HoteltestKleider machen Räume

Das Maison Moschino in Mailand ist traumhaft schön eingerichtet. Leider träumt auch der Service von 

Nicht cheap, aber chic: das Hotel Maison Moschino in Mailand

Nicht cheap, aber chic: das Hotel Maison Moschino in Mailand   |  © Design Hotels(tm)

Es ist ziemlich in Mode gekommen, dass sich Modemacher ein schickes Hotel gönnen. Christian Lacroix besitzt eins in Paris, Armani ist in New York und Dubai vertreten, Missoni eröffnete vor einiger Zeit in der Altstadt von Edinburgh eine kunterbunte Herberge, und Diane von Furstenberg kümmerte sich jüngst um den neuen Look von 20 Zimmern im Londoner Art-déco-Hotel Claridges. Etwas merkwürdig kam es einem da vor, dass ausgerechnet in Mailand lange Zeit nichts passierte.

Doch inzwischen hat auch Italiens Modestadt ein sogenanntes Fashion-Hotel. Es liegt gleich um die Ecke des Corso Como. In einer Gegend, über die vor Jahren kein Mensch sprach.

Anzeige
Süße Träume: Zimmer mit Cupcake-Kissen und Keks-Kronleuchter

Süße Träume: Zimmer mit Cupcake-Kissen und Keks-Kronleuchter  |  © Design Hotels(tm)

Aber wie das so ist: Da eröffnet eine Frau ein Geschäft mit schrägem Damenfummel und ausgefallenen Accessoires, und ihre Schwester, die zufällig die italienische Vogue leitet, sagt mal so ganz beiläufig, dass der Trend zum Corso Como führt, und schon ist alles paletti.

Keks statt Kristall: Im schlanken Mailand wird sich mancher Gast nach diesem Leuchter verzehren

Keks statt Kristall: Im schlanken Mailand wird sich mancher Gast nach diesem Leuchter verzehren  |  © Design Hotels(tm)

Da traf es sich auch ganz gut, dass die denkmalgeschützte Bahnstation aus dem 19. Jahrhundert noch zu vergeben war. Designer des Modelabels Moschino haben daraus das Maison Moschino gemacht, ein kleines, märchenhaftes Hotel.

Boudoir-Fantasie: In roten Roben schlafen

Boudoir-Fantasie: In roten Roben schlafen  |  © Design Hotels(tm)

Man betritt eine Lobby, die weiß und rein wie ein Hochzeitskleid wirkt, und ein solches ist dort auch zu sehen: schlicht und elegant und umfunktioniert zu einer Stehlampe. Wolken hängen von der Decke, Schäfchen auch, niedlich. Links die Bar, so schlicht, dass man sie fast übersieht, rechts der Empfangstresen. Zimmer 406 hat der Rezeptionist für den Gast vorgesehen. Mit dem Aufzug ist man schnell da. Und steht dann in so etwas wie einem Darkroom.

Wände, Boden, Möbel und die schräge Decke unter dem Dach – alles Dunkelblau. Das Licht zudem so schummerig, dass man Mühe hat, wieder hinauszufinden. Der Rezeptionist ist gar nicht überrascht, dass Höhle 406 einem die Psyche martert. Er drückt dem Gast die Karte für Zimmer 102 in die Hand und bittet seinen Kollegen, mal mitzugehen.

Der Kollege sieht ein wenig aus wie ein Landbursche aus einem Pasolini-Film, zu schlaksig für seinen Anzug, er lächelt aber apart. Auf die Frage, wie lange das Restaurant geöffnet hat, sagt er: »Me not speek English.«

Moschinos Humor spiegelt sich in den Räumen wider

Moschinos Humor spiegelt sich in den Räumen wider  |  © Design Hotels(tm)

Im ersten Stock hängen alte Zimmerschlüssel vor einem Lichtband, das sich durch den ganzen Flur zieht. Der Angestellte sagt kein Wort mehr, aber er gestikuliert mit den Armen wie in einer Parodie auf das Hotelleben. Franco Moschino hätte das gefallen.

Der Modeschöpfer, der im Alter von 44 Jahren an Aids starb, war ein theatralischer Mensch und ein gnadenloser Komiker. In einem Restaurant ließ er einmal Kellner seine Mode vorführen und die Models servieren. Journalisten stellte er Torten auf die Tische, damit sie seine Mitstreiter bewarfen. Gleichzeitig kämpfte er für Menschenrechte und Tierschutz.

Dass dieses Hotel eine kleine Hommage an den großen Modemacher ist, zeigt sich auch in Zimmer 102: Wo immer man hinsieht, entdeckt man goldene Herzen. In die dicken Stofftapeten, in die Gardinen und selbst in den dunklen Holzboden sind Herzmuster eingestanzt. Sehr romantisch. Beherzt schläft man ein.

Nie wieder falsch liegen: Alle Hoteltests im Überblick

Nie wieder falsch liegen: Alle Hoteltests im Überblick   |  © www.klocke-verlag.de

Am nächsten Morgen ist man gewillt, den Tag mit ein bisschen Fitness zu beginnen. Einige Zimmertüren stehen offen, weil die Zimmermädchen schon aktiv sind.

Es ist, als stünden sie inmitten der prächtigsten Bühnenbilder: In einem Raum hängt ein dunkelrotes Samtkleid über dem Bett, vom Kronleuchter baumeln die Blüten von Seidenrosen herab. Ein anderes thematisiert den Wald, mit echten Bäumen als Bettpfosten und einer Eule als Nachttischlämpchen. Ein weiteres, mit Schachteln und Schatullen, alles in Weiß, ist die Inszenierung eines exklusiven Modeladens.

Leserkommentare
  1. nur für Leute mit kleinem Geldbeutel!!

    www.cheap-flight-service.com

    einfach unverbindliche Buchungsanfrage abschicken.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service