Popsängerin Maria Diamandis "Ich möchte die griechische Mythologie erforschen"
Die Popsängerin Marina Diamandis wünscht sich, dass Griechenland bald aus der Krise herausfindet. Sie träumt von einer stolzen Kulturnation an der Ägäis.
Kürzlich habe ich von meiner Katze geträumt. Ich war zu Hause in meiner Heimatstadt Abergavenny in Wales, bei meiner Mutter. Meine Katze war auch dort, sie schleppte mir flaschenweise Wodka und Whisky heran. Ein sehr seltsames Bild, mein niedliches, weißes, flauschiges Kätzchen mit diesen Flaschen im Maul. Keine Ahnung, was mein Unbewusstes mir damit sagen wollte. Ich habe erst mal einen Whisky darauf getrunken. An meine Nachtträume erinnere ich mich sonst eher selten.
Meine Zukunftsträume und Visionen dagegen sind für mich elementar wichtig. Wer nicht träumt, wird innerlich absterben und nichts im Leben erreichen. Schon als Teenager habe ich davon geträumt, als Sängerin erfolgreich zu sein. Mit 18 habe ich deshalb die Universität verlassen. Meine Mutter war geschockt. »Du kannst doch gar nicht singen!«, hat sie gesagt. Am Anfang habe ich dann auch zahlreiche Rückschläge und Niederlagen erlitten, trotzdem habe ich immer weitergemacht. Da war etwas in mir, das mich vorangetrieben hat. Und das ist immer noch so. Es gibt noch so viel zu erreichen, als Künstlerin und als Mensch. Ich träume zum Beispiel von einer gigantischen, einzigartigen Bühnenshow. Mein größter Albtraum ist es, mein Publikum zu enttäuschen. Die Angst vor dem Versagen begleitet mich jeden Tag. Ich wüsste nicht, was ich dann tun sollte, ich würde wohl nicht mehr leben wollen.
Persönlich träume ich davon, ein besserer Mensch zu werden. Ich wäre gern selbstlos, bin aber leider sehr ichbezogen, ehrgeizig und schonungslos. Ich hätte gern mehr Zeit für andere Menschen, Zeit ist das Wertvollste, was wir einander geben können – Zeit kann man nicht kaufen, und man bekommt sie nicht zurück.
24, kam als Tochter einer Britin und eines Griechen in Wales zur Welt. Als Popsängerin wurde sie dieses Jahr weltweit bekannt unter ihrem Pseudonym Marina & the Diamonds. Im Frühjahr erschien ihr viel gelobtes Debütalbum »The Family Jewels«
Als Halbgriechin träume ich davon, dass Griechenland bald aus der Krise herausfindet und die Menschen dort angesichts der schwierigen Umstände ihren Stolz nicht verlieren, den Stolz auf sich selbst, ihr Land und ihre Kultur. Nicht die Bevölkerung hat Schuld an der Krise, sondern die Regierung. Sie hat die Menschen belogen und betrogen, die Verantwortlichen haben lange den Kopf in den Sand gesteckt und gehofft, die Probleme würden sich von selbst lösen.
Nach der Scheidung meiner Eltern bin ich mit 16 für zwei Jahre zu meinem Vater nach Griechenland gezogen. Eine der besten Zeiten meines Lebens. Ich liebe das Land und die Menschen dort, vor allem meine Großmutter, die als Erste meine musikalischen Ambitionen unterstützt hat. Mich begeistert auch die griechische Mythologie. Ich träume davon, mir ein Jahr Auszeit zu nehmen, in Griechenland zu leben und die Mythologie zu erforschen. Eine Zeit lang habe ich davon geträumt, in fünf oder zehn Jahren ganz dort zu leben, abseits der Musikindustrie, mit einem Mann und zwei Kindern, die Namen hatte ich schon ausgesucht. Dieser Traum verändert sich gerade, im Moment kann ich mir nicht vorstellen, in absehbarer Zeit mit der Musik Schluss zu machen. Der Traum von Kindern, einem Platz, an dem ich zur Ruhe komme, ist aber noch da.
Aufgezeichnet von Jörg Böckem
- Datum 01.08.2010 - 16:42 Uhr
- Serie Ich habe einen Traum
- Quelle ZEITmagazin, 29.07.2010 Nr. 31
- Kommentare 3
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Griechenland hat mit seiner Mythologie und seiner Kultur die ganze Welt inspiriert.
Ganze Zeitepochen standen im Zeichen der Antike. Dichter, Philosophen, Politiker, Maler, Bildhauer und Komponisten
schöpften und schöpfen immer noch aus dieser Quelle .
Ist Athena, Göttin der Weisheit und des Wissens, im eigenen Land entzaubert und entmachtet worden?
Gut nachvollziehbar, wenn junge griechische Künstler (u.a.) sich heute wieder auf ihr kulturelles Erbe besinnen ...
Zurück nach Arkadien und nochmal von vorne beginnen?
Ein Zurücksehnen nach vermeintlich schöneren lang (lang, lang, lang) vergangenen Zeiten. So überwindet man sicher keine aktuellen Krisen.
Was verbindet denn den modernen Menschen noch mit der Antike?
Er hat keinen Bezug zu den Göttern, der, aus heutiger Sicht, naiven Weltanschauung und auch nicht zur damaligen Gesellschaft die u.a. permanent Kriege und auch Sklaven enthielt).
Zu ihrere Zeit war die grichische Antike ein Fortschritt und Vorbild. Heute wäre sie ein erschreckende Vorstellung.
Arkadien ?
...das Goldene Zeitalter ohne Kriege?
Nein, aber mmerhin hat die Sehnsucht danach überlebt.
In der Retrospektive könnten junge entmutigte Griechen aber sehr wohl auf den geistigen Fundus ihrer großen Wegbereiter stolz sein, indem sie sich seiner universellen Werte bewusst werden und die Erkenntnisse ins Hier und Jetzt einbringen...
Selbst in der 'naiven' Götterwelt finden sich Quellen der Weisheit, die sich auf die aktuellen Krisen durchaus anwenden ließen.
Der Rückgriff auf die Wurzeln unserer Zivilisation, hier den Geist der Antike, muss also nicht zwangsläufig
eine 'erschreckende Vorstellung' sein, wenn man die dekadenten Züge jener Zeit überwunden hat ...
Hier ein paar Perlen:
Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende.
Demokrit, griechischer Philosoph
Auch Quellen und Brunnen versiegen, wenn man zu oft und zu viel aus ihnen schöpft.
Demosthenes griechischer Redner
Ruhm und Reichtum ohne Verstand sind ein unsicherer Besitz.
Demokrit, griechischer Philosoph
Jeder kann wütend werden, das ist einfach. Aber wütend auf den Richtigen zu sein, im richtigen Maß, zur richtigen Zeit, zum richtigen Zweck und auf die richtige Art, ist schwerer als gedacht.
Aristoteles, griechischer Philosoph
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