitskraft für das Unternehmen kostet.
Sollte doch jetzt jeder Begriffen haben. wie dieses schäbige Spiel am Ende ausgeht, und es ist nicht Notwendig, für ein funktionierendes Wirtschaftssystem.
Kreditgeld kostet Geld, das Sparen des Selbigen, weiteres Geld.
Über den Preis, werden die Arbeitskraftkosten wieder Einkassiert.
Steigerung der Produktivität sorgt dafür, das immer weniger Arbeitszeit nachgefragt wird.
Alles zusammmengenommen sorgt das dafür, das die Massenkaufkraft immer geringer wird, Lohndumping und prekäre Arbeitsverhältnisse tun ihr übriges.
Da in einem Wirtschaftssystem kaum einfluss auf die Preisgestaltung von Unternehmen genommen werden kann, ist der einzige gangbare Weg, überzogene Preise und den damit verbundenen Gewinnen, ihre Volkswirtschaftlich negativen Eigenschaften zu Rauben: Den Bürgern über Bürgergeld, Kaufkraft zurückzugeben, und die Vermögen über die Erbschaftsteuer, teilweise wieder abzunehmen.
Weiters finden Sie in den Links.
... dass ca. 20% der Einkommensbezieher in den USA das Gros der Steuern zahlt. Mehr als die Hälfte aller Amerikaner zahlt überhaupt keine Steuern. Das fehlt in Ihrem Artikel.
Gibt es denn in Amerika gar keine MwSt, Alkohol- und Mineralöl-Steuer?
das fehlt nicht das ist bei der aussage des artikels nur nicht relevant, jeder zahlt steuern spätestens beim einkauf, auch in amerika und das die mit den höchsten einkommen den großteil der einkommenssteuer bezahlen liegt in der natur der sache selbst und ist auch richtig so. selbst wenn ein bestimmter prozentsatz einen großteil der steuern bezahlt, macht das diesen prozentsatz nicht arm, dem geht es finanziell auch nach steuern immer noch besser als den restlichen 80 prozent.
Und Verbrauchssteuern treffen im allgemeinen Geringverdiener stärker als Besserverdiener, da sie den größten Teil ihres Einkommens für den täglichen Bedarf ausgeben müssen.
Und wenn ein kleiner Teil der Bevölkerung den größten Teil an Einkommenssteuern zahlt, während viele andere gar keine zahlen, zeugt dies von einer großen Einkommensschere, in der viele Menschen so wenig verdienen, dass sie mit ihrem Einkommen unter dem steuerfreien Existenzminimums liegen.
Worauf wollen Sie überhaupt hinaus? Zwei Zahlen in den Rauzm zu werfen ist keine Argumentation.
MfG, Ijon Tichy
In den USA, vor 250 Jahren, wars sogar noch schlimmer.
In den Südstaaten, die ganzen Sklaven, mußten keine Steuern zahlen.
Das war vielleicht ungerecht damals.
Die Land- und Grundbesitzer, die Fabrikanten, viele weiße Bürger..... mußten Steuern zahlen und diese Südstaatenregierung bevorzugte die Sklaven.
Einfach unverschämt so etwas.
Wahrscheinlich hat man deshlab auch die Sklaverei abgeschafft.
(Achtung Ironie)
Gibt es denn in Amerika gar keine MwSt, Alkohol- und Mineralöl-Steuer?
das fehlt nicht das ist bei der aussage des artikels nur nicht relevant, jeder zahlt steuern spätestens beim einkauf, auch in amerika und das die mit den höchsten einkommen den großteil der einkommenssteuer bezahlen liegt in der natur der sache selbst und ist auch richtig so. selbst wenn ein bestimmter prozentsatz einen großteil der steuern bezahlt, macht das diesen prozentsatz nicht arm, dem geht es finanziell auch nach steuern immer noch besser als den restlichen 80 prozent.
Und Verbrauchssteuern treffen im allgemeinen Geringverdiener stärker als Besserverdiener, da sie den größten Teil ihres Einkommens für den täglichen Bedarf ausgeben müssen.
Und wenn ein kleiner Teil der Bevölkerung den größten Teil an Einkommenssteuern zahlt, während viele andere gar keine zahlen, zeugt dies von einer großen Einkommensschere, in der viele Menschen so wenig verdienen, dass sie mit ihrem Einkommen unter dem steuerfreien Existenzminimums liegen.
