Es gibt in Deutschland die Banken, die sich mit Stresstests herumschlagen müssen, mit schlechten Noten für ihre Beratung und mit misstrauischen Kunden. Und es gibt die Ökobanken. Denen laufen die Sparer seit einiger Zeit nur so zu. »Wir kommen kaum hinterher«, stöhnt mancher Vertreter dieser nachhaltig investierenden Institute, die sich an sozialen und ethischen Maßstäben orientieren. Sie sind so etwas wie die Bioläden der Finanzbranche.

Die GLS Bank, die größte der deutschen Ökobanken, hat bis Juli mehr neue Kunden gewonnen als im gesamten vergangenen Jahr – 2000 jeden Monat. Die Einlagensumme legte 2009 um gut 30 Prozent zu. Und das nicht zum ersten Mal: In den Jahren davor waren es jeweils mehr als 20 Prozent. Andere soziale Banken verzeichneten einen ähnlichen Zulauf. »Diese Wachstumsraten zeigen, dass der Markt explodiert«, sagt Matthias Köhler vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Doch wird das so weitergehen? Kritiker unken, die sozialen Banken seien bloß Krisengewinnler und ihr aktueller Zulauf sei ein vorübergehendes Phänomen. Andere nehmen die Ökobanken grundsätzlich nicht ernst. Die älteste, die GLS Bank, ist seit 36 Jahren aktiv und mit einer Bilanzsumme von 1,4 Milliarden Euro unter ihresgleichen Marktführer. Das aber ist nicht einmal ein Tausendstel dessen, was die Deutsche Bank in den Büchern hat.

»Der Marktanteil der sozialen Banken ist erschreckend gering«, sagt Köhler. Von den etwa einem halben Dutzend Konkurrenten der GLS Bank – wie viele es sind, weiß die Branche selbst nicht genau – kennt kaum jemand die Namen, sie haben Kundenkarteien, die in Visitenkartenschachteln passen. Insgesamt kommen die sozialen Banken in Deutschland auf gerade mal 200.000 Kunden.

Trotzdem sind viele überzeugt: Dem Social Banking, wie das Geschäft der Ökobanken auf Neudeutsch heißt, gehört die Zukunft. »Ethisch einwandfreies Verhalten wird für jeden Finanzdienstleister zu einem langfristig entscheidenden Wettbewerbsfaktor«, sagt der Marketingexperte Walter Capellmann. Nach einer aktuellen ZEW-Umfrage unter 236 Experten aus dem Finanzsektor glaubt jeder zweite Manager der Finanzbranche, Social Banking werde zum langfristigen Trend im Bankensystem. Und in der Tat wünscht sich die Hälfte aller Bundesbürger, ihr Geld nachhaltig anzulegen.

Einerseits spielt den »guten Bankern«, wie sie genannt werden, die Finanzkrise in die Hände, helfen ihnen die Diskussionen um Schrottpapiere, Bankenrettungen und Millionengehälter, die dem Image der traditionellen Banken geschadet haben. »Vielen Menschen sagt das Bauchgefühl: In unserem Bankensystem stimmt etwas nicht«, sagt Katharina Beck vom Institute for Social Banking. »Geld ist zum Selbstzweck geworden. Die meisten Leute, die Geld anlegen, wissen gar nicht, dass sie womöglich Kinderarbeit damit unterstützen, Waffenhandel oder Umweltzerstörung. Manche erkennen erst jetzt, welche Steuerungsfunktion Geld hat und wie wichtig es ist, wem man es in die Hand gibt.«

Die sozialen Banken versprechen den Kunden, dass ihr Geld nur in Umwelt-, Kultur- oder Bildungsprojekte fließt. Wohin genau, das lässt sich in ihren Rechenschaftsberichten nachlesen. Am weitesten geht dabei die GLS Bank, die jeden einzelnen Kredit aufführt, ob ihn nun ein Biobäcker bekommen hat oder eine Waldorfschule. Das ist Transparenz, wie Kunden sie sich zunehmend wünschen.