Frauenquote "2012 ziehen wir Bilanz"

Über Quoten in Aufsichtsräten und das Verhältnis von Frauen zur Macht – ein Interview mit Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

DIE ZEIT: Im Juni hat die Regierungskommission für gute Unternehmensführung die deutschen Konzerne verpflichtet, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen . Sie, Frau Ministerin, nannten das die »letzte Chance«, eine Quote zu vermeiden. Wie viel Zeit geben Sie der Wirtschaft?

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: Ich erwarte, dass diese Selbstverpflichtung sehr ernst genommen wird. Im Jahr 2012 werden wir Bilanz ziehen und uns fragen: Entspricht das, was bis dahin geschehen ist, den Vorstellungen der Regierung – oder reicht es nicht aus?

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ZEIT: Sie wollen bis 2012 einfach abwarten?

Leutheusser-Schnarrenberger: Nein, wir werden uns sicher nicht gelassen zurücklehnen und sagen: Zur Wiedervorlage in 18 Monaten. Wir müssen jetzt handeln, indem wir den Unternehmen in direkten Gesprächen sowie über den Austausch mit der Regierungskommission aktiv deutlich machen, dass sie wesentlich mehr Frauen in die Aufsichtsräte – und am besten auch in die Vorstände – bringen müssen. Diesen Prozess wird die Bundesregierung von Anfang an unterstützen. Es geht um aktive Überzeugungsarbeit, darum, dass man, ob aus heller Begeisterung oder aus Ratio, den Weg gemeinsam geht. Am Ende müssen wir uns am Koalitionsvertrag messen und fragen lassen: Muss der Gesetzgeber nun aktiv werden, ja oder nein?

ZEIT: Wenn Sie 2012 zu dem Schluss kommen, die Wirtschaft hat ihre letzte Chance vertan, geht es dann direkt um die Frauenquote für Aufsichtsräte?

Leutheusser-Schnarrenberger: Vorweg: Ich bin keine Anhängerin einer Quote und habe keinen Gesetzentwurf dafür in der Schublade, auch kein Arbeitspapier. Aus vielen Gesprächen gerade mit jungen Frauen weiß ich, dass das Thema Quote nicht positiv besetzt ist und diese Art von Regulierung kritisch gesehen wird. Aber um es deutlich zu sagen: Am Ende kann es sein, dass eine Regierung aus Union und FDP keinen anderen Weg sieht, als zum Instrument der Quote zu greifen. Da bin ich mit Familienministerin Kristina Schröder einer Meinung. Wir stehen bei diesem Thema Seite an Seite und werden 2012 genau hinsehen, wie ernst es den Unternehmen mit der Selbstverpflichtung war. Wenn bis dahin nichts Substanzielles geschehen ist, neige ich dazu, gemeinsam mit den Fraktionen über eine gesetzliche Quote zu sprechen.

ZEIT: Woran knüpfen Sie die Hoffnung, dass sich die Wirtschaft dieses Mal bewegt?

Leutheusser-Schnarrenberger: Das Selbstverständnis und das Denken der Verantwortlichen haben sich verändert. Heute würde niemand mehr daran zweifeln, dass Frauen in Führungspositionen überzeugen können. Auch die Regierungskommission ist deutlich weiter. Ihr Verhaltenskodex ist in dieser Frage nun erfreulich konkret.

ZEIT: Mit Verlaub, Frau Ministerin, der Passus, börsennotierte Firmen sollten eine »angemessene« Frauenbeteiligung »anstreben«, ist wachsweich.

Leutheusser-Schnarrenberger: Mich beeindruckt sehr, dass der heutige Vorsitzende Klaus-Peter Müller die Defizite klar benennt, etwas verändern will und nach neuen Wegen sucht – obwohl er damit in der Wirtschaft und der eigenen Kommission nicht nur auf Begeisterung stößt. Er braucht unsere Unterstützung, um alle Beteiligten auf dem gemeinsamen Weg durch Überzeugung mitzunehmen. Wir wollen jetzt auch weitere Frauen in die Kommission berufen. Bisher findet sich unter ihren zwölf Mitgliedern nur eine Frau. Herr Müller und ich sind dazu gerade im Gespräch.

Leser-Kommentare
  1. wenigstens eine aus der FDP sei gut. Man kann nicht Personalmangement/Politik jenseits der Präferenzen der Bürger betreiben, ohne dass es zu Kompetenzverlusten kommt. Wieso halten Schnarrenberger und vdL an einem Instrument fest, dass selbst von der Zielgruppe klar abgelehnt wird (siehe Frage 3) ?

