Nachbarschaftsstreit Sie können ja nüscht dafürSeite 3/3

Gaentzsch, der die Kunst der Diplomatie und der feinen Worte beherrscht, war also nach Brandenburg gefahren. Dort traf er auf die dickköpfigen Nachbarn, die einander und dem Landrat nicht einen Schritt entgegenkommen wollten. Da seine Bemühung um Vermittlung nichts brachte, reiste der Rechtsgelehrte wieder ab. Die Geschichte ließ ihn aber nicht los. Er vertiefte sich in die Brandenburgische Bauordnung und die Besonderheiten der Abstandsflächenregeln, schrieb Aufsätze und hielt Vorträge über den einmaligen Fall. »Hätten die sich nur mal alle zusammengesetzt«, seufzt der Bundesverwaltungsrichter a.D. über die inzwischen vielen Beteiligten.

Die Manteufels sitzen jetzt unter ihrem Dach, aber nicht auf gepackten Koffern. »Freiwillig gehen wir nicht«, sagen sie. Neulich gab es auf der Straße vor ihrem Haus eine Demonstration. Heidemarie Hiller, Christina Manteufels Freundin aus Schultagen, hat nämlich eine Bürgerinitiative gegründet: Irgendjemand müsse doch endlich mal was tun. »Für mich ist das alles ein Wirrwarr«, sagt Frau Hiller. So viele Aussagen, die sich widersprechen, am Ende wisse man nicht mehr, wer recht habe.

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Und was sagt der Nachbar? Nichts. Er lässt seinen Anwalt sprechen. Und der Anwalt sagt: »Man muss nur die Urteile lesen.« Ein Richterspruch sei nun mal ein Richterspruch. Dass die Manteufels nach dem Baustopp weiterzimmerten: ihr Fehler. Dass sein Mandant die namhaften Geldbeträge, die der Landkreis ihm für den Fall seines Einlenkens in Aussicht stellte, nicht wollte: sein gutes Recht. Das könne man ihm eben nicht einfach abkaufen.

Im Dorf sagt man, der Nachbar wäre erst zufrieden, wenn der Konsum endlich weg sei, mitsamt dem Dach und den Manteufels. »Dem geht es ums Prinzip. Der gibt keine Ruhe.« Manche sagen, wenn ihm das gelänge, würden sie ihn wohl nicht mehr grüßen. Es heißt, der Nachbar habe sich letzthin etwas zurückgezogen. Beim Zampern sei er in diesem Jahr auch nicht gesehen worden.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn man den Ort auf einer Karte erstmal gefunden hat, beantwortet sich auch die Frage, welche anderen langwierigen Hobbies die Einwohner sich denn sonst suchen sollen. Wobei ich den leichten Zugang zu Lebensmitteln höher bewerten würde. Das einzig Positive in diesem speziellen Fall dürfte wohl die Förderung einer strukturschwachen Region durch die entstehenden Kosten des Rechtsstreits und den Medienrummel sein. Denn andere Beispiele und ähnliche Fälle lassen sich auch leicht in zivilisierteren Gegenden wie Illertissen, St. Tönis oder Heinsberg finden. Wahrscheinlich wird nur die Abschaffung des Grundbesitzes für ein Ende der zahlreichen Streitereien unter Nachbarn sorgen.

    MfG aus VLC

    pta

  2. Krank! Und zwar von Beiden Parteien!

    Alle reden übereinander aber nicht miteinander.

    Wer bezahlt eigentlich die späteren Kosten für die Heilbehandlungen?!

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  • Quelle DIE ZEIT, 29.07.2010 Nr. 31
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