Psychopharmaka Wenn’s hilft
Harro Albrecht fordert, Drogen für die Psychotherapie zu erforschen
© Nicolas Asfouri/AFP/Getty Images

Ketamin löst Halluzinationen und Nahtod-Erfahrungen aus
Menschen mit psychischen Störungen stehen in der gesellschaftlichen Rangliste der Kranken ganz unten. Sie müssen mit dem Stigma ihrer Krankheit leben, sie finden schwer einen Therapieplatz und kaum die Kraft, sich für ihre Belange starkzumachen. Und dann können sie wegen Ressentiments in Deutschland noch nicht einmal auf eine Forschung hoffen, die ihnen in Zukunft das Leben vielleicht erleichtern könnte.
Wenigstens in dieser Hinsicht ließe sich sagen: Amerika, du hast es besser. Regelmäßig kabeln US-Forscher interessante Nachrichten zu neuen pharmakologischen Therapieansätzen über den Atlantik: Depression in nur 40 Minuten zeitweilig gelöst. Posttraumatische Belastungsstörung erfolgreich behandelt. Doch diesen Weg will man in Deutschland nur halbherzig gehen, leider! Denn die Sache hat einen Haken. Der Ruch des Illegalen umweht die eingesetzten Substanzen: MDMA ist auch bekannt als Partydroge Ecstasy und Ketamin löst Halluzinationen und Nahtod-Erfahrungen aus.
Doch Ketamin verblüfft eben auch die Wissenschaftler. Vor vier Jahren ließ es in scheinbar hoffnungslosen Fällen, bei denen Psychotherapien und zuvor angewendete Medikamente seit Jahren versagt hatten, nach einem Tag bereits bei einem Drittel der behandelten Patienten die Symptome einer Depression verschwinden; und die Wirkung einer einzigen Dosis hielt mindestens eine Woche lang an. Jetzt melden Forscher aus Bethesda, Maryland, dass der Ketamin-Einsatz auch bei der manisch-depressiven (»bipolaren«) Erkrankung funktioniert. Drei Jahre lang haben 18 Probanden, denen sonst nichts mehr half, es erhalten. Innerhalb von 40 Minuten fühlten sie sich wie ausgewechselt. Das dauerte ungefähr drei Tage an.
Um keine falschen Hoffnungen zu wecken: Nur bei wenigen Patienten wurde bislang solche Linderung mittels Drogen erreicht, und es ist unklar, ob die Effekte langfristig anhalten. Aber immerhin zeigen die experimentellen Therapien mögliche Wege zur Behandlung hartnäckiger Fälle auf.
In acht Studien durfte das Ketamin auch in Deutschland zeigen, was es in Bezug auf psychische Störungen vermag. Das war machbar, weil die Substanz zum legalen Repertoire der Narkoseärzte gegen Schmerzen zählt. Somit störte es nicht, dass Ketamin ebenfalls in der Drogenszene verbreitet ist. Ganz anders fällt das Verdikt bei »nicht verkehrsfähigen Stoffen« aus: LSD, Meskalin oder eben auch Ecstasy (MDMA) gelten als verbotene Früchte. Es sind, so die Logik hierzulande, illegale Drogen und deshalb für den klinischen Einsatz am Patienten nicht geeignet.
In den USA sieht man das anders. Gerade haben Wissenschaftler in Belmont, Massachusetts, zum wiederholten Mal die segensreichen Effekte von Ecstasy bei der Posttraumatischen Belastungsstörung demonstriert. In Deutschland wäre diese Studie undenkbar gewesen. Bis auf Weiteres wird sich niemand hierzulande an eine Therapie mit dem Wirkstoff der Discopille wagen. Hier wird ein widersinniger Unterschied aufrechterhalten: Der experimentelle Einsatz von Ketamin ist erlaubt, der von Ecstasy bleibt tabu. Nicht seine chemische Zusammensetzung, sondern erst sein Einsatz macht einen Stoff zur Droge. Oder eben zum Medikament.