Worauf wollen Sie überhaupt hinaus? Zwei Zahlen in den Rauzm zu werfen ist keine Argumentation.
MfG, Ijon Tichy
In den USA, vor 250 Jahren, wars sogar noch schlimmer.
In den Südstaaten, die ganzen Sklaven, mußten keine Steuern zahlen.
Das war vielleicht ungerecht damals.
Die Land- und Grundbesitzer, die Fabrikanten, viele weiße Bürger..... mußten Steuern zahlen und diese Südstaatenregierung bevorzugte die Sklaven.
Einfach unverschämt so etwas.
Wahrscheinlich hat man deshlab auch die Sklaverei abgeschafft.
(Achtung Ironie)
Gibt es denn in Amerika gar keine MwSt, Alkohol- und Mineralöl-Steuer?
das fehlt nicht das ist bei der aussage des artikels nur nicht relevant, jeder zahlt steuern spätestens beim einkauf, auch in amerika und das die mit den höchsten einkommen den großteil der einkommenssteuer bezahlen liegt in der natur der sache selbst und ist auch richtig so. selbst wenn ein bestimmter prozentsatz einen großteil der steuern bezahlt, macht das diesen prozentsatz nicht arm, dem geht es finanziell auch nach steuern immer noch besser als den restlichen 80 prozent.
Und Verbrauchssteuern treffen im allgemeinen Geringverdiener stärker als Besserverdiener, da sie den größten Teil ihres Einkommens für den täglichen Bedarf ausgeben müssen.
Und wenn ein kleiner Teil der Bevölkerung den größten Teil an Einkommenssteuern zahlt, während viele andere gar keine zahlen, zeugt dies von einer großen Einkommensschere, in der viele Menschen so wenig verdienen, dass sie mit ihrem Einkommen unter dem steuerfreien Existenzminimums liegen.
Worauf wollen Sie überhaupt hinaus? Zwei Zahlen in den Rauzm zu werfen ist keine Argumentation.
MfG, Ijon Tichy
... dass ein kleiner Anteil der Bevölkerung über Einkommensteuerzahlungen den Transfer für den größten Teil des Volkes erarbeitet. Hier wird immer so getan, als sei das selbstverständlich.
... dass ein kleiner Anteil der Bevölkerung über Einkommensteuerzahlungen den Transfer für den größten Teil des Volkes erarbeitet. Hier wird immer so getan, als sei das selbstverständlich.
... dass ein kleiner Anteil der Bevölkerung über Einkommensteuerzahlungen den Transfer für den größten Teil des Volkes erarbeitet. Hier wird immer so getan, als sei das selbstverständlich.
"Es ist doch recht dreist, wenn die Reichen, die durch die Arbeit der Armen reich geworden sind, auch noch so tun, als seien sie die Wohltäter der Armen."
Vor allem Zinseszinseffekt sorgt dafür, dass die Einkommensschere wächst - dass hat wenig mit der Leistung der eigenen Hände Arbeit zu tun.
MfG, Ijon Tichy
ein kleiner prozentsatz verdient überproportional viel für seine arbeit, während andere extrem unterbezahlt arbeiten. das die die überproportional gut bezahlt werden, über steuern einen teil des geldes der gemeinschaft wieder zur verfügung stellt ist einfach richtig und deshalb für mich durchaus selbstverständlich. jemand der 40-50 stunden die woche hart körperlich arbeitet verdient oft kaum ein zehntel dessen was andere in leitungspositionen für ihre 70 stunden büroarbeit bekommen. egal wieviel verantwortung jemand trägt die löhne derer die ihrer meinung nach zuviel abgeben müssen ist niemals das geld wert das sie bekommen, gemessen an dem was sich die gesellschaft andere elementare arbeit kosten lässt. somit ist die besteuerung dieser oberen paar prozent in meinen augen sogar noch sehr zurückhaltend. aber die diskussion führt jettzt zu weit, ich steig aus bevor jetzt wieder jemand mit leuistungsträger usw. kommt...
Was verstehen Sie in diesem Kontext unter "erarbeiten"?
Es ging in dem Artikel nicht nur um Einkommensteuer in unserem heutigen Sinn, sondern auch um das, was wir heute als Vermögenssteuer bezeichnen.
