Film "Mother" Mutters Liebe

Der großartige koreanische Psychothriller »Mother«.

Die Koreanerin Kim Hye-ja spielt eine verzweifelte Mutter, die die Unschuld ihres Sohnes beweisen will

Die Koreanerin Kim Hye-ja spielt eine verzweifelte Mutter, die die Unschuld ihres Sohnes beweisen will

Vor vier Jahren drehte der koreanische Regisseur Bong Joon-ho The Host, den erfolgreichsten koreanischen Film aller Zeiten. 13 Millionen Zuschauer sahen den grandiosen Monsterfilm, der sich als Parabel auf das Verhältnis zwischen den beiden Koreas und den USA interpretieren ließ und auch im Ausland erfolgreich war. In The Host kotzte das Monster die halb verdauten Leichen der koreanischen Diktaturgeschichte aus, in Bong Joon-Hos neuem Film, dem Psychothriller Mother, begegnet man eher beiläufig den pervertierten, autoritären, hemmungslos egoistischen Seiten der koreanischen Gesellschaft.

Yoon Hye-ja (Kim Hye-ja) arbeitet als Naturheilerin in einer koreanischen Kleinstadt. Aufopferungsvoll kümmert sich die alleinstehende Mutter um ihren 27-jährigen, geistig etwas zurückgebliebenen Sohn Yoon Do-jun (Won Bin). Do-jun versucht sich der übergroßen Mutterliebe zu entziehen. Als eine Schülerin, die seine Wege kreuzte, tot aufgefunden wird, gerät Do-jun unter Mordverdacht.

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Mother erzählt von den immer verzweifelteren Bemühungen der Mutter, die Unschuld ihres Sohnes zu beweisen und den wahren Mörder zu finden. Sie trifft dabei auf: einen arroganten, eitlen Anwalt, der sich nach der Arbeit mit jungen Mädchen vergnügt und Menschen unterhalb seines Standes verachtet; einen brutalen Polizisten, dessen Verhörmethoden in der Kontinuität der früheren Militärdiktatur stehen. Sie begegnet Christen, die die Mutter des angeblichen Mörders aus der Kirche jagen, Schülern, die das ermordete Mädchen mit Reiskuchen für Sex bezahlten, und schließlich der Großmutter der Toten, einer kichernden Alkoholikerin.

Wie weit die Mutterliebe geht und ob der Sohn nur bei oder auch mit der Mutter schläft, bleibt unklar. Kim Hye-ja, eine Art Inge Meysel Südkoreas, die zuvor nur in »positiven« Rollen zu sehen war, beeindruckt als durchgedrehte Mutter, die über Leichen gehen wird, um ihren Sohn aus dem Gefängnis zu holen.

Bong Joon-ho ist nicht nur ein Psychodrama über ein extremes Mutter-Sohn-Verhältnis gelungen, er ist auch ein Meister des Suspense. In einer Szene am Anfang des Films zeigt er die Mutter beim Zerkleinern von Heilkräutern. Während sie die Pflanzen zerhäckselt, schaut sie auf die Straße und sieht, wie ihr Sohn von einem Auto angefahren wird; erschrocken schneidet sie sich in den Finger. Gegen Ende des Films gibt es die gleiche Szene noch einmal. Minutenlang schaut man der Mutter beim Schneiden zu. Sie ist verzweifelt. Voller Schrecken erwartet man, dass sie sich einen Finger abschneidet. Doch die Szene löst sich in Wohlgefallen auf.

Am Ende unternimmt die Mutter eine Bustour mit anderen älteren Menschen. Vor der untergehenden Sonne sieht man die Senioren im Bus tanzen. Die Einstellung ist von einem neben dem Bus fahrenden Auto aufgenommen und hat eine herzzerreißende Schönheit. Es ist die Feier eines liebenden Muttermonsters.

In dem Hollywood-Remake von Mother, an dem derzeit gearbeitet werden soll, wird diese Szene vermutlich fehlen.

 
Leser-Kommentare
  1. Der koreanische Originaltitel lautet doch garantiert nicht »Mother«?

    Eine Leser-Empfehlung
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    das ist eine gute Frage.

    Doch, der Film heißt auf Koreanisch "Madeo", was die koreanische Transliteration des englischen Wortes "Mother" ist.