- Datum 07.08.2010 - 19:46 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.08.2010 Nr. 32
- Kommentare 27
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Im Zweiten Weltkrieg wurde Heroin als Wundermittel gegen Morphiumsucht (Morphium kann schmerzunempfindlich machen) gepriesen. LSD wurde auch in den Himmel gelobt, bis es dann verteufelt wurde. Es gibt noch viele andere Beispiele von Substanzen, welche erst mit der Zeit ihr wahres Wesen offenbarten.
Das gleiche meine ich beim Ketamin zu sehen: Eine Sustanz, welche mit der Zeit eine sog. Toleranzbildung erzeugt, und den Körper abhängig macht. Ist er einmal süchtig, das heisst, bei Nichteinnahme über eine längere Zeit bilden sich Suchtsymptome, darf der Gefahr einer erneuten Suchtbildung wegen auch nicht die kleinst Menge desselben Giftes verabreicht werden. Dies gilt auch für viele Substanzen, welche eine ähnliche Wirkung besitzen, da auch eine "Quertoleranz" vieler Substanzen besteht.
Ich halte Ketamin für höchst fragwürdig, und hoffe auf langfristige Experimente vor einer Herausgabe in Drogerien ect.
Dann tippe ich mal, dass Sie sich mit der bio-chemischen Wirkung von Ketamin bereits auseinandergesetzt haben und wissen, welche Rezeptoren gehemmt und wie Harmone etc. im Gehirn freigesetzt werden?!
Sie ziehen hier Vergleiche mit LSD, Heroin etc. ohne zu begründen, weshalb so eine Analogie zu den genannten Drogen zulässig sei. Diese Vorgehensweise halte ich für sehr fragwürdig.
Und vergessen Sie nicht, dass auch die Folgen von Alkohol- und Nikotin-Missbrauch verheerend wirken. Trotzdem sind diese Drogen nicht verboten.
In den USA wird auch bereits in wenige Bundesstaaten medizinisch Marihuana verschrieben, weil die gute Wirkungsweise bei Depressionen o.ä. klinisch getestet wurden. In Deutschland besteht bei so etwas auf Grund des "illegalen Hintergrund" noch eine Hemmschwelle, die nicht nachvollziehbar ist, schließlich sind viele Medikamente nur per Rezept erwerbbar, da sie ohne Rezept unter das Betäubungsmittelgesetz fallen würden.
In der Apotheke gibt es viele "Drogen", die jedoch per Rezept als Heilmittel, ohne Verschreibung als illegales Betäubungsmittel klassifiziert werden.
"Das gleiche meine ich beim Ketamin zu sehen: Eine Sustanz, welche mit der Zeit eine sog. Toleranzbildung erzeugt, und den Körper abhängig macht."
Nunja, das trifft meiner Meinung auch bei den vielen legalen Psychopharmaka zu, ist also kein wirkliches Argument. Zum Beispiel beim Beruhigungsmittel Diazepam, das man gerne frustrierten Hausfrauen verschreibt. Ich denke man muss bei jeder Substanz schauen, ob der Positiveffekt den Negativeffekt überwiegt. Wenn ich hier davon lese, dass Ketamin bei schwer depressiven Menschen dazu führt, dass sie sich wie neugeboren fühlen, dann die Forschung mit dieser Substanz zumindest schon einmal eine Berechtigung. Wir sprechen hier ja über eine Gruppe, die eine hohe Suizidrate aufweist. Wenn eine "Droge" hilft, eine Selbsttötung zu vermeiden und dem Patienten ein normales Leben ermöglicht, sollten Abhängigkeitsrisiken wohl hintenanstehen.
