Weltwirtschaft Gefahr von draußen
Warum rosige Prognosen für die deutsche Wirtschaft fahrlässig sind
Wie kommen in diesen Tagen bloß so viele Politiker und Kommentatoren auf die Idee, die Krise quasi für beendet zu erklären? Wie können deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute mit so großem Selbstvertrauen zwei Prozent Wachstum und mehr prognostizieren und gleichzeitig sagen, man habe seit Lehman Brothers bloß mal die eine oder andere Formelvariable angepasst?
Richtig viel hat man bislang wohl nicht aus dem Zusammenbruch der Weltwirtschaft seit 2008 gelernt, aber eines schon: Die Konjunktur in Deutschland und Europa ist international noch viel abhängiger als zuvor gedacht. Lahmes Wachstum da draußen bedeutet lahmeres Wachstum bei uns. Schlummernde Bomben in fernen Ländern schaden mit großer Wahrscheinlichkeit auch hier. Logisch in einer Exportnation , deren Konzerne überall produzieren und vermarkten und deren Banken die Welt mit einem Netz von Transaktionen überziehen. Wird nur gelegentlich vergessen.
Also kurz ein paar Erinnerungen aus den aktuellen Nachrichten. USA: neuneinhalb Prozent Arbeitslosigkeit , Rekordtief bei Immobilienkäufen, ein ungewöhnlich pessimistisch daherredender Notenbankchef. China: neue Warnungen vor einer platzenden Immobilienblase und vor Bankenkollapsen. Südeuropa: schlimm genug, dass dort sechs Finanzinstitute beim sogenannten Stresstest scheitern – schlimmer, dass man an den Finanzmärkten inzwischen den ganzen Test für unglaubwürdig lax erklärt. Japan: Nullwachstum und Deflation. Weltweit: auslaufende staatliche Konjunkturprogramme.
Schon klar, dass einzelne Nachrichtensplitter keine verbesserte ökonomische Prognosearbeit ersetzen. Doch leider deuten sie alle in eine Richtung: Draußen existieren große Gefahren, und zwar für unsere Wirtschaft hier.
- Datum 02.08.2010 - 15:52 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 29.07.2010 Nr. 31
- Kommentare 20
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...wir reden hier nicht von absoluten Größen, sondern vom Wachstum. Nach einem Totaleinbruch ist Wachstum relativ leicht.
Wenn man Sohn von der Schule heimkommt und sagt, ich bin in Mathematik zwei Noten besser als beim letzten Mal. Dann freu ich mich zwar, aber wenn ich weiß, dass er beim letzten Mal eine 5 hatte, dann stell ich das in den Kontext.
Beim Malen nach Zahlen muss man wenigstens die einzelnen Punkte sinnvoll verbinden. War das Word Auto-Zusammenfassen?
Die Krise ist für die deutsche Exportmaschinerie und die an ihr hängenden Unternehmen tatsächlich vorbei. Aber sie lebt von den anderen Volkswirtschaften Europas, die die Krise bestenfalls zur Hälfte überwunden haben. Diese Situation eines geteilten Europas, in dem die wettbewerbsfähige Industrieregion im Norden von der nicht mehr wettbewerbsfähigen Dienstleistungsregion im Süden lebt, hält nun schon über ein Jahrzehnt an.
Bis jetzt ist es noch immer gut gegangen für Deutschland, das System musste lediglich nach der Krise von 2008/09 neugestartet werden. Die private Verschuldung des Auslands, die zunächst für den Boom in der deutschen Industrie gesorgt hatte, wurde von der Staatsverschuldung des Auslands ersetzt. Dieser Wechsel der Antriebskraft kann nur einmal gelingen.
Die deutsche Industrie verschlingt mittlerweile so viel Nachfrage aus den umliegenden Ländern, dass die Staatsverschuldung dort ungeahnte Höhen erreicht hat. Ob sie diese Länder wirklich zur Haushaltskonsolidierung zwingt, ist unklar. Fakt ist, dass im derzeitigen Weltfinanzsystem die Staaten zur Austerität genötigt sind. In einem anderen, regulierten Finanzsystem gäbe es Alternativen - zum Beispiel die direkte Notenbankfinanzierung der Staatshaushalte.
