Unternehmensgründung Ideensammler aus Passion

Manfred Reichl, früher Österreich- und Osteuropa-Chef des Beratungskonzerns Roland Berger, hilft Firmengründern mit Geld und Erfahrung. Ein Gespräch über Risiken und Chancen

DIE ZEIT: Als sogenannter Business Angel investieren Sie seit einigen Jahren in kleine Technologie- und Biotech-Unternehmen. Erst vor wenigen Monaten haben Sie einen Preis für Ihre Arbeit in Österreich bekommen, jetzt gründen Sie schon wieder ein neues Unternehmen in der Biotech-Branche. Dabei sind Sie gar kein Chemiker.

Manfred Reichl: Als Berater war ich gewohnt, in den verschiedensten Wirtschaftssektoren aktiv zu sein. Deshalb habe ich mich auch nicht auf eine Branche fokussiert. Ich bin an fünf Internetunternehmen beteiligt, an einem Solartechnik-, einem Sensor- und zwei Biotech-Unternehmen und noch dazu an einem Projekt im Kosmetikbereich. Es kommt für den Erfolg nicht auf die Branche an, sondern darauf, wie gut die Leute sind und ob die Geschäftsidee plausibel ist.

Anzeige

ZEIT: Erklären Sie uns das Konzept Business Angel.

Reichl: Grundsätzlich muss man den Business Angel vom Venture-Capital-Investor unterscheiden: Letzterer denkt eher wie ein Banker, er arbeitet mit fremdem Geld, will billig kaufen und teuer verkaufen und kümmert sich nicht so sehr um das konkrete Unternehmen. Der Business Angel investiert eigenes, versteuertes Privatkapital, und er unterstützt die kleinen Unternehmen direkt mit seiner Erfahrung und seinen Kontakten.

ZEIT: Gleich zu Beginn einer Unternehmensgründung?

Reichl: Nicht ganz am Beginn. Österreich ist eigentlich sehr gut in der Gründungsfinanzierung. Da bekommen die Unternehmen je nach Geschäftsidee einige Zehn- oder Hunderttausend Euro ohne allzu große Formalitäten.

ZEIT: Vom Staat?

Reichl: Ja. Das funktioniert recht gut und ist eine kluge Zukunftspolitik. Nur irgendwann einmal ist dieses Geld aus, und gerade forschungsintensive Unternehmen haben dann erst gerade einmal den Samen gelegt, ein bisschen gegossen, aber bis das Pflänzchen über die Erde herausschaut, vergeht noch einige Zeit. In dieser Phase geht es – je nach Branche – um einen Finanzbedarf von 300.000 bis zu fünf Millionen Euro.

ZEIT: Da kann es noch kritisch werden?

Reichl: Da wird es in sehr vielen Fällen kritisch. Und genau in dieser Phase springen Business Angels ein.

ZEIT: Aber Sie sind keine reinen Wohltäter. Sie wollen schon auch Geld verdienen.

Reichl: Na klar wollen wir, will auch ich verdienen, da steckt ja auch viel Arbeit drin, nur ist es eine andere Attitüde, eben eine unternehmerische. Ich habe etwa zehn bis fünfzehn Leute, die ebenfalls eigenes Kapital investieren und die ich jeweils anspreche. Wir versuchen die Unternehmen über diese Hürde zu heben, bis dann ein strategischer Partner oder großer Konzern einspringt, sich beteiligt und damit die Geschäftsidee um eine weitere Größenordnung steigert.

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service