Wie verlogen und dogmatisch die Drogengesetzgebung ist, sieht man ja schon beim Cannabiseinsatz. Dort überwiegt der Nutzen zum Beispiel bei Tourette-Syndrom, im Rahmen einer Chemotherapie und in anderen Bereichen bei Weitem das Risiko einer relativ überschaubaren, psychischen Abhängigkeit. Und trotzdem werden die Betroffenen immer noch gezwungen, sich ihr Kraut aus illegalen Quellen zu besorgen.
Dann tippe ich mal, dass Sie sich mit der bio-chemischen Wirkung von Ketamin bereits auseinandergesetzt haben und wissen, welche Rezeptoren gehemmt und wie Harmone etc. im Gehirn freigesetzt werden?!
Sie ziehen hier Vergleiche mit LSD, Heroin etc. ohne zu begründen, weshalb so eine Analogie zu den genannten Drogen zulässig sei. Diese Vorgehensweise halte ich für sehr fragwürdig.
Und vergessen Sie nicht, dass auch die Folgen von Alkohol- und Nikotin-Missbrauch verheerend wirken. Trotzdem sind diese Drogen nicht verboten.
In den USA wird auch bereits in wenige Bundesstaaten medizinisch Marihuana verschrieben, weil die gute Wirkungsweise bei Depressionen o.ä. klinisch getestet wurden. In Deutschland besteht bei so etwas auf Grund des "illegalen Hintergrund" noch eine Hemmschwelle, die nicht nachvollziehbar ist, schließlich sind viele Medikamente nur per Rezept erwerbbar, da sie ohne Rezept unter das Betäubungsmittelgesetz fallen würden.
In der Apotheke gibt es viele "Drogen", die jedoch per Rezept als Heilmittel, ohne Verschreibung als illegales Betäubungsmittel klassifiziert werden.
"Das gleiche meine ich beim Ketamin zu sehen: Eine Sustanz, welche mit der Zeit eine sog. Toleranzbildung erzeugt, und den Körper abhängig macht."
Nunja, das trifft meiner Meinung auch bei den vielen legalen Psychopharmaka zu, ist also kein wirkliches Argument. Zum Beispiel beim Beruhigungsmittel Diazepam, das man gerne frustrierten Hausfrauen verschreibt. Ich denke man muss bei jeder Substanz schauen, ob der Positiveffekt den Negativeffekt überwiegt. Wenn ich hier davon lese, dass Ketamin bei schwer depressiven Menschen dazu führt, dass sie sich wie neugeboren fühlen, dann die Forschung mit dieser Substanz zumindest schon einmal eine Berechtigung. Wir sprechen hier ja über eine Gruppe, die eine hohe Suizidrate aufweist. Wenn eine "Droge" hilft, eine Selbsttötung zu vermeiden und dem Patienten ein normales Leben ermöglicht, sollten Abhängigkeitsrisiken wohl hintenanstehen.
Wie verlogen und dogmatisch die Drogengesetzgebung ist, sieht man ja schon beim Cannabiseinsatz. Dort überwiegt der Nutzen zum Beispiel bei Tourette-Syndrom, im Rahmen einer Chemotherapie und in anderen Bereichen bei Weitem das Risiko einer relativ überschaubaren, psychischen Abhängigkeit. Und trotzdem werden die Betroffenen immer noch gezwungen, sich ihr Kraut aus illegalen Quellen zu besorgen.
Psychopharmaka sind prinzipiell nur für eine Symptomkontrolle bei psychischen Störungen geeignet, eine tatsächliche Behandlung der Störung ist ohne Psychotherapie nicht möglich.
Ohne Psychotherapie ist beim Absetzen der Medikamente das Störungsbild also weiterhin unverändert vorhanden.
Des Weiteren ist eine Psychotherapie bei gleichzeitiger medikamentöser Behandlung im Regelfall deutlich weniger wirksam, bzw. zum Teil sogar völlig unwirksam.