...dass darf man doch nicht aussprechen :-)
Aber Sie haben ganz recht. Ich finde es immer lustig, wenn mir (wie in #1) die Karl Murxsche Mehrwerttheorie erklärt wird. Die ist natürlich nicht falsch, aber unvollständig. Wenn ich bilanziere, was ich arbeite und am Ende dafür bekomme und mir dann meinen Gehaltszettel ansehe, dann weiß ich auf jeden Fall, wo das meiste des von mir erarbeiteten Geld hinfließt... zum Staat. Hab ich nix dagegen, aber MUSS man einfach auch mal mit aufführen...
Sie sollten vielleicht mal um ein paar mehr Ecken denken.
Ein Unternehmen braucht Mitarbeiter. Ohne Mitarbeiter wird dieser Unternehmer nie groß bzw. wirtschaftlichen Erfolg haben.
Die Arbeiter eines Unternehmens sind die Menschen die es vorwärts bringen, wie gesagt, ohne die geht gar nichts.
Der Mitarbeiter muss natürlich mehr als seine Kosten erwirtschaften damit er für das Unternehmen rentabel bleibt, die Gewinne, werden also vom Arbeiter erwirtschaftet.
Nicht von einer einzlnen Person, die das Unternehmen zwar gegründet hat, nicht jedoch die ganze gewinnbringende Arbeit verrichtet.
Der Gewinn eines Reichen Menschen ist damit der Gewinn vieler einzelner Menschen über den er erst reich werden konnte.
"Es ist doch recht dreist, wenn die Reichen, die durch die Arbeit der Armen reich geworden sind, auch noch so tun, als seien sie die Wohltäter der Armen."
Vor allem Zinseszinseffekt sorgt dafür, dass die Einkommensschere wächst - dass hat wenig mit der Leistung der eigenen Hände Arbeit zu tun.
MfG, Ijon Tichy
ein kleiner prozentsatz verdient überproportional viel für seine arbeit, während andere extrem unterbezahlt arbeiten. das die die überproportional gut bezahlt werden, über steuern einen teil des geldes der gemeinschaft wieder zur verfügung stellt ist einfach richtig und deshalb für mich durchaus selbstverständlich. jemand der 40-50 stunden die woche hart körperlich arbeitet verdient oft kaum ein zehntel dessen was andere in leitungspositionen für ihre 70 stunden büroarbeit bekommen. egal wieviel verantwortung jemand trägt die löhne derer die ihrer meinung nach zuviel abgeben müssen ist niemals das geld wert das sie bekommen, gemessen an dem was sich die gesellschaft andere elementare arbeit kosten lässt. somit ist die besteuerung dieser oberen paar prozent in meinen augen sogar noch sehr zurückhaltend. aber die diskussion führt jettzt zu weit, ich steig aus bevor jetzt wieder jemand mit leuistungsträger usw. kommt...
Was verstehen Sie in diesem Kontext unter "erarbeiten"?
Es ging in dem Artikel nicht nur um Einkommensteuer in unserem heutigen Sinn, sondern auch um das, was wir heute als Vermögenssteuer bezeichnen.
...dass darf man doch nicht aussprechen :-)
Aber Sie haben ganz recht. Ich finde es immer lustig, wenn mir (wie in #1) die Karl Murxsche Mehrwerttheorie erklärt wird. Die ist natürlich nicht falsch, aber unvollständig. Wenn ich bilanziere, was ich arbeite und am Ende dafür bekomme und mir dann meinen Gehaltszettel ansehe, dann weiß ich auf jeden Fall, wo das meiste des von mir erarbeiteten Geld hinfließt... zum Staat. Hab ich nix dagegen, aber MUSS man einfach auch mal mit aufführen...
Sie sollten vielleicht mal um ein paar mehr Ecken denken.
Ein Unternehmen braucht Mitarbeiter. Ohne Mitarbeiter wird dieser Unternehmer nie groß bzw. wirtschaftlichen Erfolg haben.
Die Arbeiter eines Unternehmens sind die Menschen die es vorwärts bringen, wie gesagt, ohne die geht gar nichts.
Der Mitarbeiter muss natürlich mehr als seine Kosten erwirtschaften damit er für das Unternehmen rentabel bleibt, die Gewinne, werden also vom Arbeiter erwirtschaftet.
Nicht von einer einzlnen Person, die das Unternehmen zwar gegründet hat, nicht jedoch die ganze gewinnbringende Arbeit verrichtet.