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    • Buh
    • 04.08.2010 um 12:33 Uhr

    ..von der "Zielgruppe" klar abgelehnt?
    Ich gehöre zufällig zu dieser wie auch immer zu definierenden Zielgruppe, sag ich ejtzt einfach mal, und setze mich seit eh und je FÜR die quotierung aus, nachdem wir es immernoch nicht schaffen Frauen und Möänner im Beruf gleich zu behandeln braucht es eine entsprechende Quotierung bei höheren Stellen.

    • joG
    • 05.08.2010 um 5:45 Uhr

    ...als nicht unproblematisch sehe, scheint sie in diskutierbar Verbesserungen erreichen zu können, wenn man sie richtig strukturiert. Allerdings gibt es auch andere Methoden, die vermutlich ohne grössere neue Gesetze aus kämen. So ist mW bereits heute eine Diskriminierung verboten. Man diskriminiert jedoch dauernd, was sich an der Statistik zeigt. So wäre ein Anfangsverdacht recht leicht aufzutun, wenn man wollte. Man wollte nur nie.

    Vermutlich sind zwar die Strafen für Diskriminierung relativ gering und die Schadenssummen ebenfalls. Bei der großen Zahl würde aber die Sache sehr teuer für Unternehmen und sie würden sich wahrscheinlich ändern.

    • Buh
    • 04.08.2010 um 12:33 Uhr

    ..von der "Zielgruppe" klar abgelehnt?
    Ich gehöre zufällig zu dieser wie auch immer zu definierenden Zielgruppe, sag ich ejtzt einfach mal, und setze mich seit eh und je FÜR die quotierung aus, nachdem wir es immernoch nicht schaffen Frauen und Möänner im Beruf gleich zu behandeln braucht es eine entsprechende Quotierung bei höheren Stellen.

    • joG
    • 05.08.2010 um 5:45 Uhr

    ...als nicht unproblematisch sehe, scheint sie in diskutierbar Verbesserungen erreichen zu können, wenn man sie richtig strukturiert. Allerdings gibt es auch andere Methoden, die vermutlich ohne grössere neue Gesetze aus kämen. So ist mW bereits heute eine Diskriminierung verboten. Man diskriminiert jedoch dauernd, was sich an der Statistik zeigt. So wäre ein Anfangsverdacht recht leicht aufzutun, wenn man wollte. Man wollte nur nie.

    Vermutlich sind zwar die Strafen für Diskriminierung relativ gering und die Schadenssummen ebenfalls. Bei der großen Zahl würde aber die Sache sehr teuer für Unternehmen und sie würden sich wahrscheinlich ändern.

  2. 2. Fake,

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit ausführlichen Thesen und Argumenten an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/sh

    • da_sa
    • 04.08.2010 um 12:22 Uhr

    Ich verstehe den Sinn einer solchen Quote nicht. Ich sehe nur, dass somit Positionen mit Menschen besetzt werden, die aufgrund ihres Geschlechtes ausgesucht worden sind oder diese Stelle deswegen bekommen haben. Eine Qualifikation oder selbst persönliche Beziehungen werden ausgehebelt. Persönliche Ambitionen kommen somit nicht mehr zur Geltung.

    Aus dem Artikel kommt mir stark der Verdacht vor, dass es eine Unterstellung gibt, dass Frauen auch gleichzeitig Mütter sein müssen. Meiner Erfahrung her ist Mutter und Beruf nicht vereinbar, ich kenne keine erfolgreiche Beispiele. Jedenfalls nicht aus bürgerlichen Schichten.

    Steigt der Karrierewille einer Person, auch Frauen, singt der Wille zum Kinder haben. Der Mensch wird zur Maschine und zur Rolle, die von ihm erwartet wird. Energie für Kinder und Familie bleibt deshalb in unserer Gesellschaft nicht viel übrig. Der Hunger von den differenzierten Systeme an Energie von den teilnehmenden Rollen ist zu stark, dass ein alltäglicher Wechsel der Rollen, die ein Mensch bekleiden kann, stattfinden kann. Die System sind zu effizient geworden...

    Somit will ich behaupten, dass eine Mutterrolle, die eine Erfüllung in den Systemen sucht, nicht gibt. Eine Quote bringt hier nichts...

    Finde ich als Mann auch unfair!

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    Familiengründen und Mutterwerden. Mit solche Anwälten? Da muss man ja nur auf den Namen schauen.