Wenn man sich nun die Langzeitwirkungen von zB. MDMA, im Sinne von Abhängigkeit aber auch kognitiven Einschränkungen ansieht, ist ein langfristiger Einsatz wohl nicht empfehlenswert.
Sinnvoll wäre der Einsatz solcher Medikamente also nur für eine sehr kleine Anzahl an Patienten, bei denen tatsächlich keine anderen Therapien mehr anschlagen, und die demenstprechend der Symptomkontrolle bedürfen. Und auch für diese Patientengruppe ist die langfristige Wirkung der Behandlung noch völlig unklar.
Man sollte sich deshalb eindeutig die Frage stellen, ob das Risiko einer zB. Ecstasy-Legalisierung durch die Hintertür, mit allen theoretischen Missbrauchsmöglichkeiten, im Verhältnis zum Nutzen für den Patienten stehen würde.
>Des Weiteren ist eine Psychotherapie
>bei gleichzeitiger medikamentöser
>Behandlung im Regelfall deutlich
>weniger wirksam, bzw. zum Teil
>sogar völlig unwirksam.
Können Sie für diese recht abenteuerlich klingende und ideologisch motiviert erscheinende Behauptung seriöse Quellen angeben?
Naiverweise würde man ja das genaue Gegenteil erwarten --- dass beide Therapien gemeinsam die beste Wirkung erzielen.
(Das würde mich ehrlich interessieren; vielleicht stimmt es ja sogar; nur leider weiß man ja nie, wer hinter den Postern im Zeitforum steckt; hier werden ja gerne die krudesten Theorien verbreitet.)
>Des Weiteren ist eine Psychotherapie
>bei gleichzeitiger medikamentöser
>Behandlung im Regelfall deutlich
>weniger wirksam, bzw. zum Teil
>sogar völlig unwirksam.
Können Sie für diese recht abenteuerlich klingende und ideologisch motiviert erscheinende Behauptung seriöse Quellen angeben?
Naiverweise würde man ja das genaue Gegenteil erwarten --- dass beide Therapien gemeinsam die beste Wirkung erzielen.
(Das würde mich ehrlich interessieren; vielleicht stimmt es ja sogar; nur leider weiß man ja nie, wer hinter den Postern im Zeitforum steckt; hier werden ja gerne die krudesten Theorien verbreitet.)
Natürlich hat LSD 25 eine große Therapeutische Wirkung und es wird auch gemacht. Die legale Variante ist das Holotrope Atmen. Die Lügerei in Bezug zu Drogen und ihren Suchtpotentialen ist schon fast manisch und hat ganz andere Gründe. Die Erfahrungen können nämlich so groß werden das die Leute nicht mehr in die gesellschaftliche Schablone passen. Bei Hanf geht es gar nicht um die Droge sondern um die Faser.
Sie macht die Baumwollproduzenten als auch die Waldbesitzer pleite, einige Urwälder wären ja auch nicht schlecht.
Dann tippe ich mal, dass Sie sich mit der bio-chemischen Wirkung von Ketamin bereits auseinandergesetzt haben und wissen, welche Rezeptoren gehemmt und wie Harmone etc. im Gehirn freigesetzt werden?!
Sie ziehen hier Vergleiche mit LSD, Heroin etc. ohne zu begründen, weshalb so eine Analogie zu den genannten Drogen zulässig sei. Diese Vorgehensweise halte ich für sehr fragwürdig.
Und vergessen Sie nicht, dass auch die Folgen von Alkohol- und Nikotin-Missbrauch verheerend wirken. Trotzdem sind diese Drogen nicht verboten.
In den USA wird auch bereits in wenige Bundesstaaten medizinisch Marihuana verschrieben, weil die gute Wirkungsweise bei Depressionen o.ä. klinisch getestet wurden. In Deutschland besteht bei so etwas auf Grund des "illegalen Hintergrund" noch eine Hemmschwelle, die nicht nachvollziehbar ist, schließlich sind viele Medikamente nur per Rezept erwerbbar, da sie ohne Rezept unter das Betäubungsmittelgesetz fallen würden.