Doch spätestens 2011 wird der deutschen Exportmaschinerie die Luft ausgehen. Es gibt dann kein Land in Europa mehr, dass sie aufrechterhalten könnte. Es sieht so aus, dass die Phase hoher deutscher Leistungsbilanzüberschüsse in den letzten Zügen liegt.
denn dann kann man sie ja nicht mehr für linke agitation ausnutzen. Wenn es den menschen gut geht, dann sind sind sie an der bewahrung ihres wohlstands interessiert (werden konservativ) und nicht an umverteilung. Dann haben die umverteiler ja gar nichts mehr zu tun! Deswegen kann nicht sein, was nicht sein darf, und unisono wart der linke blätterwald von FR bis süddeutsche stimmt in bedenken ein: "Die krise ist nicht vorbei, neineineinen, bleibt hier! Wir sind doch nicht gar nicht fertig. Wir wollten doch noch ..."
@adept
Optimisten sind Menschen, denen Informationen fehlen.
Oder:
Ich habe mir gerade meine Meinung gebildet. Komme mir jetzt bitte keiner mit Fakten.
Herr Fischermann hat vollkommen Recht mit seiner Darstellung, wobei er allerdings nur an der Oberfläche kratzt (oder mehr nicht darf, weil ja allerorten die Medien kollektive Jubelmeldungen durchs Dorf treiben [müssen]).
Die Situation ist leider noch sehr viel schlimmer. Die USA sacken immer weiter ab und scheiden als Konsumenten praktisch aus. Die tollen Quartalszahlen basieren bis auf wenige Ausnahmen auf Kostenreduktion durch "Fire" (das Gegenstück sind die heftig steigenden US-Arbeitslosenzahlen), die Bauwirtschaft sackt weiter ab und diverse Indikatoren haben auch Bernanke sehr nervös gemacht.
Möglicherweise interessante Langzeitsicht über vorhergesagte "Etappenziele", die bereits 1996 in der ZEIT veröffentlicht wurden (weil ja nichts vorhersehbar war), aber alle eingetroffen sind:
Depression als europäisches Gemeinschaftsprojekt
Da Frau Merkel nunmehr den Brüning für ganz Europa macht dank ihrer Falscheinflüsterer stellt sich die Frage, wo das benötigte Wachstum herkommen soll, wenn keiner mehr was kaufen kann, weil Massenkaufkraft fehlt weil alle "die Gürtel enger schnallen", wir uns EU-weit zu Tode sparen (sollen), wie auch der IWF das fordert - was NIRGENDS funktioniert hat.
Sorry, aber solche Parolen in den Wald zu brüllen ist meiner Meinung nach nicht besser, wie die Parolen aus dem „linken Blätterwald“. Das Ende der Krise hat weder etwas mit Links noch mit Rechts zu tun. Die Auswirkungen einer Krise schon. Zur Erinnerung: 1933 kamen nicht die Kommunisten in Deutschland an die Macht.
Das Problem der falschen Umverteilung zudem als linke Hetzparole zu beschimpfen, ist meiner Meinung nach genauso stumpfsinnig, wie die Parolen der braunen Horden bei mir um die Ecke, die behaupten Ausländer nehmen ihnen die Arbeit weg.
Wir haben nicht nur in Deutschland ein Umverteilungsproblem, sondern weltweit. Von Süden wird nach Norden verteilt. Von der dritten Welt zu den Industrienationen. Und bei uns von unten nach oben. Wer über genügend Geldressourcen verfügt, verdient alleine mit Zinseinnahmen mehr, wie jeder ALG2 Empfänger durch Transferleistungen.
Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, wer diese Zinsgewinne bezahlt? Sie und ich und der Rest der Deutschen mit jedem Kauf, den wir täglich tätigen. Die größten Schuldner sind nämlich die Unternehmen in Deutschland. Und diese kalkulieren ihre Preise inklusive der zu zahlenden Zinsen. Soviel zum Thema: ungerechte Transferleistung.
@adept
Optimisten sind Menschen, denen Informationen fehlen.
Oder:
Ich habe mir gerade meine Meinung gebildet. Komme mir jetzt bitte keiner mit Fakten.
Herr Fischermann hat vollkommen Recht mit seiner Darstellung, wobei er allerdings nur an der Oberfläche kratzt (oder mehr nicht darf, weil ja allerorten die Medien kollektive Jubelmeldungen durchs Dorf treiben [müssen]).