Der Gewinn eines Reichen Menschen ist damit der Gewinn vieler einzelner Menschen über den er erst reich werden konnte.
Ich mag ihren Ansatz, aber wenn sie Ökonomiehistorie betreiben, dann muss man auch präzise sein. Ich empfehle hierzu den Sachbuchklassiker "Staat oder Markt", weil die Autoren (im Gegensatz zu ihnen) wirklich unvoreingenommen sind. Man spürt doch, dass sie höhere Spitzensteuern wollen.
"In den von Ölkrise, Wechselkursschwankungen und Streikwellen erschütterten westlichen Volkswirtschaften fanden die Liberalen zunehmend Gehör[...]"
Man muss schon verstehen, was voranging:
- Das Wirtschaftswunder in Chile durch die Chicago Boys.
- Der Erfolg Deutschlands im Gegensatz zu Frankreich und Großbritannien mit hochregulierten Volkswirtschaften
- Das Versagen von keynesianischer Politik in ganz Europa, deren Schulden wir noch heute abbezahlen
"Arthur Laffer, ein Berater Reagans, stellte die auch heute noch populäre Theorie auf, dass die Steuereinnahmen steigen, wenn die Steuersätze gesenkt werden."
- Das ist doch unpräzise. Laffer sagt, dass bei 100% ESt-Satz 0 EUR Steuereinnahmen gemacht werden und bei 0% auch, dazwischen ist eine Kurve mit Maximum.
- Laffers These stellt in der Ökonomie niemand in Zweifel, es ist simple Logik.
"Die Hoffnung auf steigende Steuereinnahmen und eine höhere wirtschaftliche Dynamik erfüllte sich unterdessen nicht."
- Frau Thatcher war höchst erfolgreich(!), Reagans Bilanz wurde durch die exzessiven Militärausgaben zerstört.
- Reagans Zweiklang war: Erst Steuern runter, dann Staatsausgaben runter. Den zweiten Klang ist er aber nie angegangen.
Auch Sie sind nicht unvoreingenommen und argumentieren einseitig.
"- Laffers These stellt in der Ökonomie niemand in Zweifel, es ist simple Logik."
Das ist nicht wahr. Nur angebotslastige Ökonomen argumentieren so (Anti-Keynesianer). Die konträre Theorie ist das Haavelmo Theorem (und entsprechende Derivate). Von wegen simple Logik.
"- Frau Thatcher war höchst erfolgreich(!),"
ja, ja das britische Wirtschaftwunder. Super Leistung sämtliche Industrie zu Tode zu entregulieren (Blair hat das ja auch nur übernommen, wegen des überragenden Erfolges). Der Neuaufbau der Industrie auf der Insel (ist fest im politischen London beschlossen) dürfte sämtliche "Erfolge" bei den Kosten übertreffen - wenn es denn überhaupt gelingt.
Das Modell Deutschland (in der Ära Thatcher war bei uns ja leider nix los...) ist auf einmal wieder sehr en vouge, das neidische Gekeife (den ein oder anderen sinnvollen Vorschlag will ich aber nicht leugnen) atlantischer und europäischer "Partner" ist mir da Beweis genug.
Hallo Frank12-13,
Sie führen in Ihrem Kommentar an, dass die sehr liberale Wirtschaftspolitik in den ersten Pinochetjahren ein "Wirtschaftswunder" in Chile bewirkt hat.
Das stimmt so nicht ganz:
Vielmehr brachte der radikale Kurs der Chicago Boys seit Mitte der 70er das Land zunächst an die Schwelle des ökonomischen Kollapses und führte beinahe zum Sturz des Regimes.
Der ökonomische Aufstieg Chiles ab Mitte der 80er Jahre ist dagegen mit der Rücknahme der marktradikalsten Politiken und dem Wiedererstarken des Staates als wirtschaftlichem Akteur - insbesondere im Export - in Verbindung zu bringen.
Nachzurecherchieren z.B. hier: http://www.amazon.de/Chil...
Der goldene Mittelweg, wie so oft.
Gruß,
Wintergarten
Vor den Chicago Boys (schwere Krise durch politische Instabilität und hohe Inflation):
1973: -5.6%
1974: 1%
1975: -12.9%
Milton Friedman reiste 1975 nach Chile, Schocktherapie:
1976: 3.5%
1977: 9.9%
1978: 8.2%
1979: 8.3%
1980: 7.9%
Und jetzt stellen Sie sich vor, wie sich das damals angefühlt hat, nach Jahrzehnten Inflation und Stagnation in Großbritannien, mit keynesianischen Ökonomen an den Unis.