In der Apotheke gibt es viele "Drogen", die jedoch per Rezept als Heilmittel, ohne Verschreibung als illegales Betäubungsmittel klassifiziert werden.
Die beiden vorherigen Kommentare weisen wieder die typische haltlosen Anti-Drogen -Argumentationen auf.
Weswegen wurde LSD denn verteufelt? Egal, weil es halt eine böse Droge ist! Und süchtig macht LSD erwiesenermaßen nicht. Auch MDMA hat kaum Suchpotential und das es zu kognitive Einschränkungen kommt ist auch ein urbane Legende.
Das Substanzen nach und nach verboten wurden hat nichts mit ihrer Gefährlichkeit zu tun, wenn man danach geht musste man als erstes den Alkohol verbieten.
Nach einer Studie von David Nutt und Kollegen liegt MDMA in der Gefährlichkeit auf Platz 18 von 20 Drogen. LSD belegt Platz 14 und auch Ketamin liegt hinter Alkohol, der sich auf Platz 6 befindet.
Dies zeigt, wie verzerrt das Bild über Drogen in der Öffentlichkeit ist und wie sinnlos und willkürlich die Einteilung in harte und schwache Drogen.
Prohibition verhindert nicht den Missbrauch, sie fördert das organisierte Verbrechen und damit verbundene gewalttätige Auseinandersetzung,erzeugt Beschaffungskriminalität, schadet den Konsumenten (durch verunreinigte/nicht regulierte Substanzen des Schwarzmarktes) und fördert Stigmatisierung sowie die Isolierung von Abhängigen.
An 'Das ...':
1. In meinem ersten Beitrag habe ich nicht über Drogen diskutiert, sondern darüber, das in diesem Artikel für meines Erachtens wenig sinnvolle Pharmakotherapien geworben wird.
Dies habe ich mit dem Hinweis darauf unterstützt, dass die verwendeten Psychopharmaka negative Langzeitwirkungen haben.
Dabei ist es leider keine urbande Legende, dass ein dauerhafter MDMA-Gebrauch zu schweren neuronalen Schädigungen führt. Das dies auch auf die kognitiven Fähigkeiten Auswirkungen haben kann zeigen zum Beispiel Gouzoulis-Mayfrank et al. (2002). Genauso ist das Suchtpotential von Amphetaminen zwar gering, aber bei einer langfristigen Anwendung (und die wäre bei einer Pharmakotherapie schließlich notwendig)trotzdem vorhanden. Die von mir verwendete Argumentation als haltlos zu bezeichnen, kann ich also nicht nachvollziehen.
2. Ein Hinweis auf die Gefährlichkeit von Alkohol bedeutet leider nicht, dass andere Suchtmittel deswegen ungefährlich sind. Zu keinem Zeitpunkt wurde hier argumentiert, dass die Legalität von Alkohol sinnvoll wäre, oder das Alkohol weniger gefährlich sei als illegale Drogen, sie implizieren lediglich, dass diese Meinung vertreten würde. In der Argumentation ging es lediglich darum, dass Psychopharmaka-Missbrauch gefährlich ist.
An einer Diskussion über die Legalisierung von Drogen möchte ich mich hier nicht beteiligen, bitte instrumentalisieren Sie meine Aussage auch nicht für eine solche Diskussion.
Dazu kommt, dass ein Großteil des Schadens den illegale Drogen verursachen erst durch die Prohibition ermöglicht wurde. Sämtliche Todesfälle durch Heroin ereignen sich z.B. durch Überdosierungen, verursacht durch schwankende Wirkstoffkonzentrationen, die es in einem legalen, regulierten Markt wie dem für alkoholische Getränke nicht gäbe.