Die Situation ist leider noch sehr viel schlimmer. Die USA sacken immer weiter ab und scheiden als Konsumenten praktisch aus. Die tollen Quartalszahlen basieren bis auf wenige Ausnahmen auf Kostenreduktion durch "Fire" (das Gegenstück sind die heftig steigenden US-Arbeitslosenzahlen), die Bauwirtschaft sackt weiter ab und diverse Indikatoren haben auch Bernanke sehr nervös gemacht.
Möglicherweise interessante Langzeitsicht über vorhergesagte "Etappenziele", die bereits 1996 in der ZEIT veröffentlicht wurden (weil ja nichts vorhersehbar war), aber alle eingetroffen sind:
Depression als europäisches Gemeinschaftsprojekt
Da Frau Merkel nunmehr den Brüning für ganz Europa macht dank ihrer Falscheinflüsterer stellt sich die Frage, wo das benötigte Wachstum herkommen soll, wenn keiner mehr was kaufen kann, weil Massenkaufkraft fehlt weil alle "die Gürtel enger schnallen", wir uns EU-weit zu Tode sparen (sollen), wie auch der IWF das fordert - was NIRGENDS funktioniert hat.
Sorry, aber solche Parolen in den Wald zu brüllen ist meiner Meinung nach nicht besser, wie die Parolen aus dem „linken Blätterwald“. Das Ende der Krise hat weder etwas mit Links noch mit Rechts zu tun. Die Auswirkungen einer Krise schon. Zur Erinnerung: 1933 kamen nicht die Kommunisten in Deutschland an die Macht.
Das Problem der falschen Umverteilung zudem als linke Hetzparole zu beschimpfen, ist meiner Meinung nach genauso stumpfsinnig, wie die Parolen der braunen Horden bei mir um die Ecke, die behaupten Ausländer nehmen ihnen die Arbeit weg.
Wir haben nicht nur in Deutschland ein Umverteilungsproblem, sondern weltweit. Von Süden wird nach Norden verteilt. Von der dritten Welt zu den Industrienationen. Und bei uns von unten nach oben. Wer über genügend Geldressourcen verfügt, verdient alleine mit Zinseinnahmen mehr, wie jeder ALG2 Empfänger durch Transferleistungen.
Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, wer diese Zinsgewinne bezahlt? Sie und ich und der Rest der Deutschen mit jedem Kauf, den wir täglich tätigen. Die größten Schuldner sind nämlich die Unternehmen in Deutschland. Und diese kalkulieren ihre Preise inklusive der zu zahlenden Zinsen. Soviel zum Thema: ungerechte Transferleistung.
Ein folgerung daraus, das ist mir gerade wieder bewusst geworden, ist, dass die politiker, die über ein "gerechtigkeits"-ticket an die macht wollen, niemals wirklich ein interesse an wirklicher verbesserung der zustände haben können. Danke nochmal für diese bestätigung.
Wen interessiert es ob die deutsche Wirtschaft wächst oder nicht? Das wirklich Interessante ist doch für den "normalen" Deutschen (der nicht für Zehntausende Euro Aktien besitzt), dass Arbeitsplätze geschaffen und erhalten bleiben und dass von dem verdienten Geld ein menschenwürdiges Leben möglich ist.
Dabei ist es trotz Wirtschaftswachstum der letzten zwanzig Jahre weder gelungen Arbeitsplätze zu erhalten, geschweige denn neue Arbeitsplätze zu schaffen, genauso wenig, wie es gelungen ist, diese Arbeit menschenwürdig zu bezahlen (wenn das jemals überhaupt gewollt war).
Mich k..zt es wirklich immer mehr an, wenn ich von Wirtschaftswachstum, von Dax- und Börsenwerten, von Renditen und Bankgewinnen usw. lese - alles Marktzahlen, die für 80% der deutschen Bevölkerung absolut keine Bedeutung haben - letztendlich läuft diese Berichterstattung auf eine systematische verblödungsaktion der Menschen hinaus.
@adept
Seltsam, ich habe den "linke(n) blätterwald von FR bis süddeutsche" bisher noch nie gefunden. Aber: wahrscheinlich muss man ganz rechts aussen stehen, wenn man diese Zeitungen als "links" bezeichnet.
Das war erst der Anfang. Es gibt noch die eine und andere Blase, dessen Platzen weitaus gravierendere Folgen haben dürften, als die letzte Implusion.
Wachstum ist ja gut und schön, besonders vor dem Hintergrund schwindender Rohstoffe!
Was da so alles zusammenprognostiziert wird, einfach TOLL!
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