    Im Übrigen wäre das Verwenden der romanisierten koreanischen Filmtitel wohl kaum anzuraten, das sind nämlich regelrechte Buchstabenungetüme - wer das nicht glaubt, kann ja mal ein paar koreanische Filme auf IMDB nachschlagen.

    ... sondern leider auch bei den nicks, Herr "dubliner".

    Ansonsten volle Zustimmung!

    das ist eine gute Frage.

    Doch, der Film heißt auf Koreanisch "Madeo", was die koreanische Transliteration des englischen Wortes "Mother" ist.

    Im Übrigen wäre das Verwenden der romanisierten koreanischen Filmtitel wohl kaum anzuraten, das sind nämlich regelrechte Buchstabenungetüme - wer das nicht glaubt, kann ja mal ein paar koreanische Filme auf IMDB nachschlagen.

    ... sondern leider auch bei den nicks, Herr "dubliner".

    Ansonsten volle Zustimmung!

  2. das ist eine gute Frage.

  3. Lieber Autor,

    "...den pervertierten, autoritären, hemmungslos egoistischen Seiten der koreanischen Gesellschaft."

    schon mal in Korea gewesen ?!, ist eine Reise wert....

  4. Doch, der Film heißt auf Koreanisch "Madeo", was die koreanische Transliteration des englischen Wortes "Mother" ist.

    Im Übrigen wäre das Verwenden der romanisierten koreanischen Filmtitel wohl kaum anzuraten, das sind nämlich regelrechte Buchstabenungetüme - wer das nicht glaubt, kann ja mal ein paar koreanische Filme auf IMDB nachschlagen.

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    Dem entnehme ich, daß das Wort „Mutter“ auf Koreanisch nicht „madeo“, sondern irgendwie anders heißt?
    Dann ist es also zuviel verlangt, wenn der Film im Deutschen ganz einfach „Mutter“ hieße, und unsere Sprache so dermaßen unschön und nicht sprechenswert, daß das, was man auf sonst allen anderen Sprachen ausdrücken kann, bei uns nicht funktionieren sollte. Noch nicht einmal bei einem so uralten Wort wie Mutter.
    Übrigens: schöner Artikel aus der ZEIT hierzu: http://www.zeit.de/2010/2...
    Tröstlich, daß wenigstens das Koreanische einträchtig mit der deutschen Sprache den Bach runter geht...
    Bin mal gespannt, wie die Spanier und Franzosen den Film benennen.

    Dem entnehme ich, daß das Wort „Mutter“ auf Koreanisch nicht „madeo“, sondern irgendwie anders heißt?
    Dann ist es also zuviel verlangt, wenn der Film im Deutschen ganz einfach „Mutter“ hieße, und unsere Sprache so dermaßen unschön und nicht sprechenswert, daß das, was man auf sonst allen anderen Sprachen ausdrücken kann, bei uns nicht funktionieren sollte. Noch nicht einmal bei einem so uralten Wort wie Mutter.
    Übrigens: schöner Artikel aus der ZEIT hierzu: http://www.zeit.de/2010/2...
    Tröstlich, daß wenigstens das Koreanische einträchtig mit der deutschen Sprache den Bach runter geht...
    Bin mal gespannt, wie die Spanier und Franzosen den Film benennen.

  5. Dem entnehme ich, daß das Wort „Mutter“ auf Koreanisch nicht „madeo“, sondern irgendwie anders heißt?
    Dann ist es also zuviel verlangt, wenn der Film im Deutschen ganz einfach „Mutter“ hieße, und unsere Sprache so dermaßen unschön und nicht sprechenswert, daß das, was man auf sonst allen anderen Sprachen ausdrücken kann, bei uns nicht funktionieren sollte. Noch nicht einmal bei einem so uralten Wort wie Mutter.
    Übrigens: schöner Artikel aus der ZEIT hierzu: http://www.zeit.de/2010/2...
    Tröstlich, daß wenigstens das Koreanische einträchtig mit der deutschen Sprache den Bach runter geht...
    Bin mal gespannt, wie die Spanier und Franzosen den Film benennen.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Filmtitel"
  6. ... sondern leider auch bei den nicks, Herr "dubliner".

    Ansonsten volle Zustimmung!

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  • Quelle DIE ZEIT, 05.08.2010 Nr. 32
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  • Schlagworte Film | Liebe | Inge Meysel | USA | Südkorea
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