Von praktischen Überlegungen wie der Frage, was in den Produzentenländern alles durch diesen Schwarzmarkt finanziert wird und der erheblichen Kosten durch die Strafverfolgung von Menschen hierzulande, die keinem dritten schaden, abgesehen, ist es auch ein merkwürdiges Menschenbild, welches zu der Auffassung führt, dass der Staat für den Einzelnen entscheiden sollte, was er in seiner Freizeit tut. Eventuelle Mehrkosten für das Gesundheitssystem sind durch Steuern wie im Fall von Tabak und Alkohol wiedereinzuholen, wobei von Mehrkosten für den Staat insgesamt, wie bereits zum Teil dargelegt und weil eine Legalisierung anderer Drogen vermutlich zu weniger Alkoholkonsum führte, nicht auszugehen wäre.
An 'Das ...':
1. In meinem ersten Beitrag habe ich nicht über Drogen diskutiert, sondern darüber, das in diesem Artikel für meines Erachtens wenig sinnvolle Pharmakotherapien geworben wird.
Dies habe ich mit dem Hinweis darauf unterstützt, dass die verwendeten Psychopharmaka negative Langzeitwirkungen haben.
Dabei ist es leider keine urbande Legende, dass ein dauerhafter MDMA-Gebrauch zu schweren neuronalen Schädigungen führt. Das dies auch auf die kognitiven Fähigkeiten Auswirkungen haben kann zeigen zum Beispiel Gouzoulis-Mayfrank et al. (2002). Genauso ist das Suchtpotential von Amphetaminen zwar gering, aber bei einer langfristigen Anwendung (und die wäre bei einer Pharmakotherapie schließlich notwendig)trotzdem vorhanden. Die von mir verwendete Argumentation als haltlos zu bezeichnen, kann ich also nicht nachvollziehen.
2. Ein Hinweis auf die Gefährlichkeit von Alkohol bedeutet leider nicht, dass andere Suchtmittel deswegen ungefährlich sind. Zu keinem Zeitpunkt wurde hier argumentiert, dass die Legalität von Alkohol sinnvoll wäre, oder das Alkohol weniger gefährlich sei als illegale Drogen, sie implizieren lediglich, dass diese Meinung vertreten würde. In der Argumentation ging es lediglich darum, dass Psychopharmaka-Missbrauch gefährlich ist.
An einer Diskussion über die Legalisierung von Drogen möchte ich mich hier nicht beteiligen, bitte instrumentalisieren Sie meine Aussage auch nicht für eine solche Diskussion.
Dazu kommt, dass ein Großteil des Schadens den illegale Drogen verursachen erst durch die Prohibition ermöglicht wurde. Sämtliche Todesfälle durch Heroin ereignen sich z.B. durch Überdosierungen, verursacht durch schwankende Wirkstoffkonzentrationen, die es in einem legalen, regulierten Markt wie dem für alkoholische Getränke nicht gäbe.
Von praktischen Überlegungen wie der Frage, was in den Produzentenländern alles durch diesen Schwarzmarkt finanziert wird und der erheblichen Kosten durch die Strafverfolgung von Menschen hierzulande, die keinem dritten schaden, abgesehen, ist es auch ein merkwürdiges Menschenbild, welches zu der Auffassung führt, dass der Staat für den Einzelnen entscheiden sollte, was er in seiner Freizeit tut. Eventuelle Mehrkosten für das Gesundheitssystem sind durch Steuern wie im Fall von Tabak und Alkohol wiedereinzuholen, wobei von Mehrkosten für den Staat insgesamt, wie bereits zum Teil dargelegt und weil eine Legalisierung anderer Drogen vermutlich zu weniger Alkoholkonsum führte, nicht auszugehen wäre.
An 'Das ...':
1. In meinem ersten Beitrag habe ich nicht über Drogen diskutiert, sondern darüber, das in diesem Artikel für meines Erachtens wenig sinnvolle Pharmakotherapien geworben wird.