Dass nicht alles Gold ist, was glänzt, wissen wir alle gemeinsam (Krisen, Ungleichheit usw.). Aber Chiles Aufstieg hat die ökonomisch Interessierten Ende der 70er aus den Socken gehauen.
Das heißt nicht, dass ich Pinochet gut finde, aber dass der reine Liberalismus unglaublichen Wohlstand und große Ungleichheit schafft und auch krisenanfällig sein kann, das lehrt uns Chile.
Auch Sie sind nicht unvoreingenommen und argumentieren einseitig.
"- Laffers These stellt in der Ökonomie niemand in Zweifel, es ist simple Logik."
Das ist nicht wahr. Nur angebotslastige Ökonomen argumentieren so (Anti-Keynesianer). Die konträre Theorie ist das Haavelmo Theorem (und entsprechende Derivate). Von wegen simple Logik.
"- Frau Thatcher war höchst erfolgreich(!),"
ja, ja das britische Wirtschaftwunder. Super Leistung sämtliche Industrie zu Tode zu entregulieren (Blair hat das ja auch nur übernommen, wegen des überragenden Erfolges). Der Neuaufbau der Industrie auf der Insel (ist fest im politischen London beschlossen) dürfte sämtliche "Erfolge" bei den Kosten übertreffen - wenn es denn überhaupt gelingt.
Das Modell Deutschland (in der Ära Thatcher war bei uns ja leider nix los...) ist auf einmal wieder sehr en vouge, das neidische Gekeife (den ein oder anderen sinnvollen Vorschlag will ich aber nicht leugnen) atlantischer und europäischer "Partner" ist mir da Beweis genug.
Hallo Frank12-13,
Sie führen in Ihrem Kommentar an, dass die sehr liberale Wirtschaftspolitik in den ersten Pinochetjahren ein "Wirtschaftswunder" in Chile bewirkt hat.
Das stimmt so nicht ganz:
Vielmehr brachte der radikale Kurs der Chicago Boys seit Mitte der 70er das Land zunächst an die Schwelle des ökonomischen Kollapses und führte beinahe zum Sturz des Regimes.
Der ökonomische Aufstieg Chiles ab Mitte der 80er Jahre ist dagegen mit der Rücknahme der marktradikalsten Politiken und dem Wiedererstarken des Staates als wirtschaftlichem Akteur - insbesondere im Export - in Verbindung zu bringen.
Nachzurecherchieren z.B. hier: http://www.amazon.de/Chil...
Der goldene Mittelweg, wie so oft.
Gruß,
Wintergarten
Vor den Chicago Boys (schwere Krise durch politische Instabilität und hohe Inflation):
1973: -5.6%
1974: 1%
1975: -12.9%
Milton Friedman reiste 1975 nach Chile, Schocktherapie:
1976: 3.5%
1977: 9.9%
1978: 8.2%
1979: 8.3%
1980: 7.9%
Und jetzt stellen Sie sich vor, wie sich das damals angefühlt hat, nach Jahrzehnten Inflation und Stagnation in Großbritannien, mit keynesianischen Ökonomen an den Unis.
Dass nicht alles Gold ist, was glänzt, wissen wir alle gemeinsam (Krisen, Ungleichheit usw.). Aber Chiles Aufstieg hat die ökonomisch Interessierten Ende der 70er aus den Socken gehauen.
Das heißt nicht, dass ich Pinochet gut finde, aber dass der reine Liberalismus unglaublichen Wohlstand und große Ungleichheit schafft und auch krisenanfällig sein kann, das lehrt uns Chile.
"Es ist doch recht dreist, wenn die Reichen, die durch die Arbeit der Armen reich geworden sind, auch noch so tun, als seien sie die Wohltäter der Armen."
Vor allem Zinseszinseffekt sorgt dafür, dass die Einkommensschere wächst - dass hat wenig mit der Leistung der eigenen Hände Arbeit zu tun.
MfG, Ijon Tichy
... wenn die Leute sich in die soziale Hängematte legen und so tun, als hätten sie einen moralischen Anspruch darauf.
... wenn die Leute sich in die soziale Hängematte legen und so tun, als hätten sie einen moralischen Anspruch darauf.
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