    • Buh
    • 04.08.2010 um 12:44 Uhr

    bevor sie durch falsche annahmen etwas entsprechend falsch kritisieren.

    "!Eine Qualifikation oder selbst persönliche Beziehungen werden ausgehebelt. "

    Nein wird sie nicht. Die Qualifikation wird nicht ausgehebelt. Bezeihungen..ja. Sollen sie ja auch. Jemand sollte nicht vorrankommen, weil er der Bruder, freund oder Sohn von jemanem ist, sondern weil er oder sie qualifiziert ist. Daher gilt bei Quoten das gebot: Bevorzugung bei gleicher Qualifikation. Und zwar nur dahingehend, dass eine bestimmte Quote erreicht werden kann. Möglicsht so, dass Fruaen und Mönner in ausgeglichenen teilen arbeiten. bisher ist da ein krasses Ungleichgewicht zum nachteil der frauen.,

    Man kann also nicht mutter sein und Arbeiten? ihre ansichten sind veraltet! Meine Mutter hat 4 Kinder und in ihrem Leben 3 Restaurants geführt!!! Alle meine freunde haben arbeitende Mütter. Das sit heute schon fast normal. Deswegen braucht es ja Kidnergärten und Ganzstagsbetreuund. Damit Frauen arbeiten können, wenn sie es möchten. Und damit Kinder eine gute Bildungschacne bekommen.

    Ihren letzen Absatz verstehe ich nicht. vielleicht mögen sie den nochmal genauer erklären.

    daß es solche auffassungen wie die ihren wirklich noch gibt! ich weiß ja nicht, in welcher realität sie leben oder in welcher zeitschleife sie hängen geblieben sind. aber ich bin in einer zeit groß geworden, in der frauen gefördert wurden, in gewissem sinne gleich erzogen wie die jungen, ihren interessen gemäß, sogar stärker in richtung auf naturwissenschaften und technik. und da ich bereits zur zweiten generation gehörte, der das widerfuhr, konnte ich bereits auf eine müttergeneration zurückgreifen, die stolz auf das von ihnen erreichte war und mich daran orientieren. und mathematik und logik hat auch mich begeistert und ich ließ mich gerne darauf ein, nicht nur nicht behindert, sondern durch arbeitsgemeinschaften etc. schon in der kindheit und später in ausbildung, studium und beruf gefördert.
    dies fand freilich in der vielgescholtenen ddr statt. nach der "wende" aber fand ich mich trotz vielmaliger anläufe, weiterbildungen etc. zurückgeworfen allein auf die rolle als frau. nicht ernst genommen mit meinen formellen qualifikationen und den zugehörigen erfahrungen. gedrängt in den sozialbereich, der nun schon einige jahre sukzessive niedergewalzt wird - gegen alle logik, denn gerade der sozialbereich wäre wichtig zu stärken für unsere gesellschaft. und man wundert sich und wundert sich über die ergebnisse, die das bringt. und ich frage mich mitunter, wo ich denn hier gelandet bin. in die steinzeit zurückgefallen, ins mittelalter oder vllt. nach schilda?

    Familiengründen und Mutterwerden. Mit solche Anwälten? Da muss man ja nur auf den Namen schauen.

    • Buh
    • 04.08.2010 um 12:44 Uhr

    bevor sie durch falsche annahmen etwas entsprechend falsch kritisieren.

    "!Eine Qualifikation oder selbst persönliche Beziehungen werden ausgehebelt. "

    Nein wird sie nicht. Die Qualifikation wird nicht ausgehebelt. Bezeihungen..ja. Sollen sie ja auch. Jemand sollte nicht vorrankommen, weil er der Bruder, freund oder Sohn von jemanem ist, sondern weil er oder sie qualifiziert ist. Daher gilt bei Quoten das gebot: Bevorzugung bei gleicher Qualifikation. Und zwar nur dahingehend, dass eine bestimmte Quote erreicht werden kann. Möglicsht so, dass Fruaen und Mönner in ausgeglichenen teilen arbeiten. bisher ist da ein krasses Ungleichgewicht zum nachteil der frauen.,

    Man kann also nicht mutter sein und Arbeiten? ihre ansichten sind veraltet! Meine Mutter hat 4 Kinder und in ihrem Leben 3 Restaurants geführt!!! Alle meine freunde haben arbeitende Mütter. Das sit heute schon fast normal. Deswegen braucht es ja Kidnergärten und Ganzstagsbetreuund. Damit Frauen arbeiten können, wenn sie es möchten. Und damit Kinder eine gute Bildungschacne bekommen.