Dies habe ich mit dem Hinweis darauf unterstützt, dass die verwendeten Psychopharmaka negative Langzeitwirkungen haben.
Dabei ist es leider keine urbande Legende, dass ein dauerhafter MDMA-Gebrauch zu schweren neuronalen Schädigungen führt. Das dies auch auf die kognitiven Fähigkeiten Auswirkungen haben kann zeigen zum Beispiel Gouzoulis-Mayfrank et al. (2002). Genauso ist das Suchtpotential von Amphetaminen zwar gering, aber bei einer langfristigen Anwendung (und die wäre bei einer Pharmakotherapie schließlich notwendig)trotzdem vorhanden. Die von mir verwendete Argumentation als haltlos zu bezeichnen, kann ich also nicht nachvollziehen.
2. Ein Hinweis auf die Gefährlichkeit von Alkohol bedeutet leider nicht, dass andere Suchtmittel deswegen ungefährlich sind. Zu keinem Zeitpunkt wurde hier argumentiert, dass die Legalität von Alkohol sinnvoll wäre, oder das Alkohol weniger gefährlich sei als illegale Drogen, sie implizieren lediglich, dass diese Meinung vertreten würde. In der Argumentation ging es lediglich darum, dass Psychopharmaka-Missbrauch gefährlich ist.
An einer Diskussion über die Legalisierung von Drogen möchte ich mich hier nicht beteiligen, bitte instrumentalisieren Sie meine Aussage auch nicht für eine solche Diskussion.
Oft entdeckt man zwischen den Mainstream-Nachrichten echte Perlen. Z.B. kursiert manchmal irgendwo unten auf Zeit.de ein aufklärender Artikel über die rücksichtslose Zerstörung der Ökologie von Entwicklungsländern (also wenn die Loveparade mal kurz Atempause hat) - oder eben über Drogen.
Schade find ich nur, dass sich an diesen Artikel keine Emotionen anknüpfen, selbst die Kommentarseiten sind fast leer. Auch der Autor selbst wird sich nur über das Geschriebene zufrieden zurücklehnen - es fehlt einfach der Aktionismus in Deutschland und vor allem eine ernsthafte Debatte über die Legalisierung von Drogen. Die Grünen könnten sich das doch erlauben, die Ressentiment-Renter wählen eh alle CDU.
"Das gleiche meine ich beim Ketamin zu sehen: Eine Sustanz, welche mit der Zeit eine sog. Toleranzbildung erzeugt, und den Körper abhängig macht."
Nunja, das trifft meiner Meinung auch bei den vielen legalen Psychopharmaka zu, ist also kein wirkliches Argument. Zum Beispiel beim Beruhigungsmittel Diazepam, das man gerne frustrierten Hausfrauen verschreibt. Ich denke man muss bei jeder Substanz schauen, ob der Positiveffekt den Negativeffekt überwiegt. Wenn ich hier davon lese, dass Ketamin bei schwer depressiven Menschen dazu führt, dass sie sich wie neugeboren fühlen, dann die Forschung mit dieser Substanz zumindest schon einmal eine Berechtigung. Wir sprechen hier ja über eine Gruppe, die eine hohe Suizidrate aufweist. Wenn eine "Droge" hilft, eine Selbsttötung zu vermeiden und dem Patienten ein normales Leben ermöglicht, sollten Abhängigkeitsrisiken wohl hintenanstehen.
Wie verlogen und dogmatisch die Drogengesetzgebung ist, sieht man ja schon beim Cannabiseinsatz. Dort überwiegt der Nutzen zum Beispiel bei Tourette-Syndrom, im Rahmen einer Chemotherapie und in anderen Bereichen bei Weitem das Risiko einer relativ überschaubaren, psychischen Abhängigkeit. Und trotzdem werden die Betroffenen immer noch gezwungen, sich ihr Kraut aus illegalen Quellen zu besorgen.
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