    Ihren letzen Absatz verstehe ich nicht. vielleicht mögen sie den nochmal genauer erklären.

    daß es solche auffassungen wie die ihren wirklich noch gibt! ich weiß ja nicht, in welcher realität sie leben oder in welcher zeitschleife sie hängen geblieben sind. aber ich bin in einer zeit groß geworden, in der frauen gefördert wurden, in gewissem sinne gleich erzogen wie die jungen, ihren interessen gemäß, sogar stärker in richtung auf naturwissenschaften und technik. und da ich bereits zur zweiten generation gehörte, der das widerfuhr, konnte ich bereits auf eine müttergeneration zurückgreifen, die stolz auf das von ihnen erreichte war und mich daran orientieren. und mathematik und logik hat auch mich begeistert und ich ließ mich gerne darauf ein, nicht nur nicht behindert, sondern durch arbeitsgemeinschaften etc. schon in der kindheit und später in ausbildung, studium und beruf gefördert.
    dies fand freilich in der vielgescholtenen ddr statt. nach der "wende" aber fand ich mich trotz vielmaliger anläufe, weiterbildungen etc. zurückgeworfen allein auf die rolle als frau. nicht ernst genommen mit meinen formellen qualifikationen und den zugehörigen erfahrungen. gedrängt in den sozialbereich, der nun schon einige jahre sukzessive niedergewalzt wird - gegen alle logik, denn gerade der sozialbereich wäre wichtig zu stärken für unsere gesellschaft. und man wundert sich und wundert sich über die ergebnisse, die das bringt. und ich frage mich mitunter, wo ich denn hier gelandet bin. in die steinzeit zurückgefallen, ins mittelalter oder vllt. nach schilda?

  3. Schlüsselkompetenz mittels Quote in die Cheffetage katapultiert....bin ich mal gespannt.

  4. Familiengründen und Mutterwerden. Mit solche Anwälten? Da muss man ja nur auf den Namen schauen.

  5. Der Aufstieg dauert eben 20 Jahre und wenn erst vor 10 Jahren angefangen wurde Karrieremuster zu durchbrechen und Frauen verstärkt auszubilden, dann dauert es noch 10 Jahre, bis sie in den Führungsetagen angekommen sind.

    Warum sollen Frauen schneller Karriere machen als Männer?

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    • Buh
    • 04.08.2010 um 12:47 Uhr

    ..Sie behaupten also es gibt nicht genug qualifizierte Frauen. Das ist erstens Falsch. es gibt sehr viele qulifizierte Fruaen die niemals eine chance erhalten. sie bleiben auf ihrer position während ihre möännlichen Kollegen besser bezahl und schneller befördert werden. Zum zweiten werden , sollange es keine Führungsrollen gibt die mit frauen ebsetzt sind (bzw nicht gleichviele oder annhrend gleich viele) sich nicht weiterhin Frauen in diesen rollens ehen können und dahinarbeiten. Das gleiche sit doch beim mann auch der fall. es gibt eniger Männer in "Frauenberufen" weil sie eben als solche etabliert sind, und man als Mann nunmal eher in Möänenrberufe gedrängt wird. Diese sind aber nunmal mesit auch solche in führungspositionen. Also hart umkämpft und von Männlicher Kollegialität bestimmt.
    Das kann NUR durch Quoten durchbrochen werden.

    • Buh
    • 04.08.2010 um 12:47 Uhr

    ..Sie behaupten also es gibt nicht genug qualifizierte Frauen. Das ist erstens Falsch. es gibt sehr viele qulifizierte Fruaen die niemals eine chance erhalten. sie bleiben auf ihrer position während ihre möännlichen Kollegen besser bezahl und schneller befördert werden. Zum zweiten werden , sollange es keine Führungsrollen gibt die mit frauen ebsetzt sind (bzw nicht gleichviele oder annhrend gleich viele) sich nicht weiterhin Frauen in diesen rollens ehen können und dahinarbeiten. Das gleiche sit doch beim mann auch der fall. es gibt eniger Männer in "Frauenberufen" weil sie eben als solche etabliert sind, und man als Mann nunmal eher in Möänenrberufe gedrängt wird. Diese sind aber nunmal mesit auch solche in führungspositionen. Also hart umkämpft und von Männlicher Kollegialität bestimmt.
    Das kann NUR durch Quoten durchbrochen